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1871) p. 68 (Adeo bis Vestibulum), GLOEWE, Prodrom. gloss. 164. - Jene PetroniusExcerpte sind in einer vollständigeren Fassung uns nur durch den von JJSCALIGERS Hand (aus einem verlorenen cod. Cuiacianus ?) abgeschriebenen Leid. Q. 61 und durch Mitteilungen in den Ausgg. v. TORNAESIUS, Lugd. 1575, und PITHOEUS, Par. 1587 bekannt: verkürzt sind sie in vielen Hss. enthalten, zB. Bern. 357 s. X, Paris. 7989 s. XV. Die letztere Hs., welche ums J. 1650 in Trau in Dalmatien gefunden wurde (daher Traguriensis), enthält aber außerdem (und zwar allein von allen Hss.) die cena Trimalchionis (PETR. C. 26—78), zuerst gedruckt Padua 1664. Über die Hss. FBÜCHELERS Ed. mai. p. XII, vgl. p. XLIV. CBECK, The manuscripts of P. A. collated, Cambridge (Mass.) 1863; die Leidner u. Berner Hss. des P., Phil. 20, 293, und dagegen BÜCHELER ebd. 726.

3. Der Freigelassene Encolpius erzählt seine Abenteuer zu Wasser und zu Lande: die Handlung war, wie es scheint, humoristisch-parodisch in Gang gesetzt und erhalten durch den Zorn des Priapos, welcher den Encolpius wegen eines non toto corpore begangenen facinus (133 v. 9) verfolgte (wie Poseidon den Odysseus): 139 me quoque per terras, per cani Nereos aequor Hellespontiaci sequitur gravis ira Priapi. KLEBS, Phil. 47, 623. Seine Leiden bestehen in öfterer Trennung von seinem Lieb. ling Giton, mit dem er vetustissimam consuetudinem hatte (c. 80), und vielen Anfechtungen, die beide wegen ihrer Schönheit zu erdulden haben. HEINZE, Herm. 34, 434. Auf Erlebnisse in Massilia deutet APOLL. SIDON. 23, 155 und SERV. Aen. 3,57; das Erhaltene aber spielt in Unteritalien, das meiste in einer römischen Kolonie Campaniens, die zugleich urbs Graeca heißt: an Cumae denkt MOMMSEN, Herm. 13, 114, aber c. 48 macht große Schwierigkeiten und auch der praetor c. 65 kann nichts beweisen; sonst hat man noch an Neapel oder an Puteoli gedacht, so LFRIEDLÄNDER, Königsb. Ind. lect. 1860 f. 61 f., s. aber jetzt dens., JB. 14, 171. Es ist eben nicht das Lokalkolorit einer bestimmten Stadt durchgeführt. Cap. 116 ff. spielen in Kroton. S. die Inhaltsübersicht in BÜCHELERS Ed. min.4 119. Verlegt ist die Handlung in die Zeit des Tiberius (BÜCHELER, Ed. mai. P. VII), wozu auch die Erwähnung des (Mam. Aemilius) Scaurus ($ 276, 2) c. 77 stimmt (nach MOMMSEN, Herm. 13, 211, in die des Augustus; ebenso HALEY, Harv. stud. 2, 1); daneben eingeflochtene Anspielungen auf Persönlichkeiten aus der Zeit des Caligula und Nero (BÜCHELER P. VIII). KLEBS, Phil. Suppl. 6, 661. Meisterhaft ist die Zeichnung der Charaktere, die sich meist selbst darstellen, doch so, daß ein leise ironischer Ton hindurchklingt. In genauester Übereinstimmung mit Charakter und Verhältnissen der Personen ist ihre Sprechweise: bei Encolpius selbst die der Gebildeten jener Zeit (CBECK, The age etc. p. 135, der S. 152 Wendungen des 1. Jahrh. sammelt), nur mit dem zwanglosen Erzählerton der Novelle (BÜCHELER bei Collignon [A. 9] 313. 324), bei den meisten gelegentlichen Sprechern aber volksmäßig, mit naturwüchsigen und sprichwörtlichen Wendungen, Derbheiten, Sprachfehlern, Archaismen und (wegen des halbgriechischen Schauplatzes) Gracismen; GSTUDER, RhM. 2, 75. CBECK, The age etc. p. 106. Vgl. A. 9. Durch diese virtuose Abtönung der Sprache stellt P. mindestens die erhaltenen griechischen Romane in den Schatten; er steht auch durchaus über der Rhetorik, die er treffend kritisiert (c. 1–5) und deren Mittel er geschickt zur Parodie des pathetischen Romanes verwendet. Die Stücke in gebundener Form sind meist dem geschmacklosen Dichter Eumolpus in den Mund gelegt; so bes. c. 89 die Troiae halosis in 65 Senaren und c. 119-124 das bellum civile in 295 Hex. Aber auch sonst geht die Rede gern aus der Prosa über in poetische Form; so häufig in Hexameter und in eleg. Maß, dann in Senare (55), Hinkiamben

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(5), Anakreonteen (fragm. 19-21), Hendekasyllaben (15. 79. 93. 109. fr. 25. 29), Sotadeen (23. 132). So wird der Roman zu einer satira Menippea (§ 28, 3); in der Anwendung dieser Form mag die Neuerung des P. gelegen haben (doch ähnliches im Alexanderroman und bei Chariton: SCHMID, PW. 3, 2169). Im übrigen fügt sich, wie HEINZE gezeigt hat (gegen ROHDE gr. Roman), sein Werk gut in die Entwicklungsgeschichte des griechischen Romans ein. Anders WSCHMID, JJ. 1904 I 474.

4. Von den verschiedenen Ansichten über das Zeitalter des Werks verdient Erwähnung allenfalls die von NIEBUHR, Kl. phil. Schr. 337, welcher das dritte Jahrh. (unter Alexander Severus) annahm, veranlaßt durch eine Inschrift (CIL. 6, 14672), die er zwar richtig in jene Zeit versetzte (s. MOMMSEN, Herm. 13. 106), deren Personen er aber irrig mit denen bei Petronius vereinigte; TEUFFEL, Stud. u. Charakt. 391. BÜCHELER, Ed. mai. p. IV. Anderseits glaubte BECK (The age of Petronius, Cambr. Mass. 1856, bes. p. 100) das Werk zwischen J. 6 und 34 n. Chr. verfaßt, also unter Augustus oder Tiberius: 8. dagegen BÜCHELER, RhM. 11, 608. Heutzutage darf als allgemein anerkannt gelten der Ansatz unter Nero; 8. besonders STUDER, RhM. 2, 50. 202; FRITTER, ebd. 561; TEUFFEL, Stud. und Charakt. 393 und BÜCHELER, Ed. mai. p. v. Schon in der Zeit Neros eine Ausnahme, wäre in den folgenden Zeiten die einfache natürliche Sprache dieses Romans, die sich von allem falschen Pathos und rhetorischem Flitter frei hält, eine Unmöglichkeit gewesen. Quintilian schweigt über den für den Redner unwichtigen Schriftsteller (OKELLER, JJ. 89, 503). Anspielungen auf Seneca: FHAASE, Miscell. philol. 3 (Breslau 1861), 21. GOTTSCHLICH, in den Miscell. philolog. für Haase (Bresl. 1863) p. 26. Unverkennbar kritisiert Petronius im bellum civile (A. 3 Z. 9 v. u.) die Manier des Lucanus (s. § 303, 5), aber ohne ihn (als noch Lebenden) zu nennen: GMÖSSLER, De Petr. poemate de bello civili (Bresl. 1842); quaestt. Petron., Hirschb. 1857–70 III. WESTERBURG, RhM. 38, 92. TRAMPE, De Luc. metr. 78. KLEBS, Phil. 47, 631. COLLIGNON, Etude 225, und auch die Troiae halosis (A. 3 Z. 9 v. u.) zielt gewiß auf das gleichnamige Gedicht Neros (§ 286, 8).

5. Tac. a. 16, 17 paucos intra dies eodem agmine . . Rufius Crispinus ac * Petronius cecidere (J. 66). 18 de C. Petronio (T. heißt er bei PLIN. NH. 37, 20 und Plut. De discr. am. et adul. 19, p. 60 E, P. bei SCHOL. Iuv. 6, 638) pauca supra repetenda sunt. nam illi dies per somnum, nox officiis et oblectamentis vitae transigebatur: utque alios industria, ita hunc ignavia ad famam protulerat habebaturque non ganeo et profligator, . . sed erudito luxu. ac dicta factaque eius quanto solutiora et quandam sui neglegentiam praeferentia tanto gratius in spem simplicitatis accipiebantur. proconsul tamen Bithyniae et mox consul vigentem se ac parem negotiis ostendit. dein revolutus ad vitia seu vitiorum imitatione inter paucos familiarium Neroni adsumptus est, elegantiae arbiter (Anspielung auf den Beinamen, s. A. 6), dum nihil amoenum et molle affluentia putat nisi quod ei Petronius ad probavisset. Zum Tode bestimmt audiebat referentes nihil de immor. talitate animae et sapientium placitis, sed levia carmina et faciles versus. Daß die ebd. 19 f. erwähnte Schrift des Petronius, worin er flagitia principia sub nominibus exoletorum feminarumque et novitatem cuiusque stupri perscripsit atque obsignata misit Neroni, mit den erhaltenen satirae nichts zu tun hat, zeigt FRITTER, RhM. 2, 569. Jene taciteische Charakteristik des Petronius paßt so gut auf den Charakter der vorliegenden Satirae, daß man mit Recht jetzt allgemein denselben für den Verfasser unseres Romans hält. Dem Umstande, daß Tacitus nicht von dem Roman spricht, kann kein solches Gewicht beigelegt werden, wie TEUFFEL, Stud. u. Charakt. 394 und GIRL.3 691 wollte. Prosop. 3, 26.

6. Die Hss, nennen den Verfasser der Satirae Petronius Arbiter (A. 1). Er wird zuerst angeführt bei TERENT. MAUR. GL. 6, 399, 2489 (Arbiter disertus) und 2852 (Petronius). APOLL. SIDON. carm. 9, 268 nennt Petronius in einer Aufzählung von Dichtern, 23, 155 Arbiter unter den berühmten Schriftstellern eloquii latini. Ohne selbständige Kenntnis urteilt Lyd. de mag. 1, 41 (oben § 28, 1). Macr. in somn. Sc. 1, 2, 8 auditum mulcent .. argumenta fictis casibus amatorum referta, quibus vel multum se Arbiter exercuit vel Apuleium nonnumquam lusisse miramur. Anführungen des Petronius bei Diomedes (Arbiter), Hieronymus (Arbiter), Servius (Petr.), Priscian (Petr.), Fulgentius (Petr. Arb.), Sergius u. a. zusammengestellt in BÜCHELERS Ed. mai. p. 206; min. p. 109; über angebliche Glossen aus P. GOETZ Ind. lect. Jenens. 1889/90. Schon Mart. 13, 62 ingeniosa gula est scheint c. 119 v. 33 zu kennen. Unter Petrons Namen sind zwei Epigramme (AL. 650. 651 PLM. 4, 109. 110) im Voss, F. 111 (§ 421, 6) uns überkommen, sodann hat Scaliger eine im Voss. Q. 86 (§ 309, 1) überlieferte Reihe von sechzehn namenlosen Epigrammen (AL. 464—479 PLM. 4, 88–95), deren zwei von Fulgentius als petronisch angeführt werden, dem Petronius beigelegt, endlich veröffentlichte BINETUS (Petronii epigrammata hactenus non edita, Pictavii 1579) aus einer verschollenen Hs. bibliothecae Bellovacensis zehn Epigramme je mit der Überschrift Petronii (AL. 690—699. 218 PLM. 4, 95—99). Auch das erste dieser Reihe wird von Fulgentius als petronisch angeführt. Die Beglaubigung durch Fulgentius will nicht viel besagen (§ 480, 7), die Scaligersche und die Binetsche Gedichtreihe weichen in Technik und Sprache von einander stark ab. Die Scaligersche Reihe ließe man sich wohl als petronisch gefallen, zumal mehrere Gedichte aus einem Zusammenhang - dem des Romanes ? gerissen sind; aber gerade hier fehlt jede genügende Beglaubigung seiner Verfasserschaft. WKROHN, Quaestt. ad anthol. lat. spectt. I, Halle 1887.

7. Ausgaben (s. BÜCHELERS Ed. mai. p. XXXVII). Vor Auffindung der cena Trimalch. (A. 2) erschienen: zB. von ITORNAESIUS, Lugd. 1575, JDOUSA (Leid. 1585), MGOLDAST (Frankf. 1610. Frankf. 1621). Von Späteren: ISCHEFFER, Ups. 1665. HADRIANIDES, Amst. 1669. PBURMAN (Amst.1743; REISKE, Animadvv. ad alt. ed. Burmann., Lps. 1748 IV). Kritische Ausgabe: ex recens. FBÜCHELERI, Berl. 1862; desselben kl. Ausgabe (acc. Priapea, Varronis et Senecae satirae), ebd. 4 1904. Die cena: (mit dtsch. Übers. u. Anm.) FRIEDLÄNDER, Leipz.1906; WATERS, Boston 1902; LOWE, Cambr. 1905.

8. Textkritisches: ORELLI, Lectt. Petr., Zür, 1836. STUDER, Obs. crit. in P. cen. Trim., Bern 1839. WWEHLE, Obss. in P., Bonn 1861. CBECK, S. A. 2. MOMMSEN, Herm. 13, 215 und EHÜBNER, ebd. 13, 414 (zu c. 71 Trimalchios Grabschrift). EROHDE, JJ. 119, 845. VAHLEN, Herm. 15, 270. JSEGEBADE, Obss. grammat. et crit. in Petr., Halle 1880. HERAEUS, Festschr. f. Vahlen 427. RPISCHEL (zu 62: Werwolf) in d. phil. Abh. f. Hertz, Berl. 1888, 69.

9. Über Petronius u. s. Werk: TEUFFEL, PRE. 5, 1402. BÜCHELER, NSchweiz. Mus. 3 (1863), 17. PETREQUIN, Recherches sur Petr., Par. 1869. HSCHILLER, Nero 620. GBOISSIER, Rev. d. deux mond. Nov. 1874, 320. ACOLLIGNON, Etude sur P., Paris 1892; Pétrone en France, Paris 1905. MARGARITORI, Petronio Arbitro, Vercelli 1897. ETHOMAS, L'envers de la soc. Romaine, Paris? 1902. Über die Sprache: BÜCHELERS Ed. min.: p. 128. ELUDWIG, De Petr. sermone pleb., Marb. 1869. HVGUERICKE, De linguae vulgaris reliq. ap. Petr. et in inscriptt. pariet. Pompei., Königsb. 1875. SEGEBADE (s. A. 8). CESAREO, De Petronii sermone, Rom 1887.

u.

HOWARD, Case usage in Petr. sat., Stanford 1899. WHERAEUS, D. Spr. des P. d. Glossen, Offenb. 1899 (vortrefflich). SEG EBADE-LOMMATZSCH, Lexicon Petronianum, Leipz. 1898. Literatur bei FRIEDLÄNDER, JB. 2, 1138 bis 72, 161. LOMMATZSCH 139, 217.

10. Übersetzt von WHEINSE, Schwabach? 1783 II (München 1909), SCHLÜTER, Halle 1792 II u. a., zB. Stuttgart 1873. Das Gastmahl des Trim. von WELLAUER, Jahns Arch. 10, 194; ferner Berl. 1843 und von MERKENS, Jen. 1876. FRIEDLÄNDER (A. 7).

306. Zu Anfang der Regierung Neros verfaßte T. Calpurnius Siculus sieben Eklogen, welche die Gegenstände und die Art der vergilischen Bucolica in strenger Technik übertreibend nachahmen, mit leidlichem Geschmack, aber höfischer Gesinnung. Demselben Calpurnius pflegt man jetzt auch ein ohne Namen des jugendlichen Verfassers überliefertes elegantes Lobgedicht de laude Pisonis beizulegen. Gleichfalls aus der Zeit des Nero und von gleicher Richtung wie jene Eklogen sind zwei größere Überreste bukolischer Gedichte in einer Einsiedler Handschrift.

1. Die Eklogen des Calpurnius wurden früh mit denen des Nemesianus (386, 1) vereinigt und beide galten lange als Gedichte eines Verfassers, des Calpurnius oder des Nemesianus. Doch in dem verschollenen cod. vetustissimus e Germania allatus, einst im Besitz des THUGOLETUS, der Grundlage der Ausgabe des AUGOLETUS (Parma um 1500), war der Anteil beider Verfasser scharf geschieden; nach der Ausgabe: Titi Calphurnii Siculi bucolicum carmen incipit. Aurelii Nemesiani poetae Carthaginiensis ecloga prima incipit; nach ANGELIUS, dessen Vergleichung (aus dem J. 1492) jener Hs. des Ugoletus sich in Florenz, bibl. Riccard. 363 befindet, so: im Anfang Titi Calphurnii bucolicum carmen Ad Nemesianum Karthaginensem und nach c. 7: finis bucolicorum Calphurnii. Aurelii Nemesiani poetae Carthaginensis egloga prima etc., und auch der cod. Gaddianus (A. 3) hat am Schluß des c. 7 folgendes: explicit sexta (vielmehr septima) egloga Calphurnii. Aureliani Nemesiani Cartaginensis eglogae incipiunt. Der cod. Neap. (A. 3) hat am Schlusse von c. 11 die Unterschrift: Aureliani Nemesiani Carthag. bucol. explicit. Auch in den Pariser Excerpten-Hss. (vgl. § 245, 7) steht vor den Auszügen aus diesen Eklogen, welche unmittelbar auf diejenigen aus de laude Pisonis folgen (A. 4), die Herkunftsangabe: Calpurnius (Scalpurnius) in bucolicis (SCHENKL a0. XLVII).

Die wesentliche Verschiedenheit der Technik zwischen den beiden Gedichtgruppen hat nachgewiesen MHAUPT, de carminibus buc. Calpurnii et Nemesiani, op. 1, 358. Dazu s. auch BIRT, hist. hexam. lat. 63. Die Gedichte 1–7 (des Calpurnius) zeigen große Strenge und Sorgfalt in Behandlung des auslautenden o, der Verschleifungen

nur kurze Vocale sind elidiert und fast nur im ersten Fuße der Versschlüsse und der Cäsu ren. Vgl. auch SCHENKL aO. p. XIII. In allen diesen Dingen läßt die Technik der Eklogen 8–11 (des Nemesianus) einerseits bedeutende Abweichungen erkennen von den Regeln des Calpurnius, anderseits aber Übereinstimmung mit der Technik von Nemesians Cynegetica (§ 386, 1). Ferner spricht gegen die Annahme eines Verfassers für alle 11 Gedichte der Umstand, daß die 4 letzten Gedichte zugleich Nachahmungen von Stellen der 7 ersten und übertreibende Steigerungen namentlich der erotischen Züge enthalten, daß Vorliebe für eingeschobenes memini, fateor nur die 7 ersten, dagegen nicht die 4 letzten Stücke zeigen. Endlich verraten diese überhaupt bedeutend geringere Befähigung als jene.

2. Während die Gedichte 2. 3. 5. 6. nur bukolische Motive verwerten, sind 1. 4. 7 Huldigungen für einen Fürsten, dem Corydon in den Mund gelegt, hinter dem sich der Dichter verbirgt. Als Zeit der Abfassung ergibt sich daraus die des Nero: der Fürst (deus) ist ein iuvenis (1, 44. 4, 85. 137. 7, 6) von jugendlicher Schönheit (7, 84), maternis causas qui vicit Julis (1, 44; vgl. § 286, 7), er gibt glänzende Spiele (7, 44), mit seinem Regierungsantritt hat eine Zeit des Friedens, der Freiheit und der clementia begonnen (1, 42—88. 4 passim). Dies alles stimmt zu Nero und dem hoffnungsvollen Beginne seiner Regierung, wie auch der im Herbst sichtbare Komet (1, 77) zu dem kurz vor Claudius' Lebensende (J. 54) erschienenen. 4, 13 spielt auf Senecas Schmeicheleien (apoc. 4 v. 7) an. Auch Sprache und Metrik dieser 7 Eklogen passen dazu vollständig. Der Verfasser klagt über seine Armut (4, 156) und sucht durch Meliboeus (nach SARPE aO. Seneca, nach Haupt al. 391 = Calpurnius Piso, A. 6) seine Lobgedichte unter die Augen des Fürsten zu bringen. Ob Siculus seine Heimat bezeichnet oder etwa von Theokrit auf ihn übertragen ist, läßt sich nicht entscheiden. Calpurnius benutzt die früheren Dichter eifrig, außer Vergil namentlich Ovid, er selbst wird zB. von Statius nachgeahmt: SCHENKL aO. p. XXI (wo übrigens viel abgezogen werden muß). Auch Theokrit ist benutzt. FFRITZSCHE, De Calp. ecl. 1—3. Schwerin 1903. LEO, ZÖG. 36, 613. Noch in der Zeit Karls des Großen wird Calpurnius stark ausgebeutet durch den Dichter Naso (Modoin, Bischof von Autun, s. DÜMMLER, Poet. med. aev. 1, 382), BÄHRENS, RHM. 30, 628. AEBERT, Lit. d. MAlt. 2, 65. GSARPE, Quaestt. phil., Rost. 1819. HAUPT, a0. 378. POMPEI, intorno al tempo del poeta C., Atti del Istit. Veneto 5, 6 (1880), 5. GAR Journ. of phil. 16, 216 (setzt den C. unter Gordianus III). SKUTSCH, PW. 3, 1401.

3. Handschriften: über die des Ugoletus s. A. 1. Die noch vorhandenen Hss. der vollständigen Reihe (ecl. 1–11) sind jung, die beste Neap. 380 s. XIV/XV; Gaddianus 90, 12 inf. s. XV; Paris. 8049 s. XII enthält nur ecl. 1, 1–4, 12. Ausgaben: zB. häufig mit Grattius (§ 253, 1) und Nemesianus (Cynegetica). In WERNSDORFS PLM. 2, 73. Recogn., annot. glossario instr. DBECK, Lps. 1803. Recens. et annott. instr. GLAESER, Gött. 1842. In BÄHRENS PLM. 3, 65. Calp. et Nemes. bucol. rec. HSCHENKL, Prag 1885 (mit Wortindex; vgl. dens. Wien. Studd. 5, 281. 6, 73); von dems. in Corp. poet. lat. 2, Lond. 1904. With introd., comment, appendix by CHKEENE, Lond. 1887. Übersetzt von FADELUNG (Petersb. 1804), Wiss (Lpz. 1805), KLAUSEN (Altona 1807).

4. De la ude Pisoni s. Die Lorscher Hs. (ex bibliotheca Laurissana), aus der Sichard (A. 7) das Gedicht zuerst herausgab, ist verschollen, ebenso der von HJunius benutzte cod. Atrebatensis; heute sind vollständige Hss. nicht mehr vorhanden, dagegen enthalten die Parisini 7647 und 17903 s. XII und XIII (vgl. § 245, 7) beträchtliche Auszüge aus dem Gedicht (de laude Pisonis; im Paris. 7647 auch die auf einer Verwirrung beruhende Bezeichnung Lucanus in catalecton, s. REM. 25, 378. PLM. 1, 222), welche mit dem Atrebat. enge Verwandtschaft zeigen. ROTH, Phil. 17, 340. MEYNCKE, RhM. 25, 378. BÄHRENS, PLM. 1, 221.

5. Der Verfasser ist in der Überlieferung nicht genannt. Sehr wahrscheinlich ist die Vermutung Haupts (op. 1, 391. 406; vgl. LACHMANN 2. Lucr. p. 326), daß es der Bukoliker Calpurnius sei; dann wird dieser ein Freigelassener Pisos sein.

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