Immagini della pagina
PDF

hier, so wie in allen Bädern, wo nicht zugleich getrunken wird, an einem Vereinigungspunkte mangelt, wo alle Gäste zu derselben Stunde sich versammeln. Durch das einzelne Baden zu verschiedenen Stunden, durch die nöthige Pflege vor und nach dem Bade, wird der grösste Theil des Vormittags der Gesundheit geopfert, und mit Ausnahme Derjenigen, die des Morgens in der Colonnade Brunnen trinken, oder kleine Ausflüge in die nächsten Umgebungen unternehmen, verleben die meisten Kurgäste die Frühstunden in stiller Zurückgezogenheit. Erst gegen Mittag 11 Uhr erwacht das eigentliche gesellige Leben in Teplitz, wo sich nämlich die ganze elegante Welt im fürstlichen Schlossgarten vereint. In der schattigen Hauptallee, bei der Harmonie eines gut besetzten Musikchors, wogt die zahlreiche Badegesellschaft in Massen auf und nieder. Fürsten, hohe Staatsmänner und Militärs, gechmückt mit Kreuzen und Ordensbändern, Gelehrte, Künstler und andere interessante Personen aller Länder und Nationen, reizende Damen in den modernsten Toiletten fesseln die Aufmerksamkeit des Publikums und verleihen dem Ganzen ein höchst anziehendes Kolorit. Diese Mittagspromenade dauert bis gegen 1 Uhr, worauf dann die Gesellschaft sich allmälig zerstreut. Zwischen 1 und 3 Uhr wird das Mittagsmal eingenommen. Man speist theils zu Hause im trauten Familienzirkel, grösstentheils jedoch in den Gasthäusern entweder an der Table d'hôte oder nach der Karte, wo man bei lebhafter Conversation neue Bekanntschaften anspinnt und die Partien für den Nachmittag verabredet. Bald nach Tische werden Fusswanderungen und Spazierfahrten in die nahen und entferntern Umgebungen vorgenommen, um im geselligen Kreise die Freuden der Natur in vollen Zügen zu schlürfen, und Leib und Seele an dem unerschöpflichen Wechsel ihrer Reize zu stärken. Ausser den elegantesten Miethkutschen, die zu diesem Zwecke sowohl auf der Post als auch in vielen Privathäusern um billige Preise zu Gebote stehen, führen auch Gesellschaftswagen zu bestimmten Stunden nach allen Richtungen. Bei schlechtem Wetter wird der Nachmittag durch kleine Spielpartien verkürzt. Auch für sonstige geistige und gesellige Zerstreuungen ist in Teplitz reichlich gesorgt. Freunden des Theaters bietet das fürstliche Schauspielhaus einen befriedigenden Genuss, indem die Direktion Alles aufbietet, durch gut gewählte Lustspiele, Possen und kleine Operetten die Abendstunden (von 6 bis 8) wo möglich angenehm zu machen, und nicht selten gelingt es ihr auch, auswärtige ausgezeichnete Künstler zu Gastdarstellungen zu gewinnen. Nach dem Theater ist Reunion im Gartensaal, und wöchentlich ein-, auch zweimal findet daselbst für die tanzlustige Schaar ein glänzender Ball statt. Dem Liebhaber musikalis c h er Genüsse bieten sich während jeder Saison mehrere Conzerte, die von den vorzüglichsten durchreisenden Virtuosen im Gartensaale oder im Schlosstheater veranstaltet werden. Wer sich selbst durch musikalische Unterhaltungen die Zeit verkürzen will, dem stehen gute Fortepianos und andere Instrumente zur Miethe zu Gebote, so wie die neueren musikalischen Compositionen, die in den hiesigen Kunsthandlungen (bei Hrn. Helm und Fischer) zu haben sind. Dem Freunde der Lecture steht das Lesekabinet des Gartensaales offen, wo 14 Journale verschiedenen politischen und belletristischen Inhalts, mehrere geographische und statistische Handbücher, Landkarten u. dgl. hinlängliche Auswahl und Befriedigung bieten. Ausserdem sind die Buchhandlungen der Hrn. He 1 m, F is c h er und Spengler mit interessanten Unterhaltungsschriften genügend versehen.

Wem das Scheiben- oder Vogel schiess e n Vergnügen macht, der ist den Schützen ein willkommener Gast, und kann an jedem Sonn- und Feiertage Nachmittags am Schiesshause daran Theil nehmen.

Nebst den bereits erwähnten Unterhaltungen erscheinen noch jährlich während der Saison Kunstreiter, Akrobaten, Feuerwerker, Taschenspieler, Mechaniker u. dgl., die theils auf öffentlichen Plätzen, theils im Theater, oder in grösseren Sälen sich produziren und zur Belustigung des Publikums beitragen.

[ocr errors][merged small]

Quartierbestenung – Man kann sich in dieser Beziehung direkt an den Hauseigenthümer oder an ein bekanntes Gasthaus wenden, findet jedoch sowohl die k. k. Kurinspektion als auch die Hrn. Aerzte dazu gern bereitwillig. Nur muss der Besteller seinen Bedarf, so wie den Tag seiner Ankunft genau angeben. Wer die bestehlte Wohnung nicht beziehen will oder kann, muss, um sich keinem Verlust auszusetzen, 10 bis 14 Tage früher bestimmt absagen.

Maut gesetze. – Alle steuerbaren Sachen sind an der Gränzstation bei dem Eintritte in die k. k. Staaten genau anzugeben, und der nöthige Zoll dafür zu entrichten. Jedem fremden Kurgaste ist gestattet, 5 Pfund Schnupf- oder Rauchta back zum eigenem Gebrauche mitzubringen; bringt Jemand davon nicht mehr als 4 Pfund mit, so ist dieses ganz zollfrei, eine grössere Menge muss verzollt werden. Uibrigens ist es verboten, von den eingeführten Artikeln etwas an andere Personen zu verkaufen. – Alle Kurgäste sind auf ihren Spazierfahrten während der Saison von aller Entrichtung der Strassenmaut befreit. Pass angelegenheit. – Jeder Kurgast soll gleich am Tage seiner Ankunft den legalen Reisepass der k. k. Kurinspektion durch den Hausherrn übergeben lassen, wofür er einen Empfangschein erhält. Erst am Tage der Abreise wird dem Gaste gegen Vorweisung jenes Empfangscheines sein Pass, visirt, zurückgestellt. Uiberdiess hat jeder Fremde den ihm von dem Hausherrn vorgelegten Meldungszettel in allen Rubriken auszufüllen. Kurtaxe. – Diese ist jeder Fremde, der länger als 8 Tage hier verweilt, zu entrichten verpflichtet. Sie beträgt 2 fl. C. M. für die erste und 1 f. C. M. für die zweite Klasse, worin auch die Gebühr für die Insertion in die Badeliste mitbegriffen ist. Subalterne Offiziere, in- und ausländische Aerzte, Kinder, Dienstleute und Arme sind von der Taxe frei. Bad e liste. – Diese wird fast in jedem anständigen Hause und in allen Restaurationen gehalten. Ein Exemplar derselben kostet für die ganze Saison 1 fl. 36 kr. C. M. und wird gewöhnlich den Abonnenten durch eigene sogenannte Listenträger gegen eine kleine Diskretion in die Wohnung gebracht. Ba de reglement. – 1. Wer eine Badestunde zu erhalten wünscht, wende sich an den betreffenden Bademeister, der den Namen sogleich ins Badeprotokoll einträgt, oder, wenn kein Bad frei ist, solchen vormerkt. 2. Die Badestunde muss nach der Priorität der Vormerkung ertheilt werden. 3. Kein Badegast darf ohne Anmeldung bei dem Bademeister mit einem anderen die Stunde wechseln, oder eine aufgegebene an einen andern selbst übertragen. 4. Der Badegast bleibt im Besitz seiner Badestunde gesichert, muss jedoch auch jene Bäder, die er aussetzt, bezahlen. 5. Man treffe mit Schlag seiner Badestunde ein, und gehe auf das Zeichen mit der Glocke aus dem Bade , um zu bestimmter Zeit mit dem Ankleiden fertig zu werden. 6. Das Lärmen im Bade, das Tabakrauchen, so wie jede Verunreinigung des Bades ist untersagt. B ä d er tax e. – Diese ist in allen Badehäusern affichirt. Coursirende Gelds orten. – Am Allgemeinsten ist die Conventionsmünze nach dem Zwanzigguldenfusse. Die österreichischen Nationalbanknoten haben einen dem Conventionsfusse gleichen Werth. Nebstdem roulirt noch die ehemalige Wiener Währung, die sich zum Conventionsfusse wie 2 zu 1 verhält, so, dass z. B. 250 fl. W. W. 100 fl. Conv. Mze. machen. Ausser diesen Geldsorten coursiren in Teplitz alle Arten Goldstücke, so wie preussische und sächsische Geldmünzen. Post ordnung. – Die umständliche Auskunft über die Ordnung der Briefpost, so wie der Eil- und Packwagen gibt der jährlich neu erscheinende Teplitzer Postbericht, den man am Posthause zur allgemeinen Einsicht und Benützung angeschlagen findet.

VII. Pittoreske Skizze der Umgebungen.

A. Die nächsten Umgebungen.

Der Schlossgarten hinter dem fürstlichen Schlosse.

Dieser Garten, den Natur und Kunst mit ihren Reizen verschwenderisch schmückten, ist sicher einer der schönsten Böhmens. Die malerischen Baumgruppen, die schattigen Alleen, das frische Grün der Rasen, die akustisch angelegten Grotten, die von Schwänen, türkischen Enten und Tausenden von Fischen belebten

« IndietroContinua »