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jedoch zu bemerken, dass bei zu langem Verweilen im Bade die Haut, der Erfahrung gemäss, zur ferneren Aufsaugung unfähig werde, und dass, sobald ihre Kapazität überschritten ist, der Körper an vorher zugenommenem Gewichte wieder abnehme. Eine nicht minder grosse Bedeutung bei der Betrachtung der Wirkungsweise unserer Thermalbäder hat die Temperatur. Die an die Quellen gebundene Wärme nämlich verleiht denselben im Allgemeinen einen durchdringend lösen den Charakter, und unterstützt in dieser Beziehung ihren chemischen Gehalt. Wie wichtig übrigens die Rolle sei, welche die Temperatur bei den Bädern spielt, und wie manigfach ihre Wirkungsweise durch die verschiedene Grad a ti on modifizirt werde, wollen wir später, wo von dem zweckmässigen Wärmegrade des Bades die Rede seyn wird, näher beleuchten. Obgleich ich jedoch die Wärme als ein mächtiges Agens der Bäder anerkenne, so bin ich doch weit entfernt, der vulkanischen Temperatur derselben eine spezifische Wirksamkeit beizulegen und so dem Heilquellenmystizismus zu huldigen. Die Erfahrungen eines Bischof, Berzelius, Struve, Vetter, Herz, Longchamp und Anglada haben die Identität der vulkanischen und künstlichen Wärme vom physikalischen Gesichtspunkte aus genügend nachgewiesen, und ich habe, seitdem ich vorurtheilsfrei an den hiesigen Thermen stehe, keine Wirkung der Quellentemperatur auf den Organismus wahrgenommen, die sich nicht nach den gewöhnlichen Gesetzen der Wärme erklären liesse. Ich sollte endlich noch jenen Antheil erwähnen, den das Wasser an und für sich – als Träger der Heilpotenzen – an den Wirkungen unseres Bades hat, so wie dessen Dunst atmosphäre, die gleichsam als Lokaldampfbad den freien Körpertheil des Badenden umgibt; allein da diese gewiss wichtigen Einflüsse

ein Gemeingut aller Bäder sind, so glaube ich sie hier, wo ich unsere Thermen zu individualisiren beabsichtige, aus dem Kreise meiner näheren Betrachtung schliessen zu dürfen.

B. Wirkungen am menschlichen Organismus,

Ich war bis jetzt bemüht, die Heilwirkungen unserer Mineralquellen aus ihrem chemischen Gehalte zu erklären; allein ich erkenne nur zu deutlich das ungenügende Ergebniss meines Versuches, indem unsere Therme so manche wunderthätige Kraft zu Tage fördert, die sich keineswegs auf ihre darstellbaren festen und flüchtigen Bestandtheile zurückführen lässt. Ich sage: auf die darstellbar en; denn obgleich die Scheidekunst seit den letzten Decennien riesige Fortschritte machte, so kann man doch nicht behaupten, diese empirische Wissenschaft stehe auf ihrem Culminationspunkte, so, dass ihre Aussage nicht durch neuere Entdeckungen noch berichtigt werden könnte. War das Auffinden des Stickgases, des Jods, des Mangans in unseren Wässern nicht erst der jüngsten Zeit vorbehalten? Wer bürgt dafür, dass nicht ein neues chemisches Reagens in unserer Therme einen Stofferschliesst, welcher bisher jeder Untersuchung entging, und der über die Wirkungsweise ein helleres Licht verbreiten dürfte ? *)

*) So hat sich die im J. 1829 vom Prof. Baumgärtner an der Gast einer Quelle gemachte Entdeckung, dass das Wasser nicht wie gewöhnliches zwei, sondern drei Theile Wasserstoff auf ein e n Theil Sauerstoff enthalte, durch eine neue Untersuchung mittelst der Voltaischen Säule merkwürdigerweise wieder bestättigt, wodurch diese chemisch arme Therme die Eigenthümlichkeit eines gleichsam hyper-hydrogenirten Wassers erhält.

Es ist ferner nicht zu übersehen, dass alle Analysen nur Produkte chemischer Zersetzung sind, und dass die Verbindungen der einzelnen Stoffe durch die künstliche Zerlegung bedeutende Abänderungen erleiden können. Chaptal sagt darüber ganz richtig: „Les chemistes ne peurent, qu'analyser le cadavre des eauar.“ Wir dürfen übrigens nicht ungerecht seyn und die unzulässliche Erklärung a priori den Mängeln der Chemie allein zur Last legen, indem uns diese so manchen Stoff mit grosser Genauigkeit darstellt, dessen pharmakodynamischer Werth aber unserer Erfahrung noch gänzlich fremd ist. Ich will hier bloss den Extraktivstoff – die vegetabilische Materie unserer Therme – erwähnen. Wer hat noch die Natur dieses höchst wahrscheinlich wirksamen Stoffes erforscht? Wäre es nicht möglich, das gerade diese seifenähnlich schlüpfrige Substanz an der ausgezeichneten Wirksamkeit des Teplitzer Bades grossen Antheil habe? Eben so blieb die Entdeckung des Mangans, Lithions und der Kieselerde ohne allen praktischen Nutzen. - - : - Aus dem Gesagten erhellt, dass jeder Versuch, die Heilkraft einer Therme auf chemischem Wege allein ergründen zu wollen, nur höchst einseitig sey, und jeder Naturforscher wird daher vom Herzen beistimmen, wenn Hufeland sagt: „Die Chemie sey und bleibe uns ein höchst schätzbares Mittel zur naturhistorischen Kenntniss und Klassifikation der Körper, aber zur Würdigung derselben in Beziehung ihres Verhaltens auf das Lebende und noch weniger zur Gesetzgeberin in den Regionen des Lebens, kann und darf sie uns nicht dienen.“ *** - Es haben dem zufolge die Balneologen und andere würdige Aerzte der neueren Zeit, um das wirksame Prinzip der Thermen nachzuweisen, zu den manigfachsten Hypothesen ihre Zuflucht genommen. Bald suchte man solches im vulkanischen Charakter der Wärme, bald

in der innigsten und feinsten Lösung und Verschmelzung der Bestandtheile zu flüssigen Polyhydraton, bald in elektrisch-galvanischen Kräften, und bald wieder in der Analogie der Thermen mit organischen Flüssigkeiten *). Allein so sinnreich auch diese Hypothesen seyn mögen, so hat doch keine derselben das geheimnissvolle Räthsel „wie und wodurch das wunderbare Wirkungsvermögen der Thermen auf den kranken Organismus zu erklären sey?“ auf eine genügende Weise gelöst. Um die Wirkung einer Heilquelle auf den lebenden Körper zu ermitteln, gibt es nur einen sicheren Weg, nämlich: die Erfahrung. Der Organismus ist das einzige richtige Reagens für die Heilquellen und der einzig giltige Maassstab, nach dem man den zweckmässigen Gebrauch derselben regeln soll. Nur dadurch, dass man ein Mineralwasser, gleich einem Arzneimittel, allseitig am Organismus mit beständiger Rücksicht auf die bekannten Individualitätsverhältnisse prüft, ist man im Stande, seine spezifische Kraft im ganzen Umfange womöglich genau zu bestimmen. Ich will demnach, dieser Ansicht folgend, die Gesammtwirkung der Teplitzer Thermen auf den Körper in allen ihren Beziehungen zu demselben, wie sie sich

*) So sagt der geistreiche C. G. Carus in seinem höchst interessanten Aufsatze „Befherkungen über die Mineralquellen der Taunusbäder:“ (Hufel. Journal 1836) „Schliesse man doch das Auge nicht mehr vor der eigenthümlichen organischen Natur dieser feineren, tieferen Absonderungen des Erdplaneten. – Der wahre Brunnengeist, von dem schon früher manche tiefer fühlende Aerzte sprachen, ist die lebendige, organische Natur dieser Quellen! und fasst man sie als lebendige Aussonderungen auf, so erhält die Art, wie sie den menschlichen gesunden und kranken Organismus affiziren, alsbald eine ganz andere Bedeutung, und es kommt dann eben nur auf scharfe Beobachtung und geschickte Handhabung an, um das rechte Verhältniss für den Arzt, und die richtige Wahl für den Kranken herbeizuführen.“ –

nämlich mir bei vielfach wiederholten Beobachtungen offenbarte, darstellen, um so auf dem Wege der Erfahrung die Heilkräfte unserer Quellen im Allgemeinen, ihre An- und Gegenanzeige in speziellen Fällen und endlich ihre zweckmässige Gebrauchsweise daraus entwickeln zu können.

Wir beobachten an den Phänomenen, die aus dem Conflicte unserer Bäder mit dem organischen Leben entstehen, einen wichtigen Unterschied, der darin besteht, dass sie entweder das Produkt der unmitte baren Wechselwirkung zwischen dem Bade und dem Organismus sind, oder dass sie als nothwendige Folge derselben durch die organische Thätigkeit allein hervorgehen. -

Die ersteren, welche wir die primären Wirkungen

nennen, stellen sich nach jedem einzelnen Bade ein,

treten am Einverleibungsorgane, der Haut, zuerst hervor, und pflanzen sich von da, durch den Consensus und Antagonismus, in welchen das Hautgebilde mit dem Totalorganismus steht, in verschiedenen Graden fort.

Die Wirkungen letzterer Art jedoch, die secundären genannt, erscheinen erst nach dem Gebrauche

mehr e r er Bäder. Sie bieten eine Reihe von Phän0menen, welche, als nothwendige Folge einer durch's Bad bewirkten organischen Lebensumänderung, sowohl in der Haut als in den übrigen organischen Gebilden auftreten. Diese sind als Reaktionen des Körpers gegen das Thermalbad zu betrachten, welche die Naturthätigkeit zu Ausscheidungs- und Ausgleichungsprozessen an

regen, um die Genesung einzuleiten, und die bei der

nachherigen freien Aeusserung des organischen Lebens wieder verschwinden. Sie fallen grösstentheils noch in

die Zeit der Badekur; dauern sie jedoch nach Beendi

gung derselben eine Zeit lang fort, so bezeichnen wir

solche mit dem Namen der Nachwirkung. «

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