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Apion §. 75 ist nachträglich ausgeschrieben, wie aus der Tabelle bei Brunn p. 45 zu ersehen ist. Auch der Inhalt des Fragments spricht dafür. Es ist nämlich weder von den Fundorten noch den Eigenschaften der Gemmen die Rede, sondern nur angegeben, dass sich im ägyptischen Labyrinth ein Serapiskoloss von Smaragd befinde, eine Notiz, die Apion bei Gelegenheit der Beschreibung der Labyrinthe (36, 84 ff.) und Pyramiden (36, 75 ff.) gegeben haben wird.

Orus. §. 138. Est et alia iritis, cetera similis sed praedura [hane O. crematam tusamque ad ichneumonum morsus remedio esse scripsit, nasci autem in Perside]. Zwei Gründe veranlassen mich, diese Stelle als Nachtrag, d. h. als Zusatz bei einer Ueberarbeitung anzusehen. Erstens nämlich ist der medicinische Gebrauch gegen die sonstige Ordnung vor dem Fundorte angegeben und zweitens ist Orus im Index nach Apion genannt, der erst bei der Ueberarbeitung zu Rathe gezogen worden ist. Was von diesem gilt, muss auch von jenem angenommen werden. Freilich folgen noch 2 Autoren, deren indirekte Benutzung im Gemmenlexikon wir oben konstatirten. Das erscheint als ein Widerspruch, ist es aber thatsächlich nicht. Denn die Ueberarbeitung ist eingetreten, ehe das Buch ganz vollendet war, genauer gesagt ehe Plinius die alphabetische Liste der geringeren Gemmen aus dem Griechischen übertrug, welche für einen Nachtrag kaum noch Gelegenheit bieten konnte. Eine andere Erklärung finde ich nicht.

Rekapituliren wir zum Schluss die gefundenen Resultate, so sind die im Index aufgeführten Autoren in folgender Weise benutzt:

Juba zusätzlich als Nebenquelle,

Xenocrates partienweise als Hauptquelle,

Sudines bis Sophocles indirekt durch Xenocrates,

von diesen ist aber ausserdem

Theophrast und Metrodor zusätzlich und vielleicht direkt benutzt,

Archelaus, Callistratus, Democritus, Ismenias indirekt, wie nicht zu bezweifeln sein wird,

Olympiedor und Alexander polyhistor indirekt, vielleicht aber auch wie Apion nachträglich,

Apion und Orus nachträglich als Nebenquelle,
Zoroaster und Zachalias indirekt.

Bedenken wir nun, dass die zusätzlich benutzten Autoren nicht die Quelle des Gemmenlexikons gewesen sein können und dass nur Xenocrates als Hauptautor übrig bleibt, bedenken wir ferner, dass Plinius §. 107 recentissimi auctores erwähnt, dass also auch der gesuchte Gewährsmann zu ihnen gehören muss, dass aber X. ein Autor ist, qui nuperrime scripsit vivitque adhuc, und bedenken wir schliesslich, dass X. einen grossen Theil der von Plinius indirekt benutzten Autoren zu Rathe gezogen hat, so wird man kaum noch zögern dürfen, diesen als den Verfasser des Gemmenlexikons zu erklären. Ein Anderer bleibt einfach nicht übrig. Für Xenocrates sprechen aber nicht allein diese auf negativem Wege gefundenen Indicien, sondern auch einige Textesstellen, die wir zum Schluss noch betrachten wollen. Zuförderst §. 173 (Mormorion) X. et sub Alpibus nasci tradit. Auf den ersten Blick könnte man an einen Zusatz denken, nicht zwar, weil das Fragment an unrechter Stelle steht, denn das ist nicht der Fall, aber weil überhaupt der Name des Autors genannt ist. Denn einen durchgehends benutzten Gewährsmann öfter zu nennen konnte keine Veranlassung vorliegen. Allein dieser letzteren Forderung wird im 37. B. auch genügend entsprochen. Nur zu Beginn bis §. 40 kommt der Name des X. einigemal vor, wie oben schon erwähnt worden ist, seitdem nicht wieder. An unserer Stelle aber wird die Namhaftmachung dem Plinius wie öfter nahe gelegen sein wegen der nur von einem Gewährsmann gemachten Mittheilung, der Plinius nicht vollen Glauben beimessen mochte. Das zweite Mal, wo wir eine Nachricht aus X. finden, hat Plinius diesen nicht einmal genannt, ein deutliches Zeichen, dass demselben Autor auch andere Stellen entlehnt sein werden. Diese Stelle ist §. 177: De obsiano lapide diximus superiore libro. inveniuntur et gemmae eodem nomine ac colore non solum in Aethiopia Indiaque, sed etiam in Samnio et, ut aliqui putant, in Hispania, litoribus eius oceani. Damit vergleiche man 36, 197: X. obsianum lapidem in India et in Samnio Italiae et ad oceanum in Hispania tradit nasci.

Die Entlehnung aus X. ist danach für §. 177 nicht zu be

zweifeln. Daraus folgt aber, dass auch die alphabetische Anordnung demselben Gewährsmann verdankt wird, denn einen Zusatz dürfen wir nicht annehmen, weil der Gewährsmann nicht, wie gewöhnlich, namhaft gemacht ist und weil der Name obsianus ganz genau in die Ordnung des griechischen Alphabets passt (vgl. oben).

Ueber den Titel der Schrift des X. ist Nichts und über seine Quellen wenig zu sagen. X. nennt zwar seine Gewährsmänner, aber welchem er direkt und welchem er indirekt folgt, wird nie auszumachen sein. Nur auf zwei will ich hinweisen, die er augenscheinlich eifrig zu Rathe gezogen hat, Metrodor und Democrit:

§. 34 in eadem sententia et Metrodorus fuit.

§. 178 Paneros qualis sit a M. non dicitur.

§. 69 Democritus in hoc genere ponit eqs., vgl. 146, 149, 160, 185.

Das Resultat unserer Untersuchung über die Quellen des 37. B. ist also, dass nur 2 Werke partienweise benutzt worden sind, das des Maecenas in der Einleitung und das Gemmenlexikon des Xenocrates in dem übrigen Theil des 37. B., zu denen aus Jacchus, Bocchus, Juba und Andern nur kleine Zusätze gemacht worden sind. Dies Resultat entspricht unserer im Anfang dieser Untersuchung ausgesprochenen Ansicht einer nachträglichen Zusammenstellung des 37. B. und zwar deshalb, weil alles Wesentliche einem Autor verdankt wird, der ein Zeitgenosse des Plinius ist und dessen Werk dieser vielleicht erst kennen gelernt hat, als er das 36. B. sei es mit, sei es ohne Berücksichtigung der Gemmen (vgl. oben) abgeschlossen hatte. Hätten sich bei unsrer Untersuchung mehrere gleichmässig stark benutzte Autoren herausgestellt, so hätte unsere Ansicht kaum Glauben verdient, da nicht wohl denkbar erscheint, dass mehrere Autoren, die ausführlich über Gemmen geschrieben hatten, dem Plinius anfänglich unbekannt geblieben sein sollten.

Das plinianische Künstlerlexikon.

Die kunsthistorischen Quellen des Plinius sind in den letzten Jahren wiederholt Gegenstand gelehrter Untersuchung ge

wesen. Die frühere Literatur findet man verzeichnet bei Schreiber Quaestionum de artificum aetatibus in Plinii N. H. libris relatis spec. Lips. 1872. Schreiber selbst hat die gemeinsame Quelle des chronologischen Verzeichnisses der Erzgiesser und der darauf folgenden Partie richtig erkannt, nur schliesst er zuviel, wenn er diese als eine wirkliche Kunstgeschichte ansieht. H. Brunn, dem die Entdeckung des Gesetzes der plinianischen Autorenbenutzung verdankt wird, auf dem jede weitere Forschung fussen muss (de auctorum indicibus Plinianis, Bonn 1856), hat in einer kleinen Schrift (Sitzungsberichte der phil. hist. Klasse der Münch. Akad. 1875 S. 311 ff.) einen neuen Gesichtspunkt für die Forschung aufgestellt, nämlich die verschiedene Stilistik in den kunsthist. Büchern des Plinius. Er weist unter Beachtung der stilistischen Eigenthümlichkeit einen beträchtlichen Theil der plin. Kunstgeschichte besonders im 35. B. überraschend und mit gutem Grund dem Nepos zu. Seinen Andeutungen folgt Adolf Furtwängler (Plinius und seine Quellen über die bildenden Künste. Fleckeisens Jahrbücher für Phil. 9. Supplementband). In seiner an Detail reichen Untersuchung sucht er den eigenen Antheil des Plinius sowie den des Nepos, Pasiteles und Varro nachzuweisen. Unter verschiedenen haltbaren Resultaten finden sich auch eine Reihe solcher, welche Billigung kaum finden dürften. Insbesondere glaube ich, dass die Vertheilung des Stoffes nach der künstlerischen und antiquarischen Darstellung an Pasiteles und Varro nicht vorgenommen werden kann, ohne dass eine gewisse „subjektive Willkür" eintritt. Endlich hat Urlichs (Die Quellenregister zu Plinius letzten Büchern, Würzb. 1878) unserm Gegenstande wiederum seine Aufmerksamkeit gewidmet. Erfreulich ist die besondere Beachtung, welche den übrigen Autoren jener Bücher und der Eruirung ihres Antheils mittelst des Brunnschen Gesetzes über die Indices gewidmet wird. Denn völlige Ueberzeugung kann eine Untersuchung über die kunsthist. Quellen nur dann hoffen, wenn auch die Benutzung der übrigen Quellen klar ist, ganz abgesehen davon, dass ihre Ermittlung für die der kunsthistorischen des Beweismaterials nothwendig erscheint. Weniger zu billigen erscheint uns die Absicht des Verfassers womöglich jedem im Index genannten

Autor Textesstellen zuzuweisen. Wir wissen ja doch, dass Plinius nicht bloss direkt und indirekt benutzte Autoren in jenem Index aufführt, sondern auch solche, die er nur eingesehen hat, ohne sie auszuschreiben. Dass trotz dieser nach den verschiedensten Gesichtspunkten angestellten Untersuchungen die Frage nach den kunsthist. Quellen dem Abschluss noch ziemlich fern ist, kann für Keinen, der ihr näher getreten ist, zweifelhaft sein. Man wird es daher nicht für überflüssig erklären können, wenn ich es unternehme, von einem neuen Gesichtspunkt aus an die Untersuchung heranzutreten. Ich habe in den vorhergehenden Untersuchungen (vgl. die Descriptio totius Italiae des Kaisers August und das 37. B. und seine Quellen) den Nachweis zu liefern gesucht, der von vornherein als eine Vorarbeit für die Untersuchung der kunsthist. Bücher beabsichtigt war, dass die alphabetischen Listen im 3. und letzten Buche nicht von Plinius selbst zusammengesetzt sind. Ist das aber der Fall, so drängt sich von selbst die Vermuthung auf, dass auch die alphabetischen Listen des kunsthist. Theils der N. H. nicht Eigenthum des Plinius sind. Und das lässt sich in der That auch nachweisen. Doch bevor wir hierzu schreiten, müssen wir über zwei andere Punkte sprechen, nämlich über die Indices der kunsthist. Bücher und über das Resultat, das aus ihnen mit Hülfe des Brunnschen Gesetzes gewonnen werden kann, und zweitens über die Zusätze zu den aus den kunsthistorischen Hauptquellen. Nach diesen Besprechungen wird dann im 3. Kapitel der Nachweis geliefert werden, dass Plinius ein Künstlerlexikon benützte, dessen Verfasser zu eruiren die Aufgabe des letzten Kapitels sein wird.

I.

Die Indices der Bücher 33–36.

Die Namen der medicinischen Schriftsteller werden dem Xenocrates verdankt, was oben dargelegt worden ist. Deshalb unterlassen wir es, sie hier nochmals anzuführen. Nur ihre Verbindung mit den übrigen griech. Schriftstellern ist hier noch zu betrachten. Sämmtliche griech. Autoren in den Büchern 33-35 bestehen aus je 3 Gruppen: Naturforscher, Kunstschriftsteller und medicinische Autoren.

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