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The intolerable itch of preaching."

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für den Decident war, als die Länge derselben für den Orient, und erst in späterer Zeit, als die Franciscaner und Dominicaner (1217) die Erlaubniß, zu predigen, erhalten hatten, wurden die Predigten im Occident länger, und mancher Mönch brauchte zu seinen zelotischen Buß- oder Keßerpredigten über zwei Stunden, ja die Capuciner nahmen die Geduld ihrer Zuhörer bisweilen drei bis vier Stunden lang in Anspruch.

Luther dagegen war ein abgesagter Feind solcher langen Predigten. Er schärfte wiederholentlich den Predigern ein,,,sie sollten die Zuhörer nicht martern und aufhalten mit langen Predigten, da es um das Gehör gar ein zärtlich Ding sei, und man eines Dinges bald überdrüffig werde," tadelte oft den Dr. Pomeranus um seines langen Predigens willen, und vergaß es nicht, bei seiner Aufzählung der Eigenschaften und Tugenden eines guten Predigers zu bemerken: "Zum Sechsten soll er wissen, aufzuhören." Er also hat es nicht zu verantworten, daß späterhin auch in der lutherischen Kirche vielfach über zu lange Predigten geklagt werden mußte; durch welche die Zuhörer nur,,unlustig und verdrüßlich" würden.

In neuerer Zeit ist man von diesem Fehler mehr und mehr zurückgekommen, und Predigten, die länger als eine Stunde dauern, ge= hören zu den Ausnahmen. Nur die englischen Dissenters bilden auch hierin einen charakteristischen Gegensatz zu der Geistlichkeit der Episkopalkirche, deren Vorträge meist sehr kurz find. Der Grund davon, daß sie so viele und lange Predigten halten, ist, wie sie selbst sich äußern, the intolerable itch of preaching,« die unerträgliche Sehnsucht zu predigen, und diese ist bisweilen so groß, daß sie die ganze Woche hindurch, oft drei bis viermal an einem Tage predigen, und wie schwer es ihnen mitunter fällt, dem einmal entfesselten Strom ihrer Beredtsamkeit ein Ziel zu sehen, beweist der Bericht eines Reisenden, der bereits eine halbe Stunde lang der gewaltigen Bußpredigt eines methodistischen Predigers zugehört hatte, nachher aber sich entfernen mußte, und als er nach zwei Stunden wiederkehrte, noch den-selben Prediger und dieselbe Gemeine vorfand, die mit ängstlichem Stöhnen und lautem Schluchzen die Schilderung anhörte, die der Redner von den ewigen Höllenstrafen entwarf, worauf es noch eine gute halbe Stunde währte, ehe die Predigt zu Ende war.

4. Die Kirchenstühle.

Außer der Kanzel finden wir im Schiffe der Kirche die für die Zuhörer bestimmten Sigpläge, die meisten in den protestantischen Kirchen, wenigere in den katholischen und gar keine in den griechischen, was man feinesweges als eine bloß zufällige Verschiedenheit anzusehen hat.

Im christlichen Alterthum war man in Betreff der Pläge zuvörderst auf eine Absonderung der beiden Geschlechter bedacht, wie dies schon die damaligen Begriffe von Schicklichkeit forderten. Bei den Griechen und Römern waren die Opfer der Weiber streng geschieden von denen der Männer, und von den Bacchantinnen weiß

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Männer- und Frauenpläge in den altchristl. Kirchen.

man, daß sie in ihrem Fanatismus Männer zerrissen, die es wagten, Zuschauer bei ihrem Feste zu sein. In dem Tempel zu Jerusalem hatten zwar die Weiber so gut, wie die Männer, Zutritt; während aber diese in dem sogenannten Vorhof der Juden ihre Pläße hatten, waren für jene, links und rechts von demselben, abgesonderte Räume bestimmt, zu denen besondere Chore führten. Ja, Origenes 1) bemerkt, daß einer ihm zugekommenen Tradition zufolge, auch die Jungfrauen und die verheiratheten Frauen geschieden waren. ,,Maria," hieß es in dieser Tradition, begab sich, nachdem sie den Heiland ge= boren, an den Jungfrauenplag, um dort zu beten. Diejenigen aber, welche sie bereits als Mutter eines Kindes kannten, wollten sie dort nicht dulden. Da trat der Priester Zacharias zu ihnen und versicherte: fie sei dennoch Jungfrau, und dürfe mit Recht an diesem Plage stehen. Jene aber, aufgebracht über dieses gesezwidrige Beginnen, fielen über Zacharias her, und tödteten ihn mitten im Tempel." Je strenger nun im Heiden- und Judenthum auf diese Abfonderung gesehen wurde, desto mehr mußte es auch in der christlichen Kirche geschehen, sollte diese nicht in den Augen der Gegner als eine Pflanzstätte der Unsittlichkeit erscheinen. Daher sollten, nach einer Verordnung in den apostolischen Constitutionen 2), Thürhüter an den Thüren der Männer, und Diakonissen an den Thüren der Weiber ste= hen, um zu verhüten, daß sich nicht ein Mann an den Plaß der Weiber schleiche, was besonders bei den Vigilien nur zu leicht hätte geschehen können.

In den Kirchen des Orients waren die Pläge für das weibliche Geschlecht oben auf Chören oder Emporkirchen (inɛopa ge= nannt), während die Männer ihre Pläge unten im Schiff hatten, und Helena, die fromme Mutter Konstantins, beobachtete die firchliche Sitte so genau, daß sie sich nie an den für den kaiserlichen Hof bestimmten Plas unten im Schiff begab, sondern stets zu den übrigen Frauen stellte.

In den occidentalischen Kirchen, welche in der Regel keine Seitenchöre hatten, waren die Pläge der Männer von der Thür aus rechts (oder südlich, da der Altar gen Osten stand), die der Frauen links (nördlich), und als Grund dafür wird angegeben, daß die Männer, als das stärkere Geschlecht, leichter im Stande sind, die (südliche) Drangsalehige der Prüfungen zu ertragen, während das schwächere Geschlecht zweckmäßiger gen Norden stehe.

Außerdem waren die Pläge der Frauen, mochten sie sich oben auf Chören, oder unten im Schiff befinden, durch hölzerne Gitter vor allen neugierigen und lüsternen Blicken der Männer geschüßt. „Ehedem," sagt Chrysostomus in einer Predigt 3),,,waren diese Gitterwände allerdings nicht da; denn in Christo ist kein Mann noch

1) Orig. homil. 26. in Matth.

2) Constit. II. c. 57. Οἱ μὲν πυλωροὶ εἰς τὰς εἰςόδους τῶν ἀνδρῶν, φυλάττοντες αὐτὰς, αἱ δὲ διάκονοι εἰς τὰς γυναικῶν.

3) Chrysost. homil. 74. in Matth.

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Knieen, Stehen und Sigen in der Kirche.

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Weib (Gal. 3, 28.), und zur Zeit der Apostel waren Männer und Weiber einmüthig bei einander; damals aber waren auch die Männer noch Männer, und die Weiber Weiber. Jeht aber sind die Weiber zur Lebensweise der Luftdirnen herabgesunken, und die Männer gleichen den Pferden in ihrer Brunst."

Die Pläge im Einzelnen betreffend, wurde in den apostolischen Constitutionen 1) verfügt, daß (in den Kirchen, welche keine Frauenchöre hatten) den Thüren zunächst die Jünglinge, wenn Raum genug wäre, sigen, wo nicht, stehen sollten; weiterhin, auf den Altar zu, sollten auf der einen Seite die Väter, und neben oder hinter ihnen die Knaben, auf der anderen Seite die Mütter mit den Töchtern figen; die Jungfrauen (Nonnen) aber, die Wittwen und die betagten Frauen sollten vor allen Anderen die ersten Pläge haben. Außerdem sollte, wie es weiter heißt, wenn, während die Gemeine saß, ein achtbarer und angesehener Mann, sei es ein Fremder oder Einheimischer, in die Kirche käme, die Gemeine ihn durch die Diakonen einführen laffen, und diese sollten, wenn kein Plaß mehr da wäre, mit freundlicher Rede, nicht aber mit Ungestüm, einen von den Jüngeren aufstehen heißen, um jenen fißen zu lassen.

Hieraus geht deutlich hervor, daß die Zuhörer in den orientalischen Kirchen (denn die apostolischen Constitutionen beziehen sich größtentheils auf diese) nicht immer standen oder knieeten, wie man bisweilen behauptet hat, sondern auch saßen. Nur war das Sigen in der chriftlichen Vorzeit allerdings nicht so sehr im Gebrauch, als bei

uns.

Die Gebete wurden, meist knieend (nur am Sonntage und in der Zeit von Ostern bis Pfingsten stehend) gesprochen; die biblischen Lectionen wurden (wie bei uns) stehend angehört, und die Psalmen und Hymnen stehend gesungen; ebenso wohnte man der Abendmahlsfeier stehend bei, und selbst die Predigt wurde an vielen Orten, wenn auch nicht überall, stehend angehört. So wollte der Kaiser Konstantin, wie sehr ihn auch Eusebius bat, sich während der Predigt durchaus nicht sehen, sondern hörte mit der ganzen Gemeine fie stehend an. Ebenso war es in Afrika Sitte, daß die Gemeine stehend zuhörte, während der Prediger sigend sprach. Augustinus 2) je

1) Constit. II. 57. Οἱ μὲν νεώτεροι ἰδίᾳ καθεζέσθωσαν, ἐὰν ᾖ τόπος· εἰ δὲ μὴ, στηκέτωσαν ὀρθοὶ· οἱ δὲ τῇ ἡλικίᾳ ἤδη προβεβηκότες καθεζέσθωσαν ἐν τάξει· τὰ δὲ παιδία ἑστῶτα προςλαμβανέσθωσαν αὐτῶν, οἱ πατέρες καὶ μητέρες· αἱ δὲ νεώτεραι πάλιν ἰδίᾳ, ἐὰν κ τόπος· εἰ δὲ μήγε, ὄπισθεν τῶν γυναικῶν ἱστάσθωσαν· αἱ δὲ ἤδη γεγαμηκυῖαι καὶ τεκναρχοῦσαι ἰδίᾳ ἱστάσθωσαν· αἱ παρθένοι δὲ καὶ αἱ χῆραι καὶ πρεσβύτιδες πρῶται πασῶν στηκέτωσαν ἢ καθεζέσθωσαν κ. τ. λ.

2) August. de catechiz. rudib. c. 13. Quanquam sine dubitatione melius fiat, ubi decenter fieri potest, ut a principio sedens audiat, longeque consultius in quibusdam ecclesiis Transmarinis non solum antistites sedentes loquuntur ad populum, sed ipsi etiam populo sedilia sub

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Keine Sigpläge in der griechischen Kirche.

doch meinte: Weit beffer ist es ohne Zweifel, daß die Zuhörer, wenn es mit Anstand geschehen kann, von Anfang an die Predigt sigend anhören," und er billigte vollkommen die in Italien, namentlich in Rom, herrschende Sitte, daß nicht bloß der Prediger, sondern auch die Gemeine während der Predigt saß, damit kein Schwächerer, vom Stehen ermüdet, in der heilsamen Andacht gestört, oder gar fortzugehen genöthigt würde.

Dieses Sigen beschränkte sich jedoch in der Regel eben nur auf das Anhören der Predigt. Fiel also diese hinweg, wie es im Mittelalter häufig genug der Fall war, und in der griechischen Kirche noch jezt der Fall ist, so gab es, der kirchlichen Praxis zufolge, keinen Theil des Gottesdienstes, bei dem die Zuhörer sißen durften. Darum fehlen in den russisch - griechischen Kirchen die Sigpläge ganz, und sie können hier in der That auch eher fehlen, als in anderen Kirchen. Denn verhältnißmäßig werden die griechischen Kirchen weit mehr von Männern als von Frauen besucht, wie sich dies am auffallendsten in Ungarn zeigt, wo in den illyrischen (griechischen) Kirchen die Männer alle vorn stehen und die Hauptversammlung bilden, die Frauen dagegen mehr hinten vereinzelt stehen, während dies in den ungarischkatholischen Kirchen gerade umgekehrt ist, in welchen die Frauen regelmäßig vorn und in der Mitte in Masse zusammenfißen, die Männer aber hinten an den Mauern, an den Thüren und in den Gängen sich vertheilen. Kohl erklärt sich diese Erscheinung damit, daß das Christenthum in der Form, wie es in der griechischen Kirche sich darstellt, mehr eine Männerreligion sei, während die katholische Kirche, wie namentlich der ihr eigenthümliche Mariendienst beweise, mehr den tiefreligiösen Sinn des Weibes berücksichtigt habe. Wie richtig indeß auch diese Bemerkung ist, so wenig wird man in Betreff der mehr von Männern als von Frauen besuchten griechischen Kirchen vergessen dürfen, daß die Sitten des Orientes dem Weibe das öffentliche Erscheinen überhaupt eher verbieten, als gestatten, und der Kirchenbesuch, wenn er auch eine gefeßlich anerkannte Ausnahme bildete, dennoch mit darunter leiden mußte. Auf die russischen Kirchen, scheint es aller= dings, könne jene orientalische Sitte von keinem besonderen Einfluß gewesen sein. Wenn in diesen jedoch, in Uebereinstimmung mit den Kirchen des Orientes, die Sigpläge ganz fehlten, so lag schon hierin für das weibliche Geschlecht ein Grund, minder fleißig, als die Män

dem kirchlichen Gottesdienst beizuwohnen.

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In den Kirchen Spaniens giebt es nur an den Seitenwänden Bänke für franke und schwächliche Personen; alle Uebrigen knieen größtentheils auf Strohmatten; die Männer legen sich auch wohl ihre Mäntel unter, und die Frauen fauern mit untergeschlagenen Füßen neben einander. Auf den kanarischen Inseln fauern die Frauen niederen Standes; die vornehmeren Damen lassen sich von ihren Dienern Stühle in die Kirche nachtragen, und die Männer lehnen sich,

jacent, ne quisquam infirmior stando lassatus a saluberrima intentione avertatur, aut etiam cogatur abscedere.

Sigpläge in den protest. Kirchen. Altarraum.

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in den Mantel gehüllt, an die Mauern und Pfeiler, und rauchen auch wohl, wenn es unbemerkt geschehen kann, ihre Cigarren, während die ganze Messe hindurch Kinder und Hunde in der Kirche herumlaufen.

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Desto mehr wird in den protestantischen Kirchen gesessen. Man sigt und betet; man sißt und singt; man sigt und hört die Liturgie; man fist und hört die Predigt, und steht höchstens während der biblischen Lection und beim Segen auf. Fast jeder Winkel in der Kirche wird zu einem Sipplag benugt, und oft sieht man in gar nicht besonders hohen Kirchen drei bis vier Reihen Chöre dicht über einander, und unten im Schiff Bank an Bank, und Stuhl neben Stuhl; und da diese Pläge gewöhnlich vermiethet werden, so erwächst allerdings nicht nur der Kirche aus der Sigluft der Protestanten ein baarer Gewinn, sondern auch den Miethern der Vortheil, daß sie nie um einen Plaz zum Sißen“ verlegen sein dürfen. Denn dieser ist meist verschloffen, und den Schlüssel dazu hat nur entweder die Inhaberin des Plages, oder eine, mit diesem Theile des Kirchendienstes beauftragte, alte Frau, die mit dem Gesangbuch an der Thür fißt, und sobald die Besizerin eines Kirchenstuhles eintritt, die Brille von der Nase nimmt, als Zeichen in ihr Buch legt, und klirrend mit dem Schlüsselbunde an den bestimmten Plag vorauseilt.

C. Der Altarraum.

1. Die Gitter- oder Bilderwand und die Vorbühne.

Wie im Schiff der Kirche der Ambon, so bildete in den alt= christlichen Kirchen der Altar im Chor den Mittelpunkt. Während aber in den ersten Zeiten der Altartisch offen und frei dagestanden hatte, so daß die ganze Gemeine ihn sehen konnte, hielt man es spä= ter, da man sich mehr und mehr gewöhnte, das Abendmahl als ein Opfer zu betrachten, und mit dem großen Versöhnungsopfer der Juden zu vergleichen, das der Hohepriester in dem durch einen dichten Vorhang verhüllten Allerheiligsten darbrachte, für angemessen, auch in der christlichen Kirche den Altarraum durch Gitterwände und Vorhänge von dem für das Volk bestimmten Raum abzusondern.

Schon Eusebius 1) (um 340) erwähnt in seiner Beschreibung der Kirche des Paulinus eine Gitterwand von überaus feiner und zierlicher Arbeit, und Athanasius die Vorhänge (ßñλα, vela),

1) Euseb. H. E. Χ. c. 4. Αὖθις καὶ τάδε, ὡς ἂν εἴη τοῖς πολλοῖς ἄβατα, τοῖς ἀπὸ ξύλου περιέφραττε δικτύοις, εἰς ἄκρον ἐντέχ του λεπτουργίας ἐξησκημένοις, ὡς θαυμάσιον τοῖς ὁρῶσι παρέχειν τὴν θέαν.

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