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ernsthaft paraenetisch gehaltenen Choliamben des Phoinix (GERHARD, Ph. v. Kolophon, Leipz. 1909); H. übertrug also nur auf die vorhandene Gattung den von Lucilius übernommenen Hexameter. Die Namen einzelner Vorbilder (Aristipp, Bion, Ariston, Menipp) zu nennen hat bei der großen Ausdehnung und dem ephemeren Charakter dieser Literatur meist wenig Zweck; doch läßt sich für 2,5 besonders durch den Vergleich mit Lukian Menipp als Original erweisen. Die Diatribe lieferte ihm das orovdoyélolov (ridentem dicere verum), die nie pedantische oder methodische, sondern stets lebhafte, anschauliche und drastische Darstellungsweise, die oft ganz in Dialog übergeht (HIRZEL, Dialog 2, 9), die zahlreichen Anekdoten, Vergleiche und Personifikationen, die Typen der verfolgten Schwächen und packenden Charakterschilderungen (über AP. 408 GERCKE, Arch. Gesch. Phil. 1892, 212). Aber weil seiner Begabung eben dieser Stoff besonders adaequat war (vgl. 1, 10, 46), schuf H. aus den gegebenen Elementen ein Neues, dem auch die Griechen nichts gegenüberzustellen hatten. AHERWIG, Hor. quatenus recte de Lucilio iudicaverit, Halle 1873. TRIEMEL, üb. Lucil. u. s. Verh. zu Hor., Kreuzn. 1878. TYRRELL, Hor. and Lucil. Hermath. 4, 355. ZAWADZKI, quatenus Hor. videatur imitatus esse Luc., Erl. 1881. THFRITZSCHE, Menipp und Horaz, Güstrow 1871; Phil. 32, 744. HFRITZSCHE, Ausg. d. Sat. 1, S. 28. 2, S. 90. ARNDT, Hor. sitne imitatus Menippum Harburg 1884. AHEINRICH, Lukian u. Hor., Graz 1885. ROWE, quo iure H. Menippum imitatus esse dic., Halle 1888. HEINZE, de H. Bionis imitatore, Bonn 1889.

3. Bearbeitungen sämtlicher Satiren (außer in den Gesamtausgaben, § 240, 8). Übersetzt mit Einleitt. u. Anmerkk. von CMWIELAND, Lpz. 1786 II. 41819; die Übers. auch Bresl. 1881. Erkl. v. FHEINDORF, Bresl. 1815 (Lpz.2 1843 v. WÜSTEMANN, 31859 v. DÖDERLEIN). Übers. u. erläut. v. CKIRCHNER, I. Strals. 1829. Übers. u. erkl. durch WEWEBER; herausgg. v. TEUFFEL, Stuttg. 1852. Übers. mit erklär. Komm. v. CKIRCHNER, Lpz. 1854—57 II (der Kommentar zu B. 2 von TEUFFEL). Mit Anm. von LMÜLLER. Lpz. 1891. Lateinisch u. deutsch mit Erläutt. von DÖDERLEIN, Lpz. 1860. Rec. HOFMAN-PEERLKAMP, Amsterd. 1863. Erkl. v. HFRITZSCHE, Lpz. 1875. 76 II; by APALMER, Lond. 1883; v. OBREITHAUPT, Gotha 1888; von RSABBADINI,' 2, Turin 1906. Sermonendichtungen, lat. und deutsch mit Anm. von STRODTMANN, Lpz. 1855. Satt. u. Episteln, deutsch mit Einleitt. u. Anmerkk. v. EMUNK, Berl. 1867. Sermonen, deutsch v. BARDT (12 satt. u. alle epp.),2 Berl. 1900 (vortrefflich). Satt. deutsch v. Vogt u. VANHOFFS,2 Berl. 1904. Zehn Sat. übers. bei BLÜMNER, Satura, Lpz. 1897.

4. Neuere Bearbeitungen und Besprechungen einzelner Satiren (vgl. TEUFFEL, üb. Horaz 1868, 11) zB.: 1, 1 (von FAWOLF), Berl. 1813 (= kl. Schrr. 2, 992); REISIGS Vorles. üb. Sat. 1, 1, hrsgg. v. FEBERHARD, Cob. 1840; AECKSTEIN, Familiaris interpretatio, Lps. 1865; GEROKE, RhM. 48, 41; über Anspielungen auf Vergils Georgica s. HERTZ, Anal. Hor. 1, 12. 1, 3. 4. 8 REITZENSTEIN, hellenist. Wundererzähl. 23. 1, 3 MSCHMIDT, JJ. 121, 249. 1, 4 HENDRICKSON, AmJPh. 21, 121. 1, 5 DESJARDINS, Rev. d. philol. 2, 144. ABISCHOFF, Landau 1880. AWaltz, Ann. de Bordeaux 2, 2, 256. 1, 6 PWILLEMS, Notes de crit. et d'exégèse, Brüssel 1873. 1, RIESS RhM. 48, 307. 1, 9 MISPOULET, Rev. phil. 12, 1. Roby, Journ. of philol. 13, 233. 1, 10 HENDRICKSON, Stud. for Gildersleeve 151. 2, 1 ARLT, Wohlau 1883. 2, 3 E KAMMER, JJ. 111, 61. 2, 5 HBLÜMNER, RhM. 34, 166. APITZ, Coniectan. in Hor. satt., Berl. 1856. NIPPERDEY (de locis quibusd. ex libro I), op. 469. TMOMMSEN, Bemerkungen zu Hor. Sat. I, Frankf. 1871.

5. DHEINSIUS, De sat. Hor. liber, an s. Ausg., Leid. 1612 u. sonst. Manso in d. Nachträgen zu Sulzer 4, 446. BGNIEBUHR, Brief an einen Philologen, von JACOB S. 135. TEUFFEL, Charakteristik des H. (1842) S. 47. ABECK, Das Wesen der horaz. Satire, Gießen 1859. SZELINSKI, De nominibus personarum ... apud satiricos rom. (Königsberg 1862) p. 10—42. HANNA, Der apolog. Charakter der hor. Satt., Nikolsb. 1878. 79 II; CARTAULT, Étude sur les sat. d'H., Paris 1899. HSCHROEDER, Bezieh. auf Tagesereign. in H. Sat. Straßb. 1888, vgl. § 235, 2. Metrisches u. Sprachliches zu den Satt.: s. zB. AKIESSLING vor 8. Ausg. 2, XIV. AWALTZ, Des variat. de la langue et de la métr. d'H. dans ses différ. ouvr. Paris 1881. Über den Bau der horaz. Hexam. 8. zB. HULTGREN, JJ. 107, 150. VOGEL, D. Struktur des hor. Hex., Düren 1887. THFRANZEN, D. Unterschied d. Hеx. bei Virg. u. Hor., Cref. 1881. — BARTA, Sprachl. Studd. z. d. Satt. d. Hor., Linz 1879. 81 II. BÄKER, D. Metaphern i. d. Satt. d. H., Strals. 1883.

237. Die ungefähr gleichzeitig mit den Satiren verfaßten Iamben (Epoden) sind ihnen durch ihren angreifenden Charakter verwandt; nur sind sie ebenso sehr gegen einzelne Personen gerichtet wie die Satiren eine Kritik allgemeiner Verhältnisse enthalten und hängen nicht wie jene mit der Popularphilosophie zusammen. Horaz zeigt sich in ihnen als einen eifrigen und geschickten Nachahmer des Archilochos und seiner Verskunst; aber auch hier schon liefert die hellenistische Poesie einen starken Einschlag. Neben der zum Wesen der Gattung gehörigen Schärfe und Bitterkeit fehlt auch bei Horaz nicht der ihr ebenso eigentümliche Schmutz. Das Ganze ist ein Studienbuch, dessen satirischen Bestandteil Horaz in den sermones, dessen formalen (melischen) er in den Oden weiter entwickelt hat. Die späteren Stücke sind abgeklärter und reifer und nähern sich dem Charakter der im Ton milderen Carmina, wie umgekehrt unter diesen manche sind, die nach Form oder Inhalt in der Epodensammlung stehen könnten.

1. Iambi nennt Horaz selbst die dem Maecenas gewidmete Sammlung 14, 7 (deus nam me vetat inceptos olim, promissum carmen, iambos ad umbilicum adducere): vgl. c. 1. 16, 3. 24. ep. 1, 19, 23. 2, 2, 59. Daher hat auch die letzte epod. 17 (in iambischen Trimetern) ein Recht in dieser Sammlung zu stehen. Der Name énodol und Érqdá, epodon liber (vgl. PORPH. vor epod. 1, 1 liber hic epodon inscribitur), ist eine Zugabe der Grammatiker, entnommen von der metrischen Beschaffenheit der meisten Stücke. Die Benennung Epode wurde nämlich später gebräuchlich für alle diejenigen Versarten, die aus einer Vereinigung einer längeren und einer kürzeren Zeile (letztere & {nodos sc. Grixos, der Nachvers) bestehen, besonders aus einem iambischen Trimeter und einem iambischen Dimeter, wie epod. 1–10. So zB. SCHOL. HERMOG. Rhet. gr. 7, 820 Walz doti del &nqdòv Bexxúrepov toll avtoŨ orixov ovllaßès réttapas. CHRIST, Münch. SB. 1893, 131. Die einzelnen Gedichte nennt PORPHYRIO eglogae (s. § 226, 1 Z. 14); geordnet sind sie so, daß die mit gleichem Metrum zusammen stehen. Verhältnis zu Archilochos 8. ep. 1, 19, 23—25; das archilochische Vorbild zu c. 10 ist aus Papyrus publiziert v. REITZENSTEIN Sb. Berl. Ak. 1899, 857; vgl. LEO, De H. et Archil. Gött. 1900. Die

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Behandlung des Trimeters bei Hor. stimmt genau mit der Weise des Archilochos. Jedoch epod. 16, das älteste aller lyrischen Gedichte (aus J. 41/40), zeigt ausschließlich reine Iamben (und im Hexameter keine Verschleifung) nach catullischem Vorbild (4. 29); Einfluß des Gallus vermutet REITZENSTEIN (A. 2). Motive der hellenistischen Elegie in c. 11: LEO aO. 9. Für die nahe Beziehung zwischen den späteren Epoden und den frühesten Oden vgl. epod. 9 mit c. 1, 37. Ganz ähnlichen Geist wie die meisten Epoden hat noch c. 3, 15; und c. 1, 4. 7. 28. 2, 18. 4, 7 könnten ihrer metrischen Form nach ebenso gut in der Epodensammlung stehen, wenn diese zur Zeit ihrer Abfassung nicht schon abgeschlossen gewesen wäre. Die Vierzeiligkeit ($ 238, 4) findet auf die Epoden ebensowenig Anwendung als sich antistrophische Gliederung erweisen läßt. Berücksichtigung von c. 16 durch Verg. ecl. 4. beweist SUDHAUS REM. 56, 49 SKUTSCH JJ. 1909 XXIII 23.

2. PHBUTTMANN, Mythologus 1, 318. VANDERBOURGS Ausg. 2, 2, 549. GFRANKE, Fasti hor. 43. FÜRSTENAU, De carm. hor. chronologia 11. TEUFFEL, ZfAW. 1844 f. (s. $ 234, 6). Axt, Zur Erkl. u. Krit. der hor. Epoden, Creuzn. 1846. LEIDLOFF, De epodon Hor. aetate, Holzminden 1856. DÜNTZER Phil. 52, 332. CBECK, De vera epodon horat. indole, Troppau 1873. Plüss, D. Jambenbuch des H. Lpz. 1904 (verfehlt; vgl. REITZENSTEIN Gött. Anz. 1904, 947). Über epod. 2 AMMANN, Bruchsal 1888; epod. 9 FALTIN, JJ. 131, 617 PCORSSEN, Horatiana. Berl. 1903; epod. 14. HARNECKER, ZfGW. 36, 428; epod. 11 IMMISCH, Phil. 49, 196.

238. Als Horaz schon in der Mitte seiner dreißiger Jahre stand, entschloß er sich, die bei den Epoden gewonnene technische Fertigkeit und Formbeherrschung dazu zu benützen, um nun auch Alkaios und Sappho auf römischen Boden zu verpflanzen. Die Ausführung dieser Absicht beschäftigte ihn eine Reihe von Jahren (mindestens acht): die Frucht derselben sind die drei Bücher carmina, woran sich, nach langer Unterbrechung, aus äußerer Veranlassung die Herausgabe des vierten Buches anschloß. So ein Erzeugnis der reifsten Jahre des Horaz und geläuterter künstlerischer Besonnenheit sind die lyrischen Gedichte die formell vollendetsten unter seinen Werken, hervorragend durch die bewußte Durchsichtigkeit ihrer Anlage, die Sorgfalt und Feile der Arbeit, die Ebenmäßigkeit der Ausführung, welche mit Vorliebe in drei Teile sich gliedert, durch die strenge Gesetzmäßigkeit, Schönheit und den Wohllaut ihrer Verse und das feine Sprachverständnis. Sie sind aber meist nicht eine unmittelbare Aussprache von innerlich Erlebtem, welches der Dichter aus sich heraussetzt, um sich von dessen Anfechtung zu befreien, nicht ein Ausfluß drängender Begeisterung und übersprudelnder Phantasie, sondern sie bekunden vorzugsweise geistige Klarheit, Ruhe, Reife und Nachdenken über die Fragen des Lebens sowie ein sicheres Stilgefühl. Einzelne Züge von Nüchternheit und Frost, prosaische und gezierte Wendungen fallen um so weniger ins Gewicht, als Horaz den Stil für diese Gattung erst schaffen mußte; ebenso wenig kleine Verstöße gegen den guten Geschmack und Selbstwiederholungen, die in dem nachgeborenen vierten Buche am häufigsten sind. Diese Mängel treten am ehesten zutage in den Gedichten, deren Ausgangspunkt ein abstrakter Vorsatz des Dichters oder gar bloße Bestellung ist; wo Horaz aber wirklich fühlt, da erhebt er sich oft zu grandiosem Pathos und wahrer Schönheit. Horaz beginnt seine lyrische Laufbahn mit Stilübungen nach griechischen Vorbildern, steigt allmählich auf zu Nachdichtungen in deren Geiste, und wagt zuletzt auch selbständig gewählte Gegenstände, Stoffe aus der unmittelbaren Gegenwart, Darlegungen seiner persönlichen Denkweise, in den Formen der Griechen zu behandeln.

1. Selbstwürdigung des Horaz: operosa parvus carmina fingo, c. 4, 2, 31. Daher das freilich kaum ernst zu nehmende Geständnis (epod. 11 u. 14), daß ihn die Liebe am Dichten (dh. Arbeiten) hindere, sowie c. 1, 1, 19. 29 der Gegensatz von behag. lichem Lebensgenuß und Dichten. Noch s. 1, 4, 39 hatte sich H. ausdrücklich aus der Zahl der eigentlichen Dichter ausgenommen. Wenn er anderwärts mit Selbstgefühl von seinen lyrischen Dichtungen und der durch sie erworbenen Unsterblichkeit spricht (besonders in den Schlußgedichten von B. 2 und 3 der Oden), so gab ihm dazu eine Berechtigung außer der Mühe, die er darauf verwendet und dem Ruhm, den er sich dadurch gewonnen hatte, namentlich die Sitte der hellenistischen Dichter; aber auch die Größe seiner Leistung berechtigt ihn zum Stolze. Charakteristik des Horaz als Lyriker in MHAUPTS op. 3, 52. • 2. Die lyrischen Gedichte des Hor. heißen in den hs. Über- und Unterschriften carmina, ebenso bei den späteren Grammatikern, bei denen aber auch der Name odae vorkommt. Horaz braucht das Wort ode nie. Öfters nennt er seine Gedichte Aeolium oder Lesbium carmen; zB. c. 3, 30, 13. 4, 3, 12. 1, 26, 11. 1, 32, 4; vgl. 4, 6, 35. Der Anschluß an die äolische Melik (worin er übrigens an Catull einen Vorgänger hatte) ist wirklich ein Hauptmerkmal derselben, und es ist auch ein besonderes Verdienst des Horaz, daß er auf die klassischen Meliker der Griechen, auf Alkaios, Sappho, ferner auf Anakreon, und damit auf die Natur zurückging; Bestrebungen, wie sie in dem gleichzeitigen Atticismus zutage traten, werden dabei mitgewirkt haben. Aber er hatte dafür in der hellenistischen Poesie bereits Vorbilder, und diese beeinflußt den ganzen Ton seiner Lyrik stärker als uns die erhaltenen Reste, besonders die der Epigrammdichtung, erkennen lassen. Vgl. AKIESSLING, üb. dy Aufnahme der horaz. Oden im ersten Jahrh., Verh. d. Kieler Philologenvers. (Lpz. 1870) S. 28. REITZENSTEIN, JJ. 1908 xxi 81. Nachweisliche Übersetzungen (Nachdichtungen) sind besonders 1, 9 u. 18, sowie der Anfang von 1, 37. In allen solchen Fällen sieht man zwar, wie weit Horaz entfernt ist von dem urwüchsigen oft herben Ton seiner Vorbilder, aber zugleich auch wie klar er sich darüber war, welche Züge er weglassen oder abändern müsse und welche er aufnehmen könne, wie angelegentliche Sorgfalt er verwendet auf die Vermittlung des Gedankengangs, die Ausführung der Einzelheiten, wie er derbe Wendungen abschwächt und durch Einmischen von Zügen aus der Gegenwart das Gedicht dem Leser näher rückt. Neben den bewußten Nachbildungen finden sich auch häufig Nachklänge aus griechischen Dichtern, die man sich nur nicht bienenartig(c. 4, 2, 27) zusammengetragen denken darf. Und man hätte nie verkennen sollen, daß er die hellenistischen Lyriker hinter sich läßt und in vielen seiner Lieder die Kraft der älteren Poesie erreicht; daß dazu moderne Mittel

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und auch modernes Raffinement aufgeboten wird, versteht sich von selbst. Auch der Gedankenkreis ist ein ganz anderer und zB. von der modernen Lebensweisheit stark durchdrungen. Literatur über das Verhältnis des Horaz zu den Griechen: THARNOLD, De H. Graecorum imitatore, Halle 1845; Die griech. Studien d. H., hg. v. FRIES, Halle 1891. GÖBEL, Hor. u. Euripides, ZfGW, 1, 298. GARCKE, Hor. carm. lib. I collatis scriptoribus graecis illustr., Halle 1853. 1860; Quaestiones de graecismo Hor. Halle 1860. THALLWITZ, De Hor. Graecorum imit. Lps. 1874. C. CAMPE, Hor. u. Anakreon, Phil. 31, 667. WINTZELL, De Hellenismo Horatii, Lund 1892. KBRANDT, De H. stud. Bacchylideis. Festschr. f. Vahlen 299. (Versuch einer griechischen Übersetzung der Oden von BARNOLD, Münch. 1858.) S. noch die Literatur unten § 240, 10.

3. In der Behandlung der nachgebildeten Maße finden sich, wenn man die griechischen Muster vergleicht, bei Horaz mancherlei Abweichungen; nach den Grammatikern hat er sogar vier Strophen selbst geschaffen. CHRIST, Münch. SB. 1893, 120. Horaz hat sich hier nicht ausschließlich durch die Eigenart der lateinischen Sprache (zB. ihren Reichtum an Spondeen) u. a., wie man früher annahm, beeinflussen lassen, sondern vielmehr auch durch die damals herrschende und in Leitfäden verbreitete metrische Theorie: dieser entspricht der Tatbestand bei Horaz in vielen Punkten, zB. in der Bevorzugung der Länge an manchen Stellen und in der Anordnung der Cäsuren. WCHRIST, d. Verskunst des Hor. im Lichte der alten Überlieferung, Münch. SB. 1868, 1 ff. AKIESSLING vor seiner Ausgabe. GSCHULTZ, Herm. 22, 270. RKOEPKE, JJ. 149, 753. Doch erklärt die Theorie allein nicht die sich allmählich steigernde Strenge in der durchgreifenden Anwendung des Spondeus. c. 1, 15 (askl.) erweist sich als einen der allerfrühesten Versuche auch darin, daß dort v. 36 Horaz noch die trochäische Basis hat statt der spondeischen. Ebenso hat Horaz in der Anakrusis des alcaeischen Verses zwar im ersten Buche fünfmal, im zweiten dreimal, im dritten zweimal sich die Kürze gestattet, dagegen im vierten Buche sie vermieden. Bezüglich der Cäsur finden wir bei Horaz strenge Regelmäßig. keit: zB. im alcaeischen und sapphischen Elfsilbler legt er die Cäsur je nach der fünften Silbe, weil nach der Theorie, welcher er folgt, dort die Fuge ist zwischen den beiden Teilen der Verse. Genauere Beobachtung seines Verfahrens zeigt, wie er stetig an der Vervollkommnung der äußeren Form seiner Gedichte arbeitete. In den alcaeischen Strophen gibt Horaz dem dritten neunsilbigen Vers in den beiden ersten Oden-Büchern die nevinuluegns wie den beiden ersten Versen .(also Teilung von 5 + 4). Später aber gelangte er zu der Einsicht, daß dadurch der Bau einförmig werde (was ohnehin der Hauptmangel der horazischen Metra ist), und hat daher im dritten und vierten Buche diese Art von Cäsur des dritten Verses vermieden und durch andere ersetzt (besonders die Teilung 6 + 3, öfters auch 7+2, doch so daß der erste Bestandteil dann wieder in sich gegliedert ist). Vgl. LACHMANN an Frankes fasti hor. 238. Die in B. 1–3 fast ausnahmslos verwendete revenueuepns in der sapphischen Strophe (s. o.) muß sich im vierten Buch und dem carm. saec. mit der Cäsur xatè toltov tpoxaiov teilen. Die Cäsur wirkt maßgebend ein auf die Stellung der Substantiva und Adjektiva, die ähnlich kunstvoll ist wie im Pentameter; REICHARDT, de metr. lyric. Hor. artificiosa eloc. Marburg 1889. FPETERS, Z. Wortstellung in d. Oden d. H., Münster 1870. Wortbrechung am Ende des dritten Verses der sapphischen Strophe findet sich im vierten Buch und im carm. saec. nicht. Ebendort ist H. auch hinsichtlich der Verschleifung strenger als in B. 1–3 (LACHMANN z. Lucr. p. 219). Vgl. AWALTZ ($ 236, 5) TÜSELMANN

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