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Aus dem Latein des Vergilerklärers Donat.

Der Donat, von welchem in den folgenden Zeilen die Rede sein soll, ist Tiberius Claudius Donatus, der Verfasser der unlängst von Georgii edierten Interpretationes Vergilianae, über welche man Arch. XV 253 nachsehen möge. Das bisher schwer erreichbare Werk ist von den Philologen für sprachliche Untersuchungen kaum benützt worden, nicht einmal wo es sich um die Latinität des fünften oder sechsten Jahrhunderts nach Chr. handelt; und doch darf es unter den Quellen der historischen Grammatik nicht fehlen, teils weil der Text jetzt kritisch gesichert ist, teils auch wegen des Umfanges des Kommentares, weil in den zwei starken Oktavbänden die meisten Ausdrücke so oft wiederkehren oder variiert werden, daß man leicht erkennt, was der Autor liebt oder meidet.

Auch die Person des Verf., ein Professor der Rhetorik, erregt unser Interesse. Da er seine Schrift für die Öffentlichkeit bestimmt hat (sie ist dem Sohne Donatianus gewidmet), so wollte er jedenfalls ein gutes Latein schreiben, und eine Absicht, nachlässig oder unklassisch zu schreiben lag unmöglich vor. kennt die Ausdrücke der Volkssprache, wendet sie aber nicht an: 164, 28 buda; 373, 7 caprea; 197, 15. Daß er alle Sorgfalt auf die sprachliche Form verwendet, zeigt beispielsweise der künstliche Chiasmus: 235, 11 quem amaverim semper semperque coluerim. 273, 3 effundi sanguinem simul simulque misceri. 271, 26 fidem militum fractam fractamque coniuguin. 433, 15 non proximum satis nec satis longum. 499, 2 cruciabatur animo animoque commovebatur. II 49, 3 factum est totum totumque frustratum. 275, 15 addunt plurima plurimaque confingunt. 580, 29 imperiosa satis aut satis iniuriosa. 611, 2 non timere omnis et ab omnibus timeri. Wie er es dem Vergil zum Lobe anrechnet, daß er ‘praecepta rhetoricae disciplinae non omisit (316, 23), so hat auch er selbst die Schönheiten der epischen Dichtung auf locus, tempus, persona, generalitas, specialitas, quantitas, qualitas, moralitas etc. zurückgeführt.

Darnach könnte man freilich schließen, wir könnten bei Donat nur das Fortleben der ciceronischen Phraseologie verfolgen, was sicher der uninteressanteste Teil der Lexikographie und Grammatik wäre, da wir umgekehrt zu lernen wünschen, was er von dem Spätlatein angenommen, was er abgelehnt, was er oft und was er selten gebraucht hat, wie er sich zu seinen Zeitgenossen und Vorgängern verhält, so daß alles in einen historischen Zusammenhang eingereiht wird. Dadurch unterscheidet sich unsere Betrachtung wesentlich von dem Index latinitatis Donatianae, welchen Georgii seiner Ausgabe beigegeben hat, da hier jede Vergleichung fehlt und fehlen muß, geschweige denn, daß, was für uns die Hauptsache ist, die Gründe der Neubildungen so wie die Gründe des Absterbens aufgesucht würden.

Wenn in dem ersten Aufsatze von dem Einflusse des Terenz, Cicero und Sallust die Rede gewesen ist, welche Donat oft zitiert, so darf dies nicht so verstanden werden, als ob Donat nur diese Autoren gelesen habe. Ob der umgestellte Halbvers gladiis res geritur II 339, 21 direkt aus Ennius übernommen sei, wollen wir nicht entscheiden; er klingt nochmals durch II 334, 5 res gladio gesta. Auf Sallust weist, wenn auch der Name nicht genannt ist II 340, 24 triumphos et glorias, wonach D. bei dem Historiker nicht tr. et laureas (gesprochen loreas) gelesen hat, da gloriae

gloriose facta im Spätlatein nicht selten ist, z. B. Don. 217, 26 glorias ostendentes; II 529, 18 glorias de Troianis factas templis ostendere. Unter allen Umständen aber hat D. die älteren Vergilinterpreten benützt, wie er selbst bezeugt: 7, 17 plerique arbitrantur. 9, 21 ut alii volunt 15, 17 hoc loco doctores falluntur. II 643, 10 legendi tibi veteres usw. Wenn man daher bei D. unerwartet viel Spätlateinisches findet, so braucht er dies nicht notwendig aus der Umgangssprache geschöpft, sondern er kann es auch aus der Literatur gezogen haben. Speziell der Juristensprache steht D. sehr nahe, was Wörter wie evidenter, competenter beweisen, und die Bemerkung über die Testamente 450, 31

Ein solches viele hundertmal gebrauchtes Lieblingswort des D. ist ecce, fast regelmäßig an den Satzanfang gestellt, wie es auch bei Vergil mit Vorliebe zu Anfang des Hexameters auftritt. Und doch ist D. sicher nicht durch Vergil auf diesen Gebrauch geführt worden, da die Partikel, wie D. 154, 17 bemerkt, bei dem Dichter 'aliquod malum repentinum significat’, was bei D. durchaus nicht der Fall ist. Vielmehr ist das Wort, wie schon in den Institutionen des Gaius, ein Kathederwort, welches auf etwas Wichtiges aufmerksam machen soll, dessen Bedeutung der Leser (Hörer) nicht nach Gebühr würdigen würde, etwa im Sinne von: man bemerke, daß. So oft vor Pronomina, wie ecce illud, ecce quantum, wodurch die Partikel romanische Formen wie celui (ecce illum), cela, parceque (per ecce quod) usw. vorbereitet hat.

Wir wollen nun an dem Beispiele der Komparation versuchen darzustellen, wie eine solche kurzgefaßte Donatgrammatik aussehen müßte.

Neben die alten Adverbialbildungen (Ablat. sing. femin.) ultra, intra, supra usw. haben sich bekanntlich im Laufe der Zeit die Formen ulterius, interius, superius usw. gestellt, ohne daß eine Unterscheidung lokaler und temporaler Bedeutung (ultra progredi, ulterius sperare oder umgekehrt) versucht worden wäre. Die längere Fornı ist wohl zuerst, schon in klassischer Zeit, mit superius eingedrungen, aber die ältere Formel ut supra dixi (scripsi), dictum est, hat sich fester und länger erhalten, während neuere Wendungen, wie ut ait, ut positum est, die jüngere Form zu sich nehmen. Nach dieser Analogie ist dann gebildet 15, 30 posterius dictas. Es ist nicht zu übersehen, daß die Bildungen wie ulterius Daktylen boten, an denen die lateinische Sprache arm war, und daß also der Gebrauch derselben bei Donat durch Vergil beeinflußt sein kann.

Die Doppelkomparation durch Suffix und Partikel hat damit begonnen, daß bei unregelmäßigen Formen wie melior oder peior keine Anknüpfung an bonus, malus vorlag, die Vorstellung des Komparativgrades also nicht genügend unterstützt war. Dadurch ist 410, 24 magis est melius entschuldigt, besser als magis cautior, securior, facilius etc. 194, 24. 527, 1. II 119, 23. 222, 10. 480, 10. Darnach verwendet D. zur Doppelkomparation magis, und nicht plus: denn die einzige Ausnahme II 495, 30 plus quam ceteras cariorem erklärt sich durch das vorausgehende alias multum (nicht valde) caras, was D., wie seine geschraubte Erklärung zeigt, nicht verstanden hat.

Das klassische clarissimus quisque hat das Spätlatein bekanntlich durch clarissimi quique, clarior quisque, clariores quique, clarus quisque, clari quique variiert. Dem D. ist diese Form

überhaupt nicht sympathisch, und wo er sie gebraucht (351, 27 praecipuos quosque), hat er mit Tacitus die Entschuldigung für sich, daß praecipuus keine Grade bildet und daß der Positiv den Wert eines Superlativ (Elativ) besitzt.

Die Vermischung der Komparationsgrade gedieh so weit, daß neben die Phrase longum est mit Infinitiv die zwei anderen traten: longius est und longissimum est, letzteres 417, 30 cetera complecti longissimum est. Weitere Proben geben: 128, 13 tam opulentissimus et benivolus pater. 255, 14 usque adeo plenissimum ut. 434, 24 usque adeo honestissimum. II 440, 1 tam infelicissimus quam.

Anhangsweise ist aber noch anzugeben, welche Adverbia der Steigerung dienen. Das von Cicero poussierte aber wenig beifällig aufgenommene valde ist auch dem Donat nicht sympathisch. 126, 8 alii dicunt rapidum pro valde rapidum intellegendum, hoc est satis velocem gehört valde der Latinität anderer Kommentatoren, satis dem Donat. An einer anderen Stelle II 545 wird valde mit fractos verbunden, also nicht mit einem Adjektiv, und II 437, 20 valde maxima pars kann doch keine Regel begründen. Vehementer aber wird nur mit Verben, vorzugsweise Partizipien verbunden (Ausnahme II 554, 5 gelida vehementer), so daß auch dieses nicht der gesuchte Ersatz sein kann.

Eher könnte dies das selten gebrauchte admodum sein (83, 9 defessi, id est fessi admodum), aber als Normalausdruck für „sehr“ muß uns ohne Zweifel das seit Plautus häufige satis gelten, welches wir schon oben neben velox im Sinne von valde rapidus gefunden haben. Daß es mehr bedeutet als „ziemlich, genügend“, beweist 501, 4 satis vehementerque desipiens. In Verbindung mit dem Positiv erhält es die Kraft des Superlativ: 235, 4 gravissimum et satis validum pondus; daher denn auch die Verbindung II 442, 11 satis aptissimus, neben II 522,30 satis aptus. Die Nachstellung ist nicht selten: gravia satis II 479, 30; commodum satis II 573, 3; saevum satis 195, 25. Häufigere Zusammen stellungen sind beispielsweise satis subtilis und satis laetus.

Darnach bedeutet adsatis (ital. assai, franz. assez) „sich dem satis nähernd“, mithin weniger als satis. Und das erinnert uns an das italienische appieno, völlig, welches nicht = adplene ist, sondern = ad plenom. Und diese Verbindung findet sich bei Donat sehr häufig: 4, 12 oppressus; 59,4 ridere; 101, 16 ad plenum aequari; 108, 5 purgare; 216, 6 obtinere; 287, 29 afflicto;

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338, 11 redire; 527, 3 obtinere; II 182, 14 fungi officio; 358, 15 superati; 417,5 congesta.

Und das führt weiter auf die Umschreibung der Adverbia durch Präposition und Kasus. Gleichbedeutend mit frustra finden wir von alter Zeit an in cassum, auch bei Donat ein dutzendmal, 211, 7. 314, 6. 363, 1. 382, 22. 446, 11. 453, 26 usw. nicht aber bei Donat in vanum, obschon dieses durch das französische envain vorausgesetzt wird; und ebenso läßt partout auf per totum schließen, welches freilich in der Literatur nicht so leicht mit Händen zu greifen ist, und noch weniger ein Adverb tote. Da nämlich dem griechischen das sowohl totus als omnis entsprechen, so ist die geläufigste Adverbialbildung omnino, woneben die Umschreibung per omnia im Spätlatein sich breit macht. Kräftige Ansätze macht Donat mit in totum: inermis 67, 21; inefficax 223, 18; prosper 295, 12; vacuus 348, 27; 401, 18; 523, 27. II 108, 6. 388, 16. 441, 10. 507, 32. Und sobald man so das Spätlatein in den Zusammenhang der Gesamtentwicklung der Sprache bringt, werden die toten Buchstaben reden. Dadurch bekommt die kritische Ausgabe von Georgii einen neuen Wert, da das schwer erreichbare Buch bisher wenig für sprachliche Untersuchungen benützt worden ist.

Doch wir sind bereits über die Grenzen unseres Probekapitels hinausgegangen. Andere würden geringere Abweichungen zeigen. So kommen die Konzessivpartikeln etsi, etiamsi, quamquam, quamvis, licet nebeneinander vor, wenn auch in sehr ungleicher Häufigkeit; ob neben propter nach Art der Klassiker, daneben merito mit Genetiv (z. B. 609, 24 felicitatis, 608, 16 virtutis), im Sinne des spätlateinischen beneficio mit Genetiv sehr oft. Statt quamobrem finden wir häufig quam ob causam, kein Pleonasmus, sondern ein Anzeichen, daß fres' untergeht und causa (= franz. chose) an dessen Stelle tritt. Auffallend ist im Gebrauch der Temporalsätze, daß D. simulac, simulatque, simul ganz aufgegeben hat, auch quom extemplo, cum, ubi, ut primum (Ausnahme 274, 9 ut primum): gewöhnlich, über 20 mal, sagt er mox ut, einmal 534, 24 statim ut. Doch ist mox ut nicht in ein Wort zusammengewachsen, wie die Trennung 95, 8 mox enim ut venit zeigt. Ausnahme ist das Plusquamperfekt II 543, 3 moxut reliquerat. Vgl. Arch. XIV. Das Auftauchen neuer Ausdrücke ist nicht nur,

was bisher zu wenig geschehen, sorgfältig zu beobachten, es sind auch, wenn

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