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Wenn wir nun das, was uns die Theorie lehrt, mit dem, was die Erfahrung bietet, zusammenfassen, so ergibt sich, dass die Teplitzer Bäder in folgen den Arten der Gicht ihre Anzeige finden:

1. Wo die Naturkraft schon früher durch eine erzeugte Gelenksphlegmone das Bestreben aussprach, den Krankheitsstoff durch Haut und Nieren auszuscheiden. 2. Wo zwar nebst dem Hautorgan auch der Darmkanal an dem Eliminationsprozesse Theil nimmt, und daher Gicht und Hämorrhoiden abwechseln, allein die zu entfernende Krankheitsmaterie vorzugsweise nach der Haut ihre Richtung nimmt. 3. Wo die akute Gelenksentzündung wegen mangelnder Energie des arteriellen Systems nicht zu Stande kommen kann, oder wo die Haut als das die kritische Ausscheidung vermittelnde Organ in ihrer Funktion gestört ist. 4. Wo gleich im Anbeginn oder erst nach vorausgegangenen regelmässigen Anfällen das pathische Produkt nur unvollkommen durch die Haut ausgeschieden oder auf innere wichtigere und edle, durch erhöhte Reizbarkeit prädisponirte Organe ahgesetzt wird. 5. Wo ein regelmässiger Anfall durch äussere schädliche Potenzen eine Metastase nach innen machte. 6. Wo die nach den Gelenken regelmässig abgelagerten Stoffe nicht aufgesogen und fortgeschafft wurden, und so manigfache lokale Desorganisationen bilden. 7. Wo die Individualität des Gichtkranken ein wenig reizbares Gefässsystem ausspricht, und wo vielmehr nervöse Symptome mit unterlaufen – arthritis nervosa.

Nutzlos oder gar schädlich ist Teplitz:

1. Wenn zwar die Heiloperation der Natur ein geringes Bestreben äussert, kleine Gichtanfälle hervorzu

rufen, allein der Ausscheidungsprozess des pathischen Produktes vorzugsweise nach dem Darmkanal seine Richtung nimmt und demnach die Hämorrhoiden als Vorwaltendes Uibel auftreten. Hier würde durch eine allzugrosse Belebung des Hautorgans die Bemühung der Natur, die dahingerichtet ist, die Krisen durch Blutflüsse und Darmentleerungen einzuleiten, gestört werden. Es ist daher immer rathsam, in solchen Fällen die lösenden Heilwässer, wie Karlsbad, Marienbad, Kissingen , Pillna u. s. w. vorauszuschicken oder wenigstens deren Gebrauch gleichzeitig mit dem unserer Bäder zu vereinigen.

2. In jenen Fällen der anomalen Gicht, wo der regelmässige Paroxysmus bei hinreichender Energie der Naturkraft wegen materieller Uiberfüllung und Bedrängung der Kräfte nicht zu Stande kömmt, wie z. B. bei der aquirirten Gicht kräftiger Individuen. Hier dient mehr ein schwächendes, ausleerendes Verfahren.

3. Bei völlig torpiden Formen, die auf grosser Lebensschwäche und zu weit gediehener Dyskrasie beruhen, namentlich bei alten Podagristen, wo Häufigkeit und Heftigkeit der Anfälle Erschöpfung und grosse Muskelschwäche zurücklassen, oder sich gar schon Spuren von Hydrops offenbaren. Ein solcher Zustand erheischt stärkende Mittel.

4. Bei Individuen mit dauern den Congestionen nach Kopf und Brust. Hier verschwindet oft die Gelenksgicht, allein es finden nicht selten Ablagerungen im Hirn- und Brustorgan statt.

Da wir nun jene Fälle der Gicht, die sich für die Anwendung der Teplitzer Bäder eignen, so wie jene, die deren Gebrauch untersagen, im Allgemeinen zu bezeichnen versuchten, wollen wir nun zu den speziellen Formen übergehen, gegen welche sich die Heilkraft unserer Thermen bewährt. Hierher gehören:

1. Die regelmässige akute Gelenks gicht. Sowohl während des Anfalls als in der Zwischenzeit finden unsere Bäder ihre Anwendung. Viele warnen vor ihrem Gebrauch zur Zeit des Paroxysmus; ich habe mich aber wiederholt überzeugt, dass sie, wenn die Gelenksphlegm one nicht den rein syn och a I e n , sondern mehr den er ethischen Charakter hat, sehr gut vertragen werden. Der lokale Schmerz wird gemildert, und die Hautkrise leichter und vollkommener durchgeführt. Tritt die Entzündung torpid auf, so ist das Bad zur grösseren Entwicklung derselben und zur Festhaltung der Gicht an äusseren Theilen um so angezeigter. Dass jedoch die Badetemperatur dem Entzündungscharakter gemäss modifizirt werden müsse, ist leicht ersichtlich, worauf wir bei der speziellen Gebrauchsweise zurückkommen werden.–

In der fieberfreien zwischenzeit äussert Teplitz seine Hauptwirkung. Wenn es auch nicht möglich wird, den Ausbruch eines neuen Paroxysmus ganz zu verhüten, so werden doch die Anfälle immer seltener, milder, von kürzerer Dauer, und die Gelenksablagerung geringer. Ist das Uibel noch nicht habituell geworden, so ist, bei gleichzeitiger Tilgung des ursächlichen Moments mittelst eines zweckmässigen Brunnens, sogar vollkommene Heilung möglich*).

2. Die chronische Gelenks gicht, wo keine Röthe und Geschwulst zugegen sind, sondern wo bloss ein drückender Schmerz, erhöhte Empfindlichkeit und unbedeutend gesteigerte Temperatur sich in den Gelenken kund geben, oder wo die Gelenke

*) Uibrigens beobachtet man an unseren Quellen, dass die reguläre Arthritis, vorzüglich die ächte Podagraform jährlich seltener wird, während die arthritis anomala immer häufiger auftritt, was wahrscheinlich in der gesunkenen organischen Kraft, dem Charakter unseres Zeitalters, liegen mag.

der Unterextremitäten ödematös angeschwollen und von reissenden Schmerzen und einem leichten Anflug von Röthe befallen werden. 3. Die gicht. schmerzhaften Affektionen äuss er er membranös e r Gebilde, wo nämlich die Gicht die Muskelaponeurosen oder die Beinhaut befällt. Die erstere Form, welche mit dem Rheumatismus die grösste Aehnlichkeit zeigt, bessert sich oft überraschend schnell in unseren Bädern. – Weit hartnäckiger ist die zweite, wo nämlich die Beinhaut der Röhrenknochen (vorzüglich der Tibia), der Kniescheibe, der Kinnlade, ja selbst die in den Zahnhöhlen (odontalgia arthr.) äusserst schmerzhaft ergriffen ist. Hierher gehört auch die sogenannte Kopfgic ht, die im äusseren Pericranium ihren Sitz hat, und zuweilen bloss die Gegend der Suturen einnimmt. Tritt jedoch bei der Kopfgicht Schwindel und Betäubung ein, wo der Verdacht eines Ergriffenseyms des inneren Periostiums und selbst der harten Hirnhaut rege wird, so ist grosse Vorsicht nöthig. Haftet die Kopfgicht bloss in den sehnigen Umgebungen und Endigungen einzelner Kopfmuskeln, wo sie gewöhnlich nur halbseitig auftritt, so ist das Bad von grossem Nutzen. Ist es jedoch zur Bildung wahrer gicht. Exostosen gekommen, die, wenn sie die Knochen des Schädels oder der Rückenwirbel befallen, Lähmungen und andere Nervenübel begründen, dann ist von Teplitz nichts mehr zu erwarten. A 4. Die gicht. Affe ktionen der S c h l e imh ä ut e. a) Die gicht. Diarrhoe, die oft nach früheren Andeutungen normaler Gelenksgicht sich einstellt, wo jedoch das Uibel noch nicht so bedeutend ist, dass der Unterleib beim Druck schmerzhaft wird, und wo es überhaupt einen mehr chronischen Charakter annimmt. b) Die gicht. Blen norhoe der Nase und der Respirationsorgane torp iden Charak t er s, vorzüglich wenn solche mit regelmässigen Gichtparoxismen alternirt. Sind Spuren einer bereits geschehenen Ablagerung in der Lunge vorhanden, oder ist es gar schon zur beginnenden steinigen Lungenphthysis gekommen, so ist beim Gebrauch des Bades die höchste Behutsamkeit zu empfehlen. c) Die gicht. Blennorhoe der Blase und der Genitalien. Wesentliche Dienste leistet Teplitz in der Gonorrhoea und im Fluor albus, womit arthritische Individuen so häufig behaftet sind. Diese Formen gleichen sehr den venerischen, allein der ausfliessende Schleim hat nicht den spezifischen Geruch der letzteren, und nimmt bei nassem Wetter und, wenn sich der Kranke einer Verkältung aussetzt, an Quantität bedeutend zu. Demohngeachtet kann nur die Entstehungsweise und der Zusammenhang mit gichtischen Affektionen bei der Diagnose sicheren Aufschluss geben. Nicht selten findet übrigens eine Complication statt, wo ähnliche Blennorhoen nicht ursprünglich durch die gichtische Materie hervorgebracht sind, wo diese aber durch die Reizung eines venerischen Giftes veranlasst worden ist, sich auf die Wagina oder Urethra zu werfen. Hier verträgt das gichtische Prinzip die Merkurialien nicht, und in solchen Fällen wird der Gebrauch unserer Quellen der spezifischen Heilmethode mit grossem Nutzen vorausgeschickt. Auch in der Blasenblennorhoe dekrepider gicht. Individuen, die mit Krampf, Strangurie, oder gänzlicher Ischurie verbunden auftritt, und wo der Urin grosse Mengen arth. Sedimente abscheidet, bewähren sich unsere Thermen sehr wohlthätig. 5. Die gic ht. Affektion der Nieren. Im Anfange der Nierengicht, wo es noch zu keiner bedeutenden Ablagerung von Conkrementen als Stein und Gries gekommen ist, wo vielmehr Podagra mit

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