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Wenn man andere Composita von abs- und Verbis, die mit einem Labial anlauten, vergleicht, so findet sich eine Verdrängung des Labials der Praeposition: so giebt abs- und pellere, portare ein aspellere, asportare. In gleicher Weise ist 362 vielleicht aus abs- und bitere ein asbitere geworden, also zu schreiben asbiteres. Die Corruptel abstiteres wird sich aus

b astiteres unschwer erklären lassen.

XV. In mehreren Glossen findet sich das Verbum secare in der sehr befremdlichen Gesellschaft von meare, pergere, ambulare: vgl. Hildebrands 'glossarium bibliothecae Parisinae antiquissimum’ S. 206, 89 meat : secat vel manat' pergit, redit”; ebenda S. 269, 103 secat : meat, praecidit; glossarium Salomonis meat : secat, manat, pergit, redit, decurrit, proficiscitur, ambulat. Alle diese Glossen, die der Familie der 'glossae abavus' entstammen, können unmöglich richtig sein. Hildebrand S. 207 a will in der ersten meat : secat vel manat, pergit, redit das secat aus žmeat d. h. commcat erklären, wenn ich seine fast unverständlichen Wortes richtig deute. Wie verkehrt jene Erklärung von secat aus žmeat ist, leuchtet so sehr ein, dass man palaeographische Bedenken gar nicht erst geltend zu machen braucht. Der Fehler steckt nicht in dem secat denn dieses wird durch das synonyme praecidit in der Glosse secat : meat, praecidit gestützt sondern in meat. In der zuerst angeführten Glosse ist nun offenbar Contamination eingetreten; das eingefügte vel und die eben beigebrachte Glosse secat : meat, praecidit zeigt, dass wir meat : secat vel manat, pergit, redit in die beiden Glossen

meat: secat

meat : manat, pergit, redit zu zerlegen haben. Von diesen lassen wir die letztere bei Seite, da sie durchaus nichts Auffälliges hat. Es bleibt nun

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1) So hat Hildebrand nach Anleitung anderer Glossen richtig statt manet vorgeschlagen.

2) vel redit Hildebrands Parisinus. Das vel fehlt sehr mit Recht im Leidensis 67 F3.

3) Sie lauten: 'forsitan in commeat vera latet voc. sccat coniectura, nam hoc čmeat scriptum facile in secat abire potuit'.

meat : secat (oder auch nach Anleitung von S. 269, 103

meat : secat, praecidit) als Sitz der Verderbniss übrig. Ich 363 glaube, die Glosse wurde schon vom Zusammensteller der

glossae abavus' verderbt vorgefunden und lautete ursprünglich merit : secar d. h. metit : secat. Evident wird diese Vermuthung dadurch, dass sich in den "glossae affatim' eine anderweite Ueberlieferung derselben Glosse vorfindet: metet: secat (vgl. z. B. cod. Leidensis 67 F1 f. 35'd und glossarium Salomonis), wo wir nur das e in i zu ändern haben.

XVI. Placidus bietet p. 72, 12 ed. Deuerl. folgende interessante Ueberlieferung: orbia : genus quoddam escarum, quod quidam Saturni orbiam' vocant. Deuerling nimmt an", dass diese Glosse corrupt und von Placidus unter einem falschen Buchstaben angesetzt worden sei. Das Richtige sei nach Festus Pauli p. 84, 4 'forbeam antiqui omne genus cibi appellabant, quam Graeci qopBrv vocant' vielmehr forbia. Es ist nun allerdings wahr, dass manche Glossen in dieser Weise an einen unrichtigen Ort verschlagen worden sind, aber es ist verhältnissmässig sehr selten und, wie ich denke, bei unserer Glosse nicht geschehen. Die Stelle des Festus scheint mir schon deshalb nicht hieher zu gehören, weil sie sich auf ein Wort von ziemlich weitreichender Bedeutung ('forbea ... omne genus cibi) bezieht, die des Placidus jedoch auf eine ganz individuelle ‘esca' (... genus quoddam escarum, quod quidam Saturni orbiam vocant); also, um mich eines einigermassen ähnlichen Beispiels zu bedienen, forbea und orbia verhalten sich zu einander etwa ähnlich wie *Fourage' und 'Martinshörnchen. Dazu kommt noch ein anderes Bedenken. Wir haben zweifelsohne in einer von jener Placidusstelle durchaus unabhängigen Glosse dasselbe Wort anzuerkennen, und wiederum finden wir es als orbia. Die Glosse lautet orbia : siffa rotunda, denn so ist doch wohl cod. Palatinus 1773 f. 222 orbia : siffarunda (= Mai VII p. 572a, wo fälschlich 'fiffarunda’ edirt ist) und cod. Amplonianus' p. 357, 121 orbia : sifanutunda herzustellen. Leider

1) Siehe die kritische Note, sowie praefatio S. XX.
2) Vgl. praefatio ebend.
3) Der cod. hat obia, aber die Glosse steht unter or

kann ich freilich das siffa oder sifa 'wie sich vermuthen lässt, eine Bezeichnung für eine Art Backwerk anderweit 364 nicht nachweisen, doch ist die Vermuthung, dass hier und · bei Placidus das gleiche Wort gemeint ist, kaum abzuweisen.

XVII. Die Glosse in den "glossae Isidori' p. 685, 43 ed. Vulc. licerceris : centurio hat viel Kopfzerbrechen verursacht. Caspar Barth vermuthete in den Adversaria VIII, 5 licens oneris oder operis : centurio; 'magnus enim honor erat centurionum, nec tam servilibus oneribus adstricti erant in castrensibus laboribus, quam milites ordinarii.' Ebensowenig als diese Barth'sche Hariolation bedürfen der Widerlegung die bei Arevalus Bd. VII S. 471 a seiner Isidorusausgabe verzeichneten Vermuthungen ‘al. imicerius corruptum ex primicerius; al. lucernarius : candelabrum; al. licini : candidae lucernae'. Die erste Frage bei Emendation der "Isidorus’Glossen muss immer die sein: aus welchem Originalglossar ist die betreffende Stelle excerpirt? Unsere Glosse nun entstammt jenem interessanten kleinen Glossar, das z. B. im cod. Leidensis 67 F saec. VIII/IX überliefert ist und dort die zweite Stelle einnimmt. Wir lesen da f. 58'a licerceris : centurio, also gerade so wie Vulcanius edirt hat, und zwar sind die Buchstaben li durch die Reihenfolge geschützt. Aber offenbar hat schon der Zusammensteller dieses Glossars das Lemma corrupt vorgefunden und danach unter li- eingefügt. Den Weg zur Emendation zeigt ein anderes, mit dem eben kurz bezeichneten Glossar manche Berührungspunkte aufweisendes Glossar im codex Vossianus Oct. 24. Dieser bietet liceris : centuriae, wonach jenes wundersame licerceris seinen Ursprung der Dittographie cer cer verdankt. Nun ist mit Leichtigkeit das Ursprüngliche herzustellen, nämlich luceres : centuriae. Zu dem gleichen Resultate, sehe ich jetzt, ist auch Scaliger gekommen, in dessen Handexemplar der Glossen des 'Isidor' einfach ein 'luceres' beigeschrieben steht. Ihm ersetzte seine divina divinatio' eine anderweite handschriftliche Ueberlieferung.

VIII.

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Glossographisches." Die lateinischen Glossare, verderbt wie Weniges aus dem Alterthum, fordern auf Schritt und Tritt die angestrengteste kritische Thätigkeit heraus. In ihrem ursprünglichen Bestande schon früh, bisweilen noch ehe sie in bestimmte Sammlungen eingereiht waren, corrumpirt wurden die Glossen dann später während einer langen Ueberlieferung verstümmelt, interpolirt und contaminirt. Da bei diesem Zustande des Materials die Heilung der Schäden durch reine Conjecturalkritik, noch dazu eines Einzelnen, recht oft nicht gleich abzuschliessen ist, so musste ich in meinem ‘Prodromus corporis glossariorum latinorum' (Leipzig 1876) viele Räthsel ungelöst lassen. Manches zur Aufhellung wurde seitdem in den Recensionen von E. Baehrens (Jenaer Litt.-Ztg. 1877 Nr. 10 Sp. 154–156), H. R(önsch) (litt. Centralblatt 1877 Nr. 21 Sp. 694–697), H. Hagen (Bursians Jahresbericht für 1876 S. 338-351) und J. N. Ott (in diesen Jahrb. 1878 S. 417–427)2 beigesteuert; anderes glaube ich inzwischen durch handschriftliche Studien auf deutschen und italiänischen Bibliotheken, sowie auch durch erneute Erwägung selbst gefunden zu haben, und theile davon einiges im Folgenden mit.3

(1) Aus Fleckeisens Jahrbüchern 1879 S. 705 ff.]

(2) Vgl. ferner E. Ludwig Ztschr. f. rom. Phil. III (1879) S. 109 -112 und B. Kruczkiewicz Ztschr. f. oestr. Gymn. 1879 S. 629 — 634.]

3) Vielleicht wird der Raum einer Anmerkung gewährt, um einige Druckfehler und Versehen zu verbessern. Man lese S. 20, 7 y. u. und 222, 15 v. u. Eucherii für Eutychis | 48, 4 v. 0., 50, 4 v. 0.,

437 a 1 Marbodi für Marbodaei | 62, 14 v. o. quam emendationem für quam | 111, 15 v. 0. tilge supplem. / 142, 6 v. u. tabulario für talario | 222, 16 v. u. Ambrosio für Ambrosiano | 234, 10 v. u. 13002 für 13302 | 368, 7 v. u. immutato für immutao | 392, 16 v. 0. cilo für cillo | 431, 11 v. u. hostīspices für hostīspites. In den Indices: 434 a 1 fehlt Donatus | 436 b 11 v. 0. 330 für 177 | 438 a 4 tilge Casina | 441b bataclare: 412 sq. für 67 | 444 a dimus: 363 für 383 | 447a mensare und 450 a tuburcinati: 419 für 420 448 b schr. quisquiliae 20. 215. Ferper füge am gehörigen Orte ein: acillus 432. ? calixica 374. denique 417. femus 132. ibis 272. lemuria 193. obs- 425. redantruare 334. remoratrices 263. ? strenuire 344.

1. Das Lemma von uitiligant : uituperant (S. 5) war uitilisti]gant zu schreiben. Noch verstümmelter ist die unedirte Glosse des cod. Vaticanus 1468, wo sich von zweiter Hand eingetragen findet uitigebat : uituperabat. Schr. uitisliti]gabat.

2. Die mit Hilfe des Vaticanus 3321 vervollständigte Glosse candes : uasa fictilia Saliorum (S. 7 und 377) bietet ein sonst gänzlich unbekanntes candes, dessen Verbesserung in capides schwerlich auf Widerspruch stossen dürfte. Thönerne Gefässe bei heiligen Handlungen zu verwenden war eine Vorschrift Numas: und so bedienten sich ihrer die Vestalinnen (s. 0. Jahn zu Persius S. 135). Einen entsprechenden Brauch der Salier lernen wir aus unserer Glosse kennen: denn die Aenderung capides : uasa fictilia sacrorum, woran man mit Rücksicht auf die verstümmelte Glosse armillum : uasa sacrorum * * (S. 325) denken könnte, setzt doch einen zu sonderbaren Uebergang des Gewöhnlichen in das Seltnere voraus, 706 um Billigung zu finden.

3. Die von Festus Pauli S. 16, 6 so seltsam abweichende Form arcolonus (S. 13) ist einfache Corruptel: denn der Casinensis 401 hat arcolus. Ebenso auch Hagen a. a. 0. S. 340.

4. Die Schreibung tellum für telum (S. 12 Anm. 2) habe ich inzwischen öfters in Handschriften gefunden, z. B. im Amplonianus Folio 10 saec. X von Augustins regulae (Keil GL. V S. 493, 31). Ausführlicheres über diesen Codex an anderm Orte.

5. aestimium (S. 15 Anm.) findet sich auch in der unedirten Glosse des Leidensis 67 E: in aestimium : in aestimationem (estimatum die Handschrift).

6. nictit canis cum leviter gannit (S. 16b) muss aus der Reihe der von Festus (s. S. 117a 16) unabhängigen Glossen gestrichen werden, da der Leidensis 67 E, aus dem sie genommen, sichere Berührung mit jener Quelle aufweist, wie S. 146 gezeigt ist.

7. In der auf Titius zurückgehenden Glosse offendix : nodus proprie quo apex flaminum retinetur et premitur (S. 16b) ist auf Grund des Casinensis 439 und 401 et remittitur zu schreiben, wie auch Festus S. 205 a 2 hat.

8. Die Glosse des Opillius Aurelius sterillum : caprae

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