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Maler der Hauptsache nach, wenn nicht aus einer einzigen Schrift, so doch aus zwei gleichartigen desselben Autors stammen, mit gutem Grund behaupten: Wie Zahlenangaben in der Geschichte der Malerei hin und wieder erwähnt werden, werden sie auch in der Geschichte der Bildhauer vorgekommen sein und ihre jetzige Abwesenheit erklärt sich einfach daraus, dass sie herausgehoben und vor der eigentlichen Geschichte zusammengestellt worden sind und zwar von Plinius selbst, weil einem Varro oder gar einem griechischen Kunstautor solche Verkehrtheiten wie die vorgekommenen nicht passirt sein würden (Schreiber 23, Furtw. 22 f.) und weil Plinius ausserdem sein sonderbares Verfahren vorher (34, 7) annoncirt hat. Er will nämlich im Zusammenhange konstatiren, dass die Blüthe der berühmtesten fictores schon lange vor Korinths Zerstörung gewesen sei, deshalb also eine Zusammenstellung der Lebenszeiten vornehmen (quapropter ponemus artificum aetates).

Für diese unsere Behauptung sollen jetzt noch mehrere Gründe vorgeführt werden. Die erste Bestätigung finden wir in dem von Schreiber 17 schon beachteten Umstande, dass die Ordnung der Künstler im Index und in den §§. 54 ff. dieselbe ist (vgl. auch oben).

Eine weitere Bestätigung haben wir in der Erwähnung des ol. Zeus. im §. 49. Wir haben schon vorher betont, dass die ähnlichen Angaben 34, 54 und 36, 18 auf eine einzige Quelle schliessen lassen. Aus derselben Quelle muss auch 34, 49 stammen. Noch viel weniger wie zu 34, 54 gehört hierher die Erwähnung des olymp. Zeus. Ausserdem ist die Fassung der Worte ähnlich jener 34, 69 erwähnten Angabe, die gleichfalls aus derselben Quelle stammt. Dort heisst es: Praxiteles marmore felicior, ideo et clarior fuit. fecit tamen et ex aere pulcherrima signa (vgl. 34, 72 Alcamenes . . . et marmorea fecit et aereum pentathlum), hier 34, 49: Phidias love Ol. facto ex ebore quidem et auro, sed et ex aere signa fecit. Diese Identität der Ausdrucksweise deutet auf eine gleichartige Quelle. Das Gleiche gilt von 34, 51: Silanion in hoc mirabile quod nullo doctore nobilis fuit, ipse discipulum habuit Zeuxiaden. Damit stimmt folgende aus dem Lexikon stammende Stelle: 34, 61 Lysippum Duris S. negat ullius

fuisse discipulum . . . (66) filios et discipulos reliquit lauda

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Die aemuli und theilweise auch die discipuli werden in der Olympiade von Plin. mit aufgezählt, in welcher er einen Meister wegen eines gleichzeitigen Faktums oder eines datirten bedeutenden Werks aufgeführt hatte. (Urlichs Chrest. p. 316. Schreiber 21. Furtw. 21). Aemuli und discipuli fand aber Plin. voraussetzlich bei jedem bedeutenden Meister im Lexikon angegeben. So z. B. noch §. 60 bei Pythagoras Samius, §. 61 bei Lysipp, dgl. im 35. B. bei Zeuxis §. 64, Parrhasius §. 75, Apelles §§. 98 u. 101. 107. 108, Nicomachus §. 110, Apelles und Aristides §. 111, Euphranor §. 130, Pausias §. 137. Auch aus diesem Umstande können wir ein Beweismoment für einen gemeinsamen Ursprung des Index und des Lexikons gewinnen. Es ist nämlich auffallend, dass gerade bei den Künstlern, deren Schüler und Zeitgenossen im Index angegeben werden, in der ausführlichen Darstellung ihrer keine Erwähnung mehr gethan wird. So bei Phidias §. 54, Polyklet §. 55, Myron §. 57. Warum ist gerade bei diesen Meistern ein solcher Mangel zu konstatiren? Man könnte zwar so erklären: Weil Plin. Schüler und Zeitgenossen aus einer andern Quelle schon ein Index genannt hat, wiederholt er sie später nicht mehr. Allein wozu eine zweite annehmen, wenn wir mit einer ausreichen? Also ist einfacher zu erklären: Weil Plin. jene Namen schon bei der Zusammenstellung des Index aus seiner Quelle ausgeschrieben hat, unterlässt er ihre Wiederholung an der zweiten Stelle. Umgekehrt lässt Plin. bei Lysipp §. 61 die Schüler nicht aus, weil er im Index den Schulzusammenhang nicht angegeben hatte. Dass trotzdem in beiden Erwähnungen dieselbe Quelle vorliegt, braucht man nicht zu bezweifeln. Zunächst ist klar, dass Plin. im Index deshalb eine andere Konstellation vornahm, weil er für Euthycrates ein eigenes Datum gefunden hatte. Damit rückte dieser aus der Schülerstellung in eine mehr selbständige und demgemäss mussten die übrigen Schüler Lysipps diesem bevorzugten als gleichzeitig der 121. Ol. beigefügt werden. Zu Lysipp gehörten dann aber nicht seine Schüler, sondern seine Altersgenossen; bei der Erwähnung des Lysistratus war das letztere Verhältniss massgebend. In

Kürze den Schulzusammenhang im Index aufrecht zu erhalten war nicht gut möglich. Doch mag diese unsere Erklärung des Sachverhalts der Wirklichkeit genau entsprechen oder nicht, das Eine ist hier mit voller Sicherheit zu behaupten, dass Plin. bei der Zusammensetzung des Index die Stellen über Lysipp und seine Genossen, welche aus dem Lexikon stammen, vor Augen gehabt haben muss. Das lässt sich noch besonders begründen durch die zweimalige falsche Schreibung Laippus. Im Index und §. 66 weist uns die handschriftliche Ueberlieferung ohne allen Zweifel auf den Anfangsbuchstaben L, während der Name nach dem alphabetischen Verzeichniss §. 87 und nach des Pausanias Angaben richtig mit D zu schreiben ist. Warum Schreiber p. 17 Anm. 17 auf diesen Beweisgrund verzichtet, ist mir nicht recht klar. Es kann unmöglich anders angenommen werden, als dass Plin. diesen Fehler schon in seiner Quelle fand. Dass aber zwei Quellen den gleichen Fehler gemacht haben oder dass derselbe Autor zweimal über die Zeitgenossen und Schüler des Lysipp gesprochen habe, ist nicht denkbar, also bleibt nur die Annahme übrig, dass Plin. oder vielmehr der römische Vermittler am Schluss der Darstellung über Lysipp einmal und nur einmal falsch gelesen oder den Text fehlerhaft gefunden hat und dass Plin. dann, weil er an zwei Stellen über die Zeitgenossenschaft zu sprechen hatte, diesen Fehler auch zweimal aus seiner Quelle herüber genommen hat. Für diese Annahme, die an und für sich als richtig gelten darf, haben wir, wie oben erwähnt, noch eine Bestätigung darin, dass Plin. den Daipp nicht mehr als Schüler des Lysipp erkannt hat. Denn da er offenbar einigemale die Werke der Schüler oder anderer nebenbei erwähnter Künstler gleich hinter denen der Hauptmeister aufzählt (z. B. Pythagoras §. 60, Euthycrates §. 66, Tisicrates §. 67, Calamis §. 71, Eupomp 35, 75, Pamphilus 35, 76, Philoxenus 35, 110 u. s. w.), diese aber nicht bei der Schülerangabe, sondern im Lexikon zu finden waren, so hat er dieses also befragt. Ebenso wird er auch bei Laipp nachgesehn und natürlich Nichts gefunden haben und deshalb sind die Werke Daipps weder hier noch im II. Rang aufgeführt, wo man sie mit Grund erwarten durfte (vgl. oben).

Wir sind demnach, freilich mit theilweise neuen Gründen, zu demselben Resultat gelangt wie Schreiber 22., auf dessen c. II ich ausdrücklich verweise, nämlich dem, dass das chronologische Verzeichniss §. 49 ff. und die §§. 54 ff. aus der gleichen Quelle stammen; nur ist diese nicht eine wirkliche Kunstgeschichte, wie Schreiber wollte, sondern ein Künstlerlexikon. Wir haben zum Schluss das Cälatorenverzeichniss zu betrachten. Die Künstler sind nach dem I., II., III. Rang abgeschieden gerade wie im Erzgiesserverzeichniss. Wir werden demnach wie dort sicher eine selbständige Rangeintheilung vorauszusetzen haben, wenn dafür auch kein besonderer Nachweis geliefert werden kann. Es wird aber noch weiter vorauszusetzen sein, dass die Cälatoren ürsprünglich mit den Fiktoren in einem Lexikon vereinigt waren. Das macht allein schon wahrscheinlich die Anwendung des Wortes toreutice bei den Urtheilen über Phidias und Polyklet, welches die gesammte Plastik bedeutet. Denn es nicht anzunehmen, dass der griechische Verfasser des Fiktorenlexikons diesen Ausdruck dort angewendet haben würde, wenn er die Cälatoren, die Toreuten im engern Sinne, auszusondern die Absicht gehabt hätte. Dafür spricht ferner, dass bei allen Cälatoren, von denen Plin. Erz- und Marmorwerke erwähnt, auf ihre cälatorische Thätigkeit hingedeutet wird. So bei Boethus 34, 84, Stratonicus 34, 85 u. 90, Ariston 34, 85, Posidonius 34, 91, Calamis 36, 36. Nur in der letzten Stelle haben wir eine andere Quelle als das Künstlerlexikon, nämlich die römische museographische (horti Serviliani). Dieser Hinweis würde von Plin. nicht, wenigstens nicht durchgehend gemacht worden sein, wenn er in seiner Quelle nicht schon darüber Nachrichten gefunden hätte. Auffallend ist in unserm Verzeichniss nur die Erwähnung des Pasiteles circa Pompei M. aetatem. Zunächst wegen der Zeitangabe. Nur eine einzige Stelle lässt sich mit dieser vergleichen: 34, 51 Ol. CXIII Lysippus fuit, cum et Alexander M. Allein hier haben wir ausser der allgemeinen Zeitangabe auch die Olympiade. Unsere Angabe ist also durchaus abweichend von den sonstigen in jenem Lexikon befindlichen. Ferner aber steht Pasiteles selbst ganz gegen unsere Erwartung in der alphabetischen Liste. Die Zeit, aus

welcher Künstler dort aufgenommen sind, ist begrenzt einerseits ungefähr durch die 83. Ol., andererseits durch die 156. Die zweite Grenze ist aber vermuthlich noch bedeutend zurückzuschieben. Danach kann Pasiteles von der ursprünglichen Quelle in jenes Lexikon nicht aufgenommen worden sein. Man könnte an ein Verderbniss des Textes denken. Die Uebereinstimmung der Codices lässt dies aber kaum zu. Zu dem stimmt auch die Zeitangabe zu gut für Pasiteles, vgl. 33, 130; 36, 39. Wenn nun aber kein Versehn der Hs. vorliegt, sind wir genöthigt einen Zusatz zu konstatiren. Es fragt sich nur, Von wem ist er gemacht, von Plin. oder seinem römischen Gewährsmann? Das Letztere ist unwahrscheinlich. Schon die Worte circa Pompei M. aetatem sprechen dagegen. Der Gewährsmann des Plin., der nach Allem der Zeit des Pompejus nahe steht, konnte sich so nicht äussern. Dann scheint derselbe aber auch die griechische Künstlerliste nur umgearbeitet, nicht aber neue Künstler hinzugefügt zu haben. Andernfalls wäre es nämlich gar nicht erklärlich, warum eine Reihe von späteren Künstlern erst nach der alphabetischen Aufzählung genannt werden, z. B. in unserer Liste Pytheas und Teucer. Demnach dürfen wir wohl annehmen, dass Plinius ausnahmsweise selbständig den Pasiteles in die Liste einflocht, veranlasst vielleicht durch die Bedeutung des Künstlers, die er aus verschiedenen Angaben seines römischen Autors erkannt hatte. Doch mag Plinius oder sein Gewährsmann den Zusatz gemacht haben, soviel dürfen wir, nebenbei gesagt, aus der Zeitangabe mit Sicherheit schliessen, dass Pasiteles nicht noch 20 Jahre nach Pompejus gelebt hat. Nach 36, 39 muss man sogar eher geneigt sein den Künstler als einen älteren Zeitgenossen des Pompejus anzusehen.

IV.

Der römische Herausgeber des Künstlerlexikons.

Wir haben einen römischen Vermittler des griechischen Lexikons anzunehmen. Aus den vielen Beweisgründen, welche für diese Behauptung beigebracht werden können, wähle ich nur einen aus, der vollständig genügen dürfte. Dieser ist die umgekehrte römisch-alphabetische Aufzählung der Malerinnen;

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