Immagini della pagina
PDF
ePub

Qua qua. Lympha. Eruptum

qua.

ereptum.

qua

Bedeutung und Gebrauchssphäre von qua qua sind, seit Pareus im Lexicon Plautinum Beispiele zu sammeln begonnen hat, längst festgestellt, wenigstens in den Grundzügen. Von Plautus in ähnlichem (doch, wie sich zeigen wird, nicht in ganz gleichem) Sinne wie etet gebraucht, wird es von Terenz an in der Hochsprache gemieden, ist aber daneben in der gesprochenen Sprache lebendig geblieben. So konnte es einerseits in vertraulichen Briefen Ciceros Verwendung finden, andererseits wie etwa civitas „Stadt", obturbare „verwirren" in der Kaiserzeit wieder emporsteigen und in der Prosa (zuerst bei Livius) hoffähig werden. Dies alles ist klar; unklar die Wurzel des ganzen Gebrauchs.

Die wenigen, die sich darüber geäußert haben, fassen das qua indefinit. So Kvičala, Wiener Sitzungsberichte 65 (1870), 111 und Riemann, Etudes sur la langue et la grammaire de Tite-Live 280 n. 2. Jener vergleicht den „korresponsiven partitiven" Gebrauch des Indefinitums in den slavischen Sprachen, z. B. kirchenslavisch kogda-kogda „bald-bald" (Miklosich, Vergleich. Gramm. IV 87); Riemann, französische Phrasen, wie „ils cherchèrent la source du mal, qui d'un côté qui d'un autre", wo qui das indefinite quis des Latein fortsetze. Beide hätten auch, als auf eine noch näher liegende Parallele, auf лỷ μèv – πῇ δέ des späteren Griechisch (unten S. 215) verweisen können.

Aber diese verglichenen Gebrauchsweisen weisen eine abweichende Bedeutung auf, dienen nicht wie quaqua zur Zusammenfassung im Sinne von „sowohl als auch", sondern zur Teilung im Sinne von „teils - teils", „bald teils", bald bald". Nun ist zuzugeben, daß im Böhmischen jednak (gebildet aus jedno „unus“) doppelt gesetzt nicht bloß „teils - teils", sondern (wenigstens nach der Angabe von Kvičala) auch sowohl — als auch" bedeutet, daß also qua qua, wenn es auch vorhistorisch mit

[ocr errors]

πῇ йлй synonym war, nachträglich die überlieferte Bedeutung erlangen konnte. Immerhin ist diese Bedeutungsentwicklung eben nur vereinzelt und nicht bei einem von Haus aus indefiniten Wort belegt; denn que que, das Kvičala auch heranzieht, bleibt besser aus dem Spiel, da die Herleitung aus dem Indefinitum rein hypothetisch ist.

Aber man übersieht bei dieser Deutung eine formale Schwierigkeit. Wenn qua zum Indefinitum gehört, muß es enklitisch sein; aber daß es dies nicht ist, zeigt die Stellungsverschiedenheit zwischen qua mares qua feminas und maresque feminasque. Wir werden dadurch auf die Frage geführt, ob und wieweit Indefinita ihre ursprünglich enklitische Natur ablegen und orthotonisch werden können. Im Griechischen ist dies unstreitig der Fall.*) Zunächst unter dem Einfluß der eigentümlichen Akzentgesetze des Griechischen. Das ursprünglich enklitische лоτεoos „alteruter“ konnte kraft seiner Dreisilbigkeit überhaupt nicht anders betont werden als das interrogative лótεgos „uter?" Weiterhin weil die zweisilbigen Enklitika in gewissen Stellungen einen Akzent auf der zweiten Silbe haben, konnte dies dazu führen, sie überhaupt als Oxytona zu behandeln und sie etwa auch an den Anfang von Satz oder Vers zu stellen. Das älteste Beispiel ist wohl Euripides Or. 44 лotè dè deμvíæv äño aηda, wenn man Sophokles OR. 1084 f. οὐκ ἂν ἐξέλθοιμ ̓ ἔτι | ποτ ̓ ἄλλος in Anbetracht der Neigung des Dichters für Synaphie zwischen den Trimetern und weil лotè inmitten des Satzes steht, nicht als vollgültiges Beweisstück anerkennen will. Dazu Demosth. 36, 50 лor' εiyev άyoóv nach starker Interpunktion und rotè μév... Totè dé bei Plato u. a. unter sich ποτὲ μέν oder mit anderen verbunden, mit entschieden selbständigem Akzent. Ferner лotós und лoбós z. B. Plato Rep. 4, 438 E nach einem Vordersatz ποιὰ δή τις ξυνέβη καὶ αὐτὴ γενέσθαι. Soph. 263A ποιὸν δέ γέ τινά φαμεν ἀναγκαῖον ἕκαστον εἶναι τῶν λόγων. Phileb. 37 C ποιώ τινε δὲ οὐ γίγνεσθον, sowie Soph. 245D ποσόν τι γὰρ ov usw. **) Ebenso von Plato an die zweisilbigen Formen von

Einige der Beispiele verdanke ich Kühner-Blaß I 345, dessen Material allerdings ungleichartig ist.

**) Ebenfalls volltoniges лоιós, лобó̟s, nicht etwa das Fragewort roños, πόσος liegt den Abstrakten ποιότης, ποσότης zugrunde, wie außer aus der Bedeutung der Worte aus Plato Theaet. 182 A folgt, wo wir лolóτηs vor unser Augen entstehen sehen: ἐλέγομεν . τὸ μὲν πάσχον αἰσθητόν, ἀλλ ̓ οὐκ αἴσθησιν ἔτι γίγνεσθαι, τὸ δὲ ποιοῦν ποιόν τι, ἀλλ ̓ οὐ ποιότητα; ἴσως

[ocr errors]

a

τὶς, z. B. Theaet. 147 Β τινὸς γὰρ ἐπιστήμην ἀποκρίνεται. Nach solchem Vorbild und infolge des Begriffswertes der Indefinita (gemäß dem schon Plato τὸ τὶ sagt wie τὸ τινὲς und τὸ τινέ) werden drittens, anscheinend zuerst bei Aristoteles, auch die einsilbigen Enklitika gelegentlich ganz als Orthotona gebraucht. Tì τὶ z. B. Politik 3 p.128220 τὶ γὰρ καὶ τισὶ τὸ δίκαιον, πῶς „irgend3 wie“ z. B. in der Metaphysik p. 1030 23 ὑπάρχει ..... τὸ τί ἐστιν ἁπλῶς μὲν τῇ οὐσίᾳ, πῶς δὲ τοῖς ἄλλοις, πῇ id. z. B. 266* 4 nach einem Vordersatz, πῇ κινεῖσθαι, ἁπλῶς δὲ κινεῖσθαι οὔ φαμεν, und dem entspricht es nun, wenn im hellenistischen Griechisch [kaum schon Xenophon Anab. III 1, 12, wo vielmehr tỷ den Vorzug verdient] an Stelle des attischen tỷ μèv .. Tỷ dé „teils ... teils", „bald ... bald", das auch Aristoteles noch geläufig ist, лỹ μὲν лỷ để tritt, wohl zunächst nach dem Vorbild von лoτề μὲν ... ποτὲ δέ.

Können wir dem Latein eine ebensolche Entwicklung zutrauen? Sicher läßt sich solche beobachten nur bei quisque, das ursprünglich schlechterdings enklitisch war, dann allmählich die Fähigkeit zur Anfangstellung erwirbt. (Vgl. Skutsch, Jahrbb. Suppl. 27,88f.) Schon Plautus sagt (Amph. 241) quisque ut steterat iacet und aus Vergil A. 6, 743 quisque suos patimur manes folgert Norden, Aeneis Buch VI p. 304 denselben Gebrauch für Ennius. Offenbar war quisque durch seine Zusammensetzung gewichtig genug geworden, um etwa auch als Orthotonumenon zu gelten. Nur halb beweiskräftig sind Stellen, wo quisque oder ähnliche Zweisilbler am Vers-, aber nicht am Satzanfang stehen (so quisque Accius Ann. fr. 3, 5, Lucr. 2, 372. 5, 84, quisquam 5, 934), was besonders klar ist aus den Horazstellen, wo Formen von unusquisque mit Tmesis auf Schluß und Anfang aufeinanderfolgender Hexameter verteilt sind. Die lateinischen Hexameter, auch die des Lucrez, sind nicht notwendig durch Pause getrennt. Demgemäß darf auch aus Lucrez 5, 362 neque extra | qui locus est, quo dissiliant nicht geschlossen werden, daß qui und die anderen einsilbigen

[ocr errors]
[ocr errors]

οὖν ἡ ποιότης ἅμα ἀλλόκοτόν τε φαίνεται ὄνομα καὶ οὐ μανθάνεις ἀθρόον λεγόμενον, worauf dann das Verhältnis ποιόν: ποιότης mit θερμόν: θερμότης, λευκόν: λευκότης erläutert wird. Wenn Cicero ποιότης mit qualitas, andere nach ihm лoσórŋs mit quantitas wiedergaben, so ist damit allerdings das Interrogativum als Grundlage genommen. Aber eben notgedrungen. Und auch wenn Cicero wirklich noιóτηs aus лołos ableitet, so ist damit für Plato nichts bewiesen.

2

Formen des Indefinitums volltonig und der Anfangsstellung fähig gewesen seien. Wie ausschließlich quis nur angelehnt gebraucht wird, ist bekannt. Für seine Tonschwäche ist es bezeichnend, daß der Lateiner griechisch ris ti im Sinne von jemand etwas von Bedeutung" nur mit aliquis aliquid wiedergeben kann. Allerdings Petronius bietet c. 45 p. 30, 12 aut hoc aut illud erit, quid (die Handschrift quod) utique „entweder dies oder das wird es geben, etwas Ordentliches auf alle Fälle". Hier liegt nach der herrschenden Schreibung die kurze Form des Indefinitums in der prägnanten Bedeutung vor: man könnte damit etwa italienisch un chè und ähnliches bei Meyer-Lübke, Roman. Syntax 97 § 86 vergleichen. Immerhin ist quid nur Konjektur und außerdem kein Grund vorhanden, mit den Herausgebern hinter erit zu interpungieren; warum nicht erit quid utique mit normaler Wortfolge? In keinem Falle folgt aus dieser Stelle etwas für das alte Latein. Noch weniger aus französ. quiqui (oben S. 213, dessen Erklärung durch Meyer-Lübke 258 § 223 nicht überzeugt). Orthotonie von ursprünglich enklitischem qua wäre für die plautinische Zeit eine völlige Singularität.*

Übrigens wozu all das? Eine Belegstelle, und zwar gerade eine plautinische, schließt die Auffassung als Indefinitum von vorn herein aus: Asin. 96 qua me qua uxorem qua tu seruom Sauream potes circumduce. Sinn und syntaktischer Aufbau dieser Stelle sind völlig klar. Passend verweist Ussing auf Ovid Tr. I 9, 65 qua potes cxcusa nec amici desere causam III 7, 54 effuge venturos qua potes usque rogos. Ein auf jede mögliche Weise stattfindendes, ein möglichst allseitiges Tun wird angeraten, und zwar gegenüber drei Objekten, deren völlig gleiches Verhältnis zum Satzinhalt durch die asyndetische Wiederholung des qua angezeigt wird. Das Asyndeton hat denselben Wert wie das von si . . si z. B. in si deus si dea oder Pl. Rud. 1257 quidquid in illo uidulost, si aurum si argentumst, Capt. 114 sinite ambulare si foris si intus volent (vgl. Lindsay zu d. St.). Koordiniertes qua bietet z. B. Petronius c. 119 vs. 2 orbem iam totum victor Romanus habebat qua mare qua terrae qua sidus currit utrumque. Natürlich liegt eine Kürze des Ausdrucks vor. Aus den qua-Sätzen sind zu circum

*) qui als Einleitung von Wunschsätzen ist natürlich eigentlich interrogativ; vgl. utinam. Das zweimalige quid Lucilius vs. 700 ceterum quid sit, quid non sit, ferre aequo animo ac fortiter faßt Marx laut Index als Indefinitum. Warum nicht als Interrogativ?

duce die Objekte zuzudenken, aus circumduce der zu potes gehörige Infinitiv. Solche Kürze sind wir bei posse gewohnt.

Nun wird zwar diese Stelle gewöhnlich (z. B. auch bei Ussing) von den Sätzen mit kopulativem quaqua völlig getrennt gehalten. Aber wenn bereits Pareus sie mit diesen zusammennimmt, ist er im vollsten Recht. Die völlige Gleichwertigkeit beider Ausdrucksformen ist leicht zu erweisen. Man kann in der Asinaria das potes weglassen (qua me qua uxorem qua tu seruom Sauream circumduce) oder z. B. Miles 1113 ein potes einsetzen (qui consectare qua maris qua feminas potes), der Sinn bleibt da und dort genau derselbe. Wie es für quaqua potes spezifisch ist, erstens allseitige, zweitens gegenüber den Objekten gleichmäßige Geltung des Satzinhalts auszusagen, so auch für die gewöhnlichen qua-quaSätze. Die Allseitigkeit: Miles 1113, sowie Miles 1392 cum oderunt qua uiri qua mulieres ist umfassender als Most. 1047 eaque eduxi omnem legionem et maris et feminas, wo eben bloß die zur legio gehörigen mares und feminae gemeint sind. Man vergleiche auch Cicero ad Qu. fr. 3, 1, 5 omnia convestivit hedera, qua basim villae qua intercolumnia ambulationis; Cic. Att. 9, 12, 1 quam ... honesta..... tua consilia... qua itineris qua nauigationis qua congressus cum Caesare. omnia cum honesta tum cauta; Liv. 2, 45, 16 omnium illo die qua plebis qua patrum eximia virtus fuit; Fronto ad M. Aurel. I p. 24 N. me obsecro omnimode ames qua ioco qua serio. Und ebenso wird durch qua qua stetsfort für die dadurch verbundenen Glieder Gleichmäßigkeit ihres Anteils am Satzinhalt ausgesagt, besonders deutlich z. B. Cicero Att. 2, 19, 3 nam gladiatoribus qua dominus qua advocati sibilis conscissi; 15, 18, 2 te distentissimum esse qua de Buthrotiis qua de Bruto.

Wenn qua qua ohne potes mit quaqua potes völlig gleichwertig ist, andererseits quaqua unerklärlich, qua — qua potes eine normal geformte Wendung ist, so werden wir ersteres aus letzterem hervorgegangen sein lassen. Dazu stimmt erstens die Chronologie: quaqua potes ist so alt als irgend ein Beleg

[ocr errors]
[ocr errors]

von qua qua. Ferner dürfen wir ohne Anstand Ellipse von

potes oder einer anderen Form von posse (z. B. Pl. Trin. 1044 rapere properant qua sacrum qua publicum Ellipse von possunt) annehmen. Es liegt ganz derselbe Fall vor, wie bei quam mit dem Superlativ. In beiden Ausdrucksformen konnte das ursprünglich habituelle Verbum posse darum wegbleiben, weil qua so gut als quam in den betr. Verbindungen durch posse einen so

Archiv für lat. Lexikogr. XV. Heft 2.

15

« IndietroContinua »