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kann sogar bei nicht erfolgter Besserung jene Gruppe von Erscheinungen, die eine heilsame Nachwirkung der Erfahrung gemäss bevorstehen lässt, zur Beendigung der Kur berechtigen.

Die Wiederholung der Badekur.

Tiefsitzende, eingewurzelte und veraltete Leiden weichen selten nach dem einmaligen Gebrauche der Thermen gänzlich. Wir müssen uns in solchen Fällen mit geringen Graden von Besserung zufrieden stellen, und Aliberts Worte „la nature ne va pas aussivite que nos speculations“ beherzigen.

Der Kranke zweifle deshalb nicht sogleich an der Heilbarkeit seines hartnäckigen Uibels durch die Badekur, und entschliesse sich unter Anrathung seines Arztes den Gebrauch der Heilquelle zu wiederholen, was entweder noch in derselben Saison, oder im nächstfolgenden Jahre geschehen kann. Im ersten Falle ist es nöthig, dem Körper zur Erholung einige Wochen Zwischenraum zu gönnen, die man am vortheilhaftesten, wenn es der Krankheitszustand zulässt, zu kleinen Reisen, jedoch mit Beachtung der gehörigen Diät, verwenden kann. – Es gibt Kranke, die viele Jahre hintereinander Teplitz gegen ein unheilbares Uibel gebrauchen, und dadurch sich stets für die übrige Jahreszeit einen solchen Grad von Besserung verschaffen, dass sie ihren Berufsgeschäften wieder vorstehen, und an den Gemüssen des Lebens wieder Theil nehmen können.

- Die Abreise. Nach beendeter Kur gönne man sich noch einige Tage den hiesigen Aufenthalt, was um so nöthiger wird, wenn das Bad einen aufgeregten Zustand oder die Symptome des Uiberbadens hervorrief.

Die Rückreise sei den Kräften des Reconvaleszenten angemessen, nicht strapaziös und erschöpfend. Man hüte sich vor Diätfehlern, und schütze durch warme Bekleidung die durchs Bad für Witterungseinflüsse empfängliche Haut. Letzteres mögen Jene, die unmittelbar nach geschlossener Badekur die rauhe Nollendorfer Höhe passiren, vorzugsweise beachten.

Die Nachkur.

Wenn wir dessen, was wir über die Nachwirkungen der Teplitzer Bäder sagten, uns erinnern, so wird es erklärlich, wie heilsam es öfters sei, die Naturkräfte nach beendeter Badekur sich ganz allein zu überlassen, und ihre stillen, oft verkannten Heilbestrebungen durch keinen Eingriff von Arzneien zu stören. In den meisten Fällen bleibt nach dem Gebrauche der Bäder eine gewisse Hinfälligkeit, ein Angegriffenseyn, so wie eine gesteigerte Empfindlichkeit der Haut und eine grössere Neigung zur Ausdünstung zurück. Unter solchen Verhältnissen sind Ruhe und Erholung in körperlicher und geistiger Hinsicht, Fortsetzung der am Kurorte befolgten Lebensordnung, sorgfältige Bekleidung und Verwahrung vor Kälte und Nässe von grösster Wichtigkeit, und ein solches Verhalten reicht auch hin, die Nachwirkungen der Bäder zu begünstigen, oder die völlig im Bade erlangte Gesundheit zu befestigen. – Wurde die Badekur zu früh abgebrochen, oder ist der Grad der Besserung der Art, dass zu deren Fortschreiten die Naturkräfte allein noch nicht ausreichen, so sind einfache Seifen- oder Laugenbäder zur Nachkur am zweckmässigsten, indem diese als bestes Surrogat unserer Quellen sich bewähren. – Ist aber als Folge copiöser kritischer Ausscheidungen, die das Teplitzer Bad zu Stande brachte, ein allgemeiner Schwächezustand, ein Daniederliegen der Kräfte zurückgeblieben, so tritt der Fall ein, wo der innere und äussere Gebrauch eisenhältiger Mineralwässer den Schlussstein der Kur bilden muss. Kalte Bäder jedoch dieser Atonie als Stärkung entgegensetzen zu wollen, ist ein Missgriff, der nicht nur die günstigste Wirkung der Kur vereiteln, sondern auch sehr bedenkliche Folgen verursachen kann. Viele Kranke müssen endlich nach vollbrachter Kur wieder zu ihren Arzneigläsern zurückkehren, indem nur passende Medikamente, die früher ohne Wirkung blieben, jetzt den eingeleiteten Heilprozess zu unterhalten und durchzuführen vermögen.

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Son die Badekur von gutem Erfolge seyn, so muss sie mit einem zweckmässigen, diätetischen Verhalten verbunden werden. Es lassen sich darüber keine allgemeine Vorschriften geben, da Jeder nach Verschiedenheit seiner Constitution, der Krankheit, der gewohnten Lebensart, der Jahreszeit und der Witterung seine Diät regeln muss; indess mag Folgendes in Bezug auf Speisen und Getränke, Kleidung, körperliche Bewegung und geistige Beschäftigung als Norm dienen.

Speisen und Getränke.

Obgleich man in Badeörtern in der Wahl der Speisen viel weniger ängstlich zu seyn braucht, als an den Trinkquellen, so ist doch ein zweckmässiges Verhalten in dieser Beziehung eine unerlässliche Bedingung zum Gelingen der Kur. Das Teplitzer Bad hat jedoch für den Kurgast das besondere Gute, dass es gar keine fette Fische, vorzüglich Aal, Lachs und Stockfisch, Häringe, Sardellen, harte, stark blähende Hülsenfrüchte, Kartoffeln, schwere Eier- und Mehlspeisen, Back- und Butterwerk, sauere Milch, Käse, sauere Salate, besonders Gurken, und starke Gewürze.

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Aber nicht nur die Qualität, sondern auch die Quantität muss berücksichtigt werden, ein Punkt der Diät, der leider nur zu oft vernachlässigt wird. Jede Uiberfüllung des Magens stört die Verdauung und dadurch die heilsamen Wirkungen des Bades. Es ist deshalb für den wahren Kurgast angemessener, d la charte als table d'hôte zu speisen, wo man sich von jeder vorübergehenden Schüssel leicht verlocken lässt.

Zum Getränke eignet sich ein gutes Brunnenwasser, das freilich nur an wenig Orten in Teplitz zu finden ist, ein gut gehopftes, wohl ausgegohrenes Bier, oder eine Mischung von Wein und Wasser. Selbst einige Gläser ungemischten Weines darf der Kurgast trinken, der an dessen täglichen Genuss gewöhnt ist. Wenn jedoch das Bad Blutwallungen veranlasst, ist er strenge zu vermeiden. Der Tischwein muss übrigens mild und ächt, nicht zu jung oder geistig seyn. Unter den böhmischen Weinen sind der Cz e r no se k e r und der Mel niker empfehlenswerth, deren ersterer wegen des nahgelegenen Geburtsortes hier von vorzüglicher Güte zu haben ist. Ausser diesen werden dem Kurgaste ein milder Oesterreicher, ein Rhein w ein, oder die leichteren Sorten des französ is c h e n We in es wohlbekommen. Manchen dürfte sogar ein Gläschen Malagga oder Madera nach der Suppe zusagen. Selbst ein Glas Champagner, selten genossen, ist nicht unerlaubt. Die ungarischen Weingattungen jedoch sind zu erhitzend und widerstreiten daher dem Gebrauche der Bäder. Im Allgemeinen aber gelte der Rath, dass der Kurgast bei seinem gewohnten Tischweine bleibe.

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