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Doppelbiere, feurige Weine, und andere geistige Getränke als: Liqueurs, Rum, Arak u. dgl. sollen nie das mässige Mahl entweihen, und der Kranke vergesse nicht, dass er da sei, um der Najade, nicht aber dem Bacchus zu opfern.

Auch ist es nicht rathsam, den Biliner Säuerling zum gewöhnlichen Tischgetränk zu wählen, indem er leicht schlechte Verdauung und Kopfschmerz zu Folge hat, obgleich er zu anderen Tageszeiten mit etwas Wein und Zucker als Erfrischung sehr zu empfehlen ist. – Eine Tasse Kaffee nach dem Mittagsmale, möge dem, dessen schwache Verdauung diess kleine Reizmittel erfordert, gegönnt seyn.

In Teplitz ist es übrigens zur lobenswerthen Sitte geworden, um 1 Uhr zu speisen, wodurch jedes Gabelfrühstück entbehrlich wird, und der Nachmittag zu weiteren

Ausflügen frei bleibt. Was das Abendessen betrifft,

so muss dieses sehr frugal und leicht verdaulich seyn, und womöglich früh vor dem Schlafengehen genommen werden, damit nicht durch die zu sehr in Anspruch genommene Verdauungskraft der Schlaf gestört und von schweren Träumen unterbrochen werde. Ein Teller Suppe, weichgesottene Eier, ein Compot oder höchstens etwas zartes, leicht verdauliches, gekochtes oder gebratenes Fleisch mögen dem mässigen Kurgaste genügen. Das Bier ist des Abends nur in geringer Quantität und der Wein gar nicht zu gestatten. – Beim Gebrauch der Abendbäder sei das Abendbrod um so einfacher, und werde ein Stündchen nach dem Bade eingenommen.

Bekleidung.

Da Teplitz in einer Ebene zwischen dem hohen

Erzgebirge und dem Mittelgebirge liegt, durch ersteres

zwar vom Nordwinde geschützt wird, aber dem nicht

minder kalten Ostwinde freien Zutritt gestattet, so ist die Witterung zuweilen sehr veränderlich, besonders pflegen die Morgen und Abende kühl zu seyn. Nach Gewittern tritt gewöhnlich eine empfindliche Kälte ein, die oft mehrere Tage anhält. Schon die Kleidung eines Gesunden erfordert demnach Sorgfalt, wie vielmehr die eines Kranken, der zugleich badet, und so für Witterungseinflüsse um so empfindlicher wird. Um daher jeder Erkältung, der vorzüglich Rheumatische und Gichtische so leicht unterliegen, vorzubeugen, möge der Badegast sich mit warmen Kleidern versehen, und selbst in der Mitte des Sommers baumwollene Hemden, Wollleibchen, einen warmen Uiberrock oder Mantel nicht zu Hause lassen. Auch mögen die Damen bei der Abreise ihren Zeug- und Seidenschuhen warme Stiefelchen beilegen, die sie bei kühlem Wetter oder beim Lustwandeln auf feuchten Wiesengründen so nothwendig brauchen. Besondere Aufmerksamkeit schenke der Kurgast seiner Badetoilette, um, wenn er das Bad verlässt, jede Unterdrückung der Transpiration, die bei kühlem oder windigem Wetter um so leichter wird, zu verhüten. Sehr empfindliche Personen sollen ein Wollleibchen auf blossem Körper tragen, um möglichst immer eine gleiche Temperatur zu erhalten und dem schädlichen Einflusse der Feuchtigkeit und der Zugluft zu entgehn. Uibrigens sey die gewöhnliche Sommerkleidung leicht, um an heissen Tagen nicht unnöthigen Schweiss zu erpressen.

Schlaf und Wachen.

Ein erquickender nächtlicher Schlaf ist ein ebenso wohlthätiges als nothwendiges Erholungsmittel für den Kurgast. Er gehe regelmässig um 10 Uhr oder noch früher zu Bette, um des Morgens mit erneuter Kraft zum Gebrauche des Bades schreiten zu können. Die goldene Regel: nicht weniger als 6 und nicht mehr als 8 Stunden zu schlafen, möge auch hier gelten, obgleich schwächliche Frauen, Greise und erschöpfte Kranke Ausnahmen bilden, indem solche mehr Ruhe und Schlaf benöthigen, um die des Tags über so vielfach in Anspruch genommenen Kräfte zu ersetzen. Der Mittagsschlaf jedoch ist im Allgemeinen womöglich zu vermeiden, indem dieser mehr oder weniger die Verdauung stört. Vorzüglich sollen sich Unterleibskranke dessen enthalten, indem solchen der Mittagsschlaf Ieicht Beklemmung, Alpdrücken, Kopfschmerz, Schwindel, Aufstossen und Magendrücken verursacht.

Auch vollblütige, zum Schlagfluss Geneigte mögen sich nach reichlicher Mahlzeit keinem tiefen Schlafe hingeben, um sich nicht der Gefahr eines apoplektischen Anfalls auszusetzen. Es ist daher räthlicher, die nach Tische eintretende Müdigkeit und Abspannung durch Bewegung in freier Luft und gesellige Unterhaltung abzuwehren. Nur wer in seiner früheren Lebensweise an Mittagsruhe gewöhnt war, und sich nach solcher Siesta erquickt und behaglich fühlt; wer durch die Bäder geschwächt und erschöpft ist, oder wer die Nacht schlaflos zubrachte, dem darf nach sehr mässiger Mahlzeit ein Stündchen Schlummer nicht versagt werden, das er jedoch immer mehr sitzend als liegend hinbringen sollte, um jede Blutwallung nach dem Kopfe zu vermeiden. -

Uiber das Schlafen nach dem Bade wurde bereits früher gesprochen.

Körperliche Bewegung.

Die Bewegung in freier Luft muss jedem Kurgaste dringend empfohlen werden, besonders aber dem, der zu Hause einer sitzenden Lebensart huldigte; doch sey solche mässig, indem jede forcirte Anstrengung Nachtheil bringen kann.

Für Kranke, die wegen ihres bestehenden Uibels nicht gehen können, und für schwache Patienten eignen sich Spazierfahrten in offenen Wagen; dasselbe gilt bei entfernteren Lustpartien und bei grosser Hitze, indess dem Stärkeren Fusspromenaden bei kühler Witterung recht gut bekommen.

Auch das Reiten ist wegen seiner gelinden Erschütterung zweckdienlich, besonders für jene, die an Trägheit der Unterleibsverrichtungen leiden.

Teplitz ist so reich an den herrlichsten Umgebungen, an den reizendsten Berg- und Waldpartien, und bietet in dieser Beziehung einen so manigfachen Wechsel dar, dass dem Kurgaste gewiss täglich ein neuer Genuss bevorsteht. Jedoch widerrathe ich jedem ernstlich Kranken die Ausflüge auf die hohen Berge, indem eine solche Excursion leicht in ein paar Stunden die heilsamen Wirkungen der ganzen Badekur zu Nichte machen kann. Ich erlebte bis jetzt jährlich Beispiele, dass Gichtische und Rheumatische, die sich, besonders zur Zeit der Hautkrisen, der rauhen Gebirgsluft aussetzen, ihre Lust mit schlimmen Rückfällen büssen mussten. – Ferner möge jeder Badegast, der Höhen besteigt, dafür Sorge tragen, dass er nicht mit erhitztem Körper am Gipfel im Freien

stehen bleibe, und so vielleicht, im Anschauen der

Gegend versunken, sich dem Luftzuge und dadurch der Erkältung Preis gebe. – Da von Körperbewegung die Rede ist, so darf das Tanzen nicht unerwähnt bleiben. Obgleich der mässige Tanz unstreitig als eine heilsame Bewegungsart betrachtet werden kann, die durch den gleichzeitigen Einfluss der Musik und froher Geselligkeit auf das Gemüth von doppeltem Nutzen ist, so darf doch der Kurgast diesem Genusse sich nur mit Beistimmung des Arztes und grosser Vorsicht hingeben, indem der Gebrauch warmer Bäder ohnehin so leicht Blutwallungen verursacht, die der Tanz dann

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umsomehr begünstigt. Uibrigens sollte jedes Tanzvergnügen, das dem Schlafe seine Rechte raubt, strenge verpönt, und jeder bachanalische Unsinn, wie das schnelle Walzen und das rasende Galoppiren, aus dem Salon eines Kurortes verbannt seyn.

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Das Trinken der Teplitzer Wässer kömmt in neuerer Zeit wieder mehr in Aufnahme, und ist in der That beim gleichzeitigen Gebrauch der Bäder ein schätzbares mitwirkendes Mittel *).

Unser Thermalwasser, getrunken, mässigt die Magensäure, vermehrt die Absonderungen der äusseren Haut und der Nieren, fördert auf eine milde Weise die Darmexkretion und wirkt lösend, beruhigend und abspannend

*) Schon im 15. und 16. Jahrhunderte wurde die Teplitzer Therme häufig getrunken, und nur durch die ungünstigen Urtheile späterer Aerzte gerieth der fast allgemein eingeführte innere Gebrauch ins Stocken, bis er endlich gänzlich unterblieb. Im J. 1607 kam durch Schwenkfeld's Bemühungen die Trinkkur abermals in Anregung, fand jedoch nur wenig Anklang. Erst im Anfange des 18. Jahrhundertes trat wieder Cast auf und war nach einem langen Zeitraume der erste, welcher seinen Kranken das Trinken der Quellen empfahl, und solches vorzüglich bei Verstopfung der Baucheingeweide, Sand- und Griesbildung, und bei asthmatischen Beschwerden als heilkräftig an

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