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stammen, dann fragt sich zunächst, soll Vitruv als Hauptoder Nebenquelle angesehen werden. Detlefsen meint S. 434 das Erstere. Dem widerspricht aber doch der gewaltige Umfang der Fragmente. Wir müssen im Gegentheil nothwendig das Letztere annehmen. Demgemäss muss Vitruv nicht bloss sehr oft wörtlich, sondern auch partienweise ausgeschrieben sein. Partienweise ist aber Vitruv sicher nicht benutzt. Im Gegentheil müsste Plinius zusammenhängende Stellen öfter aus verschiedenen Abschnitten des Vitruv zusammengestellt haben. So Plin. 16, 196, 197 aus Vitr. 2, 9, 7. 17. 13. Plin. 31, 44 ff. aus Vitr. 8, 1, 3. 1. 4 f. 2. Plin. 31, 57 ff. aus Vitr. 8, 7 (6), 10. 8. 1. 3. 4 und 8, 3, 4. Plin. 33, 121 f. aus Vitruv 7, 9, 5. 2. 3. Plin. 36, 176 ff. aus Vitr. 7, 3, 6; 7, 4, 1; 7, 3, 10; 4, 1, 6. 8; 4, 7, 2; 4, 1, 8 ff.; 4, 1, 11. 1; 4, 7, 2; 4, 1, 7; Plin. 36, 186 ff. aus Vitr. 7, 1, 5. 6. 2. 3. 4; 7, 4, 4. 5. Das ist keine partienweise Benutzung; einer solchen Excerptensammlung widerspricht die oben betonte Art der Quellenbenutzung des Plinius vollständig. Zudem müssten auch die Zusätze zu diesen aus Vitruv stammen sollenden Angaben als solche erkenntlich sein. Das sind sie aber nicht durchweg, wie sich weiter unten noch zeigen wird.

7, 2, 1;

Doch nehmen wir einmal mit Detlefsen den ganz unwahrscheinlichen Fall an, dass Vitruv erst nachträglich benutzt, also eine Nebenquelle sei. Wo bleibt da die erforderliche selbständige Satzbildung der einzelnen Fragmente? Einige könnte man ja zur Noth als Einschiebsel anerkennen, aber eine grössere Anzahl nicht, z. B. 16, 45; 31, 46; 31, 47; 31, 59; 35, 41; 36, 47; 36, 174; diese Stellen liessen sich leicht vermehren, wenn man den logischen Zusammenhang beachtet.

Gegen eine Entlehnung aus Vitruv, mag man ihn als Haupt- oder als Nebenquelle ansehen, spricht schliesslich die wenig wörtliche Uebereinstimmung der Parallelstellen. Ich verweise hier nochmals auf die so häufige wörtliche Uebereinstimmung des Plinius und Mela, aus welcher noch eine grössere des Plinius und Varro zu erschliessen war, und speciell auf das im Abschnitt über die Excerpirmethode des Plinius ausgeschriebene Kapitel des Cato. Wir sahen deutlich,

wie Plinius nicht bloss einzelne Worte, sondern ganze Satzkonstruktionen entlehnt. Und nur ein solches Verfahren kann

man wörtliche Uebereinstimmung nennen. Detlefsen spricht zwar auch von einer solchen, er fasst aber diesen Begriff nicht so streng wie wir, denn er versteht darunter schon die Anwendung derselben oder synonymer Worte. Was wir verlangen müssen, ist in jenen Konkordanzen nur in sehr wenigen Stellen der Fall. So Plin. 16, 218 f. fagus et cerrus celeriter marcescunt. . . ulmus et fraxinus lentae; (31, 44 kaum) 31, 48 sabulum masculum et harena carbunculus certas stabilesque; 31, 49 tunc secundum puteum dextra ac sinistra fodiunt aestuaria und cum ad aquam ventum est; 31, 57 calce viva ex oleo ... in centenos pedes sicilici; 33, 122 candelis ac deinde linteis puris; 35, 172 murum Athenis qui ad montem Hymettum spectat, Patris aedes Iovis et Herculis; 35, 173 excisum opus tectorium . . . Varro; 36, 167 dentata serra secatur; 36, 173 calcis quam vehementissimae; 36, 174; 36, 175 fluviatili aut marinae . . . melior materia und 36, 188. Mehr Stellen möchte ich nicht als wörtlich übereinstimmend bezeichnen. Es sind also verhältnissmässig wenig. Aber selbst wenn alle aufgezählten Fragmente derartig beschaffen werden, was sie zum grossen Theil nicht sind, so wäre damit durchaus noch nicht der Schluss gerechtfertigt, dass sie aus Vitruv stammen. Die Analogie mit Mela mahnt uns zur Vorsicht.

...

C. Der dritte Grund gegen die Hypothese Detlefsens ist die Wahrscheinlichkeit einer Quellengemeinschaft des Plinius und Vitruv. Ich merke an, dass ich mit meiner Behauptung nicht die Möglichkeit ausgeschlossen haben will, dass Plinius dieselbe Quelle zuweilen durch einen Mittelsmann benutzt. Die genannte Wahrscheinlichkeit ergiebt sich nun bei genauer Betrachtung der Konkordanzen theils dadurch, dass Plinius ausführlicher ist als Vitruv und zwar in den meisten Stellen, theils durch die Unterschiede einzelner Nachrichten und in der Anordnung, welche bei direkter Benutzung Vitruvs nicht wohl zu erklären sind. Wir werden bei der Besprechung der einzelnen Konkordanzen der Bequemlichkeit wegen der Anordnung Detlefsens folgen.

ad 16, 45. Plinius führt von §. 38 an 6 Arten von Bäu

men in Europa auf, quae picem ferunt, nämlich pinus, pinaster, picea, abies, larix, taeda. Im §. 45 heisst es dann von allen diesen Arten: omnia autem haec genera accensa fuligine inmodica carbonem repente expuunt cum eruptionis crepitu eiaculanturque longe excepta larice quae nec ardet nec carbonem facit. D. erklärt die Worte von larice an als Zusatz aus Vitruv. Das geht unmöglich an. Ich will ganz davon absehen, dass die enge Satzverbindung gegen einen Zusatz spricht (vgl. oben). Schon der Gewährsmann des Plinius musste die larix von seiner Behauptung ausnehmen, denn es ist gar kein Grund zu der Annahme vorhanden, dass er nicht gewissenhaft sei. Wir dürfen das um so sicherer behaupten, als im Folgenden augenscheinlich dieselbe ausführliche Quelle vorliegt. Ausserdem ist es doch wohl an und für sich höchst unwahrscheinlich, dass Plinius zu einer so ausführlichen Quelle, wie sie ihm hier vorlag, aus Vitruv Zusätze gemacht haben sollte, der nur ganz nebenbei und wenig ausführlich über denselben Gegenstand spricht. Auch hätte Plinius seine Behauptung §. 43 situs idem i. e. in excelso montium (cf. 245) nach Vitruv korrigiren müssen, welcher die larix am Po und an den Küsten des hadriatischen Meeres wachsen lässt. Ebenso hätte Plinius die Bemerkung über Caesar (Vitr. 2, 9, 15) kaum ausgelassen, wenn er Vitruv ausgeschrieben hätte.

ad 16, 192. Ueber das Fällen des Bauholzes giebt Plinius von §. 188 an Vorschriften, die denen des Vitruv nicht unähnlich sind. Niemand wird aber behaupten wollen, dass er den Letzteren benutzt hat, denn seine Angaben sind genauer. Am Schlusse seiner Vorschriften folgen die Worte §. 192, welche D. als aus Vitruv entlehnt annimmt. Dagegen spricht aber sachlich dreierlei: 1) Plinius ist im Vorhergehenden genauer als Vitruv und Zusätze aus einem weniger genauen Schriftsteller sind unwahrscheinlich. 2) Plinius sagt non inutiliter, Vitruv oportet. Das ist ein gewaltiger Unterschied. Eine derartige Interpretation von oportet haben wir dem Plinius nicht zuzutrauen. Der Fachmann Vitruv durfte die voraussetzlich beiden gemeinsame Quelle wohl ändern, nicht aber Plinius. 3) Plinius bezeichnet den Gewährsmann von §. 192 mit aliqui. Darunter sei, meint Detlefsen, Vitruv zu verstehen. Wenn wir aber gleich

im Folgenden §. 193 u. 194 Cato und Varro citirt finden, dürfte die Annahme doch wohl sehr unwahrscheinlich sein, dass Plinius die Autorschaft Vitruvs so allgemein angegeben habe. Er würde vielmehr, wenn er diesen überhaupt ausgeschrieben hätte, sich sicher ähnlich ausgedrückt haben wie 194 Schluss.

ad 16, 196a. Die Worte haec qua diximus ratione haben bei Vitruv keine Entsprechung. Detlefsen sucht sie hineinzubringen dadurch, dass er statt decorticatur ein sonst nicht belegtes Wort detoratur setzt. Allein Plinius weist auf etwas Vorhergesagtes hin. Von Entsplinten ist aber früher nicht die Rede, sondern nur von Entrinden §. 188, also muss decorticatur beibehalten werden. Dann hat aber Plinius mehr als Vitruv, also nicht aus ihm entlehnt.

ad 16, 196 b. Bei Plinius ist diese Stelle eng mit dem Vorhergehenden verbunden (ideo). Vitruv dagegen spricht 2, 9, 6 ff. von der abies und den übrigen Bäumen; ganz losgetrennt davon folgt die Konkordanz zu Plinius 16, 196 b, nämlich 2, 9, 17, vielleicht eine eigere Bemerkung des Vitruv. Plinius hat demnach eine bessere logische Verbindung, weshalb an ein Ausschreiben des Vitruv nicht gedacht werden kann.

ad 16, 197. Plinius sagt laudatissimae, Vitruv maxime nascuntur. Beides ist doch nicht identisch. Jedenfalls kann Plinius seine Behauptung den Worten Vitruvs nicht wohl entnommen haben. Ausserdem sollte man doch auch meinen, dass Plinius, wenn er Vitruv ausschrieb, die zwischen den Worten desselben befindliche Bemerkung über den Tempel von Ephesus gleich mit an dieser Stelle erwähnt haben würde, denn übergehen mochte er sie nicht, wie §. 213 zeigt.

ad 16, 218. Von 213 an spricht Plinius über die Dauerhaftigkeit der Holzarten. §. 213: hebenus, cupressus, cedrus maxume aeternae. 217: in plenum dici potest utique quae odore praecellant eas et aeternitate praestare. 218: A praedictis morus proxume laudatur quae vetustate etiam nigrescit. Bis dahin haben wir eine bestimmte Rangfolge. Jetzt kommen die, welche je nach dem verschiedenen Gebrauch verschieden dauerhaft sind. Et quaedam tamen in aliis diuturniora sunt usibus quam alia: ulmus in perflatu firma, robur defossum et in aquis quercus obruta. eadem supra terram rimosa facit

opera torquendo sese. Der letzte Satz soll aus Vitruv stammen. Aber man sieht doch ganz deutlich, dass auch schon die Quelle des Plinius über die verschiedene Dauerhaftigkeit sogar desselben Holzes spricht (vgl. z. B. robur im Folgenden). Es ist demnach, da auch keine formelle Gründe für eine Entlehnung sprechen, an eine andere Quelle nicht zu denken. Dasselbe gilt auch von der Fortsetzung unserer Stelle,

ad 16, 218b, aus der wir ausserdem mit voller Sicherheit auf eine andere, ausführlichere Quelle, als Vitruv ist, schliessen dürfen. Es findet sich nämlich bei Plinius zwischen den übrigen Worten cerasus firma, eine Wendung, die einen Zusatz ausschliesst. Vitruv bietet hiefür keine Entsprechung, wie auch D. zugiebt, also ist er als Gewährsmann des Plinius abzulehnen. Dass der Letztere überhaupt einer weit ausführlicheren Quelle folgt, demnach nicht wohl Veranlassung haben konnte Vitruv auszuschreiben, davon überzeugt der Augenschein. Ich will nur noch ein Beispiel anführen, welches die Benutzung derselben Quelle direkt oder indirekt durch Vitruv darlegt:

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ad 1. 31. Im 8. B. führt Vitruv die griechischen Autoren an, welche er für dieses Buch, aber nur dieses benutzt. Von den dort angegebenen findet sich allein Theophrast bei Plinius. Deshalb, sagt D., sei es möglich, dass Plinius unabhängig von Vitruv aus Theophrast geschöpft habe; indess bezeuge die fast überall stattfindende wörtliche Uebereinstimmung direkte Benutzung des Vitruv. Wörtliche Uebereinstimmung ist aber, wie

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