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bei Verg. Georg. 4, 335 vellera hyali saturo fucata colore; Plin. N. H. 37, 170 rarum ut (ion) saturo colore luceat; Sen. Thyest. 956 vestes Tyrio saturae ostro; so auch das Substantiv bei Plin. N. H. 9, 138 ille pallor saturitate fraudata und vom Partizip findet sich das. 21, 46 auch die Komparativform (color) saturatior. Die Verknüpfung von satur mit lascivia und tristitia ist allerdings kühner als etwa Cic. Div. 1, 61 (mens) erecta saturataque bonarum cogitationum epulis, Flacc. 17 omni largitione saturati, Planc. 20 in hominibus iam saturatis honoribus, Re publ. VI 2 gravitatis suae liquit illum tristem et plenum dignitatis sonum u. ä. Vielleicht gab die griechische Schrift, die Fronto für diese Stelle eingesehen haben mag, hierfür wie für die Übertragung von lepturga und chirurga den nächsten Anstoß.

Gegen das dem verfügbaren Raume und den Zügen des Palimpsests allenfalls auch Genüge leistende sallita scheinen mir sprachliche Bedenken zu bestehen*); übrigens empfiehlt schon der Sinn die Verbindung nicht.

Daß an unserer Stelle auf eine Reihe einfacher substantivierter Adjektive die Konstruktion mit Abl. folgt, entspricht nur der auch sonst und gerade im Vorhergehenden und Nachfolgenden von Fronto beobachteten Variatio; denn die Reihe von Adjektiv

*) Sallita findet sich seit Cato bis in die späteste Zeit (vgl. Vulg. Ez. 16, 4 sale sallitus) in der Grundbedeutung,,eingesalzen" nicht eben selten. Ob aber auch neben dem in übertragener Bedeutung klassisch gebräuchlichen salsus im Sinne von ,,gesalzen, beißend, scharf"? Bei Novius Com. 117 (Si) salliturus istaec est, mittam salem wird es wörtlich zu verstehen sein. Cornelius Severus, der Dichter des Epos bellum Siculum, könnte allerdings mit seinem Fragmente bei Diomedes p. 375, 22 distractos atque sallitos, das J. Bekker (Zeitschr. f. Altertumwiss. 1848, S. 594 ff.) mit den Worten bei Priscian 10, 57: Cornelius Severus in VIII de statu suo: ad quem salliti pumiliones afferebantur scharfsinnig in der Weise zu vereinigen suchte, daß er Cornelius Severus in VIII: distractos atque sallitos pumiliones aspernabantur schrieb, nicht zerstückte, gesalzene Zwerghühner, sondern vom Völklein der acuti et dicaces Siculi stammende mißgestaltete Zwerge gemeint haben, die sich produzierten, wie auch sonst noch Bruchstücke desselben zitiert werden, die sich auf Theatralisches beziehen, so tragica syrma und flavo praetexerat ora galero; doch bleibt der Bezug sehr fraglich. Auch die bekannt frühe Übertragung von sal und Verwandtem auf Geistiges (Plaut. Stich. 92: Quia ita meae animae salsura evenit, Rud. 517: Qui te ex insulso salsum feci opera mea u. a.) und die weit häufigere von condire (z. B. Lucil. 1123 Mx, Cic. Att. 12, 40, 3, De or. 2, 227) könnte die Verbindung lascivia (tristitiā) sallita hier nicht rechtfertigen.

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Edmund Hauler: Lepturgus, chirurgus u. ä. bei Fronto.

formen wird durch ludicra aut.. deum simulacra eingeleitet und nach unserer Stelle werden die zur Charakterisierung von römischen Historikern verwendeten Adverbia structe, incondite, lepide, invenuste, longinque durch das Glied verbis Cato multiiugis, Coelius singulis abgeschlossen, auch hier mit Traiectio, an unserer Stelle überdies noch durch Chiasmus hervorgehoben.

Die Fassung des ganzen Satzes ist daher nach meinen obigen Ausführungen und denen in den Mitteil. d. deutschen arch. Inst., röm. Abt. a. O. folgende: Quid? si quis postularet, ut Phidias ludicra aut Canachus deum simulacra fingeret aut Calamis lepturga[ta] aut [ut] Polycletus c<h>irurga (m.2: Etrusca)? Quid? si Parrhasium versicolora pingere iuberet aut Apellen unicolora aut Nealcen magnifica aut Protogenen minuta aut Nician obscura aut Dionysium inlustria aut lascivia Euphranorem aut Pausiam tristitia (m.2: saevitia) sa<tura)?

Findet der hochverehrte Altmeister, daß damit die Wahrheit wenigstens zum Teil gefördert worden ist, so wäre ich für die Zeit und Mühe, die ich auf die Lesung und Behandlung dieser durch ihre Lückenhaftigkeit, Rasuren und Korrekturen besonders schwierigen Stelle verwendet habe, reichlich belohnt; wenn nicht, so hilft gewiß sein glänzender Scharfsinn und sein feines Sprachgefühl weiter.

Wien.

Edmund Hauler.

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Mania und Lares.

Nonius überliefert uns an zwei Stellen, p. 538 und 542, dieselben Verse aus Varros Satire Sesculixes (Bücheler 463): suspendit Laribus marinas mollis pilas, reticula ac strophia. An beiden Stellen gibt er das unmögliche marinas, das Meursius in manias verbessert hat. Diese Konjektur hat fast allgemeinen Beifall gefunden.*) Die hohe Bedeutung der varronischen Verse liegt darin, daß sie uns ein Bild aus dem lebendigen Larenkult geben, ohne gelehrte Deutungen und Kombinationen. So haben denn auch alle, die diesem ihre Aufmerksamkeit zuwandten, in ihnen eine wertvolle Begründung bezw. Bestätigung ihrer Theorien gefunden. Die Frage ist zunächst: Wer hängt die Gegenstände auf, und was ist das, was aufgehängt wird? Nach Paul. Fest. p. 121 und 239 werden den Lares pilae et effigies viriles et muliebres ex lana an den Compitalia am compitum aufgehängt, und durch Macrob. sat. 1, 7, 35, wo vom Aufhängen von effigies für die dea Mania mater Larum erzählt ist, wird es sehr wahrscheinlich, daß die aufgehängten Puppen maniae hießen. Das legt in der Tat nahe genug, auch bei Varro maniae zu lesen, wie seit Meursius geschieht.

Wäre uns auch nichts von antiker Spekulation über diesen Punkt erhalten, so dürften wir doch getrost glauben, daß die römischen Antiquare im Aufhängen jener Puppen die Ablösung ehemaliger Menschenopfer gesehen hätten. Wirklich ist es auch so gewesen, wie die angeführten Stellen bei Paul. Fest. und Macrob bezeugen. Die Neueren sind in der Annahme solcher Substitutionsopfer nur allzu gelehrige Schüler der Alten gewesen und haben sich natürlich auch in unserem Fall ihnen angeschlossen. Nach ihrem Vorgange hielt man die Lares für die Seelen der verstorbenen, die man am Feste durch stellvertretende Opfer, nämlich das Aufhängen eben jener Puppen, begütigen müsse. Mit

*) Lindsay vermutet in seiner Ausgabe amarinas (für Amerinas). Archiv für lat. Lexikogr. XV. Heft 1

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wie wenig Kritik diese Meinung festgehalten worden war, haben Wissowas Darstellungen im Artikel Lares in Roschers Lexikon und in dem betreffenden Kapitel seines Buches Religion und Kultus der Römer schlagend erwiesen. Nach ihm besteht nicht der leiseste Grund, die Lares in den Kreis der Unterirdischen einzureihen.

Kürzlich fand jedoch die alte Anschauung einen hartnäckigen Verfechter in E. Samter, der seinem Buche über die Familienfeste der Griechen und Römer ein eigenes, gegen Wissowas Ausführungen gerichtetes Kapitel über den Larenkult anschloß, worin er den Glauben, die Laren seien die Seelen der verstorbenen Vorfahren, neu zu begründen und durch allerlei Parallelen aus anderen Religionen zu befestigen suchte. Das veranlaßte wiederum Wissowa, sich noch schärfer zu fassen, und alles von Samter zugunsten der Seelentheorie Vorgebrachte nach sorgfältiger Prüfung für völlig beweislos zu erklären (Archiv für Religionswissenschaft VII S. 42 ff: Die Anfänge des römischen Larenkultes). Ich glaube, daß diese Kritik in fast sämtlichen Punkten zu Recht besteht. Wir müssen die antiken Zeugnisse viel schärfer ansehen, als es Samter tut, wenn er, was Wissowa ungerügt läßt, in den Worten des Plinius nat. hist. 28, 27 den bekannten verbreiteten Glauben wiederzufinden glaubt, daß die bei der Mahlzeit zur Erde gefallenen Brocken den „,armen Seelen" gehören. Plinius spricht unmißverständlich nur von der schlimmen Vorbedeutung, die ein zu Boden fallender Bissen hervorbringe; deren piatio sei das Verbrennen des Bissens im Herdfeuer (ad Larem) ein von dem erwähnten völlig verschiedener Gedanke.

Trotzdem scheint es mir nicht unnütz, auf einige Punkte hinzuweisen, die bisher zu wenig Beachtung gefunden haben, und durch die Wissowas Schlüsse doch etwas von ihrer zwingenden Beweiskraft verlieren könnten.

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Eine wichtige Rolle in seinem zuletzt erwähnten Aufsatze spielen die eingangserwähnten Verse Varros (S. 54). Was schon früher von anderen vermutet worden ist, gilt ihm für evident: es handle sich um ein Mädchen, das beim Austritt aus dem Kindesalter den Laren ihr Spielzeug, Puppen (manias) und Bälle, sowie Teile ihrer Kinderkleidung (reticula ac strophia) aufhänge, wie die Knaben ihre bullae zu weihen pflegten. Gegen diese gewiß bestechende Erklärung scheint mir aber doch manches zu sprechen. Ein strophium kann nicht zur Kinderkleidung gehört

haben, die Notwendigkeit, es zu tragen, tritt erst ein, wenn die Periode der Kindheit vorüber ist. Eben wegen des Wortes strophium führt Nonius Varros Verse an, nachdem er die drastische Erklärung vorausgeschickt: strophium est fascea brevis, quae virginalem horrorem cohibet papillarum (p. 538). Das Mädchen in dem Epigramm der Anthol. Palat. 6, 280, das offenbar direkt beim Austritt aus dem Kindesalter heiratet, weiht der Artemis zwar ihre Puppen, den Ball und anderes Kinderspielzeug, zusammen mit dem Haarnetz und der Kinderkleidung, aber kein Busenband. Es muß aber noch ein viel wichtigeres Bedenken erhoben werden. Sind denn maniae Puppen, mit denen die Kinder spielen? Der Scholiasta Cruq. zu Horaz sat. 1, 5, 69, den Wissowa im Arch. für Religionswiss. VII, S. 54, 2 anführt, sowie Persius 2, 70 mit den Scholien sprechen von pupae, wie zu erwarten. Maniae dagegen sind, wie wir durch Aelius Stilo (Fest. p. 129) und Sinnius Capito (Fest. p. 145) wissen, fratzenhafte Schreckgestalten, zuweilen in Teig nachgebildet, mit denen die Ammen den Kindern zu drohen pflegten (vgl. noch Schol. zu Persius 6, 56). Zum Schimpfwort wurde mania ähnlich wie larua. In Aricia scheint man aus einem Lappen eine Puppe hergestellt zu haben, die mania genannt wurde (so nach dem Vorschlag von Otto, Sprichwörter unter Multi Mani Ariciae bei Fest. p. 145 zu lesen). Wie sollte sich eine solche Gestalt zum Kinderspielzeug eignen? Kinderpuppen sind also sicherlich in dem varronischen Verse nicht gemeint Aber auch abgesehen davon wäre es doch kaum verständlich, wie den römischen Erklärern, die sich bemühten, den Sinn und Ursprung des Aufhängens der Puppen und Bälle an den Compitalia zu eruieren, so völlig hatte entgehen können, daß die Aufhängenden nur Kinder waren, und, was sie auf hingen, nichts anderes als Kinderspielzeug.

Ganz anders der Gedankengang von Wissowa (Roschers Lexikon s. v. Mania). Nach ihm ist mania der Name für eine Kinderpuppe, die den Laren am Ende der Kinderzeit aufgehängt worden. ist. Das Wort mania sei,,dann" zur Bezeichnung eines Popanzes geworden, und maniae im Volksglauben an die Seite der laruae als Gespenster und Spukgestalten getreten; und so sei man schließlich zu der Mania in der Einzahl, als einer selbständigen Göttin gekommen. Das heißt denn doch den Sachverhalt gewalttätig umkehren. Daß je eine Kinderpuppe mania genannt worden, ist nirgends bezeugt; wo vom Aufhängen solcher die Rede ist, heißen

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