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schleichender Nierenentzündung abwechselt, so zwar, dass einmal eine regelmässige Gelenksphlegmone auftritt, nach einiger Zeit jedoch, wo sie wieder zum Vorschein kommen sollte, alle Symptome des sich bilden wollenden Paroxysmus erscheinen, die jedoch, statt mit einer Ausscheidung in den Gelenken, mit einer Nephritis sich terminiren. Obgleich auch hier die diuretischen und lösenden Trinkbrunnen einen Vorzug haben, so tragen doch unsere Bäder sehr viel dazu bei, das Gichtübel wo möglich noch nach den Gelenken zu leiten und daselbst zu fixiren, oder wenigstens durch die erhöhte Hautsekretion die Ablagerung des pathischen Produktes in den Nieren zu beschränken.

6. Die gic ht. Neurosen. a) Das gic ht. Asthma.

Wenn es auch nur selten gelingt, diese anomale Form zur Gelenksgicht zurückzuführen, so gewinnen doch die Anfälle durch den vorsichtigen Gebrauch der Bäder in der Zwischenzeit einen milderen Charakter, indem der kritische Schleimauswurf eines jeden einzelnen Paroxysmus vollkommener von Statten geht. Geben sich bereits Symptome eines sich bildenden Hydrothorax kund, dann bringt das Bad Nachtheil. – Hier muss ich noch jene asthmatische Brustbeschwerde erwähnen, die der früheren der Form nach ähnlich, jedoch dem Wesen nach verschieden ist, und durch eine gichtische Affektion der vielen Bänder an der hinteren Fläche des Sternums bedingt wird. Auch hier erscheinen Erstickungszufälle mit Sternalgie, die jedoch ohne die oben bezeichnete Krise unseren Bädern oft gänzlich weichen.

b. Die gic ht. Cardi algie und Colik. Die erstere eignet sich besonders dann für Teplitz, wenn ihre Anfälle mit regulärer Arthritis alterniren, so zwar, dass im Sommer, wo die Vitalität äusserer Organe vorherrscht, Gelenksentzündungen, im Herbst und Winter dagegen cardialgische Erscheinungen zum Vorschein kommen. – In der gicht. Kolik bewähren sich unsere Bäder vorzüglich dann, wenn sie nicht im ganzen Umfange des Unterleibs, sondern mehr gegen das Rückgrath ihren Sitz hat, mit eingezogenem Nabel oder mit lähmungsartiger Schwäche der unteren Extremitäten auftritt, und so mit der Bleikolik grosse Aehnlichkeit zeigt.

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Hier haben sich unsere Bäder einen ebenso grossen, als verdienten Ruf erworben. Wegen der ausserordentlich erweichenden und mächtig zertheilenden Eigenschaft und dadurch, dass sie vermittelst vermehrter Hautund Harnsekretion die krankhaft abgelagerten Stoffe aus dem Körper führen, wirken sie ausgezeichnet in jenen Fällen, wo die Gicht ödematöse Anschwellungen, Gelenkswassersuchten, Anchylosen, Contrakturen, weisse Gelenksgeschwulst, Steifigkeit und Lähmung einzelner Glieder, Verhärtungen des Zellgewebes, Knotenbildung der Aponeurosen und andere manigfache organische Entartungen bildete. Solche Desorganisationen und daraus entstehende Funktionsstörungen, an denen schon alle Heilversuche scheiterten, finden oft noch, wenn sie nicht zu veraltet sind, in unseren Thermen, wenn auch nicht immer Heilung, doch mindestens Besserung. Hunderte ähnlicher Leidenden, die lange an ihr Bett gefesselt lagen, gefüttert und getragen werden mussten, suchen jährlich ihre letzte Hilfe in unseren Bädern, und erlangen daselbst oft gegen alles Erwarten den freien Gebrauch ihrer Glieder wieder.

8. Die g i c h t. Haut kr an k h e i t e n , Geschwüre und Nerven übel sollen, insofern sie ein Heilgegenstand unserer Bäder werden können, anderwärts näher betrachtet werden.

Endlich sind es noch einige Complicationen der Gicht, gegen welche sich Teplitz hilfreich bewährt, und zwar: a) Die Gicht mit Syphilis. Hierher gehört die arthr. gonnorhoica, welche bei jungen Leuten, die schon früher an gichtischen Gelenksaffectionen litten, nach einem plötzlich unterdrückten Tripper aufzutreten pflegt, vorzugsweise das Knie, seltener die Schulter befällt, und gerne in eine Entartung desligamentösen Apparats ausgeht. Gelingt es in solchen Fällen nicht mehr, die Gonnorrhoe zurückzuführen, dann wird man unsere Bäder gegen das Uibel mit grossem Nutzen anwenden. – Sehr misslich ist die Complikation der Gicht mit allgemeiner Lues, wo sich erstere gewöhnlich durch einen sehr nervösen Charakter und grosse Neigung zu Metastasen nach nervösen Gebilden charakterisirt. Hier ist es rathsam, wenn n i c h t die Symptome der Venerie dringend sind, den Gebrauch unserer Bäder der Merkurialkur vorauszuschicken, um so womöglich früher die gichtische Dyskrasie zu bessern, indem eine frühere Anwendung des Quecksilbers die Gicht auf mehrere Gelenke verbreitet, die Anfälle verlängert, und nicht selten unheilbare Degenerationen bewirkt. Tritt endlich die Gicht nach überstandener Lu es mit Spuren einer Merkurialkachexie auf, so ist der Erfolg unserer Quellen um so glänzender. b) Die Gicht mit Skrophe 1n. Wo die Gicht auf skrophulösem Boden gepflanzt ist, und so vorzugsweise Anomalien im Drüsen- und Knochensysteme begründet, da wirkt Teplitz höchst wohlthätig. – Besondere Erwähnung verdient die leicht zum Skirrhus hinneigende Anschwellung des Hodens, welche oft als Folge gichtischer Metastase erscheint. In zwei Fällen sah ich völlige Zertheilung. – In allen den nun angezeigten Arten der anomalen Gicht bewährt sich die oft wahrhaft wunderthätige Heilkraft unserer Bäder dadurch, dass sie entweder die unregelmässigen Formen, Welche nicht selten die edelsten Organe befallen und den Kranken Gefahr drohen, in regelmässige umwandeln, oder doch wenigstens eine Annäherung zum normalen Verlaufe zu Stande bringen. Im ersten Falle wird eine akute Gelenksentzündung hervorgerufen, die sich durch Schweiss, Urin und lokale Abschuppung kritisirt, und mit deren Erscheinen der krankhafte Zustand eines inneren ursprünglich oder metastatisch ergriffenen Organes gänzlich weicht, oder wenigstens sich bedeutend mildert. Eine solche wohlthätige Determinirung der Gicht nach äusseren Gelenken pflegt grösstentheils schon während der Badekur aufzutreten, nicht selten aber auch in die Zeit der Nachwirkung hinauszufallen. Nicht immer gelingt GS jedoch dem Bade, eine so heilsame, mit Fieberreaktion und vollständiger Krise verbundene Gelenksphlegmone hervorzubringen. In der Mehrzahl der Fälle nämlich geben sich nur geringe vorübergehende Mahnungen eines Gelenksschmerzes kund, oder auch diese fehlen, und die maskirte Gichtform entscheidet sich nur allmälig mittelst einer unvollkommenen, theilweisen Haut- und Nierenexkretion. Wenn Teplitz unter solchen Verhältnissen die Gicht auch nicht völlig zu reguliren vermag, so wird doch durch die Leitung des pathischen Produktes nach der Peripherie die den inneren Gebilden drohende Gefahr abgewendet, und, wenn auch langsamen Schrittes, Genesung herbeigeführt.

Specielle Gebrauchsweise.

Vielfältige Erfahrung lehrt, dass Arthritiker, besonders jene, die an der desorganisirenden Gelenksgicht leiden, hohe Wärmegrade gut vertragen. Ich hatte Gelegenheit zu beobachten, dass alte Damen mit gichtischen Kontrakturen 60 bis 80 Bäder von 30 – 329, bei nur wenigen Ruhetagen, hintereinander genommen, ohne eine Spur bedeutender krankhafter Aufregung oder irgend eine Erscheinung des Uiberbadens wahrzunehmen. – Im Allgemeinen

leisten in der Gicht die warmen und heissen Bäder das Meiste, insofern die Individualität ihre Anwendung gestattet. Doch gebietet auch die Form der Gicht mehr oder weniger Rücksicht. Während des gicht. Gelenksanfalls erethischen Charakters bade der Kranke bloss lau oder mässig warm, kömmt jedoch die Phlegmone wegen Torpidität nicht gehörig zu Stande, so sind bis zum Erscheinen derselben höhere Temperaturgrade zweckfördernd. Hier können laue Bäder sogar schädlich werden, weil dadurch die Gefässthätigkeit herabgestimmt, und so leicht ein Zurücksinken der nach aussen strebenden Gicht veranlasst wird. Eben so vermeide man höhere Wärmegrade bei der Kopf gicht, wenn Schwindel oder Betäubung zum Verdacht des affizirten inneren Pericraniums berechtigt. Von der gicht. Lungenblen norhoe und dem gicht. Asthma gilt dasselbe, wo jedoch auch das tiefe Baden, oder eine mit Dunst erfüllte Badeatmosphäre gefährlich werden kann. In allen übrigen Formen der anomalen chronischen Gicht wirken die Teplitzer Thermen umso heilkräftiger, je wärmer sie vertragen werden, indem dadurch die Richtung der Krankheitsmaterie nach der Peripherie unterstützt wird. Diess ist vorzugsweise bei den sich bereits gebildeten lokalen Folgekrankheiten der Fall, wo die höhere Temperatur eine grössere Thätigkeit in den degenerirten Gebilden erweckt, die materiellen Uiberreste erweicht, auflöst und zur Ausscheidung bringt. Die Douche bietet ein mächtiges Unterstützungsmittel. Wo die Gicht ein Gelenk verlassen und sich nach einem anderen Theile versetzte, oder wo es aus Mangel an Vitalität zu keiner vollkommenen Entwicklung der kritischen Ausscheidung kömmt, da ist ihre Applikation zu empfehlen, jedoch zugleich die Vorsicht, sobald die Symptome der Phlogose auftreten, den Strahl nicht auf das Gelenk selbst, sondern bloss auf dessen Umgebung zu richten. Bei allen Gelenken jedoch, die dem Rumpfe nahe liegen, so wie bei arthritischen Leiden der Schädel-, Brust und Rückenwirbelknochen vermeide man die Douche sorgfältig, wenn die benachbarten edlen Organe Neigung zur entzündlichen Reizung offenbaren, und die Gicht den vagen Charakter hat, indem dadurch sehr leicht traurige Metastasen erfolgen können. – In der desorganisirenden Gicht endlich ist die Douche unentbehrlich.

B. Der chronische Rheumatismus.

Sein Wesen besteht in einer krankhaften Absonderung der fibrösen Membranen in Folge der gestörten

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