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Paphlagonien und trat in enge Verbindung mit dem König Tigranes von Grofsarmenien, dem er seine Tochter Kleopatra zur Frau gab. So war er nicht nur in Kleinasien der mächtigste Herrscher, sondern hatte auch bereits in Europa festen Fufs gefafst und Verbindung mit den hellenischen Staaten angeknüpft, denen gegenüber er sich als Vorkämpfer des Hellenentums gegen die römische Zwingherrschaft aufspielte.

§ 2. Erster Mithridatischer Krieg (88—84).

Als er mit Hilfe des Tigranes Kappadocien besetzte und auch Bithynien in seine Gewalt zu bringen trachtete, wandten sich Ariobarzanes von Kappadocien und Nikomedes III. von Bithynien an Rom um Hilfe (91). Die Römer schickten den Konsular Manius Aquillius nach Kleinasien als Gesandten, dessen energischem Auftreten es gelang, beiden Königen ihre Reiche wieder zu verschaffen; doch damit nicht zufrieden, drängte Aquillius den Nikomedes zu einem Einfall in Pontus. Mithridates leistete ihm keinen offenen Widerstand, sondern führte Beschwerde bei Aquillius; als aber dieser ihn abwies und ihm noch dazu verbot, die Waffen gegen Nikomedes zu ergreifen, schritt Mithridates zum Kriege gegen Rom. Nach umfassenden Rüstungen brachte er 250 000 Mann zu Fufs, 40000 Reiter und 300 Kriegsschiffe auf. Sein glänzender Sieg über die Bithynier 88 und seine Siege über mehrere römische Abteilungen unter Cassius und Aquillius liefsen die Asiaten in ihm den Retter vom römischen Joche erblicken; da zudem noch die Nachrichten über den Bürgerkrieg zwischen Marius und Sulla die nationalen Hoffnungen der Kleinasiaten bestärkten, ward Mithridates von Hellenen und Barbaren in ganz Kleinasien mit Jubel als Befreier empfangen. Den Konsular Aquillius, den ihm die Mytilenäer auslieferten, liefs er auf einem Esel gebunden durch ganz Kleinasien

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umherführen und zuletzt in Pergamon unter furchtbaren Qualen töten, indem er ihm geschmolzenes Gold in den Mund giefsen liefs, angeblich, um seine Habgier zu sättigen. Von Ephesos aus erliefs er an alle Völkerschaften in Kleinasien den Befehl, an ein und demselben Tage sämtliche in Kleinasien weilenden Italer ohne Unterschied des Alters und Geschlechts zu töten: die pünktliche Ausführung dieses Blutbefehls bewirkte die gräfsliche Niedermetzelung von mindestens 80000, nach anderen Angaben 150 000 wehrlosen Italern, Männern wie Weibern und Kindern. Nachdem Mithridates sich ganz Kleinasien unterworfen hatte, eroberte seine Flotte die Inseln des Ägäischen Meeres, sein Landheer rückte durch Thracien und Macedonien nach Griechenland und fand hier an fast allen Völkerschaften, besonders an den Athenern, willige Helfer.

Da setzte Sullas Landung in Griechenland 87 den hochfliegenden Plänen des Mithridates ein Ziel. Die Eroberung Athens durch Sulla 86, seine glorreichen Siege bei Chäronea 86 und bei Orchomenos 85, die mit der Vernichtung der dreifach gröfseren Heere des Archelaos, des Feldherrn des Mithridates, endeten, gewannen Griechenland für die Römer zurück. Aber inzwischen war in Rom die Marianische Partei zur Herrschaft gelangt, Sulla abgesetzt und der Oberbefehl gegen Mithridates dem demokratischen Konsul Valerius Flaccus übertragen worden, an dessen Stelle nach seiner Ermordung sein Legat Fimbria trat. Als dieser siegreich in Asien vordrang und bereits die kleinasiatischen Hellenen, durch die Tyrannei des Mithridates abgeschreckt, grofsenteils sich wieder den Römern zuwandten, knüpfte Mithridates mit Sulla, dem Gegner des Fimbria, Friedensunterhandlungen an; diese führten, da Sulla durch die Verhältnisse in Italien zu baldiger Rückkehr genötigt war, im Jahre 84 zum Abschlufs des Friedens von Dardanos; Mithridates mufste alle Eroberungen herausgeben, 80 Kriegsschiffe ausliefern und 3000

Talente Kriegssteuer zahlen. Nach einem furchtbaren Strafgericht über die Urheber des Abfalls zu Mithridates und des Blutbades an den Italern liefs Sulla die Legionen des Fimbria, der sich bei der Weigerung seiner Soldaten, gegen Sulla zu fechten, selbst in sein Schwert gestürzt hatte, in Asien unter dem Kommando des L. Licinius Murena zurück und begab sich nach Italien; nach Niederwerfung seiner dortigen Gegner feierte er im Jahre 81 einen zweitägigen Triumph über Mithridates.

§ 3. Sogenannter zweiter Mithridatischer Krieg

(83-81).

Murena begann kurz nach Sullas Abreise von neuem die Feindseligkeiten durch einen Beutezug ins Gebiet des Mithridates; dieser aber schlug ihn und zwang ihn zum Rückzug. Auf Mithridates' Beschwerde in Rom gebot Sulla dem Murena, vom Kampfe abzulassen. Trotzdem dieser sog. zweite Mithridatische Krieg von Murena ohne Erfolg geführt war, triumphierte Murena im Jahre 80 über Mithridates.

§ 4. Dritter Mithridatischer Krieg bis zum Antrag des Manilius (74—66).

Die nächsten Jahre der Ruhe verwandte Mithridates auf die Schaffung einer starken Land- und Seemacht und die Ausdehnung seiner Herrschaft über die Stämme am Bosporus. Vergeblich hatte er wiederholt vom römischen Senate die Ausfertigung der Urkunde über den Frieden mit Sulla verlangt. Als nun im Jahre 75 Nikomedes III. von Bithynien starb und die Römer zu Erben seines Reiches einsetzte, fürchtete Mithridates neue Verwicklungen mit den Römern, die durch die Einverleibung Bithyniens seine Nachbarn wurden. Daher fiel er nach Abschlufs eines Bündnisses mit den Sertorianern in Spanien, welche gegen die Römer einen hartnäckigen Krieg

führten, im Jahre 74 mit 140000 Mann zu Fufs und 16000 Reitern in Bithynien ein, schlug den Konsul M. Aurelius Cotta bei Chalcedon und schlofs ihn dort ein. Durch den Heranmarsch des anderen römischen Konsuls L. Licinius Lucullus zur Aufhebung der Belagerung genötigt, wandte sich Mithridates gegen Cyzicus, das ihm heldenmütigen Widerstand leistete. Auch hierhin folgte ihm Lucullus, schnitt ihm die Zufuhr ab und zwang ihn zu fluchtartigem Rückzug nach furchtbaren Verlusten. Nur unbedeutende Trümmer des Heeres erreichten Lampsacus. Hier liefs Mithridates einen Teil seiner Flotte unter drei Admiralen zurück; er selbst schiffte sich mit dem Reste des Heeres auf dem gröfsten Teil der Flotte nach Nikomedia in Bithynien ein. Aber jene drei Admirale, zu denen auch der von Sertorius zu Mithridates gesandte Varius zählte, schlug Lucullus mit einem schnell gesammelten Geschwader völlig bei Tenedos; die Flotte des Mithridates selbst wurde durch ein Unwetter zertrümmert, so dafs der König mit knapper Not auf einem Seeräuberschiff nach Sinope gelangte. In raschem Siegeszuge eroberte darauf Lucullus das ganze Reich Pontus; das letzte Heer des Mithridates wurde 72 bei Kabira aufgerieben; der König selbst entkam nur durch die Beutegier der römischen Soldaten der Gefangenschaft und flüchtete sich mit blofs 2000 Reitern nach Armenien, dem Reiche seines Schwiegersohnes Tigranes. Auch hierhin folgte ihm Lucullus, nachdem er vergeblich von Tigranes seine Auslieferung verlangt hatte, im Jahre 69. Mit nur zwei Legionen schlug er die zwanzigfache Übermacht des Tigranes bei Tigranocerta und eroberte diese Residenz des Grofskönigs. Da rief Mithridates aufs neue die Völker des Orients zum Kampfe gegen die Römer auf, indem er nicht nur das Nationalgefühl der Orientalen gegen die fremden Eroberer, sondern auch den religiösen Fanatismus entflammte durch Verbreitung der Kunde, Lucullus habe es auf eine Plünderung des Tempels

der Nanana oder Anaitis in Elymais (dem heutigen Luristan), des reichsten und gefeiertsten Tempels der Euphratländer, abgesehen. Zwar erzwang Lucullus durch einen neuen Sieg im Jahre 68 den Übergang über den Euphrat und marschierte gegen Artaxata, die alte Residenz der armenischen Könige. Aber ehe er diese erreichte, nötigte ihn eine in seinem Heere ausbrechende Meuterei, da die Soldaten, durch die übermäfsigen Anstrengungen erschöpft, die Heeresfolge zu einem Winterfeldzuge verweigerten, den Rückzug anzutreten. Während er aber in Nisibis in Mesopotamien im Winterquartiere lag, rückten Mithridates und Tigranes mit überlegener Macht gegen die schwachen, von Lucullus zurückgelassenen Besatzungstruppen in ihren Ländern vor: Mithridates eroberte Pontus, Tigranes Armenien zurück. Ja, im Jahre 67 schlug Mithridates den Legaten Triarius bei Ziela in Pontus und vernichtete sein Heer fast völlig.

Zudem war es den zahlreichen Gegnern des Lucullus in Rom, besonders den dem Ritterstande angehörigen Kapitalisten, gegen deren Wucher er in Kleinasien die ausgesogenen Provinzialen geschützt hatte, gelungen, seine Abberufung durchzusetzen. Als die Nachricht von der Landung seines Nachfolgers Manius Acilius Glabrio in Kleinasien sich im Lager verbreitete, brach offene Meuterei aus: die Truppen weigerten sich, weiter zu kämpfen, und verlangten nach der römischen Provinz zurückgeführt zu werden. So mufste Lucullus alle Erfolge seiner glorreichen Feldzüge verloren geben und sich damit begnügen, durch einen meisterhaften Rückzug sein Heer nach der Provinz zurückzubringen.

Mithridates und Tigranes aber hatten nicht nur ihre eigenen Länder wieder erobert, sondern ihre Streifscharen durchzogen ganz Kappadocien und machten Beutezüge bis nach Bithynien hinein. Lucullus' Nachfolger Glabrio war weder geeignet noch gewillt, den Kampf gegen Mithridates aufzunehmen, ja er übernahm nicht einmal das Heer von Lucullus.

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