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Wenn Hildebrand für das unverständliche delicat ein delerat vorschlägt, so stellt er damit allerdings eine häufig vorkommende Form her und kann sich rücksichtlich der Art der Glossirung z. B. auf 154, 32: geneto : genito berufen. Es fragt sich aber, ob nicht vielmehr delirat : deuiat (vgl. dcuiat: errat in codd. Vat. 14691, Cas. 218) darin steckt. Freilich hat auch diese Herstellung ihre Bedenken.

291, 104 verra : verrucli

Vielleicht verris : verriculi ? uerriculi bieten A1 und der Leidensis von A?.

96, 89: delibato : refloratio, immolatio

Verwandte Ueberlieferungen sind: Cyrillus 384, 13: 'Attapxń: delibatio, inceptio, inchoatio, hoc libamen, primitiae, delibatus (ich gebe die Glosse in der von E. Miller ‘Notices et Extraits' 29, 2 p. 58 a bekannt gemachten Fassung der Handschrift von Laon); glossa Servii: Delibatio : åttapxń; delibatio : perfusio (vgl. die Glosse delibutus : perfusus) seu waefloratio (andere Handschriften perfloratio) glossae fa a’; delibat : praecerpit Hildebrand 97, 77. 245, 322. Danach unterliegt es keinem Zweifel, dass Hildebrands Vermuthung defloratio fehl geht. Es ist vielmehr: delibatio : praefloratio, immolatio zu schreiben.

P. 83, 470: cras : postero hodie. Hildebrand weiss nicht Rath: cras bedeute ja bekanntlich postero die. Aber eben dies ist mit Streichung von ho herzustellen.

P. 77, 391: continuis : iugis. Natürlich continuus.

P. 77, 394: contionares : errores. Richtig der Leidensis contionatores. Statt an oratores, was ja zunächst liegt, würde ich vielmehr an retores d. h. Ďntopec denken. Griechisches ist häufig in diesen Glossen.

P. 185, 432: iudicium recuperatorum : ubi agitur op reparationes. Da L am Schlusse causa anfügt, wird zu schreiben sein: iudicium recuperatorium : ubi agitur recuperationis causa.

P. 133, 269: existit : consequitur. Die Glosse ist wohl verstellt: sie gehört der alphabetischen Reihenfolge nach vor 267. Für die Herstellung weiss ich nur ein sehr kühnes Heilmittel: [ad- oder ind-Jepiscitur : conscquitur. Vgl. die in 778 den ‘abavus maiores erhaltene Glosse: episcitur : consequitur.

LOEWIL OPUSCULA GLOSS.

8

P. 128, 147 eine greulich verderbte Glosse *). Die Ueberlieferung ist:

A: ereptoria : admanda kat' (od. kat) reddenda

1 P: ereptoria : admanda icat reddenda A?

| L: ereptoria : admandicatur reddenda Das zweite Wort scheint mir schon Scaliger richtig hergestellt zu haben. Die Isidorglosse 678, 51 bietet nämlich in allen mir bekannten Gestaltungen alimenda, was jedenfalls nicht Ueberlieferung, sondern Verbesserung des Sammlers ist. Wenn wir nun noch ereptori bessern, so haben wir als Lemma die irgend einem Schriftsteller entnommenen Worte creptori adimenda, zu denen reddenda ganz wohl als Erklärung gedacht werden kann. Was mit dem griechischen Theile der Glosse zu machen ist, weiss ich nicht. Sollte darin ein Rest von AP]XAI[SC stecken, so wäre die eben gegebene Behandlung der beiden ersten Worte falsch.

Wie erlesene Worte oft in diesen Glossen durch Corruptel verdunkelt worden sind, dürfte zum Schluss folgendes Beispiel zeigen. P. 96, 96 lautet bei Hildebrand delictus : depulsus vel bessudatu quod dicitur und soll nach ihm geschrieben werden: delictus : depulsus, pessum datus quod dicitur. Ich möchte nur fragen, wer diese Emendation versteht. Sieht man sich etwas weiter um, so ergibt sich, dass oft

Contamination vorliegt. Hildebrand p. 98, 132 bietet

wie so

*) Eine Anzahl ähnlich schwieriger Glossen, bei deren Verbesserung ich von anderen Hülfe erwarte, füge ich noch kurz bei. Coat : inclinat seu insidiat und insidiat : fraudatur, coat (viell.

ceuet : inclinat se u. insidiat als Variante zu inclinat auszu

sondern); concentus : simul se colligentes (conventus ?). convenire : capitis metus (corrupte Worte einer bestimmten Stelle,

also nur Lemma?). curustus : magnus (colossus : magnus ***? collativus : magnus (e

collatione factus)?). palma : vaticae divinationis (palma : victoriae donatio ?). prodeant : videant (procitant : vocant ?). immemor : dilabor (zw. inmanis u. inmaturum; inmanior : dirior

oder crudelior?). confida : dubitator (confidit : (in>dubitanter (committit)?). curcilla : oppilago (corticilla? Cur- wie Furtuna, conturpet u. Aehn

liches in diesen Glossen).

779

depulsus : delictus und andere (nicht 'abavus-") Glossare delictus : * ** quem dicunt (éine Quelle, den ‘abavus-Glossen ähnlicher, quem dicitur). Wo ich Sterne gesetzt habe, erscheint ein Wort, das jede Handschrift anders überliefert:

cod. Vaticanus 3321 (daraus falsch A. Mai Class. Auct. VI p. 520): uerrucclatus

Papias: uerruculatus
cod. Casinensis 90: ueruclatu

clatu
cod. Amplon.? ined. p. 295, 33/34: ferru dau
Hildebrands Parisinus: bessudatu

der Leidensis desselben Glossars: berru datu Aus dieser Zusammenstellung erhellt, wie sehr Hildebrands pessum datus schon der handschriftlichen Ueberlieferung ins Gesicht schlägt. Wir haben nun zwei Glossen gewonnen:

delictus : depulsus

delictus : † verruclatu(s) quem dicunt. Von diesen ist die erste zu schreiben:

delicus : depulsus delicus war ein rustiker, von Thieren üblicher Ausdruck für depulsus dnoTalakticeíc. Vgl. die in den Lexicis aufgeführten Stellen des Cato und Varro, sowie die Philoxenusglosse 65, 24 delitum : eroyalakticév, wo Meursius längst delicum emendirt hat. Mit gleicher Evidenz lässt sich das Lemma der zweiten Glosse bessern, wenn man nur zugiebt, dass in dem seltsamen verruclatu(s) irgend eine von verna abgeleitete Form, etwa vernula, vernaclus, vernacellus (vgl. die auch sachlich interessante Glosse des Leidensis 67 E f. 58'b vernacellus : qui suscitat per dies festos) u. dgl. steckt. In diesem Falle ist delicius zu schreiben: vgl. die häufig überlieferte, am vollständigsten im cod. Leidensis 67 E s. X erhaltene Glosse: delicius : puer in deliciis amatus (viell. habitus ?) a domino suo und die inschriftlichen Belege bei Georges. Synonym mit delicius und in dieser Bedeutung noch nicht belegt sind deliciosus und nutricius:

96, 94: deliciosus : nutricius
221, 150: nutricius : deliciosus, vernaculus.

V.

Anecdota Oxoniensia. Texts, documents, and extracts chiefly from

manuscripts in the Bodleian and other Oxford libraries. Me

diaeval and modern series. Vol. 1, part. 1. Sinonoma Bartholomei edited by J. L. G. Mowat, M. A. Oxford

at the Clarendon Press 1882.1

400

Das seit Kurzem ins Leben getretene höchst dankenswerthe Unternehmen, die reichen Handschriften-Schätze Oxfords zu veröffentlichen, verspricht in rascher Folge eine Masse werthvollen Materials an den Tag zu fördern. Den Interessenten der vierten, der mediaeval and modern serieswird in Gestalt der sinonoma Bartholomei das erste Specimen dargeboten. Man kann nicht gerade sagen,

nicht gerade sagen, dass dieses Schriftchen die Reihe in besonders bedeutender Weise eröffnet: von medicinisch-botanischen Glossaren giebt es theils in Handschriften, theils in meist schwer zugänglichen Drucken weit bedeutendere Werke. Immerhin wird aber der Sprachforscher und der für die Geschichte seiner Wissenschaft sich interessirende Arzt und Botaniker die glänzend ausgestattete Publication dankbar aufnehmen.

Wie in der Vorrede des Näheren auseinander gesetzt wird, sind die Sinonoma Bartholomei, so benannt dem Kloster S. Bartolomaei in London zu Ehren, von John Mirfeld (Marfelde, Marifeldus) gegen Ende des 14. Jahrhunderts verfasst. Mowat publicirt sie aus einer dem Verfasser zeitlich sehr nahe stehenden, aber wohl schwerlich autographen Handschrift des Pembroke College in Oxford, die ausserdem einen Kalender des Magister Walter de Elvesden auf das Jahr 1387 (davon eine Probe auf p. 5–7) nebst verschiedenem Astronomischen enthält. Die Sinonoma sind nur ein Theil des Breviarium Bartholomei", welches neben diesem Glossar

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(1) Aus dem Philolog. Anzeiger Band XII (1882) p. 400 ff.]

eine Schrift über Krankheiten und deren Heilmittel in 15 Theilen, sowie einen Index umfasst. In den allein abgedruckten Sinonoma finden wir ein Sammelsurium von Erklärungen 1) medicinisch - botanischer Art: Namen heilkräftiger

Pflanzen und Stoffe; dieser Theil bildet das Haupt

contingent;
2) Namen von Krankheiten;

401 3) anatomische termini technici.

Daneben stehen vereinzelt einige Glossen, deren Hergehörigkeit sehr fraglich ist, wie z. B. 12 a 30 die sonderbare: aureola est speciale mentis gaudium veniens ex opere praecellenti et privilegiato. Zusammengetragen ist dies alles, wie es scheint, aus sehr verschiedenen Quellen: die vom Verfasser citirten Schriftsteller sind S. 2 zusammengestellt. Doch dürfte eine eingehendere Untersuchuug wohl feststellen, dass das Meiste nicht aus erster Hand stammt. Vor allem wäre zu ermitteln, welches Verhältniss zwischen den „sinonoma“ und den zwei zeitlich so nahe stehenden grossen Compilationen des Simon de Janua („clavis sanationis, Ende saec. XIII) und Matthaeus Silvaticus („pandectae medicinae, Anfang saec. XIV) besteht. Welcher Sprachenwirrwarrin dem Büchlein herrscht, lehrt schon ein flüchtiger Blick. Griechische, griechisch-lateinische (latinisirte), rein lateinische, mittellateinische (clavellatus, minera, maneries, blavus, batitura eris, vernix, trutannus u. dgl.), hebräische (einige wohl aus der Vulgata), arabische Worte werden sehr häufig englisch glossirt: und dieser altenglische Bestandtheil dürfte der einzig werthvolle sein. Bei der späten Entstehung nimmt es nicht Wunder, dass die Lemmata oft in einer kaum glaublichen Verballhornisirung auftreten: das ist bei bedeutenderen gleichzeitigen, ja selbst älteren Sammlungen nicht anders. Das conservative Mittelalter schleppte sich oft mit zehn bis zwanzig Worten herum, die alle --- bis auf eines: und dieses eine, nicht verderbte ist bisweilen gar nicht mit darunter! - monströse Corruptelen oder üppig fortwuchernde Analogiebildungen zu einem einzigen, wirklich existenzberechtigten Worte sind. Der Herausgeber hat sich redlich bemüht, in

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