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Verlag von B. G. Teubner in Leipzig und Berlin.

Grundriß der Geschichte der klassischen Philologie. Von Prof.
Dr. A. Gudeman. [VI u. 224 S.] gr. 8. 1907. geh. M. 4.80, in
Leinwand geb. M. 5.20.

Dieses Kompendium ist eine völlig umgearbeitete und bedeutend erweiterte Ausgabe von des Verfassers Outlines of the History of Philology (5. Aufl. 1902). Hauptzweck des Buches ist, als Vademecum für Universitätsvorlesungen zu dienen; doch dürfte es sich nicht minder zum Selbststudium empfehlen.

In engem Rahmen und übersichtlicher Form gibt es nach den einleitenden Abschnitten über Begriff und Einteilung der Philologie, sowie der verschiedenen Behandlungsmethoden einen Überblick über die bedeutendsten Vertreter der Altertumswissenschaft und ihrer Werke nebst reichhaltigen, aber sorgfältig gesichteten Literaturangaben. Das Buch hilft einem wirklichen Bedürfnis ab, da eine das ganze Gebiet umfassende Darstellung der Geschichte der klassischen Philologie überhaupt noch nicht vorhanden ist.

Abriß der griechischen Metrik. Von Prof. Dr. P. Masqueray. Ins Deutsche übersetzt von Dr. Br. Presler. [XII u. 243 S.] 8 1907. geh. M. 4.40, in Leinwand geb. M. 5.—

Der vorliegende Abriß führt sofort in medias res und erklärt praktisch an der Hand geschickt ausgewählter Stellen das Versmaß und den Vers- und Strophenbau, vom Leichteren zum Schweren fortschreitend, damit auch der Anfänger sich leichter in das schwierige Gebiet einarbeiten kann. Die notwendigen theoretischen Ausführungen sind klar und verständlich, wobei der Verfasser geschickt abwägend auf die Theorien der Alten zurückgeht. Die das Werk auszeichnende sachliche Kürze und Klarheit ließen es vor allem wünschenswert erscheinen, den Abriß in deutscher Sprache weiteren Kreisen zugänglich zu machen.

Das Fortleben der Horazischen Lyrik seit der Renaissance. Von Eduard Stemplinger. Mit 9 Abbildungen im Text. [XIX u. 476 S.] gr. 8. 1906. geh. M. 8. in Leinwand geb. M. 9.

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Schildert das Fortleben der Horazischen Lyrik seit der Renaissance in England, Frankreich, Italien und vornehmlich in Deutschland. Wie Horaz als Lyriker die Weltliteratur, die Musik und bildende Kunst beeinflußt hat, wird zunächst in einer knappen Übersicht dargelegt. Im zweiten Teil werden die Oden und Epoden einzeln behandelt, insofern sie entweder im ganzen in ernsten und scherzhaften Um- und Nachdichtungen fortleben oder sich in einzelnen Stellen lebens- und keimfähig erwiesen. Reproduzierte Illustrationen (von der ältesten vom Jahre 1498 bis zur jüngsten 1905) und musikalische Vertonungen beleuchten den Einfluß des Horaz auf die Künste. Die Zusammenstellung gibt eine überwältigende, bisher nur bruchstückweise gekannte Anschauung von der weitverzweigten Einwirkung des römischen Dichters auf das Geistesleben der Kulturvölker. Ein ausführliches Register erleichtert die Benützung des Werkes. Eine wertvolle Zugabe ist die hier zum ersten Male gebotene Zusammenstellung der überall zerstreuten Übersetzungen der Lyrika.

Die Photographie im Dienste der Geisteswissenschaften. Von Karl
Krumbacher. Mit 15 Tafeln. [IV u. 60 S.] Lex.-8. 1906. geh. M. 3.60.

Nach einer Übersicht über die Anwendung der Photographie zur Herstellung von Lehrmitteln und Faksimile-Werken beschäftigt sich der Verfasser mit der Verwertung der Photographie für die mannigfaltigen Zwecke der Detailforschung. Hier beschreibt er u. a. ein erst in der jüngsten Zeit aufgekommenes Verfahren: unter Anwendung eines Spiegels oder eines Umkehrprismas wird das Objekt (Handschrift, Urkunde usw.) direkt auf lichtempfindlichem Papier kopiert, so daß viel Geld und Zeit erspart wird. Ein eignes, durch Proben aller Verfahren auf den beigegebenen Tafeln erläutertes Kapitel ist den wichtigsten Reproduktionen (Lichtdruck, Zinkotypie, Autotypie, Spitzertypie) gewidmet, das besonderes Interesse für jeden haben dürfte, der Handschriften u. dgl. zu reproduzieren hat. Dazu kommen Mitteilungen über das Verhalten der Bibliotheken, Archive und Museen zur Photographie. Den Schluß bilden Vorschläge über eine systematische Anwendung der Photographie in den Geisteswissenschaften und über die Aufnahme der Photographie und des Reproduktionswesens in das Lehrprogramm der Hochschulen.

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Doppelformen im Lateinischen.

elementum und alimentum.

στοιχεῖα γράμματα

Den Begriff und Wortgebrauch des latein. elementum hat H. Diels in lehrreicher Weise erörtert: elementum bezeichnet die primitivsten Bestandteile in den Körpern, darum auch im Wort die Einzellaute, im Schriftbild die Buchstaben (Lukr. V 1445). Denn бroizεiα und roάuuata im Wort werden auch unterschieden.*) Die von Diels gegebene Etymologie aber leidet ernste Bedenken, die schon von anderer Seite hervorgehoben worden sind. Die Endung -mentum ist gut lateinisch. Es sind die bekannten Ableitungssilben, die nur an Verbalstämme treten. In der ersten Silbe steckt also gewiß ein solcher Stamm, und dieser kann, wie schon Frühere sahen, nur der in alere, altus oder in proles (prooles), adulescens sein. Dies läßt sich noch mit weiteren Argumenten empfehlen, und ich glaube, Lukrez selbst war sich sogar dieser Etymologie bewußt.

Schon altus „hoch" zeigt, daß alere nicht bloß „nähren“, sondern in erster Instanz,,wachsen machen", „treiben“, „den Körper aufbauen" bedeutet hat. In diesem Sinne waren die elementa wirklich alimenta. So wird denn das Verbum alere selbst in Lehrsätzen der Physik gebraucht; bei Cicero heißt es nat. deor. II 118: stellae aluntur aquarum vaporibus; ib. 101: aer spiritu ductus alit und ib. 50 steht ali von den Pflanzen und Tieren, deren Körper durch die Teile, die der Mond absondert, sich aufbauen. So aber schon Lucilius 1201 M.: luna alit ostrea, wo implere daneben tritt, dann Vergil VI 725: spiritus alit astra; vor allem Cic. Tim. 6: (mundus) se ipse consumptione et senio alebat sui; daher bedarf dieser mundus keiner weiteren alimenta corporis (ebenda). Dies alere ist das Zuführen der aufbauenden Elemente, wie es nun auch Lukrez sich denkt. Zunächst I 191: quicque sua

*) Diels, Elementum S. 36. Archiv für lat. Lexikogr. XV. Heft 2.

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de materia grandescere alique. Diesem ali entspricht das pascere, I 230: aether sidera pascit.

Vor allem aber gilt es Lukr. I 809 ff. zu betrachten:

adiutamur enim dubio procul atque alimur nos
certis ab rebus, certis aliae atque aliae res.

Also nicht nur die Menschen, sondern auch die Dinge werden ,,genährt", aluntur*), und zwar durch gewisse Dinge, certis ab rebus. Diese letzteren aber sind eben die primordia oder ersten Bestandteile, von denen nun wieder das alere ausgesagt wird, v. 814:

quia multimodis primordia mixta sunt, ideo variis variae res rebus aluntur.

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Die primordia in den Dingen also sind es, die die Dinge „nähren“; die Elemente sind die alimenta rerum. Sie sind es, wie es weiter heißt, die Himmel, Meer, Sonne, usf. „konstituieren". Das Wichtigste aber ist nun, daß von Lukrez mit diesen „primordia quae alunt" direkt die elementa des Wortes" im. v. 824 verglichen und gleichgesetzt werden. Der Dichter empfindet die Etymologie ganz ohne Zweifel. Denn die „elementa verborum" sind nach ihm die primordia „,quae verbum alunt** sowie die „primordia quibus res aluntur" die „elementa rerum“ sind. Nach Lukrez können jene elementa im Wort ihre Stellung ändern; ebenso die alimenta in den Dingen: daher die Verschiedenheit der Wörter, daher die Verschiedenheit der Dinge. elementa und alimenta sind für Lukrez dasselbe. Am deutlichsten hat dies später Macrobius ausgedrückt, der Sat. I 11, 6 geradezu alitur elementis verbindet; aber auch Ennodius noch schreibt epist. I 18: altricia terga ... elementi.

Übrigens sind sich diese elementa an Qualität, Volumen und Gewicht nicht gleich: sie können vielmehr leichter oder schwerer sein (daher z. B. Ovid Met. I 29 elementa grandia). Vor allem haben die Elemente, die den Körper konstituieren, ganz so wie die Nahrungsmittel oder Alimente ihren exitus und introitus im Körper (Lukr. VI 494).

Und die nachgewiesene Grundbedeutung wirkt weiter. Denn auch im übertragenen Sinne sind elementa nicht nur erste Be

*) Zu diesem Gebrauch von alere sei noch Lukr. II 546; V 257 u. 322 verglichen.

**) Hieran kann der Tropus bei Cicero erinnern, wenn er Orat. 37 schreibt: verborum copia alitur.

standteile, sondern stets fördernde erste Bestandteile; und immer entspricht dem auch hier der Gebrauch des alere.

Von den elementa naturae heißt es, daß sie im Menschengeist zum Keimen gebracht werden müssen, Cic. De fin. 5, 43; dazu stimmt das animus alitur ad Att. 12, 6, 2. Die puerorum elementa sind ihre geistigen nutrimenta, De orat. 1, 163; damit ist das mens discendo alitur De off. 1, 105 zu vergleichen. Den elementa virtutis, Cic. fin. 5, 59, stehen die elementa mali, Grattius 393 (vgl. Horaz Od. III 24, 52), entgegen; und es sind wieder die fördernden ersten Bestandteile zu verstehen; dem entspricht aber das virtutem alere, Seneca epist. 88, 19 und das alitur malum, Sen. Phaedra 101. Noch deutlicher aber wird dieser Wortsinn in den prima elementa Caesaris, Ovid. Fast. III 709, und den prima elementa Roma ebenda III 179; das sind eben wieder die nutrimenta ihres Wesens, und gerade so lesen wir auch alere Caesarem, Cic. ad Att. 8, 8, 1, und alere civitatem bei Cäsar selbst, bell. Gall. 7, 33, 1.

Die begriffliche Ableitung ist hiernach klar.*) Aber auch die lautliche hat keine Bedenken. Die begriffliche Differenzierung von alimenta und elementa muß nach oder mit der lautlichen eingetreten sein, wie dies bei faveo und foveo u. a. ganz ebenso geschah. Lautlich aber ist eine Angleichung des Vokals der Stammsilbe an den e-Vokel der Nachbarsilben zu konstatieren. Man denke dabei zunächst an similis neben semel; sodann aber an soboles, rutundus, an lucunas f. lacunas (Lachmann Lukr. S. 205), an hebenas f. habenas (Schuchardt Voc. I S. 193), socors f. secors, cotonia f. cydonia, Dolorestes f. Dulorestes.**) Übrigens stand elementa neben alimenta wie sertrix neben sartrix, Delmatae neben Dalmatae, secratum neben sacratum, keminada neben caminata, aus dem es hervorging (Seelmann, Auspr. d. Lat. S. 172 f.).

Vor allem aber fällt nun auch Licht auf das Wort fescennini. Wenn Deecke, Falisker S. 112, behauptete, dies Wort könne des

*) Es würde zu weit gehen, wollte man behaupten, daß Juvenal noch XI 14 in dem Satz gustus elementa per omnia quaerunt die Identität des Wortes mit alimenta gefühlt habe. Eher ließe sich beim Horaz vermuten, daß er sich des Etymons bewußt war, wenn er Sat. I 1, 25 schreibt, daß die Knaben Zuckerplätzchen, crustula, bekommen, damit sie die elementa lernen: die leiblichen Alimente sollen zu den geistigen ermutigen.

**) s. Aurumschrift S. 169; Aerelius f. Aurelius ebenda S. 159 Note. Vgl. auch culumnatum Plaut. Mil. 211 in A; sibiremus f. subiremus Seneca epist. 124, 2. enes im Bernensis C bei Caper VII K. 107, 15 ist seltsame Verschreibung, nicht aus anas, sondern aus anus, anes.

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halb nicht von fascinum hergeleitet werden, weil das zum Vokal der ersten Silbe nicht passe, so irrte er. Vielmehr können sowohl fescennini wie das alte fescemnoe bei Fest. p. 86, 6 M. wie endlich auch der Stadtname Fescennium selber sehr gut zu fascinum, ob dies nun griechisches Lehnwort war oder nicht, gestellt werden; dies zeigt eben elementum neben alere und was ich hier sonst noch verglichen habe. In später Zeit wird dann gar fiscinninos daraus (Ennod. p. 443, 16 ed. H.); mehr derart, wie dilicias, distinare, hat Hartel im Ennodius praef. S. LXVIII f. zusammengestellt.

Aber noch eins ist zu beachten, der Umstand nämlich, daß im Schriftgebrauch elementa selbst keineswegs durchgängig herrscht; elimenta steht vielmehr zu lesen Seneca epist. 7, 11; ebenso Ambros. Hexam. VI 7, 8 (S. 235 Schenkl), Ennodius p. 5, 7; 29, 17 ed. H. u. sonst. Man findet leicht weitere Beispiele; und nur die intersyllabische Vokalangleichung hat das zweite e im elementum in vielen Handschriften davor bewahrt, in i umzulauten, wie es die Analogie der Wortbildung erforderte. So sagte man auch eleganter f. eliganter und delerare f. delirare. *)

coitus und coetus.

Eine ähnliche Differenzierung wie in alimenta, elementa liegt auch in coïtus, coetus vor. Dies ist gleichfalls ein Wort in zwei Gestalten, und seine Spaltung vollzieht sich im Latein vor unsern Augen. Die Grundform coïtus beschränkt sich vornehmlich auf die Bedeutung des Zusammentreffens von zwei Individuen, sei es feindlich oder in Liebe, die Form coetus, die aus demselben coïtus durch Synizese des oi hervorgegangen war, bedeutete daneben im weiteren Sinne das Zusammenkommen Vieler. Dem hier im ein

zelnen nachzugehen ist nicht meine Absicht. Daß auch jenes coitus zweisilbig mit Synizese gesprochen wurde, beweist der Lukrezvers II 1061:

Tandem coierunt ea quae convecta repente; ebenso schrieb aber auch Catull 68 B 69, wie ich glaube, coeuntes mit einsilbigem Diphthong oe; vgl. hierüber Rhein. Mus. 59 S. 432.**) Bemerkenswerter ist, daß einerseits der älteste Zeuge,

*) Caper VII K. 109, 6 u. 11, der ein eliganter fordert; wirklich steht eligantia z. B. bei Ennodius p. 27, 20 ed. H.

**) Etwas anders, aber doch anführenswert, das discas f. dehiscas bei demselben Catull 98, 6, das von Hendrickson, Rhein. Mus. 59 S. 478, treffend erklärt ist.

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