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echte Wortform herausgestellt hat, so kehrt doch ihr Ersatz durch
simpulum in der handschriftlichen Überlieferung so oft wieder,
daß man nach einer Erklärung für den Irrtum suchen möchte.
Und so mißlich es ist, das Irrationale auf Gründe zurückzuführen,
wird doch, abgesehen von der Häufigkeit der Vertauschung des
1 und i im allgemeinen, auf zweierlei insbesondere hingewiesen
werden dürfen. Einmal mag die Verbreitung und Geläufigkeit
der Endung -ulum einigen Einfluß ausgeübt haben. Andrerseits
scheint aber auch der Anklang an symbolum mit im Spiele ge-
wesen zu sein. Wenigstens hat man im Mittelalter das (wie
P. Weßner, Comm. philol. Jenenses VI 2 S. 124 zeigt) zuerst in
Fulgentius' sermones antiqui 47 auftauchende symbolator (das
mit conviva erklärt wird [C. Gl. L. VII 325] und offenbar den be-
zeichnen soll qui de symbolis edit από συμβολών δειπνεί πίνει, ,
(vgl. das Scholion zu Attos Polypticum S. 56]) nachdem es be-
reits bei Fulgentius selbst zu simpolator geworden, und in dieser
Schreibung oder als simpulator in die Glossare aufgenommen war
(C. Gl. L. V 514, 3. 557, 49. 610, 54), geradezu mit simpulum in
Verbindung gebracht. Bei Ps.-Philoxenus ist der Glosse simpulum
xúatos (C. Gl. L. II 184, 17, s. oben S. 140) am Rande die Notiz
hinzugefügt simpolum cyatus unde simpolator. Doch wie dem
auch sei, jedenfalls stellt sich simpulum als mittelalterliche Kor-
rumpierung von simpuium den Bildungen lactatio und lentaculum
(s. R. Helm, Philol. 58, 474 ff.) ebenbürtig an die Seite.

Dem Sieger aber im Streit der beiden Formen geziemt es, dem verehrten Manne, dem die lateinische Sprache für die Wiederherstellung und Deutung ihres alten Wortschatzes wie keinem anderen zu Dank verpflichtet ist, am goldnen Ehrentage seiner wissenschaftlichen Laufbahn sich zu weiterer Prüfung zu empfehlen.

Bonn.

A. Brinkmann.

:

Miscellen.

Hercules, 5. Dekl.

Bei Plautus gehört 'Hercules' zur

zur fünften Deklination. Der Gen. hat immer die zweisilbige Endung -ēī: Cas. 398 (P, A n. l.)

‘útinam tua quidem ísta, sicut Hérculeï praédicant (ista om.

P, A n. l., cf. Bach, Studem. Stud. 2, 216) quondam prognatis in sortiéndo sors deliquerit' in Non.,

ista in P, A n. l.); ? Most. 984 Tránio, is vel Hérculeï (-li AP) conterere quaestum potest' mit syllaba anceps vor der letzten jambischen Dipodie, vgl. Most. 1100, Men. 877, Pseud. 147 usw., Pers. 2 'superávit aerumnis suis aerumnas Herculéï' (-li P, A n. l.); Rud. 161 qui | Hérculeï -li T, -le CD, -lis B, A n. l.) sócius esse diceris’; Rud. 822 'iam hoc Hérculeï (-li P, A n. l.) est, Véneris fanum quod fuit. Der Dativ ist Herculi: Epid. 179 (AP), Stich. 233 (AP).

Auf einem titulus Mummianus (Corp. Í 541, vgl. X 8075) findet sich der Gen. Herculis; dagegen müssen wir bei Naevius, com. 28, wohl eher Herculi als Herculis lesen.

Wackernagel hat Archiv XIV 5 mit Recht behauptet, daß ein griechischer Eigenname auf -ns im Lateinischen eher zur 3. oder 5. als zur 1. Deklination übergeführt wurde (doch Apella Epid. 626, vgl. Poen. 1271), während bei Worten wie poeta, tarpessita der Übergang in die erste Deklination sich unter Vermittlung des Plurals (gr. -ai, lat. -ae) vollzog. Da nun nur eine beschränkte Anzahl von Nominativen der 3. Dekl. auf -es (canes usw., nicht vates, nubes, caedes, strages usw.) im Latein des Plautus erscheint, so lag die Anwendung der 5. Dekl. (vgl. fames, sorderum) näher als die der dritten.

Die Deklination dieser Namen auf -ës ist folgende: Nom. -ēs. Gen. 1) -ēī: Calliclei Trin. 1183 (-li P, A n. l.), Charmidei Trin. 359 (-di ut vid. A, -de P), Periphanei Epid. 246 (-ni A, -ne P), 508 (-ni AP), 635 (-ni P, A n. l.); 2) -e?, ez? Philolache(i) Most. 374 (-e P, A n. l.); 3) -ī, die gewöhnliche Form in den Hss. Dat. -7: z. B. Agorastocli Poen. 1341 (AP), Callida mati Most. 938 (AP) etc. Acc. - em.

Abl. -ē: Naucrate Amph. 860. Ich weiß nicht, ob es Zufall oder Absicht ist, daß der Abl. immer ans Ende des Verses gerückt erscheint, wo die Quantität des e nicht bestimmt

Voc. -es.

werden kann (Bacch. 686, Capt. 546. 565, Epid. 251, Trin. 403. 420), ausgenommen Most. 245 (wo wir aber wegen der Elision im gleichen Fall sind): Philolache omnis. Ist es Absicht, so müssen wir vielleicht mit Guyet Amph. 860 lesen: Naucrate id cognato cognoscam (cognato id P, A n. l.).

Der Name Atrides begegnet uns im Nom. plur. Bacch. 925 (-dae A, -des CD, -das B', e superscr. B2). Capt. 975 ist Philocrates (-tes CD, -tis B), wie ich glaube, der Vokativ, nicht der Genetiv. Bei Pseud. 989 haben wir die Wahl zwischen Polymachaeroplagides Nom. und -di Gen. (-di ut vid. A, -des P). Der nachplautinische Gen. sing. Achilli, Socrati etc. steht so wie dii für diei, progenii usw.

St. Andrews, Schottland.

W. M. Lindsay.

Persona.

er

Vor vielen Jahren hat unser Jubilar bereits aus historischen Erwägungen heraus sich für die Wahrscheinlichkeit einer gegenseitigen Beeinflussung des Lateinischen und Etruskischen ausgesprochen. Der experimentelle Beweis für die Richtigkeit dieser Ansicht ist jüngst von W. Schulze in großartigster Weise geführt worden.

So wird man den Versuch, ein lateinisches Wort, für das im Latein anscheinend keine Verwandten zu finden sind, als etruskisches Lehnwort zu klären, wenigstens nicht von vornherein belächeln dürfen.

Bei einem Besuch der Nekropole von Corneto Tarquinii im Jahre 1902 besichtigte ich auch die zuerst von Dasti (N. Sc. 1878, 129 ff.), dann von Helbig (Bullet. Corr. Arch. 1878, 184 ff.) geschilderte tomba degli auguri, deren Inschriften nach jenen Publikationen auch von Gamurrini Appendice al Corpus Inscr. Ital. (1880) S. 67 f., aber ungenau, abgedruckt sind. Ich las übereinstimmend mit Dasti und Helbig sowohl „nella parete a sinistra presso il volto mascherato di un mimo“ wie auf der rechten Wand bei der gleichfalls maskierten Person, die einen Hund hetzt, die Beischrift persu (nicht gertu oder Persu, wie Gamurrini angibt). Etruskisch persu muß im Lateinischen * perso klingen wie aplu Apollo ist, persipnai Persephone usw. Dies *

perso konnte wohl nur wie caupo, -ōnis u. dgl. flektiert werden; ein denominatives Verbum „naskieren“ mußte nach Analogie von cauponari u. dgl. * persönare lauten (personāta fabula Naevi Fest. p. 217). Wer sich nun erinnert, wie oft aus den Verben auf -āre durch retrograde Ableitung Nomina auf -a geschaffen sind (proba „Probe“ aus probare, lucta aus luctari, pugna aus pugnare usf.; vgl. Bezzenb. Beitr. 21, 90), übersieht den Weg, auf dem etrusk. gersu zu lat. persona werden konnte.

Es wäre ein sonderbarer Zufall, wenn gersu als Beischrift zweier maskierter Leute und das lateinische persona nichts miteinander zu

Archiv für lat. Lexikogr. XV. Heft 1.

10

146

F. Skutsch

Albert Becker: Miscellen.

tun hätten. Was aber ihrer Verbindung noch besondere Wahrscheinlichkeit gibt, ist dem Leser längst eingefallen: schon die alte Tradition führt das römische Theaterwesen auf Etrurien zurück, und histrio soll von etrusk. ister herkommen (Liv. VII 2).

Breslau.

F. Skutsch.

Zur Aussprache des. C.

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vermuten.

Oskar Hey hat in dieser Zs. XIV 112 aus dem napóuolov 'salo – solo — caelo' (Auson. epigr. 52 p. 331 Peiper) geschlossen, daß der Assibilierungsprozeß des C im Gallien des 4. Jahrh. wohl schon vollendet war. Wenn wir nun bei Ps.-Quint. decl. mai. caeli siderumque' (p. 157, 13 Lehnert) verbunden und ebenso "caeli — sideribus' (p. 70, 7 f.), 'caelo siderum' (p. 83, 7), 'caelum — sidus' (p. 233, 5 f.) 'saecula --- caelestis' (p. 179, 27 ff.), caelestis — siderum' (p. 181, 15 f.), 'sacrilegos incendiarios' (p. 186, 13), caelestes - sideribus - saeculo ' (p. 244, 24 f.) einander nahegerückt finden, so darf man (nach dem Sprachgebrauch des Rhetors) auch hierin beabsichtigte Alliteration

Dies setzt aber die Aussprache 'saelum', 'saelestis', 'insendiarios' voraus. Anderseits zeigen alliterierende Verbindungen wie accidentia casusque' (p. 77, 19), 'accidentium casus (p. 110, 5), custodia — cellarum (p. 186, 15), 'casibus incertisque' (p. 315, 10), daß die altlateinische Aussprache des C sich auch vor hellen Vokalen noch behauptete.

Es muß also schon eine Zeit des Übergangs gewesen sein, in der die Deklamationen entstanden sind (Wende des 2. Jahrh.). Damit wird aber auch die von Hammer (Beiträge zu den 19 größeren quintilianischen Deklamationen S. 29 f.) literarhistorisch nahegelegte Vermutung durch sprachliche Momente gestützt, daß nämlich diese wunderlichen Gebilde ein Produkt gallischer Rhetorik sein mögen. Daß dort 'caelum -- saeculum' mit Absicht verbunden wurde, geht aus folgenden Beispielen hervor: in caelo', in 'saeculo' Greg. Tur. vit. patr. 14 praef., 'caelestis et saecularis' ebenda 4 praef., glor. martyr. 105. Vgl. weiter 'caelestis (ac) sempiternus' Paneg. lat. III 6, 106, Greg. Tur. vit. patr. 4 praef., zu der von Hey a. a. 0. besprochenen Ausoniusstelle: Ruric. epist. II 22, 406 ille enim vadit ad caelum, qui se contulit ad solum.

Ludwigshafen a. Rh.

Albert Becker.

Literatur 1905. 1906.

sprung habe.

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Siegmund SchloBmann: Persona und Tobownov im Recht und

im christlichen Dogma. Kiel 1906 Einladungsschrift der Univ. zu Kaisers Geburtstagsfeier). 128 S. 8o.

Der auch den Archivlesern wohlbekannte Jurist wirft die Frage auf, ob der Personenbegriff, wie die moderne Rechtswissenschaft ihn gebraucht, in den antiken Gebrauchsweisen von persona seinen Ur

Zum heutigen juristischen Begriff der Person gehört auf der einen Seite die „Rechtsfähigkeit“ der antike Sklave z. B. ist keine Person andererseits ist das Wort nicht an das einzelne Individuum gebunden, sondern umfaßt auch Körperschaften u. dgl. Geht nun diese, nach der Ansicht des Verfassers jedes wissenschaftlichen und praktischen Wertes entbehrende Bedeutung auf die Sprache der römischen Juristen zurück? Die Frage wird verneint auf grund einer eingehenden Untersuchung der Bedeutungsgeschichte von persona unter Heranziehung von Tównov, das als nächstliegende griechische Parallele die Entwickelung von persona zum Teil beeinflußt, zum Teil mitgemacht hat.

Persona gehört schon deswegen zu den heiklen bedeutungsgeschichtlichen Problemen, weil die Etymologie, somit also der Anknüpfungspunkt an vorhandene Begriffe, im Dunkel liegt; denn auch die Stowassersche, von Walde im Etymologischen Wörterbuch angenommene (von Schloßmann nicht gekannte Zusammenstellung mit * perzonare „verkleiden“ hat nichts Überzeugendes. Zu dieser Schwierigkeit kommt die zweite, daß das Wort an der ältesten Belegstelle (Plaut. Pers. 783) unklar, jedenfalls mehrdeutig ist. So bleibt die Ansetzung der ältesten Bedeutung hypothetisch: Schloßmann entscheidet sich für „Maske“ (Larve); nach Stowasser-Walde wäre vom Begriff , Verkleidung" auszugehen. Wie kommt nun das Wort zu der Bedeutung, die es noch heute im allgemeinen Sprachgebrauch hat, zur Bezeichnung eines „menschlichen Wesens in einem Zusammenhange, in welchem seine Eigenschaft als Mensch selbstverständlich gilt" (S. 12)? Der Verfasser denkt sich die Entwickelung phraseologisch vermittelt, wie z. B. durch die Verbindung personam alicuius (parasiti, regis etc.) gerere', was sachlich = partes alicuius agere *); persona kommt auf diese Weise zunächst (bei Terenz, vgl. S. 19) zur

*) Dem Einwand, daß die Maske sich erst etwa in augusteischer Zeit im röm. Theater eingebürgert habe, sucht Schloßmann S. 30 ff. zu begegnen.

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