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Timarete, Irene, Calypso, Aristarete. Dass eine solche Ordnung von Plinius nicht beabsichtigt sein kann, ist oben bemerkt worden. Aus der Reihenfolge geht aber hervor, dass die Künstlerinnen nach dem römischen Alphabet geordnet waren, nach welchem C vor I steht; nach dem griechischen wäre die Folge umgekehrt. Demnach kann von den 3 Hauptautoren des Plinius Varro, Nepos, Pasiteles, der letzte für das Lexikon nicht mehr als direkte Quelle des Plinius in Betracht kommen. Man könnte nun freilich noch sagen, dass Pasiteles möglicherweise der Verfasser des griechischen Lexikons sei. Da wir uns aber von Anfang an vorgenommen haben die Frage nach dem griechischen Verfasser beiseite zu lassen, so gehen wir auch auf die pasitelischen Fragmente bei Plinius nicht näher ein, wiewohl ihre Eruirung eine interessante Aufgabe ist. Im Allgemeinen darf man Furtwängler Recht geben, der bei Missverständnissen aus dem Griechischen Pasiteles als Quelle des Plinius statuirt. Im Einzelnen freilich muss Vieles modificirt werden, da die Basis der Forschung durch unsere Untersuchung, wenn sie sich bewährt, eine andere geworden ist.

Nepos ist im 36. B. wahrscheinlich nicht vor §. 48 benutzt worden, also kann er nicht wohl der Vermittler des Lexikons sein, da dieses schon vorher von Plinius ausgeschrieben ist. Gegen ihn spricht ferner, dass nicht er, sondern Varro citirt wird in Stellen, wo eine Benutzung des Lexikons vorliegt. Ueberhaupt ist seine ganze Schriftstellerei derart, dass wir von ihm absehen müssen. Es ist nicht nöthig, hier dies näher zu entwickeln, da noch Niemand auf den Gedanken einer so ausgedehnten Benutzung des Nepos durch Plinius gekommen ist und wohl auch nicht kommen wird. Auf ihn gehen nur die anekdotenhaften Berichte in der Künstlergeschichte zurück, was nach der Untersuchung Brunns nicht mehr bezweifelt werden darf. Die stilistische Uebereinstimmung der genannten plinianischen Partien mit den Feldherrnbiographien des Nepos ist ein genügender Grund zu dieser Annahme. Furtwängler, der die Beweisfähigkeit der Stilistik unterschätzt, sucht für die nepotische Autorschaft ein Citat zu verwerthen, was gar nicht nöthig war. Dass die Schlüsse, die er aus diesem Citat zieht, nicht stichhaltig sind, ist schon von Urlichs 13 kurz angedeutet

worden. Das Brunnsche Resultat bleibt trotzdem, wie schon angedeutet, in voller Giltigkeit bestehen. Das in Frage kommende Citat ist 35, 16: Eephantus, hunc eodem nomine alium fuisse quam quem tradit Corn. N. secutum in Italiam Damaratum. . . fugientem a Corintho . . . Furtwängler meint (S. 25), dieses Citat könne Plinius nicht wohl besonders bei Nepos nachgeschlagen oder aus seinen Notizen nachgetragen haben, also müsse auch das Vorhergehende demselben Gewährsmann entnommen sein. Der Schluss scheint mir nicht gerechtfertigt. Allerdings schlägt Plin. solcher Angaben wegen nicht bei einem andern Autor nach (an andern Stellen nimmt Furtwängler aber diesen Fall an!) und ebenso wenig ist unsere Stelle ein Nachtrag. Ist aber nicht noch eine dritte Möglichkeit vorhanden, nämlich die, dass Plinius 2 Berichte vor Augen hatte? Plinius verarbeitet freilich die verschiedenen Quellen nicht, aber dass er sie gleichzeitig benutzt, steht ausser Zweifel. So z. B. in der Chorographie Italiens August und Varro. Demnach dürfen wir getrost die Möglichkeit annehmen, dass Plinius als er bei der Ausschreibung einer andern Quelle bis zu Ecphantus gekommen war, die Bemerkung des Nepos hier eintrug. Unsere Annahme ist aber nicht bloss möglich, sondern wahrscheinlich. Denn das Citat besagt offenbar nur, wie Urlichs 13 richtig bemerkt, dass Ecphantus, ein Begleiter des Damarat die Malerei nach Italien gebracht habe, ganz entsprechend der Angabe 35, 152, andere Begleiter des Damarat hätten die plastice in Italien eingeführt. Man wird nicht fehlgehen, wenn man mit Urlichs für beide Stellen denselben Gewährsmann annimmt. Ist das aber richtig, dann haben wir ein genügendes Zeugniss dafür, dass Plinius 35, 16 zwei verschiedene Berichte vor Augen hatte. Im §. 151 f. haben wir nämlich sicher zwei besondere Berichte über die Erfindung der plastice (cf. unten). Nach dem ersten ist der Erfinder Butades, nach dem zweiten Rhoecus und Theodorus. Die letztere Stelle ist aber ein Zusatz zu den Angaben des Hauptgewährsmannes, denn vorher und nachher ist von Butades die Rede. Unter sunt qui haben wir Nepos zu verstehen. Furtwängler (58) meint zwar, es müsste hier Varro die Quelle sein, weil Plinius §. 16 Ecphantus mit Damarat gehen liess. Allein dort hatte er die übrigen Begleiter gar

nicht zu nennen, weil sie nicht Maler waren, cf. Urlichs 13. Anm. Wenn nun Plin. §. 152 nepotische Angaben mit denen seines Hauptautors vergleicht, haben wir keinen Grund für §. 16 ein anderes Verhältniss anzunehmen. Demnach hat Plinius an dieser Stelle aus seiner Hauptquelle den Bericht über die Erfindung des Ecphantus, aus Nepos nur die Angabe über die Einführung der Malerei in Italien durch Ecphantus, den er aber nicht mit jenem vorhergenannten identificiren will, weil, wie Furtwängler S. 26 nach Urlichs Chr. im Uebrigen richtig bemerkt, die Malerei vor diesem Zeitpunkt in Italien nach seiner Ansicht bereits vollendet gewesen sei.

Damit schwindet die Basis für die weitere Beweisführung Furtwänglers. Es kann also Nepos ebensowenig als Gewährsmann für die Fortsetzung der Malergeschichte §. 56 ff. angenommen werden, als er es für die Anfänge derselben §. 15 f. war. Die nepotischen Künstlerbiographien werden sonach wie die Lebensbeschreibungen der Feldherren einer Einleitung entbehrt haben. Als Gewährsmann des Plinius für die Anfänge der Malergeschichte werden wir Varro voraussetzen müssen. Er hatte, wie Furtwängler 36 ff. zeigt, über den Ursprung der Plastik geschrieben, ferner über den Ursprung der Marmorbildhauerei. Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass er sich auch vielleicht in derselben Schrift über den Ursprung der Malerei geäussert habe.

Da nun also weder Pasiteles noch Nepos der Vermittler des Künstlerlexikons sein kann, bleibt nur Varro übrig. Dessen Autorschaft bezeugen ausserdem noch zwei andere Umstände. Erstens nämlich sind unter den die republikanische Zeit betreffenden Zusätzen mehrere varronischen Ursprungs (fr. 42. 61 auch 48), die mit dem Bericht der Hauptquelle enger zusammenhängen, als dies gewöhnlich bei selbständigen plinianischen Zusätzen der Fall ist (cf. fr. 53). Daraus folgt, dass schon Varro diese Zusätze gemacht, und daraus wieder, dass er auch das Künstlerlexikon bearbeitet hat. Der zweite völlig entscheidende Grund ist das Citat bei Polyklet 34, 56 (quadrata tamen esse ea (signa) ait Varro et paene ad exemplum). Dass nicht bloss das Citat auf Varro zurückgeht, sondern das ganze Urtheil derselben Quelle angehört, hat Furtwängler 67

gut nachgewiesen. Plinius hat wie so oft den Tadel, der nach seiner Meinung gegen Polyklet ausgesprochen wird, nicht auf sich nehmen wollen, sondern durch Nennung seines Gewährsmannes die Verantwortung auf diesen gewälzt. An einer andern Stelle freilich 35, 64 spricht er gegen Zeuxis einen ähnlichen Tadel aus (reprehenditur tamen ceu grandior in capitibus etc.), ohne seinen Gewährsmann namhaft zu machen, wahrscheinlich weil er ihn für gerechtfertigt hielt. Wenn nun aber das ganze Urtheil über Polyklet aus Varro entlehnt ist, so sind es auch die übrigen über Phidias, Myron u. s. w., da sie in einem engen Zusammenhange stehen. Diese Urtheile stammen aber, wie oben gezeigt ist, zunächst aus dem Künstlerlexikon ; deshalb muss Varro der Verfasser oder genauer der römische Herausgeber desselben sein.

Damit sind wir eigentlich mit unserer Aufgabe zu Ende. Denn etwa noch nachweisen zu wollen, welchen Titel das varronische Werk gehabt habe, ist nach Ritschls richtiger Bemerkung (Rh. Mus. N. F. VI, 514 Anm.) eine vergebliche Mühe. Nur das Eine darf man wohl behaupten, dass das Lexikon eine speciell kunsthistorische Schrift war, womit nicht gesagt sein soll, dass es nicht ein Theil eines grösseren Werkes gewesen sein kann. Wir dürfen ferner sagen, dass Varro zwar einzelne Zusätze zu seiner griechischen Vorlage gemacht hat (so die meisten oben unter D. aufgeführten fr.), dass diese Zusätze aber nur die schon in seiner Quelle genannten Künstler betrafen. Selbständig scheint er dort übergangene oder spätere Künstler nicht hinzugefügt zu haben (über Pasiteles vgl. oben). Denn seine Zeitgenossen hat er offenbar in einer andern Schrift behandelt (cf. Furtw. 56 ff., gegen den nur zu erinnern ist, dass 34, 154 (Mentor), cf. fr. 42, u. 35, 113 schon im Lexikon hinzugefügt sein können) und ebenso den Ursprung der Plastik, Marmorbildhauerei und Malerei oder was sonst noch auf ihn zurückgeht. Ueber die letzterwähnten Punkte hat zwar schon Furtwängler gehandelt, jedoch nicht so, dass man durchweg seiner Ansicht beipflichten könnte. Deshalb will ich zum Schluss noch ganz kurz diejenigen Stellen bezeichnen, welche nach meiner Ansicht varronischen Ursprungs sind.

Vorausgeschickt sei, dass die plinianischen Angaben über

den Ursprung und die Hauptvertreter der Enkaustik (Furtw. 61 ff.) möglicherweise aus Varro stammen, ihre Entlehnung aber bis jetzt nicht erwiesen ist. §. 125 stammt allerdings wahrscheinlich aus Varro, aber die Stelle ist ein Zusatz (cf. fr. 55), wenigstens aus einer andern Schrift dieses Autors. Demnach ist nicht ganz sicher, ob die Umgebung demselben Schriftsteller entnommen ist. Ich erkenne zum Theil nepotischen Ursprung, doch soll das unentschieden bleiben. Die Kombinationen also, die Furtwängler p. 64 an §. 125 knüpft, sind nicht gerechtfertigt.

1.

Ursprung der Plastik. 35, 15 ff. handelt über Butades. Zu Anfang von §. 152 macht Plinius, wie wir oben. gesehen haben, einen Zusatz aus Nepos über die Künstler Rhoecus und Theodorus. Wie kommt Plinius dazu, seine Darstellung zu unterbrechen? Offenbar ist er dazu veranlasst worden durch widersprechenden Bericht seiner Quellen. Eine andere Erklärung halte ich für unmöglich. Wenn nun der eine Bericht der sunt qui i. e. des Nepos dem Rhoecus und Theodorus die Erfindung der plastice zuschreibt, so muss vorher von demselben Gegenstande gesprochen sein, das heisst, der andere Gewährsmann muss dem Butades jene Erfindung zugeschrieben haben. Ich begreife nicht, wie Furtwängler dazu kommt, das zu leugnen. Allerdings drückt sich Plinius an der ersten Stelle nicht mit denselben Worten aus, aber der Inhalt, seiner Worte ist derselbe. Er sagt: fingere ex argilla similitudines Butades Sicyonius figulus primus invenit. Nach Furtwängler 59 ist hier nicht gesagt, dass Butades die Plastik erfunden habe, vielmehr die Portraitkunst, denn die Töpferei hätten Andere vor ihm erfunden, da er ausdrücklich schon als figulus bezeichnet werde. Hier ist offenbar Töpferei und Plastik als ein Begriff gefasst. Ein Blick in Silligs Indices hätte vor dieser Verwechslung schützen können. Dort war zu finden 1) figlinas fabricas Coroebus Atheniensis invenit 7, 198 und 2) durant ibi plastica opera etiamnum plerisque in locis talia simulacra. fastigia templorum 35, 158. Diese zwei Stellen genügen doch wohl, um einzusehen, dass Plastik mehr bedeutete als blosse Töpferei. Demnach haben wir die plinianische Angabe genau so zu interpretiren, wie es der Ge

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