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Schwächliche Personen jedoch vertragen das Bad nüchtern nie, ohne von einem Uibelbefinden, Magenkrampf, oder einer Anwandlung von Ohnmacht befallen zu werden. Solche müssen eine Stunde, bevor sie sich ins Bad begeben, ein leichtes Frühstück, aus Suppe, Milch, Kaffee oder Thee bestehend, zu sich nehmen. Auch für jene Badegäste, die in den späteren Morgenstunden baden, ist es zweckmässig, das Frühstück dem Bade vorauszuschicken.

Das Bad bald nach Tische ist immer schädlich, weil die Verdauung so wie die Unterleibscirculation gestört wird, wodurch leicht Kopf- und Brustcongestionen entstehen.

Die Abendbäder jedoch hat man nur zu allgemein verworfen. Nur das heisse Bad ist des Abends unbedingt schädlich, indess das laue und warme oft mit grossem Nutzen genommen wird. So bekommen den Hypochondrischen und Hysterischen, die des Morgens sehr verstimmt sind und durch jedes Bad aufgeregt werden, nicht selten die Abendbäder (zwischen 6 und 8 Uhr) ganz vorzüglich *). Die l empfiehlt sie bei grosser Nervenschwäche und allgemein gesunkener Reproduktion, wo die Kräfte erst durch eine geeignete Mittagsmahlzeit etwas gehoben werden müssen, um das Bad gehörig zu vertragen. –

Baderegeln.

V er halten vor dem Bad e.

1. Dem Bade darf keine zu starke Bewegung, oder heftige Anstrengung, keine Uiberladung des Magens, kein Genuss geistiger Getränke, kein erregender Ge

*) Schon Tralles rühmt die Abendbäder bei geschwächten Podagristen: Balnea his conducunt, atque ea, quae vesperi adhibentur, magis quammatutina.

müthsaffekt, keine durchwachte Nacht vorangehen. Heiter und vertrauungsvoll muss sich der Kranke der Najade in die Arme werfen.

2. Der Badende entkleide sich langsam, und halte schon vor dem Einsteigen. Alles, was beim Aussteigen nöthig ist, als : Tücher zum Abtrocknen, Bürsten oder Flanell zum Reiben, Wäsche u dgl. bereit.

V er halte n im Bad e.

1. Man tauche allmälig und nicht gleich bis an den Hals ins Bad, sondern bespüle zuvor Brust und Unterleib mit der Therme.

2. Der Badende sitze im Bassin, und zwar in solcher Richtung, dass der Kopf womöglich von der heissen Ausflussröhre entfernt sey, um jede Betäubung und Athmungsbeschwerde, welche der mit dem Wasserstrahl hervortretende Dampf veranlassen könnte, zu vermeiden. Das Liegen im Bade ist schädlich.

3. Der Patient prüfe mittelst eines Thermometers, ob das Bad die richtige Temperatur habe *) ?

*) Es sollte eigentlich in keinem Badekabinette ein zuverlässiges Thermometer fehlen; da aber diese Einrichtung in Teplitz bis jetzt zu den frommen Wünschen gehört, so ist es rathsam, dass jeder Kurgast ein Thermometer mitbringe, und es jedoch mit dem richtigen des Bademeisters vergleiche, indem geringe Differenzen in manchen Fällen grossen Nachtheil bringen können. Thermometer, die in Glascylinder stecken, taugen wenig, indem sie zu langsam steigen, eben so wenig eignen sich jene mit Fahrenheitischer Skale, wo die Grade kaum starke Federstriche sind, so dass man beim Schiefhalten im Bade leicht um einen Grad höher sieht. Die allerbesten sind die schwimmenden Reaumurschen Thermometer mit Quecksilber. Die Anwendungsart dieser Instrumente ist ganz einfach, und wird dem Unkundigen oder Ungeübten vom Arzte oder jedem gefälligen BadeEs wurde schon früher, wo vom Wärmegrade des Bades die Rede war, bemerkt, dass jene Temperatur, die dem Gefühle des Kranken angenehm und behaglich ist, nicht immer die rechte sey, indem der Eindruck auf ein krankhaft verstimmtes Hautorgan oft ein ganz anderer ist, als jener, der sich im inneren organischen Leben kund gibt. Den zweckmässigen Wärmegrad, von dem der Erfolg des Bades grösstentheils abhängt, kann nur der Badearzt alle in bestimmen. – Obgleich es die Sache des Bademeisters ist, die vorgeschriebene Temperatur genau herzustellen, so ist doch, um jedem Versehen vorzubeugen, dem Badenden anzurathen, solche mittelst eines Thermometers selbst zu prüfen, und sie, im Fall es nöthig wäre, durch Oeffnen und Schliessen des heissen oder kühlen Hahnes zu reguliren, wobei jedoch das Wasser gehörig durcheinander gerührt werden muss, damit die Temperatur gleichmässig werde. Es ist übrigens immer gut, abwechselnd einen schwachen Strahl der heissen Therme zufliessen zu lassen, um den Wärmeverlust, den das Bad durch den Contakt mit der kühleren Atmosphäre erleidet, wieder zu ersetzen, und so die Badewärme gleichförmig zu erhalten.

Nicht selten wird sogar nach dem Ausspruche des Arztes erforderlich, von den lauen Bädern zu den Warmen und heissen, oder von letzteren zu ersterem den Uibergang zu machen, oder selbst während des Bades die Temperatur zu steigern oder zu mässigen.

4. Der Badende erhitze und ermüde sich nicht durch Bewegung und vieles Sprechen. – In einem alten

meister gerne gelehrt werden. Der häufigste Missgriff, auf den ich aufmerksam machen muss, ist: das Thermometer ins Bad zu tauchen, wieder herauszunehmen, und die Grade gleichsam zu studiren, während dem die Quecksilbersäule bei freistehender Kugel um einige Grade fällt, wodurch das Bad gewöhnlich zu warm gestellt wird.

berühmten Bade las man die passende Inschrift: Lava et tace ! d. i. Bade und schweige! Doch eben so zweckwidrig ist es, ganz unbeweglich im Bade zu sitzen. Es ist vielmehr heilsam, die freien Körpertheile fleissig mit der Therme zu bespülen, die Haut mit der flachen Hand sanft zu reiben, öfters mit beiden Händen zugleich das Wasser wellenförmig gegen den Unterleib zu treiben, was auf dessen Funktionen sehr wohlthätig wirkt, und durch Bewegung der Arme und Beine die Wassermasse im steten Umlauf zu erhalten. Das Lesen im Bade, um die Zeit zu verkürzen, ist daher nicht zu gestatten, besser ist es, sich Jemand zum Vorlesen oder heiteren Gespräche zu wählen. Jene, die grosse Neigung haben, im Bade zu schlummern, müssen sich umsomehr durch Bewegung und Gespräch davor zu schützen suchen, indem der Schlaf im Bade leicht üble Folgen haben kann.

5. Im V 0 1 1 b a d e müssen die Schultern vom Wasser bedeckt seyn, im Halbbade reiche der Wasserspiegel an die Herzgrube.

6. Während des Vollbades sei der Körper von jeder Bedeckung frei.

Ein Badehemd, so wie jede sonstige Bekleidung, hindert die Aufsaugung des Wassers, hält den unmittelbaren Eindruck der Therme aufs Hautsystem ab, erschwert das Reiben und gibt beim Aussteigen leicht dadurch zu Erkältungen Anlass, dass es, sich an den Körper schmiegend, nicht schnell genug abgelegt werden kann.

Nur im Halbbade ist es bei grosser Empfindlichkeit des Kranken gut, die freien etwa nass gewordenen Körpertheile durch ein kurzes Badehemd, durch ein umgehängtes Tuch, oder eine sonstige leichte Hülle vor Erkältung zu schützen.

Der Kopf, der nie gebadet werden soll, kann bedeckt werden oder nicht, so wie es dem Kranken behaglich ist.

Jene, die einen Bruch haben, sollen das Bruchband im Bade nicht ablegen, weil der Bruch gern hervortritt und anschwillt; doch muss das Bruchband nach dem Bade gewechselt werden.

7. Man bestimme die Dauer eines Bades theils nach seinem Wärmegrade, theils nach der Constitution des Organismus, theils nach der Wirkung, die man durch's Bad beabsichtigt.

Uiber die Dauer eines Bades in jedem einzelnen Falle kann nur der Arzt entscheiden. So wie ein zu lang schädliche Folgen herbeizuführen im Stande ist, vermag ein zu kurz den erwünschten Erfolg zu vereiteln. Im Allgemeinen jedoch gelten folgende Regeln:

Man weile im heissen Bade nicht über 15 bis 20, und im warmen nicht über 30 bis 40 Minuten. Das laue Bad gestattet einen längeren Aufenthalt, doch ist es überflüssig, mehr als 1 Stunde darin zu sitzen. – Aeltere, reizlose, phlegmatische, robuste, und an geistige Getränke gewöhnte Personen vertragen das Bad länger, als junge, empfindliche, sanguinische und schwächliche. – Wo man eine Beruhigung schmerzund krampfhafter Zufälle beabsichtigt, oder wo es sich darum handelt, das Starre und Steife zu erweichen, Stockungen zu lösen und zu verflüssigen, Verhärtungen zu schmelzen, wie z. B. bei Gichtknoten, Kontrakturen, Gelenkssteifigkeiten und Anchylosen, oder inneren Organen adhärirende Krankheitsstoffe nach Aussen zu leiten und auszuscheiden, da wird ein längerer Aufenthalt im Bade am sichersten den Zweck erfüllen. – Uibrigens ist es rathsam, immer mit einer kürzeren Zeit zu beginnen, allmälig von Tag zu Tag bis zur zweckmässigen Dauer zu steigen, und dann wieder gegen das Ende der Kur solche etwas abzukürzen. – Die im hiesigen heissen Gemeinbade noch übliche Methode, stundenlang abwechselnd zu baden und zu schwitzen, ist eben so zweckwidrig als gefährlich.

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