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Bei der Bearbeitung der neuen Ausgabe der folgenden Bücher haben mir, zu meiner nicht geringen Freude darüber, dass das Studium des Livius in den letzten Jahren so viele Freunde gefunden hat, in reichlicherem Masse Hülfsmittel zu Gebote gestanden, als bei einem der früheren Bände. Die Bemerkungen von Professor Dr. Queck in der freundlichen Beurtheilung der ersten Ausgabe, Pädagogische Revue XLVI, 142 ff., sind für die Erklärung dankbar benutzt worden, ebenso die Resultate der Forschungen von Th. Mommsen, Marquardt, Preller, Lange u. A. Der Text ist an einigen Stellen nach den Ansichten von Ad. Koch und Ulr. Köhler verbessert. Vorzüglich bin ich durch die sorgfältige Bearbeitung der dritten Decade von M. Hertz zu neuer Prüfung des handschriftlichen Materiales aufgefordert, und in der richtigeren Beurtheilung desselben und der Beseitigung mancher Verderbnisse unterstützt worden. In gleicher Weise verdankt die Ausgabe mehrfache Verbesserungen des Textes den Emendationes Livianae von Nic. Madvig. Je grösser der Scharfsinn des Verfassers, und je höher die Bedeutung des Werkes für die noch reichen Stoff für Viele bietende Kritik des Livius ist, um so mehr habe ich mich verpflichtet gefühlt, unbeirrt durch den in demselben herrschenden Ton, den Jeder nach seinem Geschmacke wählen mag, da es sich nur um die Sache handelt, und ich das Bessere gern annehme, wo ich es finde, die zahlreichen Verbesserungsvorschläge zu prüfen, und, wie ich schon in den vorhergehenden Büchern die mir bekannt gewordenen Conjecturen des Verfassers, wenn ich dieselben für richtig hielt, nicht verschmäht habe, gewissenhaft zu benutzen. Da Madvig über die Geltung des Puteaneus den übrigen Handschriften gegenüber im Wesentlichen dieselbe Ansicht hat, wie frühere Kritiker, so liegt der Grund, warum er häufiger, als es einer von diesen gewagt hat, von demselben abgeht, darin, dass er den Puteaneus zwar nicht in gleichem Grade wie andere Handschriften des Livius, aber doch für so verdorben hält, dass der Conjecturalkritik ein weiterer Spielraum, als bisher angenommen wurde, eingeräumt und Vieles, was noch nicht in Zweifel gezogen war, theils aus sprachlichen Gründen theils wegen der Unrichtigkeit der Gedanken oder der Form oder Verbindung derselben geändert werden müsse. Da wohl noch Niemand behauptet hat, dass die handschriftliche Ueberlieferung des Livius sicherer sei als die anderer Werke des Alterthums, der Umfang des Verderbnisses aber nicht nach einzelnen Kategorien von Irrthümern bestimmt werden kann, weil in jedem einzelnen Falle die Frage entsteht, ob das Angezweifelte unter die aufgestellte Kategorie gehöre, so wird immer an den betreffenden Stellen untersucht werden müssen, ob die von M ad vig aus jenen allgemeinen Grundsätzen entwickelten Gründe ausreichend sind um eine Aenderung zu motiviren. Nachdem ich die Vorschläge des Verfassers, so viel ich vermochte, geprüft habe, bin ich gern manchen der durch sprachliche Gründe veranlassten Conjecturen gefolgt; wenn ich andere nicht ohne Zweifel, manche nicht aufgenommen habe, so hat mich die Besorgniss bestimmt der Sprache Formen zu entziehen, die an sich nicht unberechtigt an Verwandtes sich anschliessen, besonders da sich nicht überall mit Sicherheit feststellen lässt, wie weit die Beweglichkeit der Sprache namentlich der Schrift- und Büchersprache des Livius reiche, und, wie die Erfahrung mehrfach gelehrt hat, die Versuchung nahe liegt, auch da bestimmte Grenzen zu ziehen, wo sie in der angenommenen Schärfe in der Wirklichkeit nicht bestehen. Von den Verbesserungsvorschlägen der anderen Art habe ich manche als unstreitig richtig oder in hohem Grade wahrscheinlich in den Text aufgenommen, andere mir nicht aneignen können, theils weil ich mich von der Nothwendigkeit einer Aenderung der handschriftlichen Lesart nicht zu überzeugen vermochte, und das Bessere auch auf diesem Gebiete ein Feind des Guten sein kann, theils weil ich keinen Grund fand dieselben den von anderen Gelehrten ausgegangenen, vorzuziehen, die meisten jedoch, namentlich an den leider noch immer zahlreichen Stellen, die bis jetzt noch nicht genügend haben hergestellt werden können, in den Anmerkungen erwähnt. So weit es der Raum und der Zweck der Schulausgabe gestattete, habe ich meine Bedenken und Gründe angedeutet, die weiter auszuführen wohl eine andere Gelegenheit sich darbieten wird. Ob mein Verfahren das richtige sei, überlasse ich dem Urtheil unparteiischer Richter und wünsche nur, dass die Ausgabe, die ohne alle Prätension aufgetreten ist und allein die Förderung der Lecture des Livius auf der Schule zum Zwecke hat, diesem jetzt mehr entsprechen und der freundlichen Aufnahme, welche ihr zu Theil geworden ist, würdiger erscheinen möge. Eisenach, im April 1861.

W. Weissenborn.

ZUR DRITTEN AUFLAGE.

Bei der neuen Bearbeitung der folgenden Bücher habe ich für die Verbesserungen des Textes die Bemerkungen von Madvig, Cron, M. Müller, Perthes, H. Weber gebührend berücksichtigt, die zuerst von Alschefski verdächtigte lückenhafte Stelle

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