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vorigen Jahrhundert auf die späteren Bearbeiter
seiner Schriften ausgeübt hat. Die Eigenthüm-
lichkeit des Schriftstellers konnte nämlich erneute
Studien in Anspruch nehmen, weil sie die Ursa-
che ist, dafs trotz den Bemühungen so vieler und
ausgezeichneter Philologen, die sich mit Sallust
beschäftigt haben, doch bei ihm mehr als bei den
meisten übrigen lateinischen Schriftstellern Über-
sehenes, Zweifelhaftes und unrichtig Erklärtes ge-
blieben war.
Denn bei seiner im Ganzen einfach
fortschreitenden Rede bietet doch dieser Schrift-
steller im Einzelnen viel Auffallendes und Räth-
selhaftes, und sehr richtig hat in dieser Hinsicht
neuerdings ein mit Sallust vertrauter Gelehrter be-
merkt*), man erkenne zwar gewöhnlich im All-
gemeinen leicht, was er sagen wolle, aber ein
genaueres Betrachten des Ausdrucks errege oft
Zweifel und decke Schwierigkeiten auf, und wie
bei manchen anderen Schriftstellern das Erfassen
des Sinns es gewöhnlich sei, was ihre Lektüre
an vielen Stellen erschwere, so liege bei Sallust
hingegen die Schwierigkeit besonders darin, nach-
zuweisen, wie der gefundene Sinn sich aus der
Bedeutung und Verbindung des Einzelnen er-
gebe.

Wenn demnach die Eigenthümlichkeit Sallust's von der Art ist, dafs gerade für sein Verständnifs das gründlichere Erkennen des Geistes der lateinischen Sprache, zu dem die Bestrebungen der neueren Zeit geführt haben, sehr fruchtbringend sein mufste, und darum neue Bearbeitungen seiner

* Lechner Obss. in nonnullos Sallustii p. 1.

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Schriften wünschenswerth machte, so trat diefs Bedürfnifs um so mehr hervor, wenn man den Einflufs, den eine Ausgabe beinahe ein Jahrhundert hindurch auf die folgenden hatte, in's Auge fafste. Denn seit Kortte, ausgestattet mit seltener Gelehrsamkeit und grofsen Hülfsmitteln zur Begründung einer neuen Textesrecension, seinen Fleifs diesem Geschichtschreiber zugewendet hatte, waren trotz der falschen, jetzt hinreichend gewürdigten Ansicht, von welcher seine Kritik ausging, die meisten Späteren bis auf unsere Zeit ihm unbedingt gefolgt oder hatten sich nur unbedeutende Abweichungen von ihm erlaubt. Auch kann diefs nicht befremden, wenn man den Reichthum von Kenntnissen erwägt, durch den seine Ausgabe bestechen konnte, und bedenken will, wie vortheilhaft dieselbe durch sorgfältige Erforschung des Sprachgebrauchs, durch Vermeidung unpassender Abschweifungen, durch glückliche Erläuterung vieler mifsverstandenen Stellen vor dem Wuste sich auszeichnet, mit dem viele frühere Herausgeber die Schriften Sallust's überschüttet hatten. So bewirkten die grofsen Vorzüge, welche sein Werk besonders für die Zeit hatte, in der es erschien, dafs die Mängel desselben übersehen, nur unvollständig erkannt oder wohl gar als verdienstliche Fortschritte angepriesen wurden. Es war daher sehr löblich, dafs Lange in seiner Ausgabe den Haverkampischen Text zu Grund legte und dadurch den ersten Schritt that, die irrigen Ansichten über Sallust's Schreibart, welche durch Kortte Eingang gefunden und sich so lange erhalten hatten, wieder zu verdrängen. Was er

C. SALLUSTI CRISPI

OPERA

Campescher Druck.

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