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Vorwort zur zehnten Auflage.

Die acht Jahre, die seit dem Erscheinen der IX. Auflage verstrichen, haben für die Feststellung des Textes sowohl als auch für die Wort- und Sacherklärung Vielerlei gebracht, was für die neue Auflage geprüft und verwertet wurde. Namentlich sind hervorzuheben die Textausgaben von Jordan (III) — welche, wie billig, zu Grunde gelegt wurde –, von Scheindler (II), Klimscha, Eussner und Novák; ausserdem die Veröffentlichung der neuen Historien fragmente aus dem Aurelianensis durch E. Hauler und die Bearbeitung der Überreste der Historien durch C. Maurenbrecher, das Werk von Charles Tissot(Géographie comparée de la province romaine d'Afrique, Paris 1884–1888, 2 Bde., mit Atlas von S. Reinach); ferner die Abhandlungen von A. Kunze (Sallustiana, 1892 und 1893), L. Kuhlmann (quaestiones criticae, 1887), R. Mollweide (über die Glossen zu S., 1888), A. Reckzey (über grammat. und rhetor. Stellung der Adjekt., 1888), H. Schnorr von Carolsfeld (über die Reden und Briefe, 1888), Aufsätze in Zeitschriften von Job. Schmidt, P. R. v. Biénk owski, J.Franke; nicht zu vergessen ist der Jahresbericht von F.Schlee (Berliner Philol. Verein XVI 1890), worin auch die IX. Auflage besprochen ist. Wie diesem, so schuldet auch den Verfassern der Besprechungen in den Berliner Wochenschriften von Calvary und Heyfelder, A. E ussner (dem nun leider der Griffel entfallen) und Th. Opitz, der Herausgeber Dank für die gebotene Belehrung und die gegebenen Winke. Nachsicht walte für die Beurteilung der neuen Auflage auch darum, weil er nicht allem Gehör geschenkt und weil er hie und da geändert hat, wo bisher Niemand

etwas ausgesetzt hat. Es geschah beides nach erneuter und wiederholter Prüfung ganzer Fragen oder einzelner Stellen. Dies gilt besonders auch von der seit der VIII. Auflage aufgenommenen, seither durch die Abhandlung über die stoffliche und zeitliche Gliederung des bellum Iugurthinum des S. (in der Festschrift der Kantonsschule in Zürich zur Begrüssung der 39. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner, Zürich 1887, in Komm. bei Faesi und Beer) eingehend begründeten Verlegung der Feldzüge des Metellus und Marius und von den dem Text der Reden und der Briefe aus den Historien einverleibten neuen Lesungen; dieselben werden lediglich als Versuche geboten, die nach der Überlieferung unverständlichen und unerklärbaren Stellen lesbarer zu machen.

Zürich, Ende Februar 1894.

Hans Wirz.

EINLEITUNG

Das Leben des C. Sallustius Crispus gehört ganz jenem Zeitraume an, in welchem neben einem immer gewaltigeren und glänzenderen Wachsen der römischen Herrschaft nach aussen doch die inneren Kräfte, welche die alte Staatsform belebt hatten, grossenteils schon erstorben waren, und ihr noch lebensfähiger Řest mit den neuen Elementen im letzten Kampfe lag.

Im Jahr der Stadt 668 (v. Chr. 86) starb Marius am dreizehnten Tage seines siebenten Konsulates, das er nach grausamem Wüten gegen die Nobilitas gewaltsam an sich gerissen hatte. In Rom herrschte C. Cornelius Cinna, zum zweitenmal Konsul, an der Spitze seiner Partei; die Gegner befanden sich bei Sulla, der siegreich gegen Archelaus, den Feldherrn des Mithridates, in Griechenland kämpfte. In diesem Jahr, nach einer Angabe der Fasti Siculi am 1. Oktober, wurde Sallustius zu Amiternum, einer sabipischen Stadt, im Plebejerstande geboren. So erlebte er, freilich noch ohne klares Bewusstsein, die blutige Katastrophe des ersten Bürgerkrieges, den Sieg des Sulla vor Rom, seine furchtbare und frevelhafte Rache, seine durch den rücksichtsJosen Gebrauch der vom Glücke geschenkten Gewalt befleckten Massregeln zur Wiederherstellung der Ordnung, seinen Tod und die gleich darauf von neuem durch den Konsul M. Aemilius Lepidus erregten Unruhen. In das reifere Knabenalter Sallusts fällt das erste glänzende Auftreten des Pompejus, die Vernichtung der Marianer in Spanien, der Sklavenkrieg, dann in Rom die Wiederherstellung der von Sulla so gut wie vernichteten Tribunengewalt, hierauf die siegreichen Feldzüge des Pompejus gegen die Seeräuber und Mithridates, von denen er im höchsten Glanze des Rubmes zurückkehrte, um später einem Grösseren als er war, dem Cäsar, als Werkzeug zu dienen und von ihm verfolgt unterzugehen. Der Ausbruch der Catilinarischen Verschwörung, auf deren geschickte Unterdrückung sich der wohlverdiente Ruhm des Cicero gründete, fand Sallust als dreiundzwanzigjährigen Jüngling

Wo er sich während aller dieser Ereignisse aufhielt, wann er nach Rom zog, und wie er zu den Personen und Thaten sei

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Sallust. 10. Aufl.

ner Zeit stand, davon haben wir keine Nachrichten. Über sein Privatleben dagegen sind dergleichen vorhanden, aber grossenteils aus mehr oder weniger unlauteren Quellen. Zunächst nämlich existieren zwei Übungsstücke aus den späteren Rhetorenschulen, sogenannte Deklamationen, von unbekannter Hand, deren erstes eine heftige Rede Sallusts gegen Cicero, das zweite die Antwort des letzteren an jenen vorstellt. Beide überbieten einander in den gröbsten Schmähungen, und jeder wirft dem anderen Laster und Bubenstücke der ärgsten Art vor. Man würde auf diese auch an sprachlichem Werte niedrig stehenden Machwerke gar nichts zu geben haben, wenn nicht andere, zuverlässigere Notizen zeigten, dass Sallusts sittlicher Ruf nicht der beste war, ohne dass sich jedoch ermessen lässt, inwieweit er etwa selbst durch eigene Schuld denselben hervorgerufen oder verleumderische Übertreibung von seiten der Parteigegner, besonders der blinden Anhänger und Schmeichler des Pompejus, jene Schuld stark vergrössert hatte. Nur soviel können wir mit Sicherheit annehmen, dass die unbedingt verdammenden Urteile noch weniger als die ganz freisprechenden das Richtige treffen. Sallust selbst spricht (Cat. 3) geradezu aus, dass er von derselben übeln Nachrede verfolgt worden sei wie seine Zeitgenossen; den Grund aber verschleiert er und will als solchen nur den bösen Ehrgeiz, der ihn beherrscht und verführt habe, angesehen wissen. Dass diese Angabe nicht völlig der Wahrheit entspricht, indem auch das in Rom herrschende Laster der üppigkeit und Wollust ihm nicht fern geblieben war, ist aus mehreren Ursachen höchst. wahrscheinlich, und ein Vergehen der Art, welches sich Sallust, vermutlich im Anfang seiner dreissiger Lebensjahre, habe zu schulden kommen lassen, wird durch das von Gellius aufbewahrte Zeugnis des glaubwürdigen M. Terentius Varro, der, weit älter als Sallust, ihn überlebte, hinreichend bestätigt. Es steht aber sehr dahin, ob nicht diese und verwandte Thatsachen, wie so viele ähnliche und gewiss noch schlimmere im verderbten Rom, wenigstens nachher mit Stillschweigen übergangen worden wären, wenn nicht Sallust in seinen Schriften als strenger Sittenrichter aufträte.

Seiner eigenen Angabe (Cat. 4, 2) zufolge hatte er schon als junger Mann den Vorsatz, sich mit der Geschichtschreibung zu befassen, wurde aber durch den Eifer, mit welchem er von Ehrgeiz getrieben sich dem öffentlichen Leben zuwandte, fürs erste daran verhindert. Von dieser politischen Thätigkeit Sallusts kennen wir zwar leider nicht viel mehr als die äusseren Umrisse;

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