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Bilderwand.

Altarraum.

wand hat sich als Bilderwand (sixovóorasis) in den griechischen Kirchen bis auf den heutigen Tag erhalten. In der Mitte (bei III) find die sogenannten heiligen" oder „königlichen" Thüren (dwéri zárskija oder wratà zarskija in der russischen Kirchenspr.). Vorn an diesen Cancellen war im Alterthum das Bema (Bhua), ein erhöhter Sig für den Bischof, wenn er nicht von seinem Bischofssit aus predigen wollte, und für den Presbyter, wenn dieser die Predigt hielt. Den heiligen Thüren gegenüber, an der halbkreisförmigen Wand war (bei K) die erhöhte Kathedra, der Bischofssit, von wel chem aus die ganze Kirche übersehen werden konnte, und rechts und links davon (bei P) saßen der Reihe nach die Presbyter, die älte ften dem Bischof zunächst.

In der Mitte der Konche (xón, Muschel; so hieß wegen seiner halbkreis- oder muschelförmigen Gestalt der Altarraum) stand der Altartisch (meist ein wirklicher Tisch; anfangs von Holz, später von Silber oder Gold), der inwendig hohl war, so daß er zugleich als Behältniß für die Reliquien der Märtyrer diente. Ließ es fich irgend thun, so erhielt der Altar selbst seine Stelle gerade über dem Grabe des Martyrers. 1) Oft wurde auch (theils um an die Zeiten der Verfolgungen zu erinnern, in denen die Christen ihren Gottesdienst in unterirdischen Gewölben halten mußten, mehr noch aber, um den Altar genau an der Stelle zu haben, wo der Märtyrer begraben lag) eine unterirdische Kirche (Krypte) und über diefer eine zweite gebaut. An den vier Ecken des Altars erhoben sich vier kleine Säulen, welche ein halbkugelförmiges Dach trugen, das den Altar beschattete (daher der Name,, umbraculum," während bei den Griechen dieser thurmähnliche Bau „úgyos“ hieß), und oben auf der Spiße, nach dem Zeugniß des Paulus Silentiarius ein Kreuz hatte. 2) Da es der Ort war, wo das heilige Mahl stattfand, so hieß dieser Raum bei den Lateinern auch Ciborium, ein Ausdruck, der in den protestantischen Kirchen für das Behältniß der Abendmahlsoblaten gebräuchlich ist. Der griechische Ausdruck voiaorýgiov (Opferaltar) bedarf keiner Erklärung. Rechts und links vom Altar waren zwei kleinere Gemächer; bei R das Oblationarium (ngódεsic) oder der, in der griechischen Kirche noch_jezt_ge= bräuchliche Rüfttisch, an welchem die Prostomidie oder Zurüstung zur Abendmahlsfeier stattfindet. Im Alterthum wurden hier die, von der Gemeine zum Abendmahle mitgebrachten, und in der Kirche eingesammelten Gaben niedergelegt, und daher hatte in der von Paulinus, Bischof von Nola, beschriebenen Kirche das Oblationarium die Inschrift:

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1) So heißt es schon Offenb. 6, 9.: „Ich sah unter dem Altar die Seelen derer, die erwürget waren um des Wortes Gottes willen, und um des Zeugniffee wilena (διὰ τὴν μαρτυρίαν).

2) Paul. Silentiar. II, 330.

ὑψόθι δ ̓ αὐτοῦ σταυρὸς ὑπερτέλλων ἀναφαίνεται.

Stelle des Altars in der Kirche.

Hic locus est, veneranda penus qua conditur et qua
Promitur alma sacri pompa ministerii.

Auf der anderen Seite, bei D, war das Diaconicum (axevoqvházior), entsprechend unserer Sacristey, deren Inschrift in der eben erwähnten Kirche folgende war:

Si quem sancta tenet meditandi in lege voluntas,
Hic poterit residens sanctis intendere libris,

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woraus wir erfahren, daß es zugleich der, für die Kleriker zu frommen Meditationen und zum stillen Gebet bestimmte Ort war.

Diese kurzen Bemerkungen, welche zunächst nur zur Erläuterung des mitgetheilten Grundrisses dienen sollten, werden, wie viele Fragen sie auch sonst noch unbeantwortet laffen, wenigstens das Eine klar zu machen geeignet sein, was allerdings einen Jeden schon der erste Blick in eine von jenen älteren Kirchen lehren kann, daß nämlich der Altar allein es ist, nach welchem sich alles Uebrige richten mußte. War seine Stelle, sei es nun durch das Grab eines Märtyrers oder durch irgend einen anderen Umstand bestimmt, so hätte man allerdings von diesem einen gegebenen Punkt aus nach den verschiedensten Richtungen hin bauen können. Nur eine einzige aber gab es, bei welcher der Altar im Osten und die ihm gegenüberstehenden Eingangsthüren im Westen waren, und da man, falls nicht unüberwindliche Hindernisse ent= gegenstanden, von diesem Grundgesetz der christlichen Baukunst nicht leicht abwich, so war mit der Stelle des Altars zugleich die Kirchenbaulinie und demnach die ganze innere und äußere Einrichtung des kirchlichen Gebäudes bestimmt.

Allerdings sind auch hier im Laufe der Zeit manche Veränderungen eingetreten. So bedurfte man, seitdem die Strenge der altchristlichen Kirchendisciplin einer milderen Praxis gewichen war, nicht mehr drei verschiedener und von einander abgegrenzter Räume für die ,,Weinenden," die,,Zuhörer" und die Katechumenen und Pönitenten," und es genügte eine einzige Vorhalle, um die zur Kirchenbuße Verurtheilten von den Gläubigen abzusondern. Ebenso wenig schien es, wenig stens im Abendlande denn in den Kirchen des Orients ist allerdings die den Altarraum abgrenzende Bilderwand noch heut im Gebrauch nothwendig, den Altar dem Blick der Gemeine zu entziehen. Denn Katechumenen im alten Sinne des Wortes waren schon zu Justinian's Zeiten eine Seltenheit geworden, da die Einwohner der meisten Orte größtentheils Christen waren, deren Kinder bald nach der Geburt getauft wurden, und insofern auch diese, sobald nur die ersten Kinderjahre vorüber waren, eben so gut, wie die Erwachsenen, am Abendmahl Theil nehmen dürften 1), so hätte eigentlich auch hier, wie

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1) Schon Cyprian kannte die Kindercommunion und Augustinus berief sich, um den Pelagianern die Nothwendigkeit derselben zu beweisen, auf die Worte Chrifti:,,Wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohnes effet und sein Blut trinket, so werdet ihr nicht das Leben haben“ Joh. 6, 53. eine Stelle, mit welcher auch die griechische Kirche ihre noch gegenwärtig übliche Praxis zu rechtfertigen pflegt, nach welcher dem neugeborenen Kinde unmittelbar nach der Taufe das Abendmahl gereicht wird, indem man ihm ein kleines Bröcklein von dem Abendmahls

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Altar und Kanzel in ihrem gegenseitigen Verhältniß. 57

bei der Vorhalle, die abgrenzende Scheidewand zwischen dem Altarraum und dem Schiff der Kirche ganz fallen können, wie sie sich denn auch wirklich in vielen Kirchen des Abendlandes in ein niedriges Brustgeländer verwandelt hat. Und dennoch würde man, wenn die drei Räume: Vorhalle, Schiff und Chor, auch durch nichts von einander geschieden, einen einzigen ungetheilten Raum ausmachten, bald erkennen können, ob eine Kirche für den griechischen oder römisch-katholischen Meßcultus bestimmt ist, bei welchem der Altar, oder für den protestantischen Gottesdienst, bei welchem die Kanzel die wesentlichste Hauptsache ist. Dort concentrirt sich Alles in der Abendmahlsfeier, welche als Act der befeligenden Vereinigung Christi mit dem Gläubigen im Sacrament, wie in der Entwickelungsgeschichte des Menschengeschlechtes in religiöser Beziehung, so auch in der symbolischen Darstellung derselben durch den Gottesdienst den Schlußstein bildet. Und eben darum kann auch der Altar, an welchem diese wunderbare Vereinigung stattfindet, nicht gleichviel wo, sondern genau nur an demjenigen Ort seine Stelle haben, welcher in räumlicher Beziehung das Gebäude abschließt.

Weit eher konnte die Kanzel hier oder da an irgend einem geeigneten Plaz, nur nicht über dem Altar, ihre Stelle finden, und daher finden wir auch in dieser Beziehung die größte Verschiedenheit in den älteren Kirchen. Bald sieht man sie rechts, bald links im Schiff der Kirche, bald dem Altarraum, bald den Kirchenthüren näher oder genau in der Mitte, je nachdem die akustischen Verhältnisse es so oder so verlangen, und oft genug hat sich gar keine Stelle ermitteln lassen, von welcher aus der Prediger überall verstanden werden könnte, daher es eine sehr gewöhnliche Klage ist, daß man gerade in den größten und schönsten Kirchen, welche, ursprünglich für den katholischen Cultus bestimmt, seit den Zeiten der Reformation zum evangelischen Gottesdienst gebraucht worden sind, den Prediger so schwer verstehen könne.

Sobald dagegen die Predigt zu einem der wichtigsten Theile des Gottesdienstes, ja zum wesentlichsten wurde, mußten sich natürlich auch die räumlichen Verhältnisse im Jnneren der Kirche merklich ändern. In einem für Protestanten bestimmten Gotteshaus fragte es sich vor allen Dingen: Wo ist für die Kanzel der geeignetste Ort, damit der Prediger überall verstanden werden kann, und welche Form des Locals ist in akustischer Hinsicht die empfehlenswertheste? Demgemäß wurde, wie in den katholischen Kirchen des Morgen- und Abendlandes der Altar, so in den protestantischen die Kanzel maßgebend nicht nur für die innere Einrichtung, sondern auch für die äußere Gestalt des Gebäudes. Man hat die verschiedenartigsten Formen in Anwendung gebracht, und es bald mit der Form des länglichen Vierecks, bald mit der des Kreuzes, des Kreises oder des regelmäßigen Vielecks versucht, und alle Formen, welche es möglich machen, der Kanzel eine solche Stelle anzuweisen, daß die Worte des Predigers überall deutlich gehört werden.

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brot mit einigen Tropfen von dem mit Wasser vermischten Abendmahlswein vermit telst des, auch bei der Communion der Erwachsenen gebräuchlichen Löffels einflößt.

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Lustrationen im Heidenthum.

können, müssen vom protestantischen Standpunkt aus als zweckmäßig bezeichnet werden. Ob dabei der Altar feitwärts, rechts oder links von der Kanzel oder gerade unter sie zu stehen kommt, ist nur insofern von Bedeutung, als der Protestant auch hierbei wünschen muß, daß der Geistliche überall verstanden werden könne, und da der in dieser Hinsicht geeignetste Ort bereits für die Kanzel gewählt ist, so bedarf es keiner besonderen Erklärung, warum man in vielen protestantischen Kirchen der neueren Zeit den Altar unter der Kanzel sieht.

So viel im Allgemeinen über die innere Einrichtung der chriftlichen Kirchen. Was das Einzelne betrifft, so wird sich dies am besten bei einer genaueren Betrachtung der drei Haupttheile einer altchristlichen Kirche und in der durch sie bestimmten Reihenfolge darstellen Laffen.

A. Die Vorhalle.

1. Das Atrium mit dem Wasserbecken.

Es ist bereits erwähnt worden, daß die Vorhalle der altchriftlichen Kirchen eine zweifache war:

1. die innere, in welcher, dem Schiff der Kirche zunächst, den Katechumenen und denjenigen Pönitenten, welche den gelindesten Grad der Kirchenbuße zu überstehen hatten, ihre Pläge angewiesen waren, während der dahinter befindliche Raum für die bloßen Zuhörer (Juden und Heiden oder solche Christen, die in disciplinarischer Hinsicht diesen gleich geachtet wurden) bestimmt war;

2. die äußere oder das Atrium, wo sich die Weinenden und Energumenen aufzuhalten hatten. Hier befand sich nun das gleichfalls bereits erwähnte Wasserbecken, in welchem sich, einer schon im frühesten Alterthum bei den Juden wie im Heidenthum allgemein üblichen Sitte gemäß, Jeder vor seinem Eintritt in die Kirche wusch.

Von den Aegyptiern ist es bekannt, daß sie sich auf jede religiöse Feier durch sorgfältiges Waschen vorbereiteten, was sie, wie Tertullian (de baptismo c. 5.) berichtet, in der Meinung thaten, dadurch von jeglicher Schuld rein zu werden. Ebenso war es bei den alten Persern; und die indischen Brahmanen schrieben dem Wasser des Ganges eine so große Kraft der Entfündigung zu, daß es von jedem Frevel reinige, auch wenn man sich ganz unabsichtlich mit demselben wasche. In gleicher Weise war es bei den Griechen und Römern Geseß, die Hände zu waschen, ehe man sie zum Gebet erhob, und wie allgemein der Glaube an eine durch solches Waschen zu bewirkende Entfündigung war, erhellt einerseits aus dem Beispiel des Pilatus, der, ehe er über Jesum das Todesurtheil ausspricht, mit den Worten: „Ich bin unschuldig an dem Blut dieses Gerechten"

Lustrationen bei den Muhammedanern und Juden. 59

im Angesicht des Volkes seine Hände wäscht, andererseits aus der Klage des Ovid:

„Ach, wie nehmt ihr es leicht, die ihr blutige Gräuel des Mordes Tilgen zu können vermeint, wenn in dem Fluß ihr euch wascht“ und aus der Aeußerung des Lactantius: Sie glauben fromm geopfert zu haben, wenn sie ihre Haut rein waschen; als ob irgend ein Fluß oder Meer die im Herzen wohnenden unreinen Begierden rein machen könnte."

Auch bei den Muhammedanern ist das Waschen des Gesichtes und der Hände (Wodu) eine wesentlich nothwendige Vorbereitung zum Gebet. Wenn ihr," heißt es im Koran (Sur. V., 7.), „beten wollt, so waschet eure Gesichter und eure Hände bis an die Ellenbogen, eure Häupter und eure Füße bis an die Knöchel, und wenn ihr krank oder auf der Reise seid und kein Wasser findet, so nehmt zur Reinigung feinen Sand und reibet eure Angesichter und eure Hände damit. Denn Gott will euch keine Schwierigkeit auferlegen, sondern euch reinigen und seine Gnade über euch erfüllen." Daher steht auch vor jeder türkischen Moskee zu diesem Behuf am Eingang ein großes, oft prachtvolles Wasserbecken, und das Gebot des Koran hat für den Muhammedaner um so größeres Gewicht, weil der Tradition zufolge diese Reinigung von Gott angeordnet und durch den Engel Gabriel den Menschen gelehrt, schon zu Abraham's Zeiten im Gebrauch gewesen sein soll.

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Ob sich das Waschen als Symbol der inneren Reinigung bei den Juden so weit zurückverfolgen läßt, braucht hier nicht näher untersucht zu werden. So viel aber ist gewiß, daß schon 4. Mose. 19, 9. das Sprengwaffer" oder „Waffer der Unreinigkeit," an exwähnt wird, welches aus der Asche von der verbrannten rothen Kuh und fließendem oder Quellwasser zubereitet werden sollte und dem man die Kraft, von Sünden zu reinigen, zuschrieb. Ebenso legten des Waschens wegen auch späterhin die Juden ihre Synagogen gern an Flüssen an, und wie sehr namentlich die Pharisäer auf diese Reinigung hielten, ist aus dem Neuen Testament hinlänglich bekannt. Matth. 15, 2. stellen sie Jesum zur Rede, warum sich seine Jünger nicht vor jeder Mahlzeit waschen, und nach Luk. 11, 38. ist der Pharisäer, der Jesum zu Tische geladen hat, höchlich verwundert, daß auch er sich nicht vorher wäscht.

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In späterer Zeit wurden die Sagungen der Rabbinen in dieser Hinsicht, wo möglich, noch strenger, und besonders verboten sie es nachdrücklich, am Morgen das Gebet zu verrichten, ehe man die Hände gewaschen habe. Zur Zeit, wann der Mensch schläft," heißt es im Buch Sohar (in der Parasche Bereschith, col. 29.), „flieget fein Geist aus ihm, und wann sein Geist aus ihm fliegt, so ist der unreine Geist bereit und seht sich auf seine Hände und macht sie unrein. Daher ist es verboten, sie zum Gebet zu erheben oder im Gesez ein Wort zu lesen, wenn sie nicht vorher gewaschen sind."

Die christliche Kirche ließ nun dieses, dem Juden- und Heidenthum gemeinsame Waschen der Hände vor dem Gebet oder dem Eintritt in die Kirche um so eher gelten, da es als Symbol der Reini

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