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Weihkessel.

Fest der Wasserweihe.

gung des Herzens den Christen immer aufs neue an die Gemüthsverfaffung erinnerte, in welcher er das Gotteshaus zu betreten und sein Gebet zu verrichten habe, und eben dies scheint auch der Grund gewesen zu sein, weshalb im Abendlande, ungefähr seit dem IX. Jahrhundert, da die Kirchen nicht mehr mit den vormaligen geräumigen Vorhallen gebaut wurden und man auch überdies nicht immer einen Brunnen mit frischem Quellwasser hätte haben können, das altchristliche Wasserbecken in der Gestalt des Weihkessels vorn an den Kirchenthüren seine Stelle erhielt, und wenn wir den Deutungen einiger älteren Schriftsteller trauen wollen, ein Nachbild des ehernen Meeres im jüdischen Tempel sein sollte.

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Uebrigens findet sich der Weihkessel nicht nur am Eingange jeder katholischen Kirche, sondern auch in den Klöstern ist er in jeder einzelnen Zelle rechts bei der Thür angebracht. Ebenso sicht man ihn auch häufig in den Privatwohnungen der Katholiken, und eine unlängst (1844) zu Rottenburg erschienene Anleitung für Alumnen und junge Priester schärft diesen namentlich ein, in ihren Wohnungen stets einen Weihkeffel voll Weihwasser zu haben. 1)

Gewiß würde sich nun gegen den Gebrauch desselben auch von dem strengsten Protestanten nicht viel Erhebliches einwenden lassen, wenn er sich nicht bei dem Volk auf allerlei abergläubische Vorstellungen von einer magischen Wirkung des geweihten Wassers gründete, die wiederum kaum befremden, wenn man bedenkt, wie leicht die bei der kirchlichen Weihe des Wassers gebrauchten Formeln mißverstanden werden konnten.

Noch jezt wird in der russisch-griechischen Kirche dreimal im Jahre, im Winter, im Frühling und im Sommer, das Fest der Wasserweihe oder das Jordansfest gefeiert, und wer mit der kirchlichen Praris des christlichen Alterthums nur einigermaßen vertraut ist, erkennt leicht, daß mit dieser Zeitbestimmung die drei altchristlichen Tauftermine, Weihnachten, Ostern und Pfingsten, gemeint sind, von denen namentlich der erste in der orientalischen Kirche von Alters her besonders ausgezeichnet wurde, indem man den 6. Januar oder den Epiphaniastag als Geburts- und Lauftag Christi und demgemäß die an ihm vollzogene Katechumenentaufe für besonders wirksam ansah. So wird denn noch jest in der russischen Kirche, obwohl bei der Taufe der Kinder schon längst nicht mehr jene festtäglichen Ternine abgewartet, sondern die Kinder, wie anderwärts, bald nach der Geburt zur Taufe gebracht werden, dennoch mit der Feier des Epiphaniasfestes das Fest der Wasserweihe verbunden. Den Tag zuvor wird demnach in der Vigilie oder dem vorbereitenden Nachmittagsgottesdienst die Taufe Christi an einem in die Kirche gestellten Wasserbecken symbolisch dargestellt, und am folgenden Morgen zieht die

1),,Adsit vas aquae benedictae, non quidem vacuum, sed plenum; quaedam mortificationis instrumenta, non manifesta, sed occulta etc." vergl. Ordo vitae sacerdotaliter instituendae, ad usum Alumnorum et Neosacerdotum. Rottenburgi a. N. 1844. p. 40.

Russisches Jordansfest.

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ganze Geistlichkeit des Ortes mit Fahnen, Kreuzen, Kerzen und Bilbern, begleitet von einer zahlreichen Volkemenge, unter dem Gesange von Hymnen, in feierlicher Procession zum Ufer des nächsten Fluffes, der als Stellvertreter des Jordans angesehen, und dessen Wasser kirchlich geweiht wird, indem man ihm durch Herabrufung des heiligen Geistes den Segen des Jordans erfleht. Natürlich sind in dieser Jahreszeit die Flüsse und Seen fest zugefroren, und es muß daher vor dem Beginn des Weihefestes ein viereckiges Loch ausgehauen werden, in welches bei der Feier nicht nur das Kreuz, welches als Stellvertreter Christi dient, sondern auch die Heiligenbilder unter vielerlei Ceremonien mehrere Male hinabgetaucht werden. Die Feierlichkeit selbst aber hat, namentlich im Winter denn zu Ostern und zu Pfingften braucht nicht erst das,,Jordansloch" ausgehauen zu werden einen so eigenthümlichen Charakter, daß der Fremde, der sie zum erften Male sieht, die Frage, was dics alles zu bedeuten habe, kaum unterdrücken kann. Und wendet er sich damit zufällig an deutsche Dienstleute, so erhält er in der Regel die Antwort:,,Heut ist Jordan, da werden die ruff'schen Hergötter gewaschen," eine Erklärung, die allerdings im eigentlichsten Sinne eine verkehrte ist. Denn nicht die Bilder sollen durch das Wasser, sondern es soll umgekehrt das Waffer durch die Bilder gereinigt und vermittelst der Segnungen für Menschen und Thiere gesund und heilsam gemacht werden. Schon in den Weiheformeln, wie sie in den apostolischen Constitutionen und alten Euchologien enthalten sind, heißt das geweihte Waffer ein Mittel zur Abwehr von Krankheiten, zur Verscheuchung der bösen Geister, ein Heilmittel für Leib und Seele und zur Reinigung von Sünden (ὕδωρ νόσων ἀπελαστικὸν, δαιμόνων φυγαδευτικὸν, ἰαματικὸν ψυχῶν καὶ σωμάτων, ἀμαρτημάτων λυτήριον) lauter Ausdrücke, die zunächst nur von dem bei der Taufe zu brauchenden, sacramentalischen Wasser galten, vom Volk aber nur zu leicht so verstanden werden konnten, als würde dem Wasser überhaupt, und ganz abgesehen von der Taufe, durch die Weiheformel selbst eine geheime Wunderkraft mitgetheilt.

Diese Vorstellung hat sich denn auch in der ruffischen Kirche bis auf den heutigen Tag erhalten. Sobald die priesterliche Weihe zu Ende ist, stürzt Alles mit ängstlicher Haft auf das ,,Jordansloch" zu, um wo möglich noch etwas von der Welle zu erhaschen, die von dem untergetauchten Kreuz unmittelbar berührt wurde, obwohl diese längst hinweg geeilt ist. Die Meisten begnügen sich, ihre mitgebrachten grünen Flaschen zu füllen, um zu Hause dann und wann des Morgens einen Schluck zu trinken, sich die Augen, oder ein Glied des Körpers, an dem sie Schmerzen empfinden, zu waschen; die Lakaien holen zu gleichem Zweck für ihre vornehmen Herrschaften in zierlich geschliffenen Karaffen geweihtes Wasser; junge Mädchen, die sich in das Getümmel nicht wagen wollen, und doch auch wieder fürchten, daß sie bei längerem Warten nicht mehr recht kräftiges Wasser bekommen würden, wenden sich in ihrer Verlegenheit an einen jungen Burschen mit der Bitte:,,Batjuschka, Batjuschka, fülle mir doch meinen Krug," und die kleinen Buben, die von den Eltern geschickt sind, um geweihtes

62 Benedictio fontis.

Zehnfach. Nußen des Weihwassers.

Wasser nach Hause zu bringen, treiben zuerst allerlei Unfug damit, sie trinken davon, besprigen sich, gießen sich das Wasser über den Kopf und füllen sich neues ein, während Strengergesinnte, nicht zufrieden damit, sich für ihren häuslichen Bedarf reichlich versorgt zu haben, nachdem das Getümmel vorbei ist, an der Eisgrube selbst Plaß nehmen, um sich in ungestörter Andacht an dem geweihten Trank zu laben.

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In der römisch-katholischen Kirche findet die Wasserweihe (Benedictio fontis) am Ostersonnabend statt, und auch hier heißt es, immer mit Beziehung auf die Wirkung des, wie Luther so treffend es ausdrückt,,,mit dem Wort Gottes verbundenen" sacramentalen Laufwaffers, daß es ein Schußmittel sein solle gegen alle unreinen Geifter und jegliche Versuchung des Teufels. 1) Ueberhaupt lehrte man im Mittelalter, wie aus folgenden, von Luther 2) uns aufbewahrten Reimen hervorgeht, einen zehnfachen Nußen desselben:

,,Sein erster Nußen merklich ist,
Denn es des falschen Teufels List,
Auch sein Anfechtung und argen Rath

Den Menschen keinen Schaden bringen lat.
Der ander Nuß, der machet frei

Das schwach Gemüth von betrüglich Phantasey;
Der dritte von sorglichen irdischen Dingen

Das Herz zu sich selber thuet bringen.

Tägliche Sünden der vierte auslöschet dir.
Der fünfte geschickt_machet schier,

Dich auch zu des Gebets Innigkeit bereitet mit Begier.

Der sechst, des Sacraments theilhaftig zu werden, bereitet dich,

Das der Mensch soll begehren täglich.

Der siebente wohl abwenden mag

Unfruchtbarkeit menschlicher Sach.

Tugendlich der acht kann machen, und mehren zeitlich Gut,
Das fein ander Waffer thut.

Für eine kräftige Arznei der neunte wird gezählt,

1) Das wahrhaft schöne und kirchlich würdige Weihegebet im römischen Missale lautet, nach den Eingangsworten: Deus! cujus Spiritus super aquas inter ipsa mundi primordia ferebatur, ut jam tunc virtutem Sanctificationis aquarum natura conciperet. Deus! qui nocentis Mundi crimina per aquas abluens, Regenerationis speciem in ipsa Diluvii effusione signasti: ut unius ejusdemque elementi mysterio et finis esset vitiis et origo virtutibus. Respice Domine! in faciem Ecclesiae tuae, et multiplica in ea Regenerationes tuas, qui gratiae tuae affluentis impetu laetificas Civitatem tuam, Fontemque Baptismatis aperis toto orbe terrarum Gentibus innovandis, ut tuae Majestatis imperio sumat Unigeniti tui gratiam de Spiritu Sancto. Qui hanc aquam regenerandis hominibus praeparatam, arcana sui Numinis admixtione foecundet: ut Sanctificatione concepta ab immaculato divini Fontis utero, in novam renata Creaturam, Progenies coelestis emergat: Et quos aut secus in corpore, aut aetas discernit in tempore, omnes in unam pariat Gratia mater infantiam. Procul ergo hinc, jubente te, Domine, omnis Spiritus immundus abscedat! Procul tota uitia Diabolicae fraudis absistat! Nihil hic loci habeat contrariae virtutis admixtio: non insidiando circumvolet: non latendo subrepat: non inficiendo corrumpat etc.

2) Vergl. Walch kuth. W. XIX. p. 1245.

Kraft des Weihwassers.

Auch für Krankheit dich behält.
Der zehent hat die Kraft an sich,
Daß er vor Pestilenz behütet dich,
Und auch vor böser Luft;

Darum follt du dich besprengen oft."

Die fündentilgende Kraft des Weihwaffers betreffend, lehrte

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Kirchenthürme.

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man:

1) Wer sich täglich damit besprengt, tilgt dadurch eine tägliche Sünde;

2) wer vom Priester damit besprengt wird, erhält Vergebung für die täglichen Sünden eines ganzen Tages;

3) wer vom Priester am Sonntage damit besprengt wird, erhält Vergebung für die täglichen Sünden der ganzen vergangenen Woche;

4) die priesterliche Besprengung an einem Aposteltage tilgt die täglichen Sünden von vier Wochen;

5) geschieht dieselbe an den hohen Festen, so tilgt sie die täglichen Sünden eines ganzen Vierteljahres;

6) die Besprengung am Kirchweihfeste aber tilgt die täglichen Sünden eines ganzen Jahres.

Allerdings find mit den täglichen“ Sünden hier nicht alle, den ganzen Tag über begangenen Sünden, sondern nur jene leichteren Ülebereilungs- und Schwachheitssünden gemeint, wie sie sich auch der Beste täglich und stündlich zu Schulden kommen läßt, - gleichwohl aber wird man es den Protestanten nicht eben zum Vorwurf machen. dürfen, wenn sie den, an und für sich zwar nicht verwerflichen Gebrauch des Weihwaffers, wegen des nur zu leicht dabei sich einfindenden Mißbrauchs, ganz aus der Kirche entfernten."

2. Die Thürme und die Kirchenglocken.

In der äußeren Vorhalle einer altchriftlichen Kirche befand sich sonst nichts, was in kirchlicher Beziehung unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen könnte, und selbst der vormalige Wasserbehälter ist, wie gesagt, schon seit dem IX. Jahrhundert in die Kirche selbst aufgenommen worden, wo er an den Kirchenthüren in der Gestalt des Weihkessels seinen Plaß gefunden hat.

Desto größere Wichtigkeit aber erhielt, wenigstens in der deutschen Baukunst, die Vorhalle dadurch, daß sich über ihr der Thurm der Kirche erhob. Denn dies war wenigstens bei den einthürmigen Kirchen sein gewöhnlicher Plas. Bei größeren Kirchen, welche außer dieser Vorhalle noch rechts und links Seitenhallen hatten, wurde auch wohl über jeder derselben ein Thurm errichtet, wenn man es nicht vorzog, nach dem Vorbild des Salomonischen Tempels, an dessen Vorhalle zwei eherne Säulen errichtet waren, jede 18 Ellen hoch, die eine, rechts, Jachin, die andere, links, Boas genannt (vergi. 1. Kön. 7, 15. 21.; 2. Chron. 3, 17.), über der westlichen Vorhalle zwei Thürme, rechts und links, und mitten auf dem Dach der Kirche, gerade über dem Triumphbogen, einen dritten zu errichten.

Glockenfeinde. Jüdisches Posaunenfest.

Diese Thürme haben nun im Abendland im Orient ist dies, wie weiter unten dargethan werden soll, anders von jeher den Zweck gehabt, für das der christlichen Kirche eigenthümliche Glockengeläute eine passende Stelle darzubieten, und daher findet sich auch vor dem gottesdienstlichen Gebrauch der Glocken keine Spur von Thürmen.

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Nicht leicht aber hätte die christliche Kirche zur Zusammenberufung der Gemeine ein Mittel finden können, das der Würde ihres Gottesdienstes so angemessen gewesen wäre, als die wundersam feierlichen und friedlichen Klänge der Glocken, und nur die entschiedene Abneigung gegen den Cultus der Christen überhaupt macht es erklärlich, daß fich die Zuden und Muhammedaner stets als entschiedene Gegner der Glocken gezeigt haben. 1)

Bei den Juden waren es auf dem Zuge durch die Wüste und ebenso auch in späterer Zeit Trompeten, mit denen die Neumonde und Feste angekündigt wurden (4. Mof. 10, 10.) und das im siebenten Monat (Tisri) gefeierte Neujahrsfest erhielt eben davon den Namen Trompeten- oder Posaunenfest, my i Bei den Muhammedanern werden die Gebetsstunden bekanntlich noch jeßt von den Mueddin auf den Thürmen der Moskeen dadurch angekündigt, daß diese mit möglichst starker Stimme in einer singenden Weise Sprüche aus dem Koran und kurze Gebetsformeln recitiren.

Indeß war der Gebrauch kleiner Glocken dem Alterthume nicht ganz fremd. Der Hohepriester hatte goldene Schellen an seinem Gewande, damit das Volk, das draußen stand, an dem Klingeln erkennen sollte, daß er im Heiligthume sei (2. Mose 28, 35.; Sir. 45, 11.), und ebenso brauchten die griechischen und römischen Opferpriester Klingeln (xadores) und metallene Becken (lebetes).

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Bei den Christen konnten natürlich in den Zeiten der Verfolgungen dergleichen lautschallende Signale nicht in Anwendung kommen.

(deutsch: Wer ziehet an dem fall' in die Finsterniß, d. i.

1) Was namentlich die Juden betrifft, so meint der Rabbi Bechai seiz nem Commentar zum Pentateuch (fol. 96.): „In den Büchern der Zaubereien wird gemeldet, daß bei dem Werk des Wahrsagergeistes oben beim Haupt der Leiche eine Frau, unten bei den Füßen ein Mann, in der Mitte aber ein Knabe mit einer Klingel stehen und damit klingeln müsse, und dies sei unter den Heiden sehr gebräuchlich gewesen. Von da," fährt er fort, ist diese Sitte in das edomitische Reich (der Christen) eingeführt worden, welche Glocken haben, mit denen sie auf den Thürmen läuten, was bei keinem anderen Volke gebräuchlich ist." Ganz ähnlich heißt es in einer anderen rabbinischen Erklärung von Jesaj. 5, 18.: Webe denen, welche die Ungerechtigkeit mit Seilen der Eitelkeit zieben“: „Dies sind die Seile, damit die Christen in dem Hause ihrer Gräuel (in der Kirche) ihre Glocken zum Dienst ibres Gottesdienstes ziehen, wenn sie damit läuten," und eifrigere Juden verfehlten, in früberen Zeiten wenigstens, nie, wenn sie das christliche Glockengeläute hörten, die Verwünschungsformel zu murmeln:

"

,,Moschech bachéfel,
Jippol baséfel,
Bachéfel moschech,
Jippol bachoschech"

Seil, der falle in den Koth; wer an dem Seile ziehet, in den Abgrund der Hölle).

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