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Ein solcher Begriff vom Klerus erfordert nothwendig eine fórperschaftliche Einheit desselben, da die Autoritåt des Klerus für die Kirche sogleich verloren ginge, wenn sie sich selbst widerspråche. Daher es von den vorausgeseßten Pråmissen aus konsequent ist, den Klerus rich gipfeln zu lassen in dem Papste, d. h. in einem solchen Kleriker, welchem es verliehen ist, die Unfehlbarkeit und davon abhångende Machts vollkommenheit des Klerus in sich darzustellen, auszusprechen und geltend zu machen. Hieraus erklärt es sich, daß die Versuche des fonstanzer und besonders des baseler Konzils, die ungeheuer gewordenen Ansprüche der Påpste herabzus seßen, deshalb mißlingen mußten, weil diejenigen, welche sie unternahmen, das Prinzip eines unfehlbaren und geseks lich regierenden Klerus selbst noch in sich trugen , und es nach diesem Prinzipe allerdings unkonsequent und unausführs bar war, die vielköpfige Versammlung eines Concils zur Einheit eines solchen Klerus zu machen, dessen Zusammens hang, Zwecke und Bewegungen allein durch die oberste Ents ficheidung eines klerikalischen Individuums denkbar sind. Dbs wohl nun Hierarchismus und Papstthum nicht dasselbige sind : so berühren sich doch jener Grundirrthum und diese historische Erscheinung in ihren höheren Entwickelungen auf das Wirksamste, und deshalb sind auch die historischen und Schriftgründe, auf welche man das Papstthum als eine göttliche Stiftung zu stůßen sucht, obwohl neuere rómische Theologen viel weniger Werth auf sie als auf die Nothwendigkeit einer Einheit der. Hierarchie zu legen scheinen *), in einer Widerlegung des Hierarchismus nicht unberührt zu lassen. Es sind vorzüglich folgende : 1. Christus nennt Petrus den Fels, auf den er seine Kirche bauen wolle, giebt ihm die Macht zu binden und zu lösen, und ertheilt ihnt den Auftrag, seine Schaafe zu weiden (Matth. 16, 18, 19. Joh. 21, 15–17). Da nun Petrus Bischof von Rom war : so geht der ihm in jenen Stellen ertheilte Vorrang auf seine Nachfolger, die Bischöfe von Rom, über, welchen ein Sus premat der Jurisdikzion über die ganze Kirche übertragen ist *). 2. Die Kirchengeschichte lehrt, daß der Bischof von Rom immer als der erste Bischof und Richter in Lehrstreitigkeiten ist angesehen worden; auch hat, nach der Meis nung Einiger, niemals ein rómischer Bischof, wie oft auch sein Leben unwürdig gewesen, in der Lehre etwas Irriges ausgesprochen **).

illa est nimis generalis, non sufficit, nisi deducatur ad par

ticularia per determinationes principum. *) Vgl. Möbler Symbolit 2te Ausg. S. 366 u. w., der sie

neben jener nicht einmal erwähnt.

Was die biblischen Gründe betrifft : so ist die Ertheis lung der Schlüsselgewalt (Matth. 16, 19.) weder für einen Vorrang. Petri noch der römischen Bischofe beweisend, da Matth. 18, 18. Joh. 20, 23. ganz dasselbige allen Aposteln gesagt wird. Die Aufforderung Jesu an Petrus, Joh. 21, feine Schaafe zu weiden, enthält auch nicht die entfernteste Andeutung, daß dieses Weiden ein anderes und höheres als

*) Conc. Trid. Sess. 14. c. 7. - **) Cat. rom. p. 1. c. 10. qu. 11. Bellarmin. t. 1. lib. 4. c. 2.

Opinio est quodammo in medio, pontificem sive haereticus esse possit, sive non, non posse ullo modo definire aliquid haereticum, a tota ecclesia credendum, haec est communissima opinio fere omnium catholicorum. - Parum prodessetscire, pontificem non erraturum, quando non temere definit, nisi etiam sciremus, non permissuram Dei providentiam ut ille temere definiat. Von der Meinung des Gerson und anderer pariser Theologen, daß der Papst ohne ein allgemeis nes Concil eine Häresie lehren könne, sagt er: non est proprie haeretica, nam adhuc videmus ab ecclesia tolerari, qui illam sententiam sequuntur; tamen videtur omnino erronea et haeresi proxima. Von der oben ausgesprochenen: ' est certissima et asserenda. - c. 24, episcopos omnes a papa iurisdictionem accipere..

das auch der übrigen Apostel sein solle. Bedeutender ist freilich die Matth. 16, 18 enthaltene Anrede an Petrus, und theils darauf, theils auf dasjenige Hervortreten des Petrus im Bekenntnisse Christi als es Sohnes Gottes, welches durch diese Anrede des Herrn hervorgerufen war, so wie im nachherigen Zeugnißgeben vor der versammelten Menge, dem hohen Rathe und in der Gemeine (Apost. 2, 14. 3, 12. 4,8. 5, 3.) läßt sich die Behauptung gründen, ein gewisser Vorrang des Petrus vor den übrigen Aposteln sei ihm durch die Behandlung von Seiten Christi selbst zuges theilt worden. Aber was kann dieser Vorrang, dessen Zweck rich in Bezug auf die Einheit der apostolischen Wirksamkeit bei ihrem ersten Auftreten im jüdischen Volfe hinreichend erklärt, beweisen für den Supremat der rómischen Bischöfe? Denn zugegeben, woran zu zweifeln fein hinreichender Grund ist, daß Petrus in Rom war, und mit Paulus diese vor der Ankunft beider schon gestiftete Kirche befestigt und nachs her durch sein Märtyrerthum verherrlicht hat: war er Bischof von Rom? Wohl nicht, denn das apostolische Amt war ein weiteres, ein allgemeines Missionsamt, nicht ein Bischofsamt in einem bestimmten Sprengel *), wie denn auch von Irenåus **) und Eusebius ***) linus als der

*) Das Beispiel des Jacobus, als welcher Bischof von Jerusas

lem gewesen sei, möchte nicht das Gegentheil beweisen, da die Meinung, daß ein von dem jüngeren Apostel Jacobus verschiedener, ein Bruder des Herrn, jener Bischof war, den auch Josephus als den Gerechten beschreibt, mehr für sich zu

haben scheint. · **) Adversus haereses I. 3. c. 3. £u£liMOAVtes oỦv xai oino

δομήσαντες οι μακάριοι αποστόλοι την εκκλησίαν, Λίνω Thy iñs įnioronñs deitougyiav {vexeiquoav. Er sieht also beide Apostel als gleichmäßig dem Linus vorangegangen an,

und zwar als Gründer. ***) Hist. eccl. 1. 3. c. 2. Tňs Pouaiwv {zxanoias ueta try

Παύλου και πέτρου μαρτυρίαν πρώτος κληρούται την επι

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erste Bischof von Nom angegeben wird, und von Eufebius (l. 4, c. 1) und Epiphanius (haer. 27 c. 6) dem Petrus • und Paulus gleicher Maaßen das Episkopat im weiteren Sinne über die Kirche zu Rom beigelegt wird *). Aber gesetzt (obwohl nur in einem uneigentlichen Sinne zugeges ben), daß Petrus Bischof von Rom war: wie folgt daraus, daß das, was Christus ihm als dem gläubigen und bekennenden Jünger für den Kreis seiner Mitjünger auf eine - freie , geistige Weise verlieh, seinen Nachfolgern auf dem Stuhle von Rom, mogen sie Glåubige oder Nichtgläubige sein, amtlich und tradizionell zukomme ? Petrus war der Fels der Kirche, insofern er glaubte und befannte, nicht insofern er Bischof war. Wie man aber als Nachfolger eines Bischofs noch nicht seine Glaubensstarke -hat: so kann man auch keinen Anspruch machen, deshalb den Primat, den jener aus persönlichen Gründen in dem bestimmten Apostelfreise hatte, åußerlich - amtlich zu überkommen.

Zu der Behauptung früher allgemeiner Anerkennung des Supremats der römischen Bischöfe bemerken wir Fols gendes. Diese fand so wenig Statt, daß Cyprian, der in dem Petrus wirklich ein von dem Herrn geordnetes Bild der Einheit der Kirche sieht, dennoch den römischen Bischdfen vorhålt, daß nicht einmal Petrus auf einen Primat Anspruch gemacht habe **). Der Vorrang, den die Synode

σκοπήν Λίνος. 1. 3, 4. Ο Κλήμης της Ρωμαίων και αυτός Èxx.noias toitos {níoxonos xataotds (Linus, Anakletus,

Clemens). *) Epiphanius reßt hinzu, daß, da die Apostel ihres eigenthüms

lichen Berufes wegen hätten müssen oft abwesend rein, viels

leicht schon zu ihrer Zeit ein Anderer Bischof-gewesen wäre. **, De unitate ecclesiae c. 3. Super unum aedificat ecclesiam

suam. Et quamvis apostolis omnibus parem potestatem tri. buat et dicat: Sicut misit me Pater, et ego mitto vos — : tamen ut unitatem manifestaret, unitatis eiusdem originem ab uno incipientem sua auctoritate disposuit. Hoc erant

zu Sardica (nicht eine ökumenische) 344 dem römischen Biz schofe in Lehrstreitigkeiten zufprach, und wogegen die oriens talischen Bischofe stets protestirten, gründete sich auf den Vorzug der rómischen Kirche als der in der Hauptstadt, nicht auf den Vorzug der Nachfolger Petri; und das, wað die Synode von Konstantinopel 381 dadurch dem rómischen Bisdofe zuerkannte, daß sie dem Bischofe von Konstantinopet den zweiten Rang nach ihin gab, weil diese Stadt das neue Rom rei, beweiset deutlich, daß diese Anerkennung aus den Verhältnissen der rómisch - politischen Welt herrührte, und insofern menschlich ganz angemessen sein konnte, daß sie aber von ciner göttlichen Stiftung für die ganze Kirche, die ja nicht auf das römische Reich beschränkt war, nichts wußte. Was aber die Unfehlbarkeit , der Päpste in der Lehre be: trifft: so bedarf es für die, welche nicht schon durch das Unförmliche der Idee, daß eine Folge von Bischöfen, unter denen anerkanntermaaßen Ruchlose neben Heiligen waren, doch fehlerlos in der Lehre sein sollte, gewaffnet gegen solche Behauptungen sind, nur der Erinnerung an Liberius, der

utique et ceteri apostoli, quod fuit Petrus, pari consortio
praediti et honoris et potestatis , sed exordium ab unitate
proficiscitur, ut ecclesia una monstretur. Der Zusammen:
hang dieser Stelle (über die unächten Zusäße vgl. die Ors
fordisch · Bremische Ausgabe 1690 und selbst die Noten des
Baluzius in der Benediktinerausg. 1726, p. 545) führt nur
anf den Sinn: „der Herr wollte gleich im Anfange durch die
Auszeichnung des Petrus ein Bild derjenigen Einheit dar:
stellen, welche zum Wesen der Kirche gehört. Daß diese
Einheit ferner durch die römischen Bischöfe .dargestellt wers
den sollte, sagt und denkt Cyprian, meines Wissens, nirgend.
- Epist. 71. Nam nec Petrus, quem primum Dominus ele-
git, et super quem aedificavit ecclesiam suam, cum secum
l'aulus de circumcisione postmodum disceptaret, vindicavit
sibi aliquid insolenter ant arroganter assumsit, ut diceret,
se primatum tenere, et obtemperari a novellis et posteris
sibi potius oportere.

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