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Obgleich bei der Vorhersage die erregenden Ursachen das Wort führen, so ist dabei doch stets die Wichtigkeit des paralysirten Theils, die Constitution und das Alter des Kranken, die Dauer, der Grad und die Ausbreitung des Uibels zu berücksichtigen. Wenn die Sinnesorgane leiden, wenn die Patienten alt und entkräftet sind, wenn die Lähmung schon Jahre lang gewährt, wenn die paralysirten Theile Empfindung, Bewegung und natürliche Wärme völlig verloren haben oder gar schon abmagern, wenn endlich eine ganze Körperhälfte ergriffen wurde, so ist die Prognose grösstentheils traurig. – Die Paraplegie gehört zu den schwersten Formen, besonders wenn Urinblase und Mastdarm mitbetheiligt sind. Bei der Hemiplegie bessert sich meistens die untere Extremität früher als die obere. Stellt sich schon in den ersten Wochen des Badegebrauchs Wärme, Kriebeln, Jucken, Ameisenkriechen, zuweilen sogar Schmerz im kranken Gliede ein, so ist man zu froher Hoffnung berechtigt.

Specielle Gebrauchsweise.

Sie erfordert die grösste Umsicht und genaue Berücksichtigung der Causalmomente und der Individualität. In allen Arten der Paralysen verdienen die warmen und heissen Bäder, wenn die individuelle Constitution solche nicht verbietet, den Vorzug vor den lauen, indem es immer der Zweck ist, entweder durch starke Hautreizung den auf die Nerven gelagerten Krankheitsstoff nach äusseren Theilen zu leiten oder das fast erloschene Nervenleben aufzureizen und anzufachen. Diess ist auch bei der Lähmung nach Cerebralapoplexie der Fall. Von lauen Bädern sah ich nie einen merklichen Erfolg, indess ich von den heissen stets die glänzendsten Resultate beobachtete. Von den vielen apoplektisch Gelähmten, die Aohne allen ärztlichen Rath jährlich das 35 – 360 heisse Gemeinbad brauchen, mussten zwar schon so manche ihre Unvorsichtigkeit mit einer Recidive büssen, aber man sieht auch aus jenem Bassin Grade der Besserung hervorgehen, deren wir Aerzte an unseren Kranken, denen wir aus gegründeter Besorgniss so hohe Hitzegrade streng untersagen, nie oder nur höchst selten uns er– freuen. Allerdings ist in Paralysen nach voransgegangenem Schlagfluss die höchste Behutsamkeit nicht genug zu empfehlen, indem solche Kranke immer grosse Neigung zu Rückfällen haben. Bei plethorischem Habitus und Vollblütigkeit ist es daher rathsam, einen Aderlass der Badekur vorauszuschicken, doch reichen in gewöhnlichen Fällen auch blutige Schröpfköpfe am Nacken hinlänglich aus, die aber im Verlauf der Kur mehrmals wiederholt werden müssen. Man lasse solche Kranke mit lauen Bädern beginnen, dann zu den warmen, und bei torpider Constitution sogar zu den mässig heissen übergehen, versäume aber ja nicht während des Bades in kaltes Wasser getauchte Compressen oder mit Eis gefüllte Blasen auf den Kopf zu legen. Zweckmässig ist der gleichzeitige Gebrauch warmer Fussbäder, kühlender Abführmittel und leicht eröffnender Klystiere. Man wähle ferner für solche Kranke jene Badelogen, die eine dunstfreie Atmosphäre haben und lasse sie nicht tiefer als bis zur Herzgrube eintauchen, wobei die gelähmte Oberextremität abwechselnd unter dem Hahne gehalten werden kann. Das Schlafen nach dem Bade und nach dem Essen müssen ähnliche Patienten vermeiden. – Die Douche ist in Paralysen ein unentbehrliches Hilfsmittel, doch ist auch bei ihrem Gebrauche grosse Vorsicht nöthig. Bei der lokalen rheumatischen und gichtischen Lähmung der Oberextremitäten, wo die Brustmuskeln mit– leiden, lasse man sich nicht verleiten, den Douchestrahl auf den Thorax zu richten, weil die starke Aufregung leicht eine Metastase nach den Lungen verursachen kann. Aus demselben Grunde vermeide man bei den metastatischen gi ch tischen und rheumatischen Paralysen wegen eines Nebenzweckes den Unterleib zu douchen. Nach ex an thematischer Metastase, wo der Ausschlag wegen Torpidität der Haut nur unvollkommen hervortritt, ist es zweckdienlich, das Hautorgan mittelst eines schwachen Strahls abwechselnd an verschiedenen Stellen zu reizen. „In der apoplektischen Lähmung“ sagt mit Recht der erfahrene Schönlein „verdient die Douche vor allen inneren und äusseren Mitteln den Vorzug.“ Doch douche man nie den Kopf, um gleichsam den Krankheitsherd zu treffen, sondern bloss die gelähmten Gliedmassen, und anfangs nur 5 – 8 Minuten, steige nach und nach bis auf 20, und nur selten, bei ganz unempfindlichen Subjecten, darüber hinaus. Nach 8 – 10 Douchebädern steht die gute Wirkung, die anfangs unverkennbar ist, gewöhnlich still. Man macht dann eine Pause von einigen Tagen, und wiederholt dann die Douche, so lang man noch eine Wirkung verspürt. – Bei Lähmungen, die von den Spinalnerven ausgehen, leistet, wenn jede Spur inflammatorischer Reizung beseitigt ist, die Applikation der Douche längst des Rückenmarks wesentliche Dienste. Bei paralytischen Erscheinungen der Gesichtsmuskeln ist die Regendouche anwendbar. – Reiben und Knäten der gelähmten Theile nach dem Bade, so wie die Anwendung blutiger und später trockener Schröpfköpfe, besonders dann, wenn die gelähmte Extremität aufgedunsen und wie marmorirt scheint, sind von grossem Nutzen.

Es ist zu bemerken, dass die Lähmungen im Allgemeinen einer längeren Kur bedürfen, und dass selten die gewöhnliche Badezeit von 4 – 6 Wochen hinreiche. Bei eingewurzelten und schweren Fällen muss man sich begnügen, nach einjährigem Badegebrauch geringe Spuren der Besserung wahrzunehmen, und dann ist eine mehrjährige Wiederholung der Kur unumgänglich nöthig.

Bei der lokalen rheumatischen und gichtischen Paralyse, so wie bei der metastatischen ist von der Nachwirkung viel, bei den übrigen Arten jedoch wenig zu erwarten.

D. Die Scropheln.

Diese beruhen auf einer abnormen Thätigkeit der Organe, die der Ernährung vorstehen, vorzüglich aber auf einem unthätigen Zustande des Lymphsystems, dessen Gefässe und Drüsen anschwellen und verhärten. Dem zu Folge erleidet die Lymphe eine spezifische Mischungsveränderung, wodurch die skrophulöse Dyskrasie erzeugt wird. Oft hat dieses Uibel seinen Ursprung in einem krankhaften Hautorgan, indem solches die zur Excretion bestimmten Abfälle des Reproduktionsgeschäftes, die aus dem Organismus entfernt werden sollten, zurückhält. – Schon wenn man erwägt, dass unsere Thermen das gehemmte Abscheidungsvermögen der Haut kräftig fördern, so ergibt sich ihr grosser Nutzen in skrophulösen Leiden von selbst. Ausser dieser unmittelbaren Wirkung findet noch eine zweite statt, bedingt durch die Resorption. Die Wirkungen unserer Bäder folgen nämlich, nachdem sie sich in der äusseren Haut realisirt haben, mehr den lymphatischen Gefässen, beleben daselbst den Verflüssigungsprozess, erregen ihre innere Resorptionsthätigkeit gleichzeitig mit der äusseren Abscheidung, und verbessern so die spezifische dyskrasische Alienation der Metamorphose. Uiberhaupt haben alle Arzneien, die durch die Haut aufgenommen werden, in Krankheiten des Lymphsystems den grossen Vorzug vor den innerlich angebrachten, dass sie unmittelbar in dasselbe eingehen, und nicht erst durch die geschwächten Verdauungsorgane modifizirt werden, wodurch sie auch die tiefste und gründlichste Umstimmung des vegetativen Lebens zu bewirken vermögen. Es ist auch wahrscheinlich, dass der, wenn auch geringe Jodge halt unserer Thermen bei der Heilung dieses Uibels keine gleichgültige Rolle spiele, indem dieser Arzneikörper, der Erfahrung nach, selbst bei seiner grössten Verdünnung, auf das Drüsensystem seinen Einfluss äussert. Die Teplitzer Bäder zeigen sich in allen Arten der Skr op heln hilfreich, sie mögen in der Sphäre des Lymphsystems, der äusseren Haut, der Schleimmembranen oder des K n och e n system s ihren Sitz haben. Schon in der skrophulösen Anlage der Kinder, die sich durch den eigenthümlichen Habitus mit grossem Kopfe, dickem Bauche und mageren Extremitäten charakterisirt, bewähren sie sich höchst wirksam, indem sie der ferneren Entwicklung Schranken setzen; um so kräftiger jedoch tritt ihre Wirksamkeit in den bereits ausgebildeten manigfachen Formen dieser Krankheit hervor, und zwar: 1. In den Lymphs krophe ln, sie mögen äussere oder innere Organe befallen und so entweder als Anschwellungen der Hals-, Achsel- oder Inguinaldrüsen erscheinen oder im Mesenterium und in den Respirationsorganen auftreten. – Hier ist es jedoch nothwendig den Charakter dieser Formen strenge zu berücksichtigen. Die scrophula florida mit aufgeregter Thätigkeit des Gefässsystems verträgt die Anwendung unserer Bäder schwer, und bedarf immer grosser Vorsicht, dass sich keine Entzündung entwickle. In der scrophula atonica hingegen mit offenbarem Daniederliegen des irritablen Lebens sieht man den besten Erfolg. – Selbst bei den Skropheln der Respirationsorgane, wo die Kranken über dumpfen Druck unter dem Brustbein klagen, wo die Sternalenden der Rippen anschwellen und schmerzhaft werden, und in Folge der Compression der Luftröhre Husten und Schwerathmigkeit eintreten, findet oft noch durch den Gebrauch unserer Bäder allmälige Lösung statt, besonders wenn das Uibel mit vernachlässigtcr Hautkultur im Causaliexus steht.

Unter den Drüsenkrankheiten, die Heil aus unseren Thermen schöpfen, verdient noch die skrophulöse Anschwellung und Verhärtung der Brust dr ü se eine besondere Erwähnung. Wenn das Uibel noch zu keinem bedeutenden Umfang erwuchs, keine entzündliche Reizung mehr zugegen ist, wenn keine flüchtige empfindliche Stiche einen beginnenden Uibergang in krebsartige Degeneration verrathen, dann vermag noch Teplitz Zertheilung mehr oder weniger herbeizuführen. Wurde die Verhärtung durch Verkältung während der Entzündungsperiode begründet, dann ist die Vorhersage am günstigsten, weniger, wenn Amennorrhoe die veranlassende Ursache war, obgleich ich einen Fall beobachtete, wo ein ähnliches durch Verhalten der Menstruation entstandenes Brustdrüsenleiden in unseren Bädern sich auffallend besserte, indem ein weisser Fluss, gleichsam vikarirend, zum Vorschein kam. Ist das Uibel mit Gicht verflochten, kann Teplitz ebenfalls viel leisten, wenig hingegen bei seiner Complikation mit Syphilis.

Nicht minder erfreuliche Beweise seiner Heilkraft gibt Teplitz bei skrophulösen Testikelverhärtungen, wenn diese noch nicht uneben und höckerig sind und sich noch keine Wasseransammlungen in der Scheidehaut oder sarkomatöse Entartungen gebildet haben.

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