Immagini della pagina
PDF

trifft, desto heftiger erscheint die Verschlimmerung der Schmerzen, desto eher und energischer ist eine fieberhafte Reaktion des Körpers zu erwarten, desto reichlicher und dauernder erscheinen sämmtliche Hautkrisen, und desto früher treten die Symptome des Uiberbadens auf. Je lauer hingegen die Bäder gebraucht werden, d. h. je mehr ihre Wärme unter der organischen steht, um so später und seltener erscheinen alle die bezeichneten Phänomene, und um so milder ist deren Verlauf.

Ich habe nun in dem aufgestellten Bilde bloss jene secundären sub- und objectiven Erscheinungen zu schildern versucht, welche sich noch während der Badekur dem Beobachter offenbaren, allein unsere Bäder wirken in den meisten Fällen über die Zeit ihrer Anwendung hinaus, so dass der Genesungsprozess oft erst dann erfolgt, wenn der Kranke die Thermen längst verlassen hat. Diese nach beendeter Badekur erscheinenden heilsamen Veränderungen bezeichnen wir mit der Nachwirkung der Bäder, von der nun die Rede seyn soll.

Nachwirkung.

Diese ist fürwahr keine Chimäre des Arztes, wie man so häufig glaubt, mit welcher er den ungeheilten Kranken bei der Abreise trösten will. Jährliche Beobachtungen sprechen dafür, dass die durch unsere Thermen angeregten Heiloperationen sich nicht auf die Kurzeit beschränken, sondern auch nach Beendigung derselben fortwähren und den Genesungsakt herbeiführen. – Vielen Kranken ist es wohl gegönnt, noch während ihres Aufenthaltes in Teplitz sich einer vollkommenen Heilung zu erfreuen. Viele jedoch verlassen unsere Quellen in demselben Zustande, wie sie ankamen, oder ihrem Gefühle nach verschlimmert, oder nur mit geringen Zeichen einer Besserung. Sie eilen verzagt in ihre Heimath. Doch oft schon kurz nach ihrer Rückkehr kommen die während ihrer Kur ausgebliebenen Krisen zum Vorschein. Es stellen sich Fieberbewegungen mit Haut- und Urinausscheidung ein, und von nun an schreitet der Genesungsprozess rasch vorwärts. In anderen Fällen, wo die Patienten ungeheilt die Thermen verliessen, erfolgt nach einigen Wochen ohne merkliche kritische Periode Milderung des Uibels und allmälige Genesung. Es ereignet sich sogar nicht selten, dass im folgenden Herbste und Winter der Krankheitszustand noch unverändert fortwährt, und dass erst im nächsten Frühjahre die Reaktion des Organismus erwacht, und sich des Krankheitsstoffes mittelst plötzlicher Krise oder auch mittelst eines langsamen Nachlasses entledigt. So sehen wir oft frappante Beispiele, wo Kranke, an denen die Teplitzer Kur spurlos vorbeizugehen schien, nach ihrer Rückkunft früher oder später von einem kritischen Hautausschlag oder einem regelmässigen Gichtparoxismus heimgesucht werden, Welche man während der Kurzeit herbeizuführen vergebens sich bemühte. Der Grund ähnlicher Nachwirkungen scheint darin zu liegen, dass die Bäder einen eigenen chemischdynamischen Heilprozess veranlassen, der oft Wochen oder Monate lang dauert, und den Körper nach und nach umschafft. Dass jedoch viele Kranke, die ihre letzte Hoffnung auf die Nachwirkung setzten, solche vergebens erwarten, liegt entweder in der Unheilbarkeit des Uibels, oder in dem Missgriffe, den sie bei der Wahl des Kurortes begingen.

II. Werhalten der einzelnen Quellen Untereinander in Bezug auf ihre Wirkungen.

Die Bestandtheile aller Teplitzer Quellen sind, wie die Analyse lehrt, an Qualität gleich, und weichen in den Mengenverhältnissen nur sehr wenig von einander ab. Sämmtliche Quellen sind demnach bloss als einzelne Mündungen der Hauptquelle anzusehen, und unterscheiden sich nur durch die auffallende Verschiedenheit der Temperatur (21" – 38"), welche der verschiedenartigen Abkühlung, die sie am Wege erleiden, zuzuschreiben ist *).

Einige meiner achtbaren Collegen sind zwar der Ansicht, dass den einzelnen Quellen, trotz dem gleichartigen Gehalte, eine spezifische Wirksamkeit zukomme, und rühmen so z. B. das Schlangenbad in der nervösen Gicht, das Steinbad in Krampfleiden, das Neubad in Hautausschlägen *) u. s. w. Allein mir

*) Der unterirdische Zusammenhang der Stadt – und der Schö– nauer Quellen lässt sich wohl nicht nachweisen, aber um so mehr jener der Schönauer Quellen unter einander. Wenn man nämlich die St e in ba d que 1 1 e (welche am tiefsten liegt) Behufs der Reinigung oder Verbesserung der Fassung ablässt, so vermindert sich zusehends der Wasserzufluss im Schlangenund Neubade, und hebt sich verhältnissmässig wieder bei nachmaliger Anfüllung der ersteren. **) Die Neuba dquelle (früher Schwefelbadquelle) erfreut sich in der That eines alten Rufes bei Hautkrankheiten; doch scheint sie diesen vielmehr dem früher so sehr verbreiteten Irrthume, dass diese Quelle Schwefel enthalte, allein zu verdanken, indem deshalb die Ausschlagskranken vorzugsweise dahin gewiesen wurden und daher auch die Mehrzahl der Heilungen aus dieser Quelle hervorging. Einige wollen sogar diese Heilkraft dem grösseren Kalkgehalte der Quelle zuschreiben, indem der Porphyr, dem sie entspringt, mit Kalkstein über

wurde bis jetzt diese Erfahrung noch nicht zu Theil, und ich glaube vielmehr die Ansicht aussprechen zu dürfen, dass die Modificationen ihrer Wirkungen bloss von der verschie de n e n Grad a t i on ihr er Wärme herzuleiten s eyen. Obgleich jedoch sämmtliche Quellen fast dieselben Bestandtheile enthalten, und dazu jetzt in allen Badehäusern (mit Ausnahme des lauen Steinbades) die Einrichtung getroffen wurde, dass die ursprüngliche Temperatur der Therme durch Zulassen des abgekühlten Badewassers oder einer schon von Natur aus kühleren Quelle nach Belieben gemildert werden kann: so halte ich es doch keineswegs für gleichgültig, welches Bad man bei dieser oder jener Körperconstitution, in diesem oder jenem Zustande des erkrankten Organismus gebraucht. So muss bei der Wahl des Bades vorzugsweise berücksichtigt werden, dass die ursprüngliche Temperatur der Quelle jenem Wärmegrade, der dem Heilzwecke entspricht, wo möglich nahe stehe, denn die Thermen sind gewiss so am kräftigsten, wie sie dem Schoosse der Erde entspringen und verlieren durch eine bedeutende Abkühlung, geschehe diese durch die Atmosphäre oder durch Beimischung kühlerer Quellen, an innerer Kraft. Es muss ferner wohl beachtet werden, dass die Stadtbäder sich von den Schönauer Bädern, selbst bei genau gleich gestellt er Temperatur, dadurch unterscheiden, dass erstere (und zwar das eigentliche Stadtbad im höheren, das Fürsten-, Gürtler- und

lagert ist, so dass das Wasser durch denselben eine Strecke seinen Weg nimmt. Allein die Analyse weist im Neubade keinen Kalküberfluss nach, da dieser durch Entweichen der Kohlensäure während des Durchgangs in den Leitungsröhren wieder abgesetzt wird, wo er sich dann als Hauptbestandtheil des Sinters vorfindet.

Herrenhausbad im niedereren Grade) eine wärmere und dichtere Dunstatmosphäre bilden, indem der während der Füllung 37 – 38° heiss hervortretende Wasserstrahl ununterbrochen Dämpfe entwickelt, welche durch den gleichzeitigen Zufluss des kühlen Wassers keineswegs beseitigt werden. Wo es daher unser Zweck ist, mit dem Wasserbade zugleich die Dämpfe einwirken zu lassen, da entsprechen die Bäder der Stadt, wo wir jedoch besorgen müssen, dass mit allzureizbaren Lungen Begabte, oder zu Kopf- und Brustcongestionen leicht Geneigte das Einathmen der Wasserdämpfe nicht vertragen, da verdienen die Schönauer Bäder, und besonders die dunstfreien Steinbäder, den Vorzug.

Wo es endlich zweckmässig ist, die Temperatur während des Bades allmälig zu steigern oder zu mildern, da eignen sich die Steinbäder nicht, weil daselbst die ursprüngliche Wärme weder erhöht noch erniedrigt werden kann.

Es gibt überdiess noch andere kleine Anhaltungspunkte, die bei der Wahl der einzelnen Quellen ins Auge gefasst werden müssen, die jedoch nur der mit den Quellen und Badelokalitäten vertraute Badearzt zu würdigen vermag *).

*) Sehr treffend sind in dieser Beziehung die Worte des geistreichen Dr. Vogl er in seinem neusten gediegenen Werke über Ems: „Um einen Kurort kennen zu lernen und zu wissen, was man von ihm für diesen oder jenen Kranken zu erwarten habe, ist es nicht genug, die Eigenschaften seines Wassers zu studiren, sondern es ist zuweilen von überwiegender Wichtigkeit, die dort vorhandenen Einrichtungen in Betrachtung zu ziehn. Also in der mehr oder minder vollkommenen Einrichtung der Badeanstalten liegt mehr oder weniger der Unterschied der Wirkung (der einzelnen Quellen) und nicht in einem plus oder minus der Bestandtheile.“ –

[ocr errors]
« IndietroContinua »