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der Offenbarung und Gnadenwirkung Gottes selbst. Da aber eben dieses natürliche Geistesleben offenbar nur die Blüthe des ganzen Schöpfungslebens ist, so schließt er, die ganze Offenbarung Gottes sei überhaupt nichts Anderes als Entwickelung des geistigen Prinzips der Welt, wie es im Menschen zur Erscheinung gekommen, woraus denn weiter folgt, daß Gott wesentlich nichts Anderes ist, als das geis stige Prinzip der Welt, die Welt also nach dieser Seite hin gleiches Wesens mit Gott, und Gott, nur insofern als er Grund der Weltentwickelung ist, von der Welt verschieden. Unabhångig davon, ob diese gnostische Richtung die Begriffe Gott und Welt dialektisch mehr oder weniger auseinanders hålt: zu ihrem Wesen gehört es, daß sie den christlichen Gottesbegriff vor allem dadurch verletzt, daß sie den Geist über den Sohn setzt. Denn da dem Gnostizismus nicht diejenige Geisteswirkung die höchste Selbstoffenbarung Gots tes ist, welche , nad der Schrift, den Sohn Gottes Jesus in seiner historischen Persönlichkeit (den xv okoxi đinhvgóra) bezeugt, verklärt und als den persönlichen Inbegriff des Lebens darstellt, sondern diejenige menschlichgesteigerte Geis stesregung, welche den Erlöser nur als historischvorüberges gangenen Durchgangspunkt betrachtet, ja welche ihrem ersten Anfange nach nicht in der Versöhnung der Welt mit Gott durch Christus, sondern in dem Verhältnisse des Endlichen zu Gott als seinem unendlichen Grunde wurzelt: so ist auch der Begriff des Sohnes Gottes, wie er der logos im Fleis sche ist, durch diesen Gedankengang schon wesentlich alterirt. Der Sohn Gottes ist nach dieser lehre nur Erzeugniß des Geistes, nicht aber in dem Sinne, wie die Schrift sagt, daß die Menschheit des Sohnes Gottes durch den heiligen Geist werde gewirkt werden (Luk. 1, 35), sondern wesentlich in demselben Sinne, wie die Weltgeschichte als der Zusammenhang menschlicher Thaten das Erzeugniß des mensch: lichen Geistes ist. Aber bei diesem Ergebnisse, wodurch schon das ganze Ansehen des historischen Wortes Christi

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seiner Göttlichkeit ontkleidet ist, kann der Gnostizismus nicht stehen bleiben. Da der Vater, nach der åchten christlichen Lehre, nur im Sohne offenbar ist, und da der Sohn im Gnostizismus nicht die volle Offenbarung des Vaters ist: so ist auch der Vater bleibend verborgen. Und da der Geist nur insofern, als er die Selbstentwicklung der menschlichen Natur ist, Gott offenbart: so wird Gott nur so weit klar, als die mit der so noch unbegriffenen Schwere der Naturs lichkeit behaftete und durch noch unausgetilgte Sünde ges trůbte menschliche Geistigkeit es zuläßt. Die Idee des Vas ters versinkt dem Gnostizismus mehr oder minder in den Abgrund unbegriffenen Naturseins, und der Begriff Gottes als der reinen und vollkommenen liebe kann so niemals zu Stande kommen. Allein auch dieses Irrige ist noch nicht das Ziel des Gnostizismus, sondern auch der Begriff des Geistes, wie der Gnostizismus ihn allein festhalten fairn, schließt das Merkmal der Heiligkeit aus. Der Geist Gottes im gnostischen Sinne ist nur das in der Form des Bewußts seins sich dem unmittelbaren Ansich der Dinge entgegens seßende und sich desselben zuleßt bemächtigende Grundwesen der Dinge. Hierin fann die Heiligkeit des Geistes Gottes, die das Wesen desselben ausmacht, nicht sein. Denn diese besteht darin, daß der Geist, obwohl über den Ursprüngent der Welt schwebend (1 Mos. 1, 2), obwohl jedes Leben in den Dingen anregend und sich liebend zu jeder Besonderheit der Dinge herablassend und sie gleichsam durchgehend, dennoch absolut frei bleibt von jeder sinnlichen Besdrånfung und Begierde, welche zu dem Wesen der Dinge gehört, um sovielmehr also von der nicht zu dem Wesen der Dinge gehörigen, durch den Abfall der Geister in die Welt gekommenen Sünde. Dieses sich rein und unvermischt, ungetheilt und unbeschrånft Behaupten des Geistes Gottes mitten in seiner Alesdurchdringung ist seine Heiligkeit. Diese faun aber demjenigen Geiste nicht zufommen, der erst frei wird. von der Materie und nie ganz frei ist, ja welcher in

seinem Berührtsein von der Sünde des Menschengeschlechts zwar die Fähigkeit in sich trågt, durch den Anhaud des heiligen Geistes zum Kampfe wider die Sünde und zur Erfenntniß Gottes ermuntert zu werden, in diesem seinem edelsten Selbstbewußtsein aber gerade am wcitesten davon entfernt ist, sich die Heiligkeit beizulegen.

Indem so der Gnostizismus mit der Umgebung des einfachen Prinzips anfångt, daß der menschliche Geist lediglich durch den Glauben an das göttliche Wort der Erleuchtung des heiligen Geistes theilhaftig werden könne, kommt er mit Nothwendigkeit auf die Alterirung der Lehre vom Vater, Sohn und heiligen Geiste, welche er nur durch tåuschende und vertauschende Aehnlichkeit einer ganz anders ents standenen Gedankenverbindung festzuhalten sich überreden kann.

Diese Grundideen ziehen sich als gnostisches Element durch die ganze Geschichte der Kirche hindurch. Der Gnostizismus im eigentlich historischen Sinne des Worts, diese spekulative Losreißung der christlichen Lehre von dem Boden der geschichtlichen Wahrheit und Wirklichkeit des Mittlers, hatte sein Gemeinschaftliches darin, daß der Begriff der Offens barung von der Thatsache des Wortes Gottes losgerissen und mit dem der Weltentwickelung aus Gott, oder der Entwickelung Gottes zur Welt, verwechselt wurde. Das Geistesleben der Gnostiker war nicht die Erleuchtung der an die Erlösung durch Christus Glaubenden, sondern das Ers fenntnißleben der zur spekulativen Zusammenschauung Gots tes und der Welt Gesteigerten. Sie leugneten den wahrhaft im Fleische gekommenen Logos, der für uns gelitten hat, und stellten nur einen Christus auf, an dem man Antheil haben konnte ohne Sinnesånderung und bußfertige Annahme der Versöhnung. Und wenn die Gnosis des Marcion von der Liebe Gottes in Christus so spricht, daß jene oben angedeutete Verkennung des Vaters nicht auf ihr zu lasten scheint: ro ist es nur deshalb, weil Marcion's Lehre mehr

eine razionalistische Färbung hat, obwohl sie auch fo die dunklen, auf Gott zurückfallenden Vorstellungen der Hyle und des Demiurgos nicht überwinden kann. In der alerandrinischen Theologie war insofern ein gnostisches Element, als die Neigung, die spekulative Erkenntniß als solche als eine höhere Stufe der Weisheit und Gottseligkeit anzusehen, den Begriff von der ánlórns des Glaubens und den Unterschied der spekulativen und der erfahrungsmåßigen Erkenntniß, zum Nachtheil dieser und des Glaubens, zuerst der Kirche in wciteren Kreisen, und unter siegreichem Ansehn großer Kirs chenlehrer, verwischt hat. In der Periode der Scholastik war neben dem Großen, was sie entwickelte, so viel gnosti: sdhes Element, als Philosophie und Theologie schlechthin für Eines und dasselbe erklärt wurden, denn dieser Irrthum war nur dadurch möglich, daß das göttliche Wort in der Schrift nicht, wie es dem diristlichen Glauben gemäß ist, zum Ausgangspunkte der Theologie gemacht, sondern die, in der Unabhängigkeit vom Worte Gottes, unter dem Einfluffe individueller Gläubigkeit oder der Kirchenlchre als åußerer Sagung (dies gilt in Bezug auf die Uebergchung des gåttlichen Worts völlig gleich) entstandenen unbestiminteren Anregungen und Anschauungen. In der neueren Zeit hat der Gnostizismus wieder in dem Verhåltnisse einen neuen Aufschwung genommen, als von der einen Seite der Razionalisinus seine innere lecrheit mehr und mehr kund machte, und als auf der anderen Seite die spekulative Philosophie ein lebendigeres Interesse an der christlichen Religion nahm. Beides an sich erfreuliche Erscheinungen, aber jene doch nur negativ und der Gefahr ausgeseßt, daß ein Uebel das andere abldse, diese solange bedenklich, als die spekulativen Denker nicht den einfachen gemeinsam kirchlichen Boden des göttlidyen Worts anerkennen. Mag man daher auch zuges ben, daß die neuere deutsche Philosophie noch nicht abgeschlossen habe, ja daß sie in einer Krisis begriffen sei, welche, unter einigen der belebendsten Vorzeichen, eine wirkliche Auf

erstehung des spekulativen Denkens im Glauben an den auferstandenen Christus anzukündigen scheint : dennoch giebt sich eine gefährliche Erneuerung des Gnostizismus unter einem zum Theil sehr kirchlichen Scheine hinreichend zu erkennen, und fordert die entschiedenste Bekåmpfung. Hiehin gehört ohne Ausnahme jedes Element der neueren philosophisch-theologischen Denkart, in welchem 1) der Glaube als eine niedere zu überwindende Stufe betrachtet wird, welche fchon hier schlechthin übergehe in die Erkenntniß und von dieser absorbirt werde: eine Behauptung, die einen Irrthum über die Natur des Glaubens enthält, welcher bleiben wird, auch wenn die jeßige Erkenntniß den höchsten Grad der wissenschaftlichen Vollendung erlangt haben sollte *); 2) worin der historische Christus mit seinen Worten und Werken, mit seinem Tode und Verdienste, als vorübergegangenes Moment, als bloße Geschichte oder als schöne Alegorie gefaßt ist; 3) worin der Standpunkt des absoluten Geistes für ein höherer gehalten wird als der Standpunkt des les bens, da die Schrift Christus das Leben nennt, und die Mittheilung des Lebens durch den Mittler es ist, in welcher die Wirkung des heiligen Geistes gegeben ist, wir aber von keinem Geiste etwas wissen, der, unabhångig von dem menschs gewordenen Worte und persónlichen Christus, der Welt das leben giebt.

Hiehin gehört die Lehre, daß der Gehorsam gegen die Kiro chenlehre der Pfingstglaube sei, der als Vorbereitung des spekulativen Erkennens gut sei, aber weiter nicht. Freilich wenn der Pfingstglaube etwas so Armes wäre, würde er weis chen, wie die Kirchensaßung dem christlichen Protestantismus. Er ist aber das Lebendigwerden des Worts im Herzen.

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