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die Lebensthätigkeit des Organismus in ihrer Totalität herabgesetzt. Diese Primär wirkung, nämlich die allgemeine Herabstimmung der Vitalität, wird um so intensiver, je grösser die Menge der entzogenen Wärme ist. Da wir jedoch bloss mit Thermen zu thun haben, wo unter 25° R. nie oder höchst selten gebadet wird, und wo daher von kühlen und kalten Bädern nicht die Rede seyn kann, so liegen auch die Phänomene und Wirkungen, die solche hervorzubringen vermögen, ausserhalb der Sphäre unserer Betrachtung. Ebenso wie bei den Wärme abgebenden Bädern, erwacht auch hier bei den Wärme entziehenden das dem Organismus eigenthümliche Streben, seine natürliche Temperatur zu behaupten. Es findet nämlich eine vitale Reaktion Statt, um die Lebensentfaltung in ihrer ganzen Ausdehnung wieder zu gewinnen. Alle unterdrückten - organischen Funktionen gelangen zu ihrer früheren Energie und steigern sich unter günstigen Verhältnissen noch höher, als sie früher bestanden. Erhöhte nervöse Empfänglichkeit, regere arterielle Thätigkeit, raschere Metamorphose, lebhaftere Wärmeentwicklung und Hautausdünstung treten hervor. Diese organische Reaktion, in regsamer Offenbarung aller vitalen Prozesse bestehend, ist der Primärwirkung geradezu entgegengesetzt und bildet die sekundäre oder Nachwirkung. Allein diese erregende Nachwirkung findet nicht immer in einem merklichen Grade statt. Soll sie nur mit irgend einer Bedeutung auftreten, so setzt sie eine doppelte Bedingung voraus, und zwar erstens: eine intensive Primärwirkung, also einen bedeutenden Kältegrad des Bades, und zweitens: einen schnellen Wechsel der verschiedenen Temperatur d. i. einen raschen Uibergang von Kälte zu Wärme. – Wo jedoch die primäre Wärmeentziehung unbedeutend war, und wo ein allmäliger und langsamer Uibergang zur gewöhnlichen Temperatur statt fand, da wird die Reaktion kaum bemerkt, oder sie entwickelt sich wenigstens nie zu einem solchen Grade, dass die sich entfaltende Lebensthätigkeit und mit ihr die rückkehrende Wärmeproduktion die normalen Schranken des individuellen Lebens übersteigt. Da die Skale unserer Thermalbäder, wie ich schon früher bemerkte, nach abwärts schon mit dem 25sten Grade sich begränzt, und daher sowohl die primäre Wärmeentziehung, als der Unterschied der wechselnden Temperaturen höchst geringfügig ist, so kann die sekundäre oder erregende Wirkung unserer Bäder unter der Blutwärme gar nicht in Betracht gezogen werden und diess um so weniger, wenn man bei der Anwendung derselben jedesmal gegen das Ende der Badezeit die Temperatur des Wassers allmälig bis zu jener der natürlichen Körperwärme erhöht. Auch der Totaleffekt der kühlen und kalten Bäder, der so sehr als stärkend gerühmt wird, macht sich hier nicht geltend, weil dieser eine vollständige, lebhafte Reaction voraussetzt. * Der dritte Fall ist endlich jener, wo der Temperaturgrad des Bades der thierischen Wärme gleich steht. Solche Bäder vermögen weder Wärme zu entziehen, noch zuzuführen, und hier hat die Temperatur sicher den geringsten Antheil an den Wirkungen. Ich sage den geringsten, denn, wenn wir während des Gebrauchs des blutwarmen Bades den Puls genau beobachten, so bemerken wir, dass dennoch eine, wenn auch unbedeutende Steigerung der Gefässthätigkeit erregt wird. Diese Erscheinung ist darauf begründet, dass ein solches Bad dem Körper den Uiberfluss der erzeugten Wärme nicht vollständig entzieht. Der Puls wird daher um einige Schläge vermehrt und - voller, der Badende fühlt ein Belebtseyn des ganzen Organismus, und es treten so, obgleich im nie dersten Grade, jene Erscheinungen hervor, welche die Bäder über der Blutwärme charakterisiren. Es ist dem zu Folge als Regel anzusehen, dass Bäder, die der thierischen Wärme gleich stehen, immer noch auf den Körper einen steigernden Einfluss üben, und sie bilden daher die unterste Stufe jener, die wir die sanft erregenden und belebenden nannten. - Aus dem nun Dargethanen erhellet, dass wir bei unseren Thermen in Bezug auf ihre Temperaturgradation bloss mit zwei Kategorien von Bädern zu thum haben. . " Die erste Kategorie bilden jene, welche die organische Lebensthätigkeit erhöhen. (Hierher gehören die Bäder, deren Temperatur der thierischen Wärme gleich steht, oder sie übertrifft.)

Diese Kategorie umfasst zwei Unterabtheilungen und zwar: a) Bäder, welche die Lebensthätigkeit m ä c h t ig aufreizen, (deren Temperatur die thierische Wärme wenigstens um 2° R. übersteigt);

b) Bäder, welche die Lebensthätigkeit bloss sanft a n reg e n (deren Temperatur der thierischen Wärme gleich steht, oder solche um 1° höchstens 2" R. übertrifft). Die zweite Kategorie bilden jene, welche die organische Lebensthätigkeit her abstimmen. (Hierher gehören die Bäder, deren Temperatur unter der thierischen Wärme steht.) Wenn wir nun diese den Kardinalwirkungen entnommene Klassifikation nach Thermometergraden bezeichnen wollen, und die mittlere thierische Wärme mit 29° R. annehmen, so bieten - sich uns 3 Gattungen von Bädern dar, und zwar: . .

I. die stark aufreizenden oder die heissen (32 bis 38° R.).

II. die sanft anregenden oder die warmen (29 bis höchstens 31° R.).

III. die h er abstimmen den oder die lauen (25 bis 28° R.). Aus dieser Eintheilung resultirt alle praktische Anwendung. Ob nämlich für den Kranken ein heiss es, ein warmes oder ein laues Bad gewählt werden müsse, und welcher Grad für den individuellen Fall der passende sey, kann nur der Zweck, den man durch das Bad erreichen will, bestimmen.

Das heisse Bad (32 – 38° R.) findet seine Anwendung, wo es die Absicht ist, den Körper in seiner Totalität stark auf zu reizen, wo nämlich im Nervenund Gefässleben sich ein bedeutender Languor ausspricht, wo die Metamorphose der Organe, vorzüglich der innere Verflüssigungsprozess träg und langsam vor sich geht, so, dass nur ein sehr mächtiger Reiz von der Peripherie aus auf die sämmtliche Lebensthätigkeit eine heilsame Reaktion erwarten lässt, und wo endlich eine energische Aufregung der Haut und eine dadurch reichlich vermehrte Ausdünstung theils für dieses Organ, theils für innere Organe und deren Leiden als wohlthätig erscheint.

Die Wirkung des heissen Bades hat mit dem ephemeren künstlichen Fieber die grösste Analogie und ist gewiss in jenen hartnäckigen torpiden Uibeln, wo Celsus rieth: Febres accendere, ganz an seinem Platze. Durch die dauernde Anwendung der heissen Bäder vermögen wir tief in die Plastik des Lebens einzugreifen, einen gewissen Destruktionsprozess, sowie durch die Hungerkur, zu reguliren, dadurch krankhafte Stoffe (wie bei der Gicht, beim zurückgetretenen Hautausschlag u. s. w.) mobil zu machen und sie der Haut als Krisen zuzuführen. Wer an der Heilkraft eines heissen Bades zweifelt, der möge nur die oft ans Wunder gränzenden Heilungen beobachten, welche in unserem heissen Gemeinbade vorkommen. Ihm allein dankt Teplitz grösstentheils seinen tausendjährigen Ruf, denn die eklatantesten Wirkungen bei den hartnäckigsten gichtischen und rheumatischen Lähmungen gehen unstreitig aus diesem 37° heissen Bade hervor. Das war me Bad (29 bis höchstens 31") wird seine Anwendung finden, wo es der Zweck ist, den Organismus nur sanft zu beleben, wo ein milder Reiz hinreicht, das daniederliegende Nerven- und Gefässsystem zur normalen Thätigkeit anzufachen, das Hautorgan und die Transpiration zu erregen, dadurch die Säftemasse gleichmässig zu vertheilen, Stockungen zu lösen, und krankhafte Prinzipe nach Aussen zu leiten, um so durch eine gelinde Förderung aller organischen Prozesse ein geregeltes plastisches Leben herzustellen. Allein wie alle wichtigen Mittel, so bedürfen auch die he is s e n und war m e n Bäder grosser Vorsicht. Man muss früher genau prüfen, ob der Organismus eine so allgemeine Aufregung verträgt. Wo gefährliche Strömungen nach Kopf und Brust zu fürchten sind, wo ein edles Gebilde vom Verdacht einer Desorganisation nicht frei ist, wo in irgend einem Theile ein entzündlicher Zustand, wo Neigung zu Hämorrhagien obwaltet, wo im Nervenleben allzugrosse Reizbarkeit, im Blute hoher Orgasmus sich ausspricht, da finden die he is se m Bäder unbedingt, und die warmen, sobald sie nur die Blutwärme übersteigen, ihre Gegenanzeige. In diesen Fällen ist es eigentlich die Primärwirkung solcher Bäder, welche ihren Gebrauch untersagt. Aber auch ihre oben angeführte Sekundär- und Totalwirkung warnt uns vor der längeren Anwendung derselben, wo grosse Hautschwäche mit profuser Sekretion, wo bedeutende Schlaffheit im Allgemeinen mit Neigung

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