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Vorrede zur sechsten Auflage.

Im October des vorigen Jahres wurde ich durch die Weidmannsche Buchhandlung aufgefordert, die neue Auflage des Ladewig'schen Vergil zu besorgen, da der Verfasser auf eine weitere Betheiligung an der Herausgabe seines Werkes verzichtet habe. Bei der Kürze der Zeit denn schon im Februar sollte der Druck beginnen war eine durchgreifende Bearbeitung unmöglich. Weitgehende Aenderungen schienen aber auch bei den grossen Verdiensten Ladewigs um die Er- klärung des Vergil weder nothwendig, noch wünschenswerth. Durch lange Beschäftigung mit dem Wesen vergilischer Dichtung vertraut, in der Erforschung des Sprachschatzes mit immer steigender Sicherheit thätig, auf die Benutzung der wissenschaftlichen Arbeiten seiner Zeitgenossen mit Takt und Umsicht bedacht, hatte Ladewig durch jede neue Auflage sich neue Anerkennung erworben. An seine Auffassung musste sich, wie auch die Bearbeitung der Aeneis von Kappes zeigte, jede neue Ausgabe im Wesentlichen anschliessen.

Unter diesen Umständen glaubte ich mich bei der Besorgung der neuen Auflage auf folgende Aenderungen beschränken zu müssen. Zunächst waren in der Orthographie die Resultate der wissenschaftlichen Forschung so weit, als es der Gebrauch in der Schule gestattete, zu verwerthen. Sodann mussten die metrischen Regeln, namentlich über die Dehnung kurzer Endsilben, den Hiatus, die Synizesis und den Versschluss, schärfer gefasst werden. Denn die grossen Meister des augusteischen Zeitalters haben bedeutendere Abweichungen von der Umgangssprache ihrer Zeit nur an wenigen Stellen des Verses gewagt. Die Kenntnis der von ihnen befolgten Regeln lehrt, dass viele Conjecturen der neueren Erklärer und einige Reste unrichtiger Ueberlieferung verworfen

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werden müssen. Ferner glaubte ich dem Dichter die Herstellung der Reihenfolge seiner Verse schuldig zu sein. Ladewig hat in diesem Punkte der subjectiven Kritik unsrer Tage grosse Concessionen gemacht. Ich habe fast an allen Stellen die überlieferte Ordnung wieder hergestellt und ihre Nothwendigkeit in den Anmerkungen und in dem kritischen Anhange nachzuweisen gesucht. Die Interpretation ist nur an solchen Stellen geändert, an welchen Ladewigs Auffassung mit der naturgemässen Bedeutung der Worte oder mit dem nothwendigen Gedankengange in Widerspruch zu stehen schien. Eine Emendation des Textes durch eigene Conjecturen habe ich nur da versucht, wo weder die Ueberlieferung, noch die bisher vorgeschlagenen Aenderungen haltbar waren.

Von den Ausgaben, welche zwischen der 5. und 6. Auflage der sechs letzten Bücher der Aeneis erschienen sind, ist vorzugsweise die 2. Auflage des Haupt'schen Vergil verglichen und so viel als möglich benutzt worden. Madvigs Conjecturen haben in dem kritischen Anhang Erwähnung gefunden. Unter den kleineren oder ferner liegenden Arbeiten verdanke ich namentlich den Bemerkungen zur Aeneis von Geist in den Blättern für das baierische Gymnasialwesen Bd. X. H. 7. p. 221-29, dem Programm von Dittel über den Dativ bei Vergil (Innsbruck 1873) und der trefflichen Schrift Drägers über Syntax und Stil des Tacitus Anregung und Belehrung.

Zum Schlusse spreche ich meinem Collegen, dem Herrn Prof. Schmidt, für die freundliche Unterstützung, die er mir bei der Correctur der Druckbogen bereitwilligst gewährt hat, auch hier meinen herzlichen Dank aus.

Berlin im April 1875.

C. Schaper.

P. VERGILI MARONIS

AENEIDOS

LIBER SEPTIMUS.

Tu quoque litoribus nostris, Aeneia nutrix,
aeternam moriens famam, Caieta, dedisti
et nunc servat honos sedem tuus ossaque nomen
Hesperia in magna, si qua est ea gloria, signant.
at pius exsequiis Aeneas rite solutis,
aggere composito tumuli, postquam alta quierunt
aequora, tendit iter velis portumque relinquit.
adspirant aurae in noctem nec candida cursus
luna negat, splendet tremulo sub lumine pontus.

Ankunft in Latium. Bündnis mit dem Könige Latinus, und Bruch desselben auf Betrieb der Juno. Truppencatalog der italischen Völkerstämme, welche dem Turnus folgen.

1. Tu quoque. Wie Gegenden Italiens nach dem Misenus (s. A. VI, 232) und nach dem Palinurus (s. A. VI, 381) benannt wurden, so erhielt auch eine Stadt und ein Vorgebirge an der Grenze von Campanien und Latium seinen Namen von der hier verstorbenen Amme des Aeneas.

3- 4. Mit bedeutungsvollem Uebergange (et nunc vgl. E. III, 56. A. IV, 654. VII, 412) verlässt Vergil die Erzählung, um einzuschalten, dass noch in seiner Zeit die Ehre der Cajeta an ihrer Grabstätte heimisch ist (sedem servat), indem die Gebeine ihren Namen dem weiten Italien (Hesperia magna vgl. A. I, 569) einprägen, vgl. A. III, 287. Ovid. heroid. 13, 66: siVergil III. 6. Aufl.

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si

gnatum memori pectore nomen
habe. Durch que ist dem vor-
hergehenden Satze die Erklärung
paratactisch hinzugefügt.
gnare in
G. II, 269: caeli re-
gionem in cortice signant. vgl.
G. II, 379. si qua est ea gl.,
eigentlich : wenn dieser Ruhm
(einem Orte Italiens den Namen
gegeben zu haben) irgend welcher,
d. h. kein unbedeutender ist.

5. at. Mit dem Ausdruck scharfer Entgegenstellung kehrt der Dichter zu den Schicksalen des Aeneas zurück.

6. quierunt, s. z. A. IV, 523. Dass das Meer stürmisch gewesen war, während Aen. sich zu Cumae aufhielt, geht aus A. VI, 355-56 hervor.

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proxima Circaeae raduntur litora terrae,
dives inaccessos ubi Solis filia lucos
adsiduo resonat cantu tectisque superbis
urit odoratam nocturna in lumina cedrum
arguto tenuis percurrens pectine telas.
hinc exaudiri gemitus iraeque leonum
vincla recusantum et sera sub nocte rudentum,
saetigerique sues atque in praesepibus ursi
saevire ac formae magnorum ululare luporum,
quos hominum ex facie dea saeva potentibus herbis
induerat Circe in voltus ac terga ferarum.
quae ne monstra pii paterentur talia Troes
delati in portus neu litora dira subirent,
Neptunus ventis implevit vela secundis
atque fugam dedit et praeter vada fervida vexit.
Iamque rubescebat radiis mare et aethere ab alto

10. Circ. terr. Hom. Od. X, 135 lässt die Circe auf einer Insel wohnen, die Römer verlegten ihren Wohnsitz nach dem Vorgebirge Circeji, von dem sie annahmen, dass es erst in späterer Zeit durch Austrocknung der dazwischen liegenden Sümpfe mit dem Festlande verbunden sei. radere litora ist eine den Dichtern angehörende Verbindung.

11. Sol. fil., s. Hom. Od. X, 137 -39. inacc., unbetretbar, für jeden nämlich, der nicht das Schicksal der Gefährten des Odysseus theilen wollte. inaccessus gehört in der klassischen Latinität nur der Dichtersprache an und ist eine Neubildung V.'s. luc. res. c. cet., sie lässt den Hain wiederschallen von ihrem Gesange, vgl. Sil. Ital. XIV, 30: vatum, sacras qui carmine silvas resonant; s.

unten z. v. 451.

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14. Mit diesem V. vergl. G. I, 294, mit der ganzen Stelle Hom. Od. X, 210-23.

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18. form. lup., nicht einfache Umschreibung für lupi, sondern Hervorhebung der ins Auge fallenden Gestalt der Wölfe. Aehnliche charakteristische Umschreibungen bildet V. viele, ausser mit corpus auch mit: terga, unten v. 20 u. A. , 635; caput, A. VIII, 570; pectus, A. V, 7. XI, 216. 452; vis, G. I, 198. A. IV, 132; ora, A. IV, 511. VII, 575. XII, 335; imago, A. VI, 480; nomen, A. VII, 581; facies, A. VIII, 194; cor, A. IX, 55; pondus, A. X, 496; lumina, A. XI, 349; semina, G. II, 152.

20. ind. in volt., vgl. G. I, 188. terg. fer., vgl. A. I, 635. Hier mit Hinweisung auf die gestreckte Gestalt der Thiere im Gegensatz zu dem aufrechten Gange der Menschen.

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