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Miscellen.

Ultuisse.

Zu Alcimus Avitus.

Eine interessante Form steckt bei Alcimus Avitus im kritischen Apparat verborgen. Er schreibt an den Bischof Apollinaris epist. 72 (p. 90, 7 Peiper) scribitis ergo indevotionem meam marinis vos copiis ultum isse. So liest man in der vortrefflichen Peiperschen Ausgabe. Der einzige erhaltene Codex (Lugdunensis s. XI) bietet folgendes: ultu isse, wobei die Trennungsstriche von alter Hand, aber nicht vom Schreiber selbst herrühren. In der andern Textesquelle, der Ausgabe Sirmonds, steht luisse, ganz sicher falsch, mag es nun

aus seiner Handschrift stammen, oder was hier wahrscheinlicher ist, vom Herausgeber herrühren. Jedenfalls bezeugt es aber auch den Ausgang des Wortes -uisse. Daß die Form ultuisse in den Text aufzunehmen ist, erscheint mir zweifellos. Sie bietet ein Analogon zum Infinitiv auf -uiri, der für das Spätlatein gesichert ist. Notwendig ist sie an unserer Stelle aus rhythmischen Gründen. Denn Alcimus Avitus, der abgesehen von einigen Entgleisungen den quantitierenden Satzschluß anwendet, duldet nicht die Zerteilung des Ditrochaeus in zwei Trochaeen, die überhaupt dessen Prinzip zuwider ist. Darum hat er nicht ultum isse, sondern ultuisse geschrieben.

Die Beobachtung der Klauseln ermöglicht überhaupt an vielen Stellen bei Alcimus Avitus die richtige Auswahl zu treffen unter den Differenzen im Lugdunensis und der von ihm unabhängigen Sirmondschen Ausgabe. Dabei zeigt es sich, daß Peiper in seinem Mißtrauen gegen Sirmond zu weit gegangen ist, daß L verderbter ist, als er annahm. Ich führe zum Beweise nur einige Beispiele an.

Zunächst erweist sich die Wortstellung der ed. princ. vielfach als echt, so epist. 17 (p. 49, 5) arbitror merito vos moveri (arbitror vos merito moveri L), epist. 54 (p. 83, 19) conferre se maluit (se conferre maluit L) epist. 70 (p. 89, 30) cuius dignitatis sit ipsa communio (c. d. ipsa communio sit L). Überall ist in L die gewählte Stellung in die schulmäßige verändert. Dasselbe gilt auch von epist. 55 p. 85, 2 nec multos me habere negabo; so L, die ed. princ. hat nec multos filios habere me negabo. Man wird filios in der Tat ungern entbehren, es ist offenbar aber nach habere zu stellen: nec multos habere filios me negabo, wodurch erst der Kolonschluß rhythmisch wird.

mus.

Von sonstigen Beispielen führe ich an: epist. 9 p. 43, 15 schreibt Peiper ecclesias.. mundus spectat, dem Sinne nach richtig (expetat LP: expectat ed. princ.), aber daß Avitus expectat schrieb, lehrt der Rhyth

Das gallische Latein scheidet ja spectare und expectare nicht, vgl. oben p. 273, wo ich mich auf diese Stelle hätte berufen sollen.

epist. 11 p. 45, 12 wird die Lesart der ed. princ. remedii arte succurrat, die ohnehin gewählter ist, durch den korrekten Satzschluß als echt erwiesen gegenüber der von L, der Peiper folgt: remedio artis succurrat.

Unrhythmisch ist L auch nisi vos a praeconio vestro maturitate senatoria temperatissimi pudores cohiberent, wo überdies der Plural pudores auffällig ist, nicht minder der Gebrauch von cohibere: allen diesen Bedenken hilft die Lesart der ed. princ. ab: pudoris fraena cohiberent. Vielleicht ist aber aus L1 temperantissimi aufzunehmen. Interessant ist die Stelle epist. 57 p. 86, 11 cum utique haec tria verba, id est fervere, egerimus aut indecores, nullus littcratorum corripi adserat, sed productas*) naturaliter paenultimis syllabis ab oratore ponenda, wo L fälschlich adhortetur statt ab oratore**) liest. ab oratore erweist sich abgesehen von der Klausel durch den folgenden Gegensatz licentia poetarum als echt. Zu Avitus' Zeit sprach man also egerimus, wie er ausdrücklich hier bezeugt Dazu stimmt sein eigner Gebrauch: epist. 9 p. 43, 4 pulvere miseritis. 11 p. 45, 29 appellatione non iusseritis. 24 p. 57, 3 ut dignis talia miseritis. 41 p. 69, 21 studio iusseritis u. a.

Lexikalisch ist wichtig, daß epist. 85 p. 95, 12 famulatus offertur mit S statt famulatio offertur zu schreiben ist, grammatisch, daß das Nebentempus statt des Haupttempus steht: epist. 79 p. 93, 23 ut.. animus cultum merae devotionis offerret (nicht offerat, wie L interpoliert), was in dem gallischen Latein jener Zeit nicht ohne Beispiel ist.

Straßburg i. Els

Alfred Klotz.

Noch einmal donec.

(Vgl. Archiv V 567 f. und XI 584 f.)

Den uns bekannten Formen donicum, donec-cum (nach Ausweis der codd. bei Plaut. Capt. 339, Scrib. Larg. 47, Hilarii instructio psalmorum § 3), doneque cum (Vitr. 9, 4, 11), donique, donec, dunc habe

(e)

*) ed. princ. inficias ierit productas: das weist auf asserit. Aber infici(as) ist frech interpoliert, corripi war offenbar ausgefallen, und das gibt uns das Recht adserat corripi zu stellen, da ja L in der Wortstellung nicht maßgebend ist, vielmehr oft die gewählte Wortstellung in die gewöhnliche verändert.

**) Die Korruptel erklärt sich leicht, wenn L auf insulare Überlieferung zurückgeht.

420

Aug. Zimmermann

R. Meister:

ut cum

ich A. L. L. V 567 f. die Formen quando, quan-doque bezw. quan-doc (cf. Fest. 346 (quando) in XII quidem cum e littera ultima scribitur idemque significat], quan-done *) an die Seite gestellt, weil sie mir passende Parallelen zu jenen zu bieten schienen. Eine Mischform zu quandone und quandoque (bezw. quandoc) würde quandonique (bezw. quandonec) lauten müssen. Glücklicherweise ist uns letztere Form erhalten. Im Jahre 1863 hat Raffael Garrucci in der Civiltà Cattolica (Serie V vol. VI p. 102 f.) nuove epigrafi di vigna Randanini (Romae prope circum Maxentii) herausgegeben. Davon lautet n. 6: Iulia Afrodisia Aur. Hermiati coniugi benemerenti fecit .. coniuge suo ponatur quam donec (Schluß). Wer sähe nicht, daß hier quam donec dieselbe Bedeutung („wann es auch immer sei“) hat, wie C. I. L. VI 29904 quandoque und 25905 quandone! Klingt doch auch der Satz der letzteren Inschrift „con qua reliquias meas quandone poni volo“ sehr an den der vigna Randanini an. Steckt aber in quando die adverbiale Partikel bezw. Präposition do, dann in quam donec (vgl. quam doque VI 29924) eine Weiterbildung aus jener adverb. Partikel bezw. Präposition do, nämlich donec. Nun entspricht dem oben erschlossenen quandonique im Italienischen sowohl was die Form als die Bedeutung anlangt quandunque. Es wird mir darum schwer mit Meyer-Lübke R. Gr. III 677 f. in dem Suffix von quandunque vgl. noch ital. dunque neben lat. donique

das lat. unquam ital. unqua zu sehen, so sehr auch die französischen Parallelformen dafür zu sprechen scheinen. Man hat wohl in quandunque mißverständlich unque (statt dunque) als Suffix angesehen und mit diesem Suffix nun weiter operierend chiunque, quantunque, qualunque, dovunque weiter gebildet. Ist aber in quan-done, quandonique bezw. quandonec „done bezw. donique bezw. donec“ nur als von do weitergebildete adverbiale Partikel bezw. Präposition anzusehen, dann doch auch ebenso in done-cum bezw. donique cum bezw. donec cum. Nach dem Wegfall des cum waren nun Konjunktion und adverbiale Partikel bezw. Präposition formell nicht mehr voneinander verschieden, gerade so wie bei uns nicht mehr „bis“ von „bis (dal)". Das Zwölftafelgesetz bietet uns, so scheint mir, noch ein Beispiel **) für die adverbielle Bedeutung von donec. Festus p. 348 heißt es: sarpiuntur vineae id est putantur, ut in XII „quandoque sarpta donec dempta erunt."

(i)

*) Als verallgemeinerndes Relativ steht quandone C. I. L. VI 2120, 25; in ähnlicher Bedeutung findet es sich bei Pais ad C. I. L. V n. 351, wo quandona für quandon(e ea); VI 25905 hat quandone die Bedeutung „wann es auch immer sei“; ein Indefinitum ist quandone C. I. L. VI 29910 (ne

quandone) und 22276 (si ..... quandone). Zu diesem indefiniten quandone ziehe ich auch ecquandone cf. Cic. fin. 5 § 63; Prop. 2, 8, 15; Vellej. Pat. 2, 14, 2 Denn da bei ecqui(8), -(d), ecquo nie die Fragepartikel ne steht, 80 ist diese Erklärung von ecquandone der vorzuziehen, wonach in ecquandone ec und ne als Fragepartikeln anzunehmen seien.

**) Italienisch dunque frz. donc hätten dann denselben Bedeutungsübergang durchgemacht, wie unser „dann“ in seiner Ablautsforin „denn“.

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(e)

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(i)

Quandoque --- donec würden, glaube ich, der Bedeutung nach hier etwa unserm

„Wann

dann *)“, lat. cum tum entsprechen. Demnach lasse ich auch heute noch die Partikel doni-que (donec) von der Präposition bezw. dem Adverbium do herstammen. Daß das do in quando den Zeitpunkt, da etwas geschieht, angibt, während es in doneque (donec) mehr auf die Zeitgrenze bis geht, hat seine Analogien auch in unserer Sprache; ich erinnere hier nur an Ausdrücke wie „von Tag zu Tag“ neben „zur Nachtzeit“. Von diesem do wurden dann weitergebildet (quandoque cf. deque, absque, susque und done in done(cum) bezw. (quam done cf. sene sine), prone, superne, pone.

Sollte die Weiterbildung done etwa auch in i-done-us vertreten sein? Eine Mischbildung aus den zwei Weiterbildungen stellt nun schließlich doneque (donec) dar – vgl. de, (quam)de, deque, denique und hierin nur weicht meine jetzige Auffassung von der früheren ab.

(i)

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München.

Aug. Zimmermann.

Zu Coripp. laud. Just. IV 354.

An der stark verderbten Stelle v. 347 ff. bietet die Ausgabe von Jos. Partsch (Mon. Germ. auct. antiq. III 2, Berlin 1879 nachstehende Textgestalt:

cognoscet amantes quos fidos habui, mihi qui nocuere nocentve,

ipsum etiam facto simili temptare parabunt, 350 ut pereant iustasque suo dent sanguine terras.

sed pietas Augusta malos castigat alumnos
consilii pietate sui. dum perdere non vult,
subiectum sibi quidquid erat, sic punit iniquas

carne veras animas, ut mortis poena *** 355 non maneat, breviusque luar

cruciantia corpus praeteritura pati satis est. aeterna tremiscant supplicia, inflictas timeant in saecula poenas. ultio commissum lenit scelus. illa profecto

paucorum multis prosunt exempla malorum 360 quorum post mortem nostrae monumenta perhorrent

et damnant leges. erit unius utilis multis
exitium cessantque doli, dum poena timetur.
legislatores statuit deus ipse per orbem.

*) Auch in den von Engländer A. L. L. VI 468 angezogenen Stellen aus Petronius (c. 40 u. 55) ist die Auffassung von donec als adverbialer Partikel angängig.

422

R. Meister

Hermann Jacobsohn:

Von dieser Textgestalt weicht Petschenig (Berl. Studien f. klass. Philologie IV 2, 1886) ab, indem er v. 348 statt nocentve (cod. Matrit. nocevit) necabit, v. 354 statt des korrupten carne veras der Überlieferung carne orbans konjiziert und die Lücke am Schlusse desselben Verses mit per omnes ausfüllt. Gegen diese Herstellung von 354 will sich die folgende Bemerkung wenden. Der sterbende Kaiser Justinian empfiehlt Justinus zu seinem Nachfolger: „als Freunde wird er erkennen, die ich als Getreue besessen. Und die mir feindselig waren, werden auch ihn durch gleiche Tat zu verfolgen streben“, aber nur um sich selbst zu vernichten. Dies letztere kann m. E. nur der Sinn von ut pereant ... sein. Als Beweis für diesen Gedankengang ergibt sich Just. I 60 f.: quisquis erit vestrae, per se cadet, invidus aulae afficietque viros legun. pius ensis iniquos. Schwierigkeiten hat jedoch die sprachliche Erklärung von v. 350 gemacht; Vonck wollte udasque (cod. M. iustasque) terras schreiben, Meursius und mit ihm Bekker (ed. Bonn 1836 p. 457) terras in poenas ändern. Doch scheint mir iustasque suo dent sanguine terras einen ganz guten Sinn zu geben, wenn man es etwa auffaßt: daß sie durch die Sühne ihres Blutes die Erde gerecht machten. Belege für den Gebrauch von dare in der Bedeutung und Konstruktion von reddere sind nicht selten, z. B.: Carm. de Sod. 156 bitumen se sponte levans adnabit inertis ad ora navigii pressumque dabit prae munere largo. Claud. carm. 8, 77 novitas audere priori suadebat, cautumque dabant exempla sequentem. Paul. Nol. carm. 23, 224 divina manus, quae te quoque dextra potentem sanifera virtute dedit qua daemonas atros excruciando domas. Coripp. Iust. 2, 318 nunc simul erectis nunc ardua membris dant capita. Somit wird man wohl die Überlieferung in v. 350 ungeändert lassen dürfen. Dagegen bedarf der lückenhafte Text von v. 351 ff. notwendig mancher Verbesserung. Der Gedankengang ist hier etwa folgender: „Aber die fromme Gesinnung des Kaisers züchtigt die mißratenen Untergebenen in guter Absicht.“ Der Sinn dieser bonitas consilii besteht in zweierlei: er gibt den Verbrechern die Möglichkeit ihre Tat teilweise zu sühnen (ultio commissum lenit scelus) und schreckt andere vor bösen Taten zurück (v. 358—362), endlich ist der Herrscher nur der Vollstrecker göttlichen Willens (v. 363). Bei der Herstellung von v. 354 sind die Herausgeber von zwei verschiedenen Deutungen ausgegangen; einige haben in carne verus ein Synonymum zu iniquas gesucht, so Ruiz (ed. Antwerpiae 1581), der carne feras oder carnivoras vorschlug, dem Dempster (bei Foggini p. 475) gefolgt ist. Andere haben hinter diesen Worten einen Hinweis auf die leibliche Todesstrafe gesucht, so Partsch, der carne necata vermutet, und Petschenig, der carne orbans in den Text setzt. Beide Änderungen stehen paliographisch der Überlieferung ziemlich fern. Dagegen bedeutet eine ganz unwesentliche Änderung des Textes ein Vorschlag Mommsens: carniferas animas, was soviel als 'dum in carne, in vita temporali sunt besagt. Dies stimmt auch recht wohl zu dem Zusammenhang. Der leibliche Tod soll durch seine Sühne hewirken, daß die Strafe im Jenseits nicht ewig sei, worauf das

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