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JUL 30 1906

CAMER

MASS.

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Conant Fund

SENEX IVVENIS.

SENI IVVENI BONNENSI SAL.

Dem Wort senex is stehen in den andern idg. Sprachen folgende etymologisch zugehörige Formen mit der Bedeutung „alt“ gegenüber: ai. sána av. hana-, armen. hin (o-Stamm, Gen. hnoy), gr. ëvoç (ëvy zaì véa), urkelt. *seno- in gall. Seno-gnatus Seno-condus ir. sen bret. hen, lit. sẽnas. Hiernach hat jedenfalls

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seno-s "alt" als uridg. zu gelten, und unmittelbar auf dieses sind aus dem Lateinischen beziehbar der Komparativ senior, dem die Formen ai. sanyas- sániyas- ir. siniu lit. senesnis (aus *sen-ies-n-) als alte Komparative zu seno-s entsprechen, und seneo senesco. Daß von allem Anfang an *seno- und *sen- nebeneinander gestanden haben und dieses Wurzelnomen *sen- sich einzig in lat. sen-is sen-e etc. behauptet habe, ist sehr unwahrscheinlich. Man hat zuzusehen, ob sich sen- als Fortsetzung des uridg. *seno- begreifen läßt. Das Paradigma senex -is etc. aber zeigt zwei Stammesgestaltungen gepaart, wie sie bei keinem andern Nomen der lateinischen Sprache verbunden vorkommen. So ist man nicht nur vor die Frage gestellt, wie die Römer dazu kamen, die ursprüngliche o-Flexion von *seno-s zu verlassen im Gegensatz zu den zahlreichen Wörtern wie novos, cavos, caecus, longus, plēnus, die ihr immer treu geblieben sind, sondern auch vor die Frage, was denn gerade diese beiden Stämme sen- und senec- sich in demselben Paradigma hat zusammenfinden und sich innerhalb des Paradigmas so und nicht anders hat verteilen lassen.

Fassen wir zunächst die casus obliqui ins Auge. Lindsay, Die lat. Spr. 406 meint sen- statt des zu erwartenden *s senodamit erklären zu können, daß *seno- den bei den Adjektiva so häufigen Übergang zur i-Deklination mitgemacht habe. Er scheint demnach zu glauben, *senos sei als Adjektivum zunächst zu *senis geworden, und bei substantivischer Verwendung seien alsdann die Formen sene, senum entsprungen. Aber erstlich ist die

Archiv für lat. Lexikogr XV. Heft 1.

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Zwischenstufe eines adjektivischen senis nach Art von turpis, dulcis etc. völlig hypothetisch; nichts hiervon ist überliefert. Zweitens müßte gezeigt werden, wieso denn *senos, das nach Ausweis von ai. sána-s, Fem. sánä, gr. êvos ëvn, lit. sēnas, Fem. senà von uridg. Zeit her als Femininum *senā gehabt haben muß, also der Kategorie novos nova angehörte, zum i-Stamm hat werden. können. Der Eintritt der Adjektiva in die i-Deklination hat wie hier nicht näher ausgeführt werden kann und wohl auch nicht ausgeführt zu werden braucht nur unter ganz bestimmten Bedingungen stattgefunden und unter Bedingungen, die auf ein als Fortsetzung von uridg. *seno-s dem Uritalischen oder dem Urlateinischen zuzuschreibendes *senos nicht zutreffen. Es ist somit nicht glaubhaft, daß zwischen *seno- und sen- je ein *senigelegen habe. Und drittens wäre, soviel ich sehe, auf dem von Lindsay beschrittenen Wege zu einer irgend befriedigenden Erklärung der Einnistung der Nominativform senex ins Paradigma unseres Wortes nicht zu gelangen.

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Des Rätsels Lösung ist nach meinem Dafürhalten gegeben durch das, was W. Deecke, Erläut. zur lat. Schulgramm. (1893), S. 37 sagt: „Der Stamm *seno- hat sich an inven- assimiliert." Diese Deutung scheint bisher völlig ungewürdigt geblieben zu sein, und ich möchte ihr nunmehr durch nähere Begründung zur Anerkennung verhelfen. Übrigens bin ich unabhängig von Deecke zu der im Folgenden entwickelten Auffassung gekommen und stieß auf jene Worte erst, als sich meine Ansicht über die Geschichte des Wortes in allen Einzelheiten schon befestigt hatte.

Senex und iuvenis vereinigen bekanntlich substantivische und adjektivische Geltung ganz in derselben Weise. Nach Ausweis von ai. yuvan- ist diese Doppelnatur bei iuvenis aus der Zeit der idg. Urgemeinschaft mitgebracht. *seno-s aber war von dieser Zeit her zunächst nur adjektivisch, wie novos, longus etc. Ist nun der Übergang von *seno- zu sen- der Einwirkung seines Oppositums zuzuschreiben, so hat inven- unzweifelhaft zugleich den substantivischen Gebrauch dem sen- zugeführt. Daß dieser nicht erst durch die Einfügung der Nominativform senex ins Kasussystem aufgekommen ist, wird sich unten zeigen.

Eine flexivische Übereinstimmung zwischen den beiden Wörtern war schon von voritalischer Zeit her zunächst im Gen. Pl. vorhanden. Denn in senum den alten Gen. Pl. von sehen, hindert nichts. Weiter glichen einander von älterer Zeit

seno-s zu

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her in der formantischen Konstitution senior ai. súnyas- etc. (S. 1) und iunior, wie auch das Paar senesco und iuvenesco schon existiert haben mag, ehe *seno-s die o-Deklination verließ. An senum : iuvenum schlossen sich also zunächst die Formen senēs, senibus nach dem Muster von iuvenes, iuvenibus an, und sen- griff alsdann auch im Singular Platz. Der Gen. Plur. war in ähnlicher Weise Ausgangspunkt für Neuschöpfung anderer Kasusformen bei prīmōrēs, das durch Mischung von primi und priores entsprang: denn die Reimung primorum: priorum war es, die die Formen primōrēs, primoribus erzeugte (Sommer IF. 11, 64 ff.).*)

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Man wird es nun vielleicht nicht gerade wahrscheinlich finden, daß iuven- diesen Einfluß auf die Flexion von seno- geübt habe, weil doch die den beiden Wörtern eigne Silbe -en- in iuren- die zweite und daher schwachtonige Wortsilbe war, in seno- aber die erste und daher haupttonige Wortsilbe. Eine genaue Parallele zu dieser Art flexivischer Neubildung weiß ich aus dem Lateinischen nicht beizubringen. **) Aber es bedarf auch

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Prellwitz' Erklärung von primōr- als Zusammensetzung von primus und ōs (BB. 26, 46 ff.) ist unhaltbar. Höchstens wäre zuzugeben, daß die Römer, nachdem primōr- nach dem Muster von prior- geschaffen war, bei Wendungen wie versatur mihi in labris primoribus (Plaut.), labris primoribus attingere (Cic.) infolge der lautlichen Ähnlichkeit und bei der durch den Begriffsinhalt gegebenen Berührung das Wort ōs heraushörten, ähnlich wie sie aurum gesucht haben in thesaurus (daher tensaurus), colere in umbrāticolus, servilicolus (Skutsch, Jahrb. f. klass. Phil. Suppl. 27, 102 f.), wir Deutsche mund suchen in leumund, öde in einöde, rat in zierat mhd. zierōt (daher die Schreibung zierrat, die Inder die Wortsippe úcyati „er ist gewohnt" kas „Wohnstätte" usw. gesucht haben in dem von jala,,Wasser" abgeleiteten jaluka- „Blutegel" (daher die Umbildung dieses Wortes zu jalaukas- d. i. „Wasserbewohner") u. dgl. mehr.

**) Aus dem Griechischen wäre, wie es auf den ersten Blick scheint, vergleichbar σκῶρ σκατ-ός „Kot, Mist“. σκῶρ, σκωρία ist nebst lat. muscerda excrementum, aisl. skarn „Mist“, ai. apa-skara-s ava-skara-s „Exkremente" káriṣa-m „Auswurf, Dünger" zu der Wurzel sker- „scheiden, trennen, sondern" (in ir. scaraim ahd. seeran lit. skiriù lat. cerno gr. noivo etc.) zu stellen. ox war dehnstufiges Wurzelnomen. Die Flexion oxat-ós -í ist ihm durch Anschluß an den altererbten Flexionstypus dog -aros (vgl. umbr. utur Neutr. aquam' aus *udor, Abl. une aus udn-e) entsprungen; die Endbetonung oct-ós -í war ebenso wie die von zoat-ós (hom. zoάatos), ot-óg (hom, ovatos), raid-ós u. dgl. durch die Einsilbigkeit der Nominativform hervorgerufen. Wie sollte aber das seinem Sinne nach nicht sonderlich nahe liegende doo denn in der historischen Zeit des Griechischen war dieses Neutrum das einzige seiner Art so auf oxo herübergewirkt

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keiner solchen Parallele. Man muß nämlich bedenken, daß die Stammgestalt iuren- ursprünglich nicht unverändert durch alle Kasus durchgegangen war. Daß das Wort von uridg. Zeit her Stammabstufung hatte, wird nicht nur durch das Altindische bewiesen, wo der Nom. Sing. yúvā, der Akk. Sing. yúvān-am, der Gen. Sing. yun-as, der Dat. Abl. Plur. yúva-bhyas (yuva- uridg. *iuun) lautet, sondern auch durch das Lateinische selbst insofern, als hier die alte schwache Stammform in den Ableitungen iunix ai. yun-i (vgl. datrix, genetrix ai. dātri, jánitrī neben dator, genitor) und iunior sich behauptet hat.*) Da nun das Lateinische

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haben? Ich wage die Vermutung, daß es in der vorgeschichtlichen Gräzität ein *κόπως -ατος „Mist“ gegeben hat, und daß die Flexion σκῶρ σκατός auf dessen Rechnung kommt. Nämlich wie ὕδρος zu ὕδωρ -ατος umbr. utur une steht (vgl. auch oog opά aksl. jara zu av. yār3, quέo̟ā zu uco u. a. bei Verf. Grundr. 2 § 256), so verhält sich zóлoos zu ai. šákṛt, Gen. šakn-ás, „Kot, Mist", und dies ai. Wort in ein gr. *zóлwę -αvog umzusetzen, ist keine allzu große Kühnheit, wenn man freilich auch ebensogut ein *κόπαρ -ατος, nach Art von ἧπαρ -ατος u. a., erwarten könnte. Sollte nun wirklich das -og von σxão (neben Gen. *oxog-ós etc.) mit dem die zweite Wortsilbe bildenden -∞ von *xóлw, dwg so parallelisiert worden sein, daß man nach *κόπατος, ὕδατος ein σκατός schaffen konnte? Ich denke, ja; nur müssen wir annehmen, daß sich die neue Flexion von бzwę zuerst nur in Komposita mit ozoo als Schlußglied, die uns nicht überliefert sind, wie *uvozog „Mäusekot“ (vgl. μvóczatov und lat. muscerda), *vonog „,Schweinekot" (vgl. lat. sucerda), eingestellt und das Simplex sich hinterher den Komposita angeschlossen hat. Ist das richtig, so würde ozão -αróg zur Entstehung von sen- nach dem zweisilbigen iuven- insofern keine Parallele hergeben, als Komposita mit senex als Hinterglied keine Rolle gespielt haben (von persenex und trisaeclisenex ist natürlich abzusehen).

*) Daß iunior aus *iuuen-ios durch Synkope der zweiten Silbe entstanden sei (Sommer IF. 11, 76 f.), ist nicht zu beweisen. Den uridg. Komparativ zu * iuuen-, welcher in ai. yaviyas- (Superl. yávistha-s) und in ir. oa kymr. ieu bewahrt ist, haben die Römer im Einklang mit dem sonst bei ihnen beliebten Verfahren (z. B. serior, zu se-ru-s, ist eingetreten für eine Form ohne -ro-, die im ir. Kompar. sia vorliegt, srāvior zu svāvis [= *suādu-i-s] für *svudior gr. ðíov, etc.) durch eine Neubildung vom Positiv aus ersetzt. Wenn nun auch bei der uridg. Komparativ formation, die bekanntlich primären Charakter hatte, die Wurzelsilbe vollstufig gewesen ist, wie z. B. in ion. xoέ66ov gegen zoατús xoατɛpós (*kret- gegen *krt-), ai. mrádiyas- gegen mrdú-, so folgt hieraus durchaus nicht, daß bei den viel jüngeren komparativischen Neubildungen, die Sekundärbildungen waren, und die sich auf Grund einer stammabstufenden Positivform mit irgendwelchem Nominalformans hinter der Wurzel vollzogen haben, gerade die starke Stammgestalt des Positivs zugrunde gelegt wor

uridg. Ablautdifferenzen im Kasusparadigma in anderen Fällen sogar bis in die geschichtliche Zeit hinein aufrecht erhalten hat, z. B. genus gener-is, ovi-s oves = *oue[i]-es, metus metus alat. *metous, homin-em hemōn-em (-ōn- ursprünglich nur in den starken Kasus), so brauchen wir die Annahme nicht zu scheuen, daß in der Zeit, als man von *seno- zu sen- überging, im Kasussystem von iuvenis auch noch Formen mit iun-, wie Gen. Sing. *iun-es Gen. Plur. * jūn-om, gegolten haben. Es dürfte demgemäß hauptsächlich die einsilbige schwache Stammformun- gewesen sein, welche *seno- zur konsonantischen Deklination herüberzog, und zwar hat, nach dem oben Gesagten, den nächsten Anlaß zu dieser Flexionsänderung die formantische Ähnlichkeit des Gen. Plur., *senom: *iūnom, geboten.

Nun zum Nom. Sing. senex. Diese Form ist nebst senecio, senecta, senectus mit ai. sanaká-s „alt, bejahrt", gall. Seneca Senicco zu verbinden. Mit dem k-Formans war hier, wie in ähnlichen Fällen, ursprünglich artliche Zugehörigkeit zu dem, was das zugrunde liegende Nomen aussagt, bezeichnet, sodaß uridg. *senok*senoko- von Haus aus etwa „was von alter Art ist" besagte. Dasselbe Formans in derselben Verwendung erscheint seit uridg. Zeit bei dem Gegenteilwort iuuen-, von dem abgeleitet war *iuun-kó- lat. iuvencus umbr. iuengar iuvencae', kymr. ieuane ir. ōac öc, got. juggs urgerm. *iuuunga-z, ai. yuvašá-s yuvaka-s. Der Stamm senec- aber war in altlateinischer Zeit noch nicht ganz auf jenen éinen Kasus beschränkt. Es gab damals sporadisch auch noch den Gen. senic-is senec-is und andere Kasus*); die Belege s. bei Neue 1 S. 188, Georges, Lex. d. lat. Wortf. 630.

Wenn man nun für senex seni-s auf die anderen Heterokli

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den ist. Wenn die Stammgestalt iun- in iunix, woran niemand zweifelt, der Gestalt yun- in ai. yun-ī gleichzusetzen ist, und wenn nach dem, was wir über die Komparativformen des Oskisch-Umbrischen wissen (oskisch pústiris posterius', fortis fortius'), die komparativischen Neubildungen nach der Form des zugehörigen Positivs in die Zeit der italischen Urgemeinschaft hinaufzudatieren sind, so ist es nur natürlich, daß wir auch iunior auf die uridg. schwache Stammform *iun-, nicht auf * iuuen-, beziehen. Das erst in nachrepublikanischer Zeit aufgekommene iuvenior hat hier selbstverständlich aus dem Spiel zu bleiben.

* Senecis zeigt dieselbe qualitative Assimilation des geschwächten Vokals der zweiten Silbe an den Vokal der Anfangssilbe wie seget-is, genetīros, elementum etc. (Vendryes Rech. sur l'hist. et les eff. de l'intens. init. en lat. p. 294. 306).

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