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zur Zersetzung und Auflösung, oder wo überwiegende Venosität stattfindet. In der venösen Dyskrasie schaden die heissen Bäder auf doppelte Weise, indem sie nämlich einerseits solche erhöhen, anderseits die Krisen, welche durch die Leber und die Schleimfläche des Nahrungskanals geschehen sollen, gewaltsam auf die Haut verlegen. Das laue Bad (25. bis 28° R.) endlich ist in jenen Fällen angezeigt, wo wir die Lebensthätigkeit herabstimmen wollen, ohne eine sekundäre Reaktion (wie bei kühlen und kalten Bädern) zu erwecken, wo nämlich Erethismus der Nerven und gesteigerte Gefässaktion eine allzugrosse Agilität des organischen Lebens, eine gleichsam übereilte Metamorphose und die damit verbundene erhöhte Wärmeentwicklung bedingen, und übermässige Reizbarkeit und Empfänglichkeit der Haut Krampf und abnorme Sekretion begründen. Hier bietet das laue Bad ein beruhigendes und besänftigendes Heilmittel, und mit Recht nennt es Rost an eines der vorzüglichsten Antiphlogistica, die wir besitzen. Wo zwar das innere Causalmoment des hypersthenischen Zustandes ein Uibermaass oder eine allzuerregende Beschaffenheit des Blutes ist, da werden die Blut und Säfte entziehenden Mittel allein zum Ziele führen, wo jedoch der hypersthenische Zustand nicht auf einem Uibermaasse des Incitaments, sondern bloss auf erhöhter Erregbarkeit, nämlich einer primär gesteigerten Vitalität der Gefässe beruht, da wird man kaum ein zweites Mittel finden, das so die Frequenz des Pulses direkt vermindert und auf eine so milde Weise das ganze irritable Leben herabsetzt. Wir sehen daher, welch' ein gewaltiger Irrthum es sey z. B. bei entzündlichen Zuständen und Blutflüssen die Thermalbäder unbedingt verbieten zu wollen. Wenn meine geehrten Vorgänger Hansa, Am br oz i und Reus s jene Krankheitszustände unter den Gegenanzeigen der Teplitzer Wässer mit aufstellten, so hatten sie gewiss bloss die heissen und warmen Bäder, nicht aber die lauen vor Augen. Der grosse Nutzen derselben in akuten und chronischen Entzündungen, namentlich, wenn bei ersteren Blutentleerungen vorausgegangen, ist längst anerkannt. Wird doch in entzündlichen Affektionen der Haut, des Kopfes, des Darmkanals, des Bauchfells, des Uterus, sogar in neuerer Zeit in jenen der Brust, das laue Bad mit so glänzendem Erfolge gekrönt, warum sollten wir gerade dessen Anwendung in Reizzuständen bei den Teplitzer Wässern fürchten, da doch die übrigen unseren Thermen eigenthümlichen Agentien noch dazu grösstentheils schwächend und herabstimmend wirken? Ich selbst liess in früherer Zeit aus angeerbter Vorsicht Arthritiker allsogleich mit den Bädern aussetzen, sobald (wie es häufig während der Kur geschieht) sich eine von Fieber begleitete Gelenksphlegmone einstellte, um nicht den beschleunigten Blutumlauf unnöthig zu vermehren, und die Lokalentzündung zu verschlimmern, und ich rieth diess sogar in meiner ersten mediz. Skizze unserer Quellen; allein Theorie leitete mich zum Versuche und die Erfahrung bestättigte fast durchgehends, dass in solchen Fällen der fortgesetzte Gebrauch lauer Bäder von auffallendem Nutzen sey, indem solche einerseits den schmerzhaften Paroxysmus mässigen und mildern, und anderseits, wenn auch nicht durch ihre Temperatur, doch durch die zu resorbirenden Stoffe ihren wohlthätigen Einfluss auf das Grundübel ununterbrochen geltend machen. – Eben so lasse ich bei Blutflüssen, wenn sie auf Krampf oder grosser Agilität der Gefässe sich begründen, besonders bei übermässiger oder zu lang dauernder Menstruation aus derselben Ursache die lauen Teplitzer Bäder mit dem besten Erfolge brauchen. Mit dieser antiphlogistischen Kraft vereint das laue Bad eine narkotisirende, indem es die erhöhte Sensibilität der Nerven von der Peripherie aus auf eine milde Weise und ohne alle bedenkliche Nebenwirkung beschränkt und dadurch krampfhafte Spannungen löst und Schmerzen beruhigt.

Diese allgemeine Beruhigung und Besänftigung des allzuagilen Lebensprozesses und die dadurch vermehrte Energie desselben brachte auch das laue Bad in den Ruf, dass es stärke. Marcard suchte diess in seinem vortrefflichen Buche über Bäder vielfach zu beweisen. Wittich und Andere folgten dieser Ansicht. Allein es stärkt nur in direkt, so wie Alles stärkt, was die Störung des gesunden Seyns aufhebt, und man müsste auf diese Weise einen Aderlass bei Schwäche aus unterdrückter Kraft auch ein stärkendes Mittel nennen. Die direkte Wirkung der lauen Bäder ist unbedingt schwä c h e n d und ihre längere Anwendung wird daher in jenen Fällen, wo wahrer Torpor und Atonie obwalten, ihre Gegenanzeige finden*).

Aus dem bisher Gesagten ersehen wir, wie viel bei dem Gebrauch der Bäder von dem Grade der Wärme abhänge. Es wird leider in dieser Beziehung so viel gesündigt, dass selbst bei uns jährlich eine grosse Anzahl missglückter Kuren nur einem zweckwidrigen Wärmegrade des Bades zugeschrieben werden kann. Mit Recht sagt der erfahrne Diel: „Es ist eine Erbärmlichkeit, wenn man von Kranken hört: ich habe heute zu kalt, und den andern Tag: ich habe heute zu warm gebadet; sie haben sich also jedesmal geschadet, und doch wurden diese Bäder als gebraucht mitgezählt.“

*) Bei diesen nun bezeichneten Wirkungen der heissen, warmen und lauen Bäder ist wohl zu bemerken, dass sich ihre Gränzen keineswegs durch die aufgestellten Temperaturgrade mit mathematischer Genauigkeit bestimmen lassen, indem sie vielmehr in der Wirklichkeit unmerklich in einander übergehn.

So unheilbringend einerseits der Grundsatz, so heiss zu baden als es nur der Körper verträgt, an unseren Quellen um sich gegriffen hat, so wenig rationell ist es anderseits, die Form der Krankheit bei der Bestimmung des Wärmegrades als Richtschnur dienen zu lassen. Es ist ein trauriger Missgriff, die Gicht in die heissen Stadtbäder, die Skrophelsucht und den Krampf in das laue Steinbad unbedingt zu weisen. Beruht z. B. der Krampf auf gichtischer, rheumatischer oder herpetischer Metastase, so wird der Patient warm oder bei torpider Constitution sogar he is s baden müssen; liegt dem Uibel hingegen ein erethischer Zustand zu Grunde, dann kann man nur vom lauen Bade Heilung oder Besserung erwarten. Ebenso verwerflich ist es, das Gefühl des Kranken als Regulator des Bades anzunehmen, vorzüglich in jenen Fällen, wo es auf Genauigkeit ankömmt. Schon die so sehr variable Hautwärme macht diess Verfahren unsicher. So fühlt derselbe Körper ein und dasselbe Bad bald kühl bald heiss, jenachdem er zufällig frostig oder durchwärmt ist. Nicht selten nennt der Patient, der sich früher in kalter Luft aufhielt, wodurch die Temperatur des Hautorgans herabgesetzt wird, ein Bad von 26° warm, indess solches, sobald der erste Eindruck vorüber ist, ihm seine thierische Wärme entzieht. Wenn wir demnach die Wärme eines Bades zweckmässig bestimmen wollen, so kann über die Wahl einer der drei angeführten Gattungen von Bädern nur der Umstand, ob wir den kranken Organismus stark aufzu reizen, oder zu beleben, oder sanft her abzu stimmen beabsichtigen, allein entscheiden. Haben wir diese Indikation festgestellt, so muss, bevor wir noch das Bad reguliren, jener In differenzpunkt ausgemittelt seyn, wo nämlich die Badewärme auf die Körperwärme gar keinen oder nur einen höchst unbedeutenden Einfluss übt, um dann durch Erhöhung oder Erniedrigung der Temperatur unseren therapeutischen Zweck zu erreichen. Dieser Indifferenzpunkt fällt, wie wir wissen, in die Gradation der thierischen Wärme, also zwischen 28–30° R. Allein hier ist wohl zu berücksichtigen, dass dabei der eigenthümliche Charakter des Wassers in Anschlag gebracht werden müsse. Ein an reizenden Salzen oder Kohlensäure reiches Bad wird z. B. bei 28° R. die Haut und mittelst derselben den ganzen Organismus schon erregen, indess ein gewöhnliches Wasserbad von dieser Temperatur sich gegen den Körper noch indifferent verhält. Es ist daher nöthig, jede Therme in dieser Beziehung speziell zu prüfen, und da der Puls das einzige constante Phänomen ist, das die geringste Veränderung der Lebensthätigkeit auffallend kund gibt, so ist es auch der einzige Maassstab, an dem wir uns halten können. Ich habe zu diesem Zwecke in Teplitz eine Reihe von Experimenten mit möglichster Genauigkeit angestellt (von denen ich mehrere S. 168 bis 179 anführte) und habe daraus das Resultat geschöpft, dass in unseren Bädern der 29ste Gr. R. im Durchschnitt als der Indifferenzpunkt für den Organismus angenommen werden könne. Ich sage: im Durchschnitt, denn wie einerseits der eigenthümliche Charakter der Quelle gewürdigt werden muss, so spielt anderseits die Individualität des Organismus eine grosse Rolle. Häufig ist nämlich der menschliche Körper theils durch seinen Krankheitszustand, theils durch seine angeborne Constitution, theils durch Gewohnheit oder Idiosynkrasie so alterirt, dass die Wirkung des Badegrades nicht der Norm entspricht. So wird z. B. ein Bad von 29° R., welches in der Regel sanft belebt,

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