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O. Probst C. Weyman: Miscellen.

Zu Lucrez 4,990.

987 quippe videbis equos fortis, cum membra iacebunt,
in somnis sudare tamen spirareque semper
et quasi de palma summas contendere viris
990 aut quasi carceribus patefactis

venantumque canes in molli saepe quiete
iactant crura tamen subito vocesque repente
mittunt et crebro redducunt naribus auras,
ut vestigia si teneant inventa ferarum,
995 expergefactique secuntur inania saepe
cervorum simulacra' usw.

Den unvollständigen Vers ergänzte Lachmann durch colligere aestum”, Munro begnügte sich mit dem Zusatze 'velle volare'. Beide Vorschläge haben ihr Bedenken, da sie den Parallelismus der Verse 987-990 und 990 ff. nicht hinreichend berücksichtigen. Es stehen sich nämlich gegenüber: cum membra iacebunt (987) in molli quiete (991); sudare (988), die Folge des crura iactare etc. iactant crura (992); spirare (988) redducunt naribus auras (993); contendere viris (989) expergefactique secuntur; bleibt also nur eine dem roces repente mittunt inhaltlich gleichbedeutende Ergänzung übrig. Nun ist aber eine bekannte Tatsache, daß Pferde ihrer Freude und Frische, ihrem Mute und auch ihrer Angst durch Wiehern Ausdruck geben; vgl. außer 5, 1073 ff. Aristot. probl. anecdot. 2, 163 ô μèv zoεμεtioμós loti povỳ dvμuov. Hor. carm. 2, 16, 34. Homer II. μὲν χρεμετισμός ἐστι φωνὴ θυμοῦ. 12, 51. Daß auch Renner wiehernd die Bahn durchlaufen, beweist Claudian. 8, 562 velox Aurorae nuntius Aethon, qui fugat hinnitu stellas (vgl. rapt. Pros. 2, 192); nichts liegt demnach näher als unsern Vers durch edere vocem zu vervollständigen. 'Edere voces' als Versschluß Val. Flacc. 4, 24.

München.

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O. Probst.

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Malus vel pravus.

Eine der zahlreichen Ermahnungen, aus denen sich das vierte Kapitel der Regula S. Benedicti zusammensetzt, lautet 'os suum a malo vel pravo eloquio custodire.' Es ist charakteristisch für den früher überschätzten codex Oxoniensis, daß er auch hier eine falsche Sonderlesart (vgl. Traube, Textgeschichte S. 60) bietet, nämlich die Umstellung 'pravo vel malo'. Denn seit Sallust, den Benedikt vielleicht gekannt hat (vgl. Wölfflin, Sitzungsber. d. bayer. Akad. 1895 S. 440) ist 'malus pravusque' eine ständige Verbindung. Vgl. Cat. 5, 1 ingenio malo pravoque'. Lucifer mor. esse pro dei fil. 6 p. 297, 11 H. 'malo pravoque consilio'; Gelas. I contra Pelag. haeres. ad. Picen. 8 (Collect. Avell. p. 359, 50 G.) 'affectum mali pravique'. Das 'vel' bei Benedikt steht, wie auch sonst häufig (vgl. Wölfflins Index p. 85), für 'et'.

München.

C. Weyman.

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qua.

qua

Bedeutung und Gebrauchssphäre von qua -qua sind, seit Pareus im Lexicon Plautinum Beispiele zu sammeln begonnen hat, längst festgestellt, wenigstens in den Grundzügen. Von Plautus in ähnlichem (doch, wie sich zeigen wird, nicht in ganz gleichem) Sinne wie etet gebraucht, wird es von Terenz an in der Hochsprache gemieden, ist aber daneben in der gesprochenen Sprache lebendig geblieben. So konnte es einerseits in vertraulichen Briefen Ciceros Verwendung finden, andererseits wie etwa civitas „Stadt", obturbare „verwirren" in der Kaiserzeit wieder emporsteigen und in der Prosa (zuerst bei Livius) hoffähig werden. Dies alles ist klar; unklar die Wurzel des ganzen Gebrauchs.

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Die wenigen, die sich darüber geäußert haben, fassen das qua indefinit. So Kvičala, Wiener Sitzungsberichte 65 (1870), 111 und Riemann, Etudes sur la langue et la grammaire de Tite-Live 280 n. 2. Jener vergleicht den „korresponsiven partitiven" Gebrauch des Indefinitums in den slavischen Sprachen, z. B. kirchenslavisch kogda- kogda „bald — bald" (Miklosich, Vergleich. Gramm. IV 87); Riemann, französische Phrasen, wie „ils cherchèrent la source du mal, qui d'un côté qui d'un autre", wo qui das indefinite quis des Latein fortsetze. Beide hätten auch, als auf eine noch näher liegende Parallele, auf πῇ μὲν – πῇ δέ des spiteren Griechisch (unten S. 215) verweisen können.

Aber diese verglichenen Gebrauchsweisen weisen eine abweichende Bedeutung auf, dienen nicht wie qua qua zur Zusammenfassung im Sinne von sowohl als auch", sondern zur Teilung im Sinne von „teils teils“, „bald bald". Nun ist zuzugeben, daß im Böhmischen jednak (gebildet aus jedno „unus") doppelt gesetzt nicht bloß „teils teils", sondern (wenigstens nach der Angabe von Kvičala) auch sowohl als auch" bedeutet, daß also qua es auch vorhistorisch mit

qua,

wenn

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ereptum.

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πῇ — πῇ synonym war, nachträglich die überlieferte Bedeutung erlangen konnte. Immerhin ist diese Bedeutungsentwicklung eben nur vereinzelt und nicht bei einem von Haus aus indefiniten Wort belegt; denn que que, das Kvičala auch heranzieht, bleibt besser aus dem Spiel, da die Herleitung aus dem Indefinitum rein hypothetisch ist.

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Aber man übersieht bei dieser Deutung eine formale Schwierigkeit. Wenn qua zum Indefinitum gehört, muß es enklitisch sein; aber daß es dies nicht ist, zeigt die Stellungsverschiedenheit zwischen qua mares qua feminas und maresque feminasque. Wir werden dadurch auf die Frage geführt, ob und wieweit Indefinita ihre ursprünglich enklitische Natur ablegen und orthotonisch werden können. Im Griechischen ist dies unstreitig der Fall.*) Zunächst unter dem Einfluß der eigentümlichen Akzentgesetze des Griechischen. Das ursprünglich enklitische оτεoos „alteruter“ konnte kraft seiner Dreisilbigkeit überhaupt nicht anders betont werden als das interrogative óτεgos „uter?" Weiterhin weil die zweisilbigen Enklitika in gewissen Stellungen einen Akzent auf der zweiten Silbe haben, konnte dies dazu führen, sie überhaupt als Oxytona zu behandeln und sie etwa auch an den Anfang von Satz oder Vers zu stellen. Das älteste Beispiel ist wohl Euripides Or. 44 лotè dè dεμvíov äão aηda, wenn man Sophokles OR. 1084 f. οὐκ ἂν ἐξέλθοιμ ̓ ἔτι | ποτ ̓ ἄλλος in Anbetracht der Neigung des Dichters für Synaphie zwischen den Trimetern und weil otè inmitten des Satzes steht, nicht als vollgültiges Beweisstück anerkennen will. Dazu Demosth. 36, 50 лor' εiyev ayoóv nach starker Interpunktion und ποτὲ μέν ... ποτὲ δέ bei Plato u. a. unter sich oder mit anderen verbunden, mit entschieden selbständigem Akzent. Ferner лotós und 706óg z. B. Plato Rep. 4, 438 E nach einem Vordersatz ποιὰ δή τις ξυνέβη καὶ αὐτὴ γενέσθαι. Soph. 263Α ποιὸν δέ γέ τινά φαμεν ἀναγκαῖον ἕκαστον εἶναι τῶν λόγων. Phileb. 37 C ποιώ τινε δὲ οὐ γίγνεσθον, sowie Soph. 245 D ποσόν τι γὰρ ov usw. **) Ebenso von Plato an die zweisilbigen Formen von

*) Einige der Beispiele verdanke ich Kühner-Blaß I 345, dessen Material allerdings ungleichartig ist.

**) Ebenfalls volltoniges оtós, noбós, nicht etwa das Fragewort лoios, πόσος liegt den Abstrakten ποιότης, ποσότης zugrunde, wie außer aus der Bedeutung der Worte aus Plato Theaet. 182 A folgt, wo wir nocións vor unsern Augen entstehen sehen: ἐλέγομεν ... τὸ μὲν πάσχον αἰσθητόν, ἀλλ ̓ οὐκ αἴσθησιν ἔτι γίγνεσθαι, τὸ δὲ ποιοῦν ποιόν τι, ἀλλ ̓ οὐ ποιότητα; ἴσως

τὶ

τὶς, z. B. Theaet. 147 Β τινὸς γὰρ ἐπιστήμην ἀποκρίνεται. - Nach solchem Vorbild und infolge des Begriffswertes der Indefinita (gemäß dem schon Plato τὸ τὶ sagt wie τὸ τινὲς und τὸ τινέ) werden drittens, anscheinend zuerst bei Aristoteles, auch die einsilbigen Enklitika gelegentlich ganz als Orthotona gebraucht. z. B. Politik 3 p. 1282020 τὶ γὰρ καὶ τισὶ τὸ δίκαιον, πῶς „irgendwie“ z. B. in der Metaphysik p. 1030* 23 ὑπάρχει ..... τὸ τί ἐστιν ἁπλῶς μὲν τῇ οὐσίᾳ, πῶς δὲ τοῖς ἄλλοις, πῇ id. z. B. 266* 4 nach einem Vordersatz, πῇ κινεῖσθαι, ἁπλῶς δὲ κινεῖσθαι οὔ φαμεν, und dem entspricht es nun, wenn im hellenistischen Griechisch [kaum schon Xenophon Anab. III 1, 12, wo vielmehr tỷ den Vorzug verdient] an Stelle des attischen tuèv . Ti de „teils ... teils", „bald ... bald", das auch Aristoteles noch geläufig ist, лй μὲν πῇ δέ tritt, wohl zunächst nach dem Vorbild von ποτὲ μὲν ... ποτὲ δέ.

...

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Können wir dem Latein eine ebensolche Entwicklung zutrauen? Sicher läßt sich solche beobachten nur bei quisque, das ursprünglich schlechterdings enklitisch war, dann allmählich die Fähigkeit zur Anfangstellung erwirbt. (Vgl. Skutsch, Jahrbb. Suppl. 27,88f.) Schon Plautus sagt (Amph. 241) quisque ut steterat iacet und aus Vergil A. 6, 743 quisque suos patimur manes folgert Norden, Aeneis Buch VI p. 304 denselben Gebrauch für Ennius. Offenbar war quisque durch seine Zusammensetzung gewichtig genug geworden, um etwa auch als Orthotonumenon zu gelten. Nur halb beweiskräftig sind Stellen, wo quisque oder ähnliche Zweisilbler am Vers-, aber nicht am Satzanfang stehen (so quisque Accius Ann. fr. 3, 5, Lucr. 2, 372. 5, 84, quisquam 5, 934), was besonders klar ist aus den Horazstellen, wo Formen von unusquisque mit Tmesis auf Schluß und Anfang aufeinanderfolgender Hexameter verteilt sind. Die lateinischen Hexameter, auch die des Lucrez, sind nicht notwendig durch Pause getrennt. Demgemäß darf auch aus Lucrez 5, 362 neque extra | qui locus est, quo dissiliant nicht geschlossen werden, daß qui und die anderen einsilbigen

οὖν ἡ ποιότης ἅμα ἀλλόκοτόν τε φαίνεται ὄνομα καὶ οὐ μανθάνεις ἀθρόον λεγόμενον, worauf dann das Verhältnis ποιόν: ποιότης mit θερμόν: θερμότης, λευκόν: λευκότης erläutert wird. Wenn Cicero ποιότης mit qualitas, andere nach ihm oбóns mit quantitas wiedergaben, so ist damit allerdings das Interrogativum als Grundlage genommen. Aber eben notgedrungen. Und auch wenn Cicero wirklich nоióτηs aus лоios ableitet, so ist damit für Plato nichts bewiesen.

Formen des Indefinitums volltonig und der Anfangsstellung fähig gewesen seien. Wie ausschließlich quis nur angelehnt gebraucht wird, ist bekannt. Für seine Tonschwäche ist es bezeichnend, daß der Lateiner griechisch ris ti im Sinne von jemand -, etwas von Bedeutung" nur mit aliquis aliquid wiedergeben kann. Allerdings Petronius bietet c. 45 p. 30, 12 aut hoc aut illud erit, quid (die Handschrift quod) utique entweder dies oder das wird es geben, etwas Ordentliches auf alle Fälle". Hier liegt nach der herrschenden Schreibung die kurze Form des Indefinitums in der prägnanten Bedeutung vor: man könnte damit etwa italienisch un chè und ähnliches bei Meyer-Lübke, Roman. Syntax 97 § 86 vergleichen. Immerhin ist quid nur Konjektur und außerdem kein Grund vorhanden, mit den Herausgebern hinter erit zu interpungieren; warum nicht erit quid utique mit normaler Wortfolge? In keinem Falle folgt aus dieser Stelle etwas für das alte Latein. Noch weniger aus französ. qui — qui (oben S. 213, dessen Erklärung durch Meyer-Lübke 258 § 223 nicht überzeugt). Orthotonie von ursprünglich enklitischem qua wäre für die plautinische Zeit eine völlige Singularität.*)

Übrigens wozu all das? Eine Belegstelle, und zwar gerade eine plautinische, schließt die Auffassung als Indefinitum von vorn herein aus: Asin. 96 qua me qua uxorem qua tu seruom Sauream potes circumduce. Sinn und syntaktischer Aufbau dieser Stelle sind völlig klar. Passend verweist Ussing auf Ovid Tr. I 9,65 qua potes excusa nec amici desere causam III 7, 54 effuge venturos qua potes usque rogos. Ein auf jede mögliche Weise stattfindendes, ein möglichst allseitiges Tun wird angeraten, und zwar gegenüber drei Objekten, deren völlig gleiches Verhältnis zum Satzinhalt durch die asyndetische Wiederholung des qua angezeigt wird. Das Asyndeton hat denselben Wert wie das von si.. si z. B. in si deus si dea oder Pl. Rud. 1257 quidquid in illo uidulost, si aurum si argentumst, Capt. 114 sinite ambulare si foris si intus volent (vgl. Lindsay zu d. St.). Koordiniertes qua bietet z. B. Petronius c. 119 vs. 2 orbem iam totum victor Romanus habebat qua mare qua terrae qua sidus currit utrumque. Natürlich liegt eine Kürze des Ausdrucks vor. Aus den qua-Sätzen sind zu circum

*) qui als Einleitung von Wunschsätzen ist natürlich eigentlich interrogativ; vgl. utinam. Das zweimalige quid Lucilius vs. 700 ceterum quid sit, quid non sit, ferre aequo animo ac fortiter faßt Marx laut Index als Indefinitum. Warum nicht als Interrogativ?

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