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,,Sabbathsmenschen." Sonntagsschulen.

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den Rigorismus, den die Engländer bei dem »uphold the sabbath in its purity" (Aufrechterhaltung des Sabbaths in seiner Reinheit) und dem "keep this divine institution from being polluted<< (Freierhalten dieser göttlichen Institution von Befleckung) an den Tag legen, unbedingt zu billigen. Gewiß sehr treffend äußerte ein engli scher Geistlicher in einer Abhandlung über den Sabbath: „Ich kenne Personen, die zwar zu gewissenhaft sind und zu viel Furcht vor den göttlichen Geboten und der öffentlichen Meinung haben, um den Sabbath in Vergnügungen und Geschäften zuzubringen, die aber darum, weil sie keinen Ersag für die Entbehrungen von Beschäftigung zu finden wissen, den Festtag in Trägheit verbringen. Sie schlendern daher in ihren Häusern, Gärten und Pachthöfen herum, und bringen die Zeit der Heiligung in Unthätigkeit oder in einem solchen Zustand der Existenz zu, welcher dem Leben der Auster gleicht. Dies führt eine Vernichtung des Sabbaths und eine Vereitelung aller der Segnungen herbei, welche Gott mit seiner Einsehung verknüpft wissen wollte. Leute, die so verfahren, vergeuden und mißbrauchen demnach die Mittel der Gnade und vermindern von Sonntag zu Sonntag die Hoffnung auf ein ewiges Leben." - Daß diese Schilderung nichts Uebertriebenes enthält, beweist die große Anzahl jener strengen,,Sabbathsmenschen," die sich den Tag der Ruhe und Freude recht eigentlich zum Tag der Plage machen. Man weiß nicht, was man mit den langen Stunden des langen Tages anfangen soll. Um sie daher wenigstens etwas abzukürzen, steht man des Morgens. später auf, als sonst, und fist auch länger beim Frühstück und Diner. Man geht zweimal zur Kirche, liest zu Hause die »Sunday books« (Sonntagsbücher, d. h. Bibel, Gebetbuch und Tractätchen), oder hält sie wenigstens auf dem Schoß, während man gähnt und der Geist ziemlich den ganzen Tag über schlummert. Denn Zeitungen oder andere profane Schriften zu lesen, die Manchen mehr interessiren würden, gilt ebenso, wie das Briefschreiben, für verpönt. Man unterhält sich über die angehörte Predigt, über das Wetter, über Familienangelegenheiten, oder über den lieben Nächsten, und zieht sich, wenn es nur einigermaßen Zeit ist, gähnend in das Schlafgemach zurück, um von der Mühseligkeit der Sabbathsruhe auszuruhen.

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Daher darf auch der Eifer, mit welchem Handwerker, junge Rechtsgelehrte, Comptoiristen zc. in London, und auf dem Lande die Damen der Gentry und Nobility mit ihren Töchtern die zahlreichen »Sundayschools" (Sonntagsschulen) besuchen, um die kleinen Kinder im KaAn techismus zu unterrichten, nicht allzuhoch angeschlagen werden. einem Tage, an welchem die gewöhnlichen Arbeiten unterbleiben müssen, die sonntägliche Familienruhe durch keinen Besuch gestört werden darf und alle offentlichen Vergnügungslocale geschlossen sind, ist der Unterricht in einer Sonntagsschule immer wenigstens eine Beschäftigung und ein willkommenes Mittel gegen die Langeweile.

Schlimm nur, daß bei der englischen Sonntagsfeier und den strengen Geschen gegen die "Sabbathbreakers« (Sabbathbrecher) auf die arbeitenden Klassen weit weniger Rücksicht genommen ist, als auf die vornehme Welt. Die Nobility auf ihren Schlösfern und die

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Schottische Sonntagsfeier.

reichen Kaufleute und Fabrikherren in den Städten, die sich jeden Tag gesellige Freuden aller Art verschaffen können, mögen damit ganz zufrieden sein, daß der Sonntag zwischen den zahlreichen Bällen und gesellschaftlichen Amüsements eine willkommene Pause macht, aber die Armen, welche die sechs Wochentage hindurch vom frühen Morgen bis zum späten Abend im Schweiß ihres Angesichts arbeiten müssen, haben den gewiß sehr verzeihlichen Wunsch, an dem Sonntag nicht nur einen Tag der apathischen Ruhe, sondern auch der Geist erfrischenden Freude zu haben, und man darf wohl annehmen, daß die Gin-Häuser und Kellertavernen Londons weniger besucht und Schaupläge des wüsten Treibens von Trunkenbolden und lüderlichem Gesindel sein würden, wenn man die Nationalgallerien, die Theater und andere öffentliche Vergnügungsorte auch am Sonntag öffnete, und wie dies in Deutschland der Fall ist, auf den frommen Sonntagsmorgen einen heiteren Sonntagsnachmittag folgen ließe, indem man Spaziergänge oder Fahrten auf die Dörfer in die freie Natur erlaubte.

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Aehnliches gilt von der Sonntagsfeier in Schottland, die wo möglich noch strenger ist, als die englische, und von welcher ein begeifterter Lobredner folgende Schilderung entwirft, die zwar ganz wahr, aber nicht die ganze Wahrheit ist, indem sie die eben erwähnte Schattenseite durchaus unerwähnt läßt. Mit dem anbrechenden Sonntag," heißt es hier, verbreitet sich eine feierliche Sabbathsstille über das ganze Land. In Edinburg ist es vom frühen Morgen an in allen Gassen und auf den Marktplägen still, und die ganze Stadt scheint wie ausgestorben. Alle Läden und Werkstätten, alle Privat- und öffentliche Büreau's find geschlossen; die Restaurationen sind unbesucht; keine Miethskutschen halten auf den Pläßen; es gehen keine Land- oder Wasserposten, keine Dampf- oder Packetboote ab; die aus England kommenden Postwagen halten an der Grenze, und nur die königliche Briefpoft eilt weiter. In den Wohnhäusern versammeln sich am Morgen sämmtliche Glieder der Familie, die etwa anwesenden Fremden und das zum Hause gehörende Dienstpersonal, reinlich gekleidet, aber ohne Prunk und Puz, zu der Morgenandacht, bei welcher die Bibel (ein Abschnitt aus dem A. und einer aus dem N. T.) gelesen, gesungen und gebetet wird. Nach dem hierauf folgenden Frühstück, dem wiederum ein kurzes Tischgebet vorangeht, gegen 10 Uhr, versammelt der Vater oder die Mutter die Kinder um sich, läßt sie das auswendig gelernte Evangelium, die Epistel, Bibelsprüche, Katechismusstücke oder Liederverse auffagen, giebt ihnen etwas Neues zum Lernen auf, und erklärt ihnen in einer belehrenden Unterhaltung, was ihnen unverständlich ist.

,,Gegen 11 Uhr rufen die Glocken das erste Mal zum Gottesdienst. Es wird lebendiger auf den Straßen, und schaarenweise, aber mit würdevoller Ruhe, begeben sich Eltern und Kinder, Herrschaften und Dienstboten, Meister und Gesellen in die Kirche, um dem Morgengottesdienst beizuwohnen, der um halb Eins zu Ende ist. Wieder zu Hause angelangt, unterhält man sich über das, was gesungen oder in der Predigt vorgekommen ist, wobei jedoch alles unfruchtbare und lieblose Kritisiren der Predigt fern bleibt, und um 2 Uhr Nachmittags

Vereine gegen die Sonntagsentheiligung.

kommt man abermals in die noch mehr gefüllte Kirche zum Hauptgottesdienst. Gegen 4 Uhr versammelt man sich zu dem Mittagsmable, das in der Regel einfacher, als an anderen Tagen ist, und zum Theil aus kalten Speisen besteht, um die Dienstboten an diesem Tage so wenig, als möglich, für die irdischen Geschäfte in Anspruch zu nehmen. Die übrigen Stunden des Tages werden, wenn man nicht dem Abends um 7 Uhr beginnenden Gottesdienst der Separatisten beiwohnt, im stillen Familienkreise mit Gesprächen, die meist das Reich Gottes betreffen, zugebracht. Niemand denkt an Karten- oder andere Gesellschaftsspiele, Keiner beklagt es, daß die Theater, Tanz- und Concertsäle, Casino's und andere Vergnügungsorte an diesem Tage geschlossen sind, und man beschließt den Tag, wie er begonnen wurde, mit einer gemeinschaftlichen häuslichen Andacht."

Mag nun auch in der Wirklichkeit Manches doch etwas anders aussehen, als man nach dieser Schilderung einer so friedlich stillen Sonntagsfeier vermuthen möchte, und namentlich dem gemüthlich heiteren Sonntagsnachmittag deutscher Bürgerfamilien Unrecht geschehen, wenn er der steifen Sabbathsfeier der Schotten und Engländer bei weitem nachgesezt wird, so viel ist immer gewiß, daß, während die vornehmere Welt gern den Sonnabend zu Bällen und anderen Luftbarkeiten benußt, um den Tag darauf desto gemüthlicher ausruhen zu können, die mittleren und niederen Klassen gerade den Sonntag nur dann zu genießen glauben, wenn sie ihn zu rauschenden Vergnügungen benugen, und durch solche Erscheinungen mußten sich natürlich die gewissenhafteren Prediger aufgefordert fühlen, auf eine angemessenere Feier des Sonntags hinzuwirken. Zu dem Ende bildete sich 1841 in Berlin ein Verein zur Beförderung einer würdigen Sonntagsfeier," der sich die Aufgabe stellte, durch Beispiel, Belehrung, Ermahnung und Verbreitung zweckdienlicher Schriften, so wie auf jede andere würdige Weise auf die Heiligung des Feiertags hinzuwirken." Schlimm nur, daß gerade die, deren Thun und Treiben die Wirksamkeit eines solchen Bereins am meisten herausfordert, sich am seltensten entschließen, Mitglieder desselben zu werden, während man auf der anderen Seite von denen, die ihm bereitwillig beitreten, auch ohnedies keine auffällige Entweihung des Sonntags zu befürchten hätte.

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Auch in den nächstfolgenden Jahren ist die Sonntagsfeier" in den Pastoralconferenzen ein stehender Artikel gewesen, über den man vielfach hin und her geredet hat, ohne zu einem bestimmten Resultat zu fommen. Und so lange Gutsbesißer und reiche Fabrikherren es ganz in ihrer Macht haben, die Arbeiter zu zwingen, auch den Sonntag über zu arbeiten, falls sie nicht brodlos werden wollen, dürfte auch in der That, namentlich in der gegenwärtigen Zeit, da der Unterschied zwischen Reich und Arm, Herr und Knecht immer bestimmter hervortritt und je ner ehemals so frei und selbstständig dastehende tiers état mehr und mehr zu verschwinden scheint, für Prediger nichts weiter übrig bleiben, als, wie man sich auf der Gnadauer Pastoralconferenz 1846 ausdrückte, ,,auf alle Weise diese wichtige Sache auf dem Herzen zu tragen."

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Kirchenbesuch am Sonntag.

III.

Die gottesdienstlichen Gebäude nach ihrer äußeren Form.

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S o weit der Sonntag als ein chriftlicher Festtag gefeiert wird, gilt auch von den frühesten Zeiten an der Besuch der Kirche und die Theilnahme an dem gemeinschaftlichen Gottesdienst in derselben für einen wesentlichen Bestandtheil dieser Feier. Zwar hat, wie die Feier des Sonntags, so auch der Besuch der Kirche an diesem Tage seine Gegner gefunden, die bis auf diese Stunde nicht müde geworden sind, die uralte Rede, daß man allerwärts, daheim in dem stillen Kämmerlein, wie draußen in dem reich geschmückten Tempel der Natur, kurz, wo man sich immer befinde, sein Herz zu Gott erheben, zu ihm beten und gewiß sein könne, von ihm, dem Allgegenwärtigen, gehört zu werden, immer aufs neue zu wiederholen. Wenn indeß schon Salomo bei der Einweihung des Tempels zu Jerusalem sprach: Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel mögen dich nicht fassen; wie sollte es dies Haus thun, das ich gebaut habe," so werden wir wohl mit Grund vermuthen dürfen, daß dies auch den Christen von Anfang an nicht unbekannt gewesen sein mag, und sie, wenn sie gleichwohl den Kirchenbesuch für eine wichtige Christenpflicht ansahen, gewiß durch etwas Anderes dazu bewogen wurden, als durch die abergläubische Vorstellung, als könne nur in einem bestimmten Hause mit Erfolg zu Gott gebetet werden. Man kann es daher nur höchst komisch finden, wenn in der Aufklärungsperiode ein nicht unberühmter Prediger in einer Predigt vor zehn Zuhörern, den Küster, Organisten und die beiden Chorknaben mit eingerechnet, sehr gründlich und ausführlich das Thema behandelte: daß fleißiges Kirchengehen so wenig den wahren Christen mache, daß man vielmehr, auch ohne jemals in eine Kirche zu kommen, dennoch ein ganz guter Christ sein könne. Denn gewiß waren dergleichen abergläubische Vorstellungen, wären sie auch in den mittelalterlichen Zeiten unter dem Volk verbreitet gewesen, damals so wenig zu befürchten, als in unserer gegenwärtigen Zeit, und dennoch glauben wenigstens ernster gesinnte Christen auch heutzutage sich einer Pflichtversäumniß schuldig zu machen, wenn sie, sobald sie nicht durch dringende Geschäfte oder andere, nicht leicht zu beseitigende Hinderniffe abgehalten werden, es unterlassen, am Sonntag dem zur Kirche rufenden Klang der Glocken zu folgen. Schließen wir uns ihnen an und treten wir mit ihnen ein in das Gotteshaus, so ruft schon der erste, flüchtigste Blick auf unsere örtlichen Umgebungen unwillkürlich eine Menge Gedanken in uns hervor und es schwebt manches Warum? auf unseren Lippen, das wir gern beantwortet haben möchten.

Die Kirchen der verschiedenen Confessionen.

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Wie sehr gleichen die christlichen Kirchen einander im Gegensag zu den Andachtshäusern der nichtchriftlichen Völker, und wie bestimmt und charakteristisch spricht sich doch auch wiederum schon in der inneren Einrichtung, wie in der äußeren Form der confessionelle Unterschied der verschiedenen Christenparteien aus!

Ju schmuckloser Einfachheit erscheint uns eine reformirte Kirche, und wie unverkennbar sich auch das Streben nach einer gewissen behaglichen Eleganz ausspricht, so fern ist doch aller Prunk, alle Bilderpracht. Wir sehen dem Haupteingang gegenüber eine einfache Kanzel, unter ihr ein Katheder für den Lector, und unter diesem, oder, da nicht in allen reformirten Kirchen ein solches Lectoren-Katheder ist, unmittelbar unter der Kanzel den frei dastehenden Altartisch; ihr gegenüber die Orgel mit dem Orgelchor, und mitten in der Kirche, bisweilen auch auf Seitenchören, die Pläge für die Zuhörer.

Nicht ganz so einfach, aber doch ziemlich ähnlich, stellen sich uns die lutherischen Kirchen, namentlich die in neuerer Zeit gebauten, dar. Nur ist hier die Kanzel nicht selten auch an einem Seitenpfeiler, mitten in der Kirche, angebracht, und der, auf einem, um eine oder ein paar Stufen höher gelegenen Raume befindliche Altar pflegt mit einem Brustgeländer umgeben zu sein. Auch fehlt fast in keiner lutherischen Kirche an der Altarwand ein Bild, das eine Scene aus dem Leben Jesu (die Einsehung des Abendmahls, die Verklärung, die Kreuzigung 2c.) darstellt, und in vielen erblicken wir außerdem noch die Bildnisse Luthers und Melanchthons, oder die Portraits ehemaliger Prediger im schwarzen Ornat init weißem Ringkragen und dem Evangelienbuch in der Hand.

In einer anglikanischen Kirche, die im Ganzen noch mehr, als die lutherischen, an die Einfachheit der reformirten Gotteshäuser erinnert, zeigt sich dem Haupteingang gegenüber zunächst das, nur um eine oder ein paar Stufen über den Fußboden erhöhte, kleinere Katheder des Küsters; hinter demselben das, um einige Stufen höhere Katheder des Vorlesers, und hinter diesem endlich die Kanzel für den Prediger, welche in der Regel nicht an eine Wand angebaut ift, sondern frei dasteht. Hinter ihr an der Wand (bisweilen auch seitwärts) steht der von einem Brustgeländer eingeschlossene Altar; der Kanzel gegenüber befindet sich die Orgel mit dem Orgelchor, und im Schiff der Kirche, ebenso wie auf den Seitenchören, sind die Sißpläge für die Gemeine. Was Zierrathen anbelangt, so beschränken fie sich in der Regel auf ein paar Marmortafeln, von denen die eine das chriftliche Glaubensbekenntniß, die andere die Zehn Gebote enthält.

Prunkvoller sind die katholischen Kirchen, selbst die kleinsten, ausgestattet. Hier sehen wir außer dem Hochalter in der Regel noch rechts und links andere, an Seitenpfeilern angebrachte Nebenaltare; an dem einen Seitenpfeiler, nie über dem Hochaltar, die Kanzel, und dem Hochaltar gegenüber auf dem Orgelchor die Orgel. Charakteristisch ist außerdem die bunte Bilderpracht und eine Menge anderer Zierrathen, die dem Ganzen das Ansehen eines festlich geschmückten Tempels geben.

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