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gekündigt war, ohne ihn zu fürchten. Das Werk umfasste eine Laut- und Flexions - Lehre, sowie die Etymologie und die Redetheile und wurde bis in das Mittelalter hinein von den Grammatikern benutzt.

Diese Beschäftigungen wurden im J. 69 durch den Regierungsantritt seines Freundes Vespasianus unterbrochen. Plinius kehrte zur Laufbahn des Staatsdienstes zurück, die ihn nach der gewöhnlichen Reihenfolge der ritterlichen Aemter zur Procuratur führte*), d. h. in den Provinzen zur Verwaltung der Finanzgeschäfte. Pl. bekleidete sie nacheinander in mehreren Provinzen, zuerst wohl in der senatorischen Gallia Narbonensis **), worin er nur die Einnahmen des kaiserlichen Fiscus zu besorgen hatte, dann in der kaiserlichen Hispania Tarraconensis, wo ihm die gesammte Finanzverwaltung oblag. Pl. führte dieses letztere Amt unter dem prätorischen Legaten Largius Licinus, welcher nach seiner Abreise auf einem Zuge in Cantabrien starb (19, 35. 31, 24), und machte sich mit der Eigenthümlichkeit Spaniens vertraut. Seine Schilderungen des Berg- und Ackerbaues sind lebendig und anschaulich. Auch über die Grenzen seiner Provinz hinaus erwarb er sich Bekannte (z. B. 9, 10. 10, 124); und noch als er umkam, befand sich ein spanischer Freund bei ihm zum Besuch (Plin. epist. 6, 20, 5). Von dort aus besuchte er wahrscheinlich Afrika***), denn dass er dort Procurator gewesen sei, ehe er nach Spanien ging, ist wegen der Kürze der Zeit, welche bis zu seiner Rückkehr verlief, nicht wahrscheinlich.

Nach einiger Zeit wurde Pl. durch ein neues Amt in die Nähe des Kaisers gerufen. Er erhielt ohne Zweifel die Procuration des Kronvermögens in Italien und hatte in dieser Eigenschaft täglich mit dem Kaiser unmittelbar zu verkehren. Sein Verhältniss zu Vater und Sohn war, wie aus dem Ton der Vorrede hervorgeht, ein inniges und vertrautes. Die ernsten und zeitraubenden Geschäfte hielten ihn aber weder von der Betrachtung der von Vespasian in Rom versammelten Kunstwerke noch von den Studien ab. Sein eiserner Fleiss setzte ihn vielmehr in den

*) Sueton. Claud. 28 Felicem cohortibus et alis provinciaeque Iudaeae praeposuit.

**) 2, 149 ego ipse vidi in Vocontiorum agro. 14, 43 Septem his annis (d. h. im J. 70) in Narbonensis provinciae Alba Helvia inventa est vitis uno die deflorescens.

***) 7, 37 Ipse in Africa vidi.

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Stand, seine beiden Hauptwerke, eine Geschichte seiner Zeit und die Naturgeschichte, in unglaublich kurzer Zeit zu vollenden. Jenes führte den Titel libri a fine Aufidii Bassi triginta unus, begann wahrscheinlich von der Regierung Nero's und umfasste die Geschichte Vespasians und seiner Söhne*), d. h. wohl bis zum Ende der Bürgerkriege. Pl. citiert es mehrmals, 2, 199. 232, dann Tacitus ann. 13, 20. 15, 53. hist. 3, 29. Auch von Suetonius und Plutarch ist es so vielfach benutzt worden, dass man aus der Uebereinstimmung dieser drei Schriftsteller manche Züge auf Plinius zurückführen kann. Im Allgemeinen war Pl. dem Nero ungünstiger, für Vespasian mehr eingenommen als sein Zeitgenosse Cluvius Rufus, und daher mag die Differenz rühren, dass Vespasians Verwaltung Afrika's von Suetonius Vesp. 4 als uneigennützig gelobt, von Tacitus hist. 2, 97 als habgierig getadelt wird. Pl. hatte das Werk im J. 77 vollendet, wollte es aber, um nicht als Schmeichler zu erscheinen, bei seinen Lebzeiten nicht herausgeben, sondern seinem Erben hinterlassen **), ein Verhältniss, das in der römischen Litteratur nicht selten war und dadurch begünstigt wurde, dass die Schriftsteller ausgewählte Stücke in den häufigen Recitationen vortrugen, also dadurch bekannt wurden. Der jüngere Plinius hat den Auftrag es herauszugeben erfüllt, aber die Voraussicht des Verfassers ist eingetroffen das Meisterwerk eines Spätern hat das umfangreiche Buch untergehen lassen.

Ungleich grössere Vorbereitungen hatte Pl. zu demjenigen Werke gemacht, das seine Unsterblichkeit sichern sollte. Schon während der neronischen Regierung hat er den Plan gefasst die Naturgeschichte zu schreiben und emsig dazu gesammelt. Denn sein Neffe berichtet, dass er eine grosse Masse von Auszügen aus seiner Lectüre, Electa, in Spanien dem eiteln Largius Licinus, welcher in Rom seine Reden von Claqueurs hatte bewundern lassen, für die hohe Summe von 400000 Sesterzien (über 20000 Thlr.) habe verkaufen können. Seitdem hatten sie sich noch vermehrt und waren zu 160 auf beiden Seiten be

*) Denn die Angabe über Caligula's Geburtsort bei Trier (Sueton. Calig. 8) gehört in die Geschichte der germanischen Kriege.

**) Praef. §. 19 Nos quidem omnes patrem te fratremque diximus opere iusto, temporum nostrorum historiam orsi a fine Aufidii Bassi.

***) Praef. §. 19 iam pridem peracta sancitur, et alioquin statutum erat heredi mandare, ne quid ambitioni dedisse vita videretur. Proinde occupantibus locum faveo, ego vero et posteris, quos scio nobiscum decertaturos, sicut ipsi fecimus cum prioribus.

schriebenen Buchrollen angewachsen. Auch das angestrengte und eilfertige Excerpieren, welches der jüngere Plinius beobachtete, bezog sich auf die Vorarbeiten und die Nachträge zur Naturgeschichte. Es drängte ihn zum Abschlusse, denn zum Lohn für seine Treue ernannte ihn der Kaiser zum Befehlshaber der Flotte, welche bei Misenum in Campanien im Hafen lag, eine Stelle, die dem Legionstribunat gleich kam. Wahrscheinlich überreichte er dem jungen Fürsten Titus sein Werk, ehe er dieses Amt, das ihn von Rom entfernte, antrat, setzte aber auch in seiner neuen Stellung die darauf zielenden Arbeiten fort. In Misenum überraschte ihn am 22. August des J. 79 die Eruption des Vesuv, welche ihn ein Opfer der Wissbegierde werden liess. Ueber seinen Tod gingen verschiedene Gerüchte. Einer Nachfrage des Tacitus, welcher ihn in seiner Geschichte erzählen wollte, verdanken wir den schönen Brief des Neffen, welcher dieser Einleitung angehängt ist.

Plinius war entweder nie verheirathet oder kinderlos geblieben. Er hatte seine verwittwete Schwester, die stark von Natur war wie er selbst, und seinen an Sohnes Statt angenommenen Neffen zu sich ins Haus genommen und die Ausbildung des Junglings sorgfältig überwacht.

Die libros naturalis historiae, eine Bezeichnung, die Plinius seinem Buche praef. 1 selbst gibt und auch die meisten Schriftsteller wie die Handschriften ihm geben, hat er dem jungen Mitregenten Titus während des sechsten Consulats desselben (praef. 3) also im J. 77 n. Chr. (830 der Stadt) als ein vollendetes Werk in 36 Büchern (§. 17) mit einer Vorrede überreicht, welcher die Inhaltsangabe der einzelnen Bücher angefügt war, und das Verzeichniss der Quellenschriftsteller jedem einzelnen Buche vorgesetzt*). Auf dieses Jahr 77 sind alle Zeitbestimmungen, insofern die Zahlen nicht in den Handschriften verschrieben sind, zurückgeführt. **) Indessen scheint die Anstellung in Misenum, welche

* Praef. §. 17 Viginti milia rerum dignarum cura ... lectione voluminum circiter duum milium ... ex exquisitis auctoribus centum inclusimus triginta sex voluminibus, adiectis rebus plurimis quas aut ignoraverant priores aut postea invenerat vita. §. 21 in his voluminibus auctorum nomina praetexui. §. 32 quid singulis contineretur libris, huic epistolae subiunxi... Tu per hoc et aliis praestabis ne perlegant, sed ut quisque desiderabit aliquid, id tantum quaerat et sciat quo loco inveniat.

...

**) So z. B. 28, 12. 14, 45 anno sexcentesimo et quantum postca CCXXX annis vita profecerit. 18, 183 tertio ante hunc annum. 3, 66 imperatoribus censoribusque Vespasi anis anno conditae urbis DCCCXXVI,

Plinius von Rom entfernte, so plötzlich gekommen zu sein, dass die Redaction des Werks noch nicht vollendet war. Vermuthlich gab er deshalb vor der Abreise nur die erste Dekade vollständig heraus und arbeitete den Rest während der folgenden beiden Jahre um. Dabei trug er manche Notizen aus später gelesenen Schriftstellern am Rande nach, um sie dem Buche bei dessen bevorstehender Herausgabe einzuverleiben. Der Tod überraschte ihn vor der Vollendung, und sein Erbe liess das ganze nach einer oberflächlichen Revision erscheinen. Dabei wurde in der Oekonomie die Veränderung vorgenommen, dass das Verzeichniss der Schriftsteller dem Inhaltsverzeichnisse einverleibt und aus Beidem zusammen das 1. Buch gemacht, wahrscheinlich auch das 17. Buch wegen seines grossen Umfangs getheilt wurde, wodurch die Zahl von 37 Büchern entstand. Der Titel dieser zweiten vollständigen Ausgabe war Naturae historiarum libri XXXVII; er hat sich neben dem von dem Verfasser selbst gewählten in dem Briefe des jüngern Plinius 3, 5 und einigen Handschriften erhalten. *) Daher rühren manche Wiederholungen, einzelne Widersprüche, Missverständnisse griechischer Stellen, Einschaltungen von Randbemerkungen an der unrechten Stelle, Uebelstände, welche Plinius selbst verbessert haben würde.

In seiner jetzigen Gestalt rührt der Text, über dessen Ver

vgl. mit 7, 162 census quem intra quadriennium imperatores Caesares Vespasiani pater filiusque censores egerunt. 4, 102 ist statt triginta zu lesen XXXX; 14, 18 statt XC VC; 14, 49 nach meinen Vindiciae p. 180 statt XX wahrscheinlich XXX oder allenfalls XXV.

*) Dass sich dies so verhält, wird zwar von keinem alten Schriftsteller berichtet, lässt sich aber aus äussern und innern Gründen beweisen. Der nächste ist der, dass nicht nur die 6 letzten Bücher in der Bamberger Handschrift, sondern auch das 11te und 12te in der Riccardischen Handschrift (s. u.) die Unterschrift editus post mortem tragen. Ferner schliesst das 10te Buch in allen Handschriften mit den Worten Verum ad insecta transeamus, haec namque restant immensae subtilitatis animalia, während das 11te mit denselben Worten Restant immensae subtil. animalia beginnt. Man hatte vergessen, den für die erste Ausgabe passenden Schluss in der zweiten zu ändern. Ferner findet sich das Verzeichniss der Schriftsteller doppelt, im ersten Buche und vor den einzelnen Büchern, während Plinius es nur den letztern beigegeben hatte, und zwar in den letzten unvollständiger als in den ersten. Von den innern Gründen mag es genügen auf die auffallenden Wiederholungen, z. B. 2, 245 und 17, 299. 11, 238 und 28, 183, so wie auf die Unterlassungen aufmerksam zu machen. In der Praefatio §. 27 verspricht der Schriftsteller drei Kunstwerke namhaft zu machen, worauf nicht faciebat (¿лoíɛ) sondern fecit (¿лoíŋoε) neben dem Namen des Künstlers stehe. Dies ist aber nicht geschehen, weil Pl. eingesehen hatte, dass diese Angabe irrig war und die Inschrift

derbniss schon im 5. Jahrhundert geklagt wird (Symmachus ep. 1, 24) von einer im 4. Jahrhundert von einem gelehrten Grammatiker angestellten Revision her und ist durch mehrfache Einschiebsel und Fehler entstellt. Von dieser Familie gehört eine Handschrift aus dem 9. Jahrhundert in der Riccardischen Bibliothek in Florenz zu den besten; von einem geringen Theile der ersten Bücher ist eine in Leyden aus dem 9. oder 10., von den 6 letzten eine in Bamberg aus dem 10, oder 11. Jahrhundert vortrefflich. Auf eine ältere Quelle gehen zwei in der neusten Zeit entdeckten Codices in Rom und in dem Kloster S. Blasius in Kärnthen zurück. Beide gehören zu den Palimpsesten, d. h. später von einer andern Hand beschriebenen Pergamenten und stammen aus dem 4. oder 5. Jahrhundert. Der erstere ist sehr fehlerhaft geschrieben und umfasst ein kleines Stück des 25., der letztere grössere Theile des 11. bis 15. Buchs.

Wie die meisten edler denkenden Männer der verdorbenen Kaiserzeit, neigt sich Plinius in seinen religiösen und philosophischen Ansichten der Stoa zu, deren erhabenster Vertreter Pätus Thrasea ihm bekannt war, und deren beredtester Lehrer in der Litteratur Seneca auf seinen schriftstellerischen Charakter grossen Einfluss übte. Da die Stoiker sich vielfältig mit der Natur beschäftigen, fand er in ihren Schriften ohnehin für seinen Zweck die meiste Belehrung, so wie in ihrer Moral das praktische Gute, welches seinen auf Nutzen und Belehrung der Zeitgenossen gerichteten Geist vorzugsweise befriedigte. Er ist aber kein consequenter Systematiker, sondern durch die epikurische und besonders die akademische Skepsis vielfältig angeregt, wärend die neu aufgetauchten pythagoraeischen Lehren bei andern Schriftstellern, die er hoch stellte, nicht ohne allen Einfluss blieben. Stoisch ist im Wesentlichen seine Ansicht von der Natur und den göttlichen Dingen. Nur die menschliche Schwäche hat die Gottheit in mehrere menschliche Gestalten zerlegt und ihnen selbst Gebrechen und Laster gegeben (2, 14 ff.). Die Gottheit ist eine und mit der ewigen Welt als deren Seele einerlei, die sich vor Allem in den Gestirnen und namentlich der Sonne (2, 12 ff.), aber auch in der mütterlichen Erde (2, 154 ff.) als wohlthätig kund thut. So wenig es einzelne überirdische Götter nach der gewöhnlichen No

лolnos in der ältern Zeit sogar vorherrschte. 15, 102 heisst es von den Kirschen eadem, ut diximus, in Aegypto nulla cura potuere gigni; eine solche Stelle findet sich aber nirgends.

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