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scheidet die Kirche von der Kirdye ; erst wenn die Kirche auf reine und gesunde Weise rich von der Welt scheidet, um sich um so vollständiger in sich selbst zu einigen, wird der Separatismus überwunden seint.

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Die beiden Hauptformen des Separatismus sind der Mystizismus und der Pietismus.

- Der Begriff Separatismus ist im Vorigen nicht in dem engeren Sinne genommen, in welchem er blos die Neigung, sich von dem åußeren Verbande der Kirche abzusondern, in sich schließt, sondern in dem weiteren, in welchem er den innes ren Grund einer jeden Absonderung bezeichnet, moge diese nun åußerlich sich darstellen oder nicht. Und in diesem Sinne tritt der Mystizismus als besondere Art des Separatismus auf, wiewohl er es in der Regel auf eine sichtbare Absonderung von der Kirche nicht anzulegen pflegt. Nur um ro bestimmter tritt er in dieser Hinsicht, dem Pietismus gegenüber, der gerade diese äußere Absonderung vorzugss weise liebt; beide aber ergeben sich als die Hauptarten des allgemeinen Separatismus durch folgende Betrachtung. Die gesunde Leiblichkeit der Kirche besteht darin, daß der innerste Punkt des leiblichgewordenen Geisteslebens, das Gefühl, in unzertrennter Einheit sowohl mit der höchsten menschlichen Seelenthätigkeit als mit dem allgemeinsten menschlichen Vers kehre der Kirchengenossen bleibt. Denn nur mit beiden zusammen gedacht ist das leibliche der Kirche gesund, so wie auch der Leib des Menschen nur dann in höherem Sinne gesund ist, wenn er sich den Einflüssen des menschlichen Geis stes zum Organe leihet, und wenn er in den Verkehr des

natürlichen menschlichen Lebens durch Geben und Empfangen · frisch und fråftig eintritt. Die höchste menschliche Seelenthås 1. tigkeit ist das vernünftige Denken; das allgemeinste Organ

für die Auffassung und Verarbeitung des åußeren lebens ist die Phantasie. Denken wir uns nun das christlidie Gefühlsleben mit der Phantasie geeinigt, aber sich der Thåtigfeit des vernünftigen Denkens entziehend: so entsteht der Mystizismus, die Neigung christlich zu sein ohne vernünftigen Ges dankenverkehr. Seßen wir dagegen das dyristliche Gefühlsleben in Wediselwirkung mit der Vernunftthätigkeit, aber fich durch eine Erdrückung der Phantasie von dem åußeren und volksthümlichen Leben der Kirche trennend: so entsteht der Pietismus, die Neigung firchlich zu sein ohne volksthůms liche Thåtigkeit der Phantasie. Und diese Eintheilung würde ihr Recht behalten, wenn man auch die erste Verirrung mit dem Namen des Fanatismus *), welcher jedoch mehr einen fittlichen Fehler ausdruckt, und die zweite mit dem Namen der Sektirerei, welche jedoch mehr eine firchlichstatistische Erscheinung ist, bezeichnen wollte.

*) Wie Walch S. 309 ein Kapitel hat von den Streitigkeiten

mit den Fanaticis ; Schubert P. 3. c. 5. de enthusiasmo. Von dem heißt es g. 1, solet autem et fanaticismus appellari.

Erstes Kapitel.
Vom My stizismu 8.

$. 1. Der Mystizismus ist die Separazion des Gefühls und der Phantasie von dem vernünftigen Gedanken, verkehr in der Kirdie.

Jede nåhere Bestimmung des Begriffs. Mystizismus hat heutzutage mehr als je Ursache, denselben von dem Begriffe der Mystik zu unterscheiden, die zwar an denselben grånzt aber etwas wesentlich Verschiedenes ist , fo wie die Gnosis verschieden ist vom Gnostizismus. Denn Mystik bedeutet ein Bewußtsein des Mystischen in der Religion, welches Bes wußtsein von der erfahrungsmåßigen Wahrnehmung selbst bis zur wissenschaftlichen Form der Unterscheidung des Mystischen von dem Sinnlichen und Intellektuellen entwickelt werden kann, und in allen diesen Stufen rechtmäßig sein kann, so gewiß das Mystische an sich sein Recht in aller Religion und also auch in der christlichen hat. Denn my. stisch ist, was als eine Mittheilung des Lebens Gottes an die Seele (wir Christen wissen, durch welche Vermittelungen) sich der begrifflichen Entwickelung entzieht, und dennoch sein wirkliches Vorhandensein durch die Merkmale des Göttlichen und die Uebereinstimmung mit dem Gebiete des auch begriffs lich zu erkennenden Göttlichen fundmacht. Mystisch in diesem Sinne ist nothwendig alles christliche Geistesleben von der einen Seite, theils weil es unmöglich ist, daß das Geis stesleben in dem menschlichen Begriff aufgehe, theils weil die Verbreitung der Wirkungen des Geistes im natürlichen Sees lenleben in Tiefen hincinrcicht, die für die Beobachtung

unzuigånglich sind. Darin liegt nicht, daß das Mystische das Höchste im Geistesleben sei, vielmehr wird es in dems selben Maaße sich verlieren, als, das Geistesleben sich bes grifflich entwickelt, auf der anderen Seite aber auch immer wieder, nur auf immer verklärtere, religids gelåutertere Weise sich aus der fortschreitenden Gemeinschaft mit dem Geiste Christi erneuern, so daß es immer da ist, und weder durch abstrakte noch durch spekulative Begriffe irgend einer Ordnung hinweggeråumt werden kann. Die christliche Behandlung des Mystischen im gläubigen Gebrauche des göttlichen Worts und der Sakramente wird nun die sein, daß ihm nicht zugelassen werde mehr zu sein, als es sein kann, daß es in einem durch innere Treue und Geistesarbeit vermittelten Gleichgewichte mit der begrifflichen Ausbildung stehe, also, da diese an das Wort Gottes gebunden und durch dasselbe getragen ist, daß es sich unterordne dem vom Geiste Gottes aufgeschlossenen Worte, sich durch dasselbe reinigen und verflåren lasse, und in steter Wechselwirkung mit dein Klaren, vernünftig Durchdachten, geistig Freien, den religios sen Herzenszustand als einen im Lichte warmen, mitten im Geheimnisse klaren, und, ungeachtet der Erkennbarkeit seiner moralischen Früchte auch vor der Welt, doch der Welt verborgenen darstetle. Wer das Mystische auch in diesem Sinne nicht will, wer es auch so schon als Mystizismus verwirft : der wird freilich immer noch Vernünftiges und Gefühlvolles über das Augemeine der Religion sagen können, aber er wird entweder dem Orthodorismus oder dem Razionalismus huldigen müssen, sobald er sich über das Wesen des Chris stenthums erklären will, und wird die größten Erscheinungen in der Geschichte der Kirche nur halb verstehen.

Wie verhält sich nun der Mystizismus zur Mystik, und wann fångt diese an in den Mystizismus auszuarten? Die Antwort ist: Sobald die Mystik den vernünftigen Gedankens verkehr in der Kirche meidet, wird sie Mystizismus und eine bedeutende kirchliche Verirrung, und hört damit auf, Mystik

zu sein. Denn das rein Mystische zeigt seine Reinheit das durch, daß es vermittelst vernünftigen Gedankenverkehrs in Zusammenhang und Uebereinstimmung fich erhålt mit allein Klaren, Augemeingültigen, Geistigbelebenden, was die Kirche in sich schließt; das falsch Mystische zeigt sich darin, daß es den vernünftigen Gedankenverkehr in der Kirche scheut, weil es den Gegenstand des Glaubens, Gott in Christus, nur so haben will, wie die selbstisch - losgetrennte Thåtigkeit des Gefühls und der Phantasie ihn dem Individuum gezeigt, nicht wie er sich in dem Ganzen der Kirche gezeigt hat, und wie ihn eben dadurch auch jedes im Ganzen lebende Indi: viduum, nach seinem Maaße, sehen will. Es ist daher nicht richtig, den Mystizismus als Verzichtleistung auf den Gesbrauch der Vernunft im Allgemeinen zu karakterisiren, denn einerseits ist diese Verzichtleistung gar nicht möglich, und gewiß bei einem jeden religiösen und gewissenhaften Mens schen, wie doch auch der mit dem Mystizismus Behaftete immer noch angesehen werden muß, niemals wirklich, ans dererseits wurde die Verzichtleistung auf den Gebrauch der Vernunft in razionalistischer Weise nicht das sein in der Erfassung der positiven Religion, was dem Mystiker eigen wåre , sondern das, was der Mystiker mit dem glaubensgesunden Christen gemein håtte. Aber das macht den Mys stifer im tadelnswerthen Sinne aus, daß er den in der Kirche selbst, in der Gemeinschaft der Gläubigen und Wies dergeborenen vorhandenen , vom Glauben getragenen, der lebendigeren und klareren Aneignung des göttlichen Lebens sich entgegenbewegenden erleuchteten Vernunftgebrauch selbst nicht will, ihn blos deshalb nicht will, weil er für ihn eine Herausbewegung aus der Festigkeit und ungeistigen Kraft eines individuell angeeigneten, meist bildlichen Gedankenkreises mit sich bringen würde, und weil er ihm die dem Dünfel schmeichelnde Ueberzeugung nehmen würde, das Höchste und Beste in der Glaubensauffassung schon erreicht zu haben, so daß er vielmehr der Kirche zum Vorbilde zu dienen, als

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