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bei solcher Gradation beruhigt und besänftigt, und, * resorbirt, durch seinen Gehalt an kohlensauerem Natron mehr lösend und verflüssigend wirkt. Wo daher eine abnorm erhöhte Reizbarkeit der Haut obwaltet, oder wo uns darum zu thun ist, festere krankhafte Ablagerungen zu lösen und zu schmelzen, da wird sich Teplitz vorzugsweise. geltend machen. – Endlich hätte ich noch in Bezug auf die Gebrauchsweise unserer Bäder als Nachkur zu bemerken, dass man im Allgemeinen bei Kranken, die von Karlsbad oder Marienbad kommen, bloss die lauen und warm e n Bäder in Anwendung bringe, indem jene grösstentheils etwas angegriffen sind und starke Schweisse selten vertragen. Erfordert jedoch der Krankheitszustand das heisse Bad dringend, wie z. B. der hartnäckige Rheumatismus, die Lähmung, der rückgetretene Hautausschlag, dann prüfe man sorgfältig, ob die mittelst Karlsbad oder Marienbad eingeleiteten Darmkrisen nicht noch in der Nachwirkung fortdauern, da solche durch einen zu kräftigen Hautreiz leicht gestört oder völlig unterbrochen werden könnten. In solchen Fällen ist daher der tägliche Gebrauch einiger Becher Kreuzbrunn, Ragozzi oder Bitterwasser nicht zu versäumen. – Auch ist es rathsam, die Patienten nicht lange im Bade sitzen zu lassen, und manchmal die Kur durch Ruhetage zu unterbrechen, indem sonst oft überraschend schnell die Erscheinungen des Uiberbadens eintreten, die dann den Fortgebrauch völlig untersagen.

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VI. Teplitz in Vergleich zu ähnlichen Heil- - quellen.

Wenn wir unsere Thermen in Bezug auf ihre Wirkungen mit anderen Deutschlands vergleichen wolIen, so finden wir mit Gastein die grösste Analogie. Doch auch hier findet eine bedeutende Verschiedenheit statt. Gast ein wirkt geistiger erregend auf den Organismus, Teplitz materieller. Wo daher die darniederliegenden Kräfte des Körpers bloss eines dynamischen Reizes bedürfen, und wo es sich vorzüglich um die direkte Belebung des Gefäss- und höheren Nervensystems handelt, da bewährt sich Gast ein äusserst wohlthätig; wo jedoch die Krankheit auf Veränderung der Form und Mischung beruht, und die abnorme Funktion der Nerven- und Gefässsphäre mehr durch eine materielle Grundlage bedingt wird, da verdienen die Teplitzer Quellen unstreitig den Vorzug.

Uibrigens schliesst sich Teplitz in Betreff seiner Wirksamkeit an die salinisch-alkalischen Thermalbäder von Wiesbaden, Baden-Baden und Burdscheid an, welche jedoch wegen ihres reichen Kochsalzgehaltes weit mehr reizen und erhitzen.

Unter den alkalinischen Thermen Frankreichs stehen, nach Prof. Osann, St. Nectaire und Neris den unseren am nächsten. Eine noch grössere Aehnlichkeit jedoch sowohl in Bezug auf chemischen Gehalt, als therapeutischen Werth, scheint unsere Mineralquelle mit Plombières zu haben. – Unter Englands Thermen findet Teplitz keinen Repräsentanten.

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WII. Uiber den Zweckmässigen Wärmegrad deS BadeS.

Die wichtigste Rolle bei den Wasserbädern im Allgemeinen, und denen von Teplitz insbesondere, spielt die Temperatur in Bezug ihrer Gradation.

Wahrlich nicht den Salzen und Gasen eines Mineralbades, sondern seinem Wärmegrade gebührt die erste Stimme bei allen Indikationen und Contraindikationen. Wir sind mittelst der Gradation der Wärme in den Stand gesetzt, den Organismus in ganz entgegengesetzte Zustände zu versetzen, daher entgegengesetzte Wirkungen hervorzurufen, und so extreme pathologische Erscheinungen durch ein und dasselbe Heilmittel zu bekämpfen. So vermag schon das einfache Wasserbad, wie wir es später klarer sehen werden, bei verschieden regulirter Temperatur bald die krankhaft erhöhte Lebensthätigkeit herabzustimmen, bald die daniederliegende anzufachen und zu erheben, wodurch seine pharmakodynamische Wirksamkeit eine Ausdehnung gewinnt, deren sich wenige Arzneikörper rühmen können.

Um die Einflüsse der Wärme überhaupt auf den menschlichen Organismus und ihre Wechselwirkungen zu bestimmen, reicht die physikalische Erklärung der Leitung und Ausgleichung der Temperatur zweier verschieden warmer Substanzen nicht aus, sondern es macht sich zugleich das höhere physiologische Gesetz, nämlich das Bestreben, welches ein jeder thierische Organismus hat, seinen individuellen und zur gesunden Existenz nöthigen Wärmegrad unter allen Verhältnissen womöglich constant zu erhalten, vorzugsweise geltend.

Es ist bekannt, dass der Wärmestoff im freien Zustande zwischen zwei sich berührenden anorganischen Körpern sich gleichmässig zu vertheilen sucht. Was der eine gewinnt, verliert der andere, und dieser Wechsel dauert so lange, bis ein vollkommenes Gleichgewicht ihrer Temperaturen eingetreten ist. Anders verhält es sich jedoch in der Thierwelt. Jeder thierische Körper hat seinen eigenthümlichen Wärmegrad, der gewöhnlich höher ist, als das Medium, in dem er sich befindet, und den der Lebensprozess im Uiberschuss erzeugt, um das Individuum, welches doch ununterbrochen von seiner thierischen Wärme an das kühlere Medium abgeben muss, dennoch in einem gewissen Grade von der Aussenwelt unabhängig zu erhalten. Der Organismus entzieht sich dem gemeinschaftlichen Gesetze der Fortpflanzung der Wärme, welchem alle Körper unterliegen, nicht ganz; auch er sucht sich durch Abgabe oder Aufnahme von Wärme mit seinem Medium ins Gleichgewicht zu setzen, allein diese organische Temperatursveränderung gestattet nur einen Spielraum von wenigen Graden, so, dass eine übermässige Intensität oder Einwirkungsdauer der Hitze oder Kälte nothwendig eine Störung seiner Funktionen und dann den Tod zu Folge haben muss. Der gesunde Mensch hat, wie man aus positiven Versuchen gefunden, eine mittlere Temperatur von 28 bis 30° R. – Die Variation von 29 R., welche solcher erleidet, hängt von der Stelle, wo das Thermometer applizirt wurde, von der Constitution und (wenn auch in sehr geringem Grade) vom Alter des Individuums ab. So ist die Temperatur an einem extremen Körpertheile, der mit der umgebenden kalten Atmosphäre in unmittelbarer Relation steht – wie z. B. an der Haut – niedriger als jene eines inneren, und daher von dem Wärme entziehenden Einflusse des Luftmediums mehr geschützten Theiles – wie z. B. des Blutes, des Harnes. – So entwickeln junge Menschen mit einem deutlich ausgesprochenen sanguinischen Systeme und mit einem vorherrschenden Muskelapparat einen höheren Wärmegrad als Alte, und jene, die eine zarte und lymphatische Constitution haben. Diese innere und nur in einer sehr beschränkten Breite veränderliche Temperatur des Menschen d. i. seine thierische Wärme, erhält sich, so lange die Verrichtungen des Lebens in ihrer Integrität bleiben, inmitten des Eises der Pole, so wie unter der brennenden Hitze des Aequators. - Wird nun dem Körper der Wärmestoff durch direkte Mittheilung oder durch verhinderte Ausstrahlung des Uiberschusses, oder durch erhöhte innere Erzeugung im Uibermaasse aufgedrungen, oder wird ihm, im Gegentheil, der zur gesunden Erhaltung nöthige Wärmegrad auf irgend einem Wege entzogen, so ruft diese organische Temperatursveränderung zugleich Erscheinungen hervor, die sich theils im Gemeingefühle, theils im Leitungsorgane, theils reflektirend in sämmtlichen wechselwirkenden Gebilden kund geben. Diese mittelst der Wärmegradation künstlich erregbaren Phänomene sind es, die wir als Heilwirkungen benützen, indem wir sich ihrer als Reizungs- oder Herabstimmungsmittel Zur Bekämpfung eines krankhaften Zustandes bedienen. Indem hier nicht der Ort ist, die Wirkungen der Wärme auf den menschlichen Körper im Allgemeinen zu besprechen, sondern bloss insofern das Wasserbad der Träger derselben ist, so kann es für uns auch nur wichtig seyn, die Einflüsse seiner Temperaturgrade auf den Körper zu prüfen, um so das Mittel, auf die organischen Thätigkeiten in bestimmter Weise einzuwirken, genau kennen zu lernen.» Obgleich schon das Luftmedium dazu geeignet ist, den Einfluss der Temperatur auf den menschlichen Organismus geltend zu machen, so besitzt doch das

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