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den Anmerkungen Aufschluss zu geben: doch gehört noch ein viel umfangreicherer Apparat und ein tieferes, die Genesis der Corruptelen verfolgendes Studium dazu, als ihm zur Verfügung stand. Die zahlreichen arabisch-lateinischen Glossen hat er leider als ausserhalb seines Bereiches stehend angesehen. Was die Art der Publication betrifft, so scheint sie accurat gemacht zu sein. Dass die Handschrift einfach wiedergegeben wird, kann man in diesem Falle nur billigen, wo ein einziger Codex die Ueberlieferung vertritt. Es ist

ja durchaus unmöglich, sicher zu eruiren, welchen Unsinn 402 man dem Verfasser nicht zutrauen darf; obwohl ihm selbst

doch schwerlich einfache Dittographien des Abschreibers zur Last fallen, wie z. B. 14a 8: est opo siccus, ciro ciro lignum, carpoque fructus, wo das doppelte ciro den Vers verdirbt; 14 b 22: cum quo paratur paratur percamenum; 20 a 12: multae sunt erugrugines; 37 b 20: sic incidit ut spata id est ensis ut; 39 b 8: sinapis tam semen quam herba, sed quando simpliciter pro semine sinapis. War also meist mit Recht im Texte nichts geändert, so mussten doch in den Admerkungen die Nachweise gegeben werden, in welchem Grade das Ursprüngliche - ob von Joh. Mirfeld selbst, oder seinen Quellen, oder seinen Abschreibern ist ja gleichgültig wischt worden ist. Ich gebe im Folgenden dazu einige Beiträge, die sich ohne Mühe verzehnfachen liessen. Doch kann das jeder mit Hülfe der angegebenen und anderer hergehöriger Schriften leicht selbst thun.

10 b 22: anodina sunt illa quae summe (?) mitigant dolorem. Vielleicht sumpta.

10 b 29: anothomia (?) est cuiuslibet corporis recta divisio. Wozu das Fragezeichen? Es sieht doch jeder, dass åvatouía gemeint ist. Zum Ueberfluss vergleiche man Matth. Silvaticus c. 683: tomos id est divisio: inde anotomia id est recta divisio. Die Form anotomia lebt noch im Italienischen notomia fort.

11a 17: dicitur apozima ab apos quod est decoccio et zeo quod est ferveo, id est decoccio fervens. sed non omnis dococcio . . Nach Matth. Silvaticus c. 52 schreibe man: ab apo quod est de et zeo

ver

403

11 b 18: arilli id est grana uvarum. Die Glosse habe ich Prodromus S. 431 f. aus dem cod. Ambrosianus C 243 inf. p. 46b in folgender Gestalt mitgetheilt: arilli id est grana vel semina uvarum und darin acilli zu lesen vorgeschlagen als Deminutivum zu acinus, vgl. acinus weinbeersteinlin (Vocabularius rerum a. 1468 bei Diefenbach N. G. p. 6b). Das scheint mir aber jetzt bedenklich, da sich in allen Quellen das r vorfindet; vgl.:

arilli sunt arida uvarum grana, dicta ab ariditate, que grece vocantur gargata (= virapta) Matth. Silvaticus C. 60. Wohl aus gleicher Quelle:

arilli arida grana uvae ab ariditate dicta glossa manu scripta bei De Vit Glossarium (im Anhange seiner Bearbeitung des Forcellini) p. 495b.

girgata id est semen vel arilli uvarum Matth. Silvaticus c. 297.

gigarta id est arilla sive semina uve derselbe c. 293.

arillus cyn wynsteyn lateinisch-niederdeutsches Wörterbuch a. 1417 bei Diefenbach N. Gl. p. 33 b.

acinus weinbeersteinlin id est arillus Vocabularius rerum ex officina J. Keller a. 1468 ebenda p. 6 b.

Vielleicht ist arillus ein gutes altes Wort, das nur aus Zufall erst im Mittelalter vorkommt: etymologisch zu erklären weiss ich es nicht. Das spanische arillo weicht in seiner Bedeutung wohl zu sehr ab, um hergehören zu können.

12b 20: bengi id est iusquiamius albus. Dass die alte Latinisirung des Wortes úockúquoc, die sonst immer iusquiamus lautet, auch hier beabsichtigt war, lehren die Stellen 14a 13; 26a 19; 40 a 8.

12 b 35: bellirici marini lapides sunt parvi et albi, in rupibus marinis inveniuntur. Schreibe ripis (Matth. Silvaticus c. 93).

13a 18: bothor mariae i. panis porcinus idem. Es ist entweder i. = id est oder idem zu streichen, nach dem stehenden Gebrauche des Verfassers.

18a 16: dimpnia est difficultas hanclandi sine sonítu. Zur Erklärung des Schlusses vgl. 12a 8: asma est difficultas hane

landi et hoc cum Sonitu. Statt dimpia schreibe dispia δύσπνοια. .

18a 18: disma est species asmatis, sed disma fit ex siccitate, asma ex humiditate. Man sieht, es ist so weit gekommen, dass dúchtvola und åcoua bis auf die ersten Buchstaben zusammenfallen. Disma ist übrigens disnia. Wie man nämlich astma und astmaticus vulgär durch Ausstossen des unbequemen t mundgerecht machte, so auch dispnia durch Beseitigung des p. So steht disnia in Handschriften des Cassius Felix p. 94, 1. 95, 13 ed. Rose, dasselbe und disnoici bei Matth. Silv. c. 220.

19 a 18: empima id est sputum saniosum ex pulmonis infeccione proveniens. Natürlich empiema = εμπύημα.

. 21 a 27: ficida galla idem. Es ist cicida zu schreiben, was vulgär-lateinischer Nominativ von kŋkíc ist, wie chlamida von Xlauúc: vgl. galla zigida rustice gloss. Amplon. p. 335, 9, so richtig hergestellt von Ott (Neue Jahrbücher 1878 S. 427).

22 a 19: fulful fructus est similis in virtute glandi, durus, ponticus in sapore. Man stelle in virtute vor durus: similis glandi, in virtute durus, ponticus in sapore (Matth. Silv. c. 274).

22b 16: gith est nomen equivocum scilicet ad ciminum 404 Ethiopicum et ad nigellam: nach mehreren Stellen des Matth. Silvaticus vielmehr Ethiopium.

22b 27: glaumatici dicuntur qui oculos aptos habent et non vident. Schreibe glaucomatici, von Tlaúkwua.

22b 29: glis animal, glis terra tenax, glis lappa vocatur. Dies ist ein hexameter, der zu den p. 3 verzeichneten Beispielen hinzukommt. Derselbe findet sich bei Matth. Silvaticus c. 298: glis id est terra tenax, vel glis id est lappa, vel glis id est animal muri simile; unde glis animal, glis terra tenax, glis lappa vocatur“ und bei Osbern von Glocester saec. XII in seiner Panormia (= „thesaurus novus latinitatis sive lexicon vetus“ des A. Mai, Classicorum auctorum e Vaticanis codicibus editorum. t. 8) p. 259: glisco .cis id est cupere vel resplendere; inde haec glis, glissis id est carduus, quod aliter lappa dicitur; et hic glis ris id est quoddam genus muris, quod multum dormit, unde et glirius homo somnolentus dicitur, qui multum dormit; et haec glis tis ... terra argillosa;

et inde glitteus .a um id est terrenus, quae tria nomina qui-
dam ita concludens ait: glis ales', glis terra tenax, glis lappa
vocatur, glis ris mus; glis .tis humus; glis glissis mala dumus
und in den repetitiones des Buchstaben G p. 264a 28:

Glis animal.
Glis, terra tenax.
Glis, lappa vocatur.
Glis, ris, mus.
Glis, tis, humus.

Glissis (schr. Glis, sis, mala dumus. Hieraus gewinnen wir einen zweiten Vers über die Genetivbildung der drei Homonyme: glis gliris mus, glitis humus, glissis mala dumus. Es fehlt uns jetzt nur noch ein Vers für die Bestimmung des Geschlechtes. Aber auch hierfür haben die emsigen Grammatiker und Lexicographen des Mittelalters gesorgt. Bei weitem die umfangreichste Auslassung über glis finden wir in dem Catholicon des Johannes 405 de Janua? (um 1286), die ich vollständig mit ihren derivationes mittheile, weil sie ein instructives Beispiel dafür ist, mit wie colossalem Wachsthum sich der Sprachstoff unter den Händen ich möchte fast sagen speculativer Lexicographen weiter entwickelte. Man wird begreifen, auf wie luftigem Fundamente Tausende von Worten beruhen, wenn man sieht, wie diese nur derivirten, von Schriftstellern nie wirklich gebrauchten Worte Hunderttausende von Malen in den späteren, namentlich nationalen (d. h. die Interpretamente in den betreffenden Volkssprachen wiedergebenden) Wörterbüchern wiederholt werden.

1) Hier dürfte A. Mai oder einer seiner servi a litteris wie so oft eine Abkürzung falsch aufgelöst haben. Wie er zahllose Male in der Panormia ideo als imo gelesen hat, so bietet die Vorlage Mai's, der cod. Vaticanus Christinae Reginae 1392 saec. XIII, hier wahrscheinlich für animal ein al'; wenigstens hat die Erfurter Handschrift des Osbern, cod. Amplonianus fol. 43 saec. XIV, wie ich mich erinnere, das richtige. Meine Collation dieses dex, aus dem eine Masse Lücken er Stellen gebessert werden können, dürfte mit Ritschls Bibliothek nach England gewandert sein.

2) Der ungedruckte Hugutio (Uguccione) wird Ähnliches wie Osbern und Johannes bieten.

nzt und

Glis a glisco .cis derivatur. hic glis gliris quoddam genus murium, quod multum dormit ct dicitur sic, quia somnus facit glires pingues et crescere. tota enim hicme dormiunt et quasi mortui existunt, estate reviviscunt. ct a glisco dicitur glis glissis id est cardines, qui aliter dicitur lapa. item a glisco hec glis glitis terra argillosa. de his tribus dicitur:

Glis animal, glis terra tenax, glis lapa vocatur.
Ris primum, glitis tenet altera, tercia glissis.
Ris animal, tis terra tenax, sis lapa vocatur.
Hic animal, hec terra tenax, hoc lapa vocatur.

Sic genus et nomen cognoscitur et genitivus. Item a glis hec glis glidis, id est muffa panis vel vini. Glirius' a glis gliris dicitur: glirius gliria glirium et gliricus .ca .cum id est stupidus torpens somnolentus, qui multum dormit. Glirius ria rium ctiam dicitur de glire factus vel ad glirem pertinens. Glissosus .sa .sum id est laposus vel lapа seu glisse plenus et dicitur a glis glissis. Glitcus tea teum id est terreus et dicitur a glis glitis .Glitosus .sa .sum id est argillosus et dicitur a glis glitis.

Papias bietet nichts neues, auch die kurzen Isidorglossen brauche ich nicht herzusetzen. Die „breviloqui vocabularii, z. B. der von Strassburg 1501, hängen ganz von Johannes de Janua ab.

Man wird vielleicht über Verschwendung von Papier und Druckerschwärze bei diesem Excurs klagen. Aber ich meine, dass uns in glis glitis und glis glissis wieder wie oben

bei arillus Wörter vorliegen die, obwohl nur in trüben Quellen 406 erhalten; doch gut und alt sind. Für glis glitis genügt es

an das griechische ría (rroić) „Leim“ neben glus glutis, gluten, glutus zu erinnern: das andere glis glissis empfehle ich den sich einer weiteren Umschau erfreuenden Linguisten. Wie übrigens glis glitis eine terra tenax, so ist glis glissis das gleichbedeutende Klette klingt etymologisch verwandt eine herba tenax.

25a 15: incuba solsequium cicoreaque sponsaque solis: auch

1) Die Ableitung glirius wird gut und alt sein: vgl. glirium: torpens stupidum ignobile bei Papias.

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