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duce die Objekte zuzudenken, aus circumduce der zu potes gehörige Infinitiv. Solche Kürze sind wir bei posse gewohnt.

Nun wird zwar diese Stelle gewöhnlich (z. B. auch bei Ussing) von den Sätzen mit kopulativem quaqua völlig getrennt gehalten. Aber wenn bereits Pareus sie mit diesen zusammennimmt, ist er im vollsten Recht. Die völlige Gleichwertigkeit beider Ausdrucksformen ist leicht zu erweisen. Man kann in der Asinaria das potes weglassen (qua me qua uxorem qua tu seruom Sauream circumduce) oder z. B. Miles 1113 ein potes einsetzen (qui consectare qua maris qua feminas potes), der Sinn bleibt da und dort genau derselbe. Wie es für qua- qua potes spezifisch ist, erstens allseitige, zweitens gegenüber den Objekten gleichmäßige Geltung des Satzinhalts auszusagen, so auch für die gewöhnlichen qua-quaSätze. Die Allseitigkeit: Miles 1113, sowie Miles 1392 eum oderunt qua uiri qua mulieres ist umfassender als Most. 1047 eaque eduxi omnem legionem et maris et feminas, wo eben bloß die zur legio gehörigen mares und feminae gemeint sind. Man vergleiche auch Cicero ad Qu. fr. 3, 1, 5 omnia convestivit hedera, qua basim villae qua intercolumnia ambulationis; Cic. Att. 9, 12, 1 quam... honesta..... tua consilia... qua itineris qua nauigationis qua congressus cum Caesare. omnia cum honesta tum cauta; Liv. 2, 45, 16 omnium illo die qua plebis qua patrum eximia virtus fuit; Fronto ad M. Aurel. I p. 24 N. me obsecro omnimode ames qua ioco qua serio. Und ebenso wird durch qua qua stetsfort für die dadurch verbundenen Glieder Gleichmäßigkeit ihres Anteils am Satzinhalt ausgesagt, besonders deutlich z. B. Cicero Att. 2, 19, 3 nam gladiatoribus qua dominus qua advocati sibilis conscissi; 15, 18, 2 te distentissimum esse qua de Buthrotiis qua de Bruto.

Wenn qua qua ohne potes mit quaqua potes völlig gleichwertig ist, andererseits quaqua unerklärlich, qua — qua potes eine normal geformte Wendung ist, so werden wir ersteres aus letzterem hervorgegangen sein lassen. Dazu stimmt erstens die Chronologie: quaqua potes ist so alt als irgend ein Beleg von qua qua. Ferner dürfen wir ohne Anstand Ellipse von potes oder einer anderen Form von posse (z. B. Pl. Trin. 1044 rapere properant qua sacrum qua publicum Ellipse von possunt) annehmen. Es liegt ganz derselbe Fall vor, wie bei quam mit dem Superlativ. In beiden Ausdrucksformen konnte das ursprünglich habituelle Verbum posse darum wegbleiben, weil qua so gut als quam in den betr. Verbindungen durch posse einen so

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Archiv für lat. Lexikogr. XV. Heft 2.

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bestimmten Sinn bekommen hatte, daß es gar nicht mehr nötig war, dieses beizusetzen. Nur ist bei qua die Ellipse älter. Während sie bei quam bis tief in die klassische Zeit fakultativ bleibt, und z. B. Caesar sowohl quam maximum potest numerum (b. g. 1, 7, 2) sagt, als quam maximum numerum (b. g. 1, 3, 1), ist sie bei qua schon in plautinischer Zeit fast durchgedrungen. Daher findet sich posse bei dieser Phrase nur noch einmal, und eben nur in älterer Zeit, und während an quam c. superl. das Begriffsmoment ,,möglichst" immer haften bleibt, ist dieses bei qua späterhin ausgeschaltet.

lympha.

Seit Mommsen (Unterit. Dial. 256) und Bergk (Kl. Schriften II 333) herrscht die Meinung, daß es ein nationalitalisches Wort *dumpā „Wasser, Wasserfrau" gegeben habe, in seiner ursprünglichsten Form erhalten in oskisch diumpaís (Tafel von Agnone [175 Conw., 200 Pl.] 7. 34), und daß hieraus im Latein mit dem bekannten Übergang von d in lumpa und hieraus durch Angleichung an das früh damit gleichgesetzte griechische výuqn lympha geworden sei. Nun daß lympha jünger ist als lumpa, ist selbstverständlich. Aber damit ist über die eigentliche Herkunft des Wortes nichts entschieden. Da es für das angeblich gemeinitalische dumpā keine brauchbare Etymologie gibt (trotz Petr in Bezzenbergers Beitr. 25, 142), darf wohl die Frage nochmals aufgeworfen werden, ob nicht doch die ältere Meinung von griechischem Ursprung des Wortes, die Herleitung von lumpa aus výuη, zu recht besteht?

Formal ist diese untadelhaft. Wenn in einem Worte auf einen Nasal nur durch Vokal davon getrennt ein zweiter eventuell mit Muta verbundener folgt, macht sich in den verschiedensten Sprachen eine Neigung zur Dissimilation geltend. Entweder tritt für den ersten Nasal die entsprechende Media ein, da überhaupt den Nasalen die Mediae am nächsten stehen. So gr. Bevdig neben Mɛvdis, rhaetorom. dumbrar: numerare, diember: numerum. Oder n wird durch ersetzt: so nannten die Inder den König Menandros Milinda (vgl. Göttinger Nachr. 1906, 165 A), und heißt es zigeunerisch lindr,,Schlaf" aus nindra (Pott, Zigeuner 2, 338. Miklosich, Uber die Mundarten der Zigeuner 8, 7. 9, 27) altspanisch lombre: numerus, franz. Château-Landon: Castellum Nantonis usw., vgl. Meyer-Lübke, Gramm. der Roman. Spr. I 480 und

Grammont Dissimilation 66 ff., der auch auf Schevelingen für Scheveningen im Munde von Nicht-Holländern hinweist. Sonach sind osk. *dumpa wie altlat. lumpa für italisiert-griechisches *numpa gleich natürlich. Man darf nicht einwenden, daß die Lateiner n in eigenen Wörtern bei ganz gleicher Lautfolge unangetastet gelassen haben, z. B. in nimbus nempe, wie auch, wenn gutturales oder dentales n in solcher Weise folgte, z. B. ninguit nanciscor nundinae nuntius. Denn erstens treten Dissimilationserscheinungen überhaupt nur sporadisch auf. Und sodann sind derartigen Lautübergängen Fremdwörter, weil nicht durch verwandte Wortformen gestützt, überall mehr ausgesetzt als einheimische. Es heißt im Griechischen Βενδῖς trotz μάνδρα, μάντις, μανθάνω, und auch mit Übergang von N in λ Aαẞúvηtos für N. trotz vηлowɛí oder vεoyvós. (Vgl. Schulze, KZ. 33, 226 A. 3.)

Formal sind also beide Auffassungen des Wortes gleich berechtigt. Den Entscheid muß der Gebrauch des Wortes geben. Außer als Bezeichnung von (Quell-)Nymphen ist es am frühesten und sichersten belegt in der Ableitung lymphatus „wahnsinnig" (zuerst bei Pacuvius und Catull) und dem daraus nach Art von fanaticus multaticus umbraticus uenaticus gebildeten, schon von Plautus (Poen. 345f.) gebrauchten lymphaticus. Von Livius an sind beide in der Prosa belegt. In der Kaiserzeit finden wir daraus (z. T. vielleicht nach dem Vorbild von fanari: fanaticus) ein Verbum lymphari „rasen" nebst den Verbalabstrakten lymphatio und lymphatus entwickelt, aus lymphari dann wieder ein transitives lymphare ,,wahnsinnig machen". Wie nun aber das der ganzen Sippe zugrunde liegende lymphatus ,,wahnsinnig" aus lympha „Quellnymphe, Wasser" hätte abgeleitet werden können, ist unerfindlich trotz dem Deutungsversuch der Glossare lymphaticus qui ex aqua quasi diuinat (vgl. Paulus 120, 12). Die späteste Latinität hat zwischen beiden Wörtern eine Brücke geschlagen, indem sie lymphatus im Sinne von „,wasserscheu" nimmt. Aber das geht den älteren Sprachgebrauch nichts an. Unweigerlich müssen wir mit Varro 1. 1. 7, 87 und Paulus ex Festo 120, 12 anerkennen, daß lymphatus nach griechisch vvupóλnatos gebildet ist, also Gleichsetzung unseres Wortes mit vuugn bereits für vorplautinische Zeit zwingend voraussetzt. Ist es dann aber nicht am einfachsten, lumpa schlechtweg mit vuugn zu identifizieren? Sein ganzer Gebrauch läßt sich mit Leichtigkeit auf výugn zurückführen. Erstens lumpa lumpha lympha als Bezeichnung von Wassergöttinnen: ohne genügenden

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Grund behauptet Wissowa, Religion d. Römer 182, Zugehörigkeit der Lymphae zu den Di indigetes. Zweitens lympha Wasser": Bergk wendet ein, daß vvuon nur durch Metonymie zu solcher Bedeutung gelangen konnte. Nun, einmal haben die Griechen výμgη und nach ihnen die Lateiner nympha tatsächlich in diesem Sinne verwandt. Haupt, Opusc. II 169 A, verweist auf Euenos 2, 3 χαίρει κιρνάμενος δὲ τρισὶν νύμφαισι τέταρτος, Stat. Silv. I 3, 37 emissas per cuncta cubilia nymphas, 46 ridet anhelantes uicino flumine nymphas; Cat. 61, 30 rupis Aonios specus nympha quos super irrigat frigerans Aganippe, vgl. auch Mart. VI 43, 2. 47, 1, (Lucr. VI 1178?, Prop. III 16, 4?), sowie auch Lygd. 6, 57 Naida Bacchus amat. Sodann ist zu beachten, daß lympha auf die Dichter beschränkt ist, die in Rom derartigem Gebrauch der Götternamen von je her stark zugeneigt waren aus bekannten

Gründen.

Bessere Belehrung vorbehalten, lege ich mir die Geschichte des Wortes so zurecht: In alter Zeit lernten die Italiker výu❤ η teils als Bez. von Wassernymphen, teils in vvupóληatos kennen, welch letzteres an sich, wie Δημητρόληπτος, Πανόληπτος, ΜητρόAηлτos zeigen, mit Wasser nichts zu tun hat. Das Wort wurde teils zu dumpa, teils zu lumpa umgebildet, vvupóληuлτos aber nach Maßgabe von cerritus: Ceres, laruatus: larua durch lumpatus wiedergegeben (vgl. Haupt, Opusc. II 366f. Schulze, Lat. Eigennamen 467 A. 6). Die Vertreter der hohen Poesie (zuerst in unserer Überlieferung Pacuvius tr. 244) wandten auf dieses stetsfort als mit výuqn gleichwertig empfundene lumpa den metonymischen Gebrauch an. Später folgte dann die lautliche Annäherung an das griechische Grundwort, zuerst durch Annahme des ph (CIL. I 1238 X 6797), dann durch solche auch des y. Daneben drang auch nympha ein (natürlich in der Form numpa). Zuerst wohl nur ganz sporadisch, wo es sich um wörtliche Wiedergabe von Griechischem handelte (Liv. Andron. bei Prisc. 6, 18 apud nympham... Calypsonem: a 14 výμgη ... Kahvчó); später allgemein im Sinne von „Nymphe", da es dann mit lympha vielfach koordiniert und vertauscht wurde (ganz gelehrt Ciris 435 nymphae „junge Mädchen", vgl. Leo Hermes 37, 46. Skutsch Gallus und Vergil 95). Das äußerste war, daß schließlich auch nymphaticus „verrückt" gesagt wurde: Löwe, Archiv I 25. Corpus Gloss. VI 753. Schwierigkeit macht Lucils inpermixtum limporem (vs. 1196 M.) ,,ungemischtes Naß". Ein Wort auf -or scheint echt lateinischer

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Herkunft sein zu müssen. Aber limpor steht nicht im Sinne von lympha, das stets auf das Wasserelement geht, sondern von liquor und scheint eine Mischbildung aus lympha und diesem, wobei die Frage offen bleiben kann, ob Lucilius i, u oder y, p oder ph geschrieben hat. Ganz gleichartig in diesem Sinne mit limpor ist das archaische tonor (Quint. I 5, 22), das aus griechischem tenus und echtlateinischem tenor zusammengeschweißt ist.

eruptum

bei Appuleius de mag. 28 p. 457 Oud. (p. 33, 19 Helm) ist in allen Ausgaben, weil der Zusammenhang des Satzes curae meae e. eine Form von eripio fordert, zu ereptum korrigiert. Aber wie kann man einen so evidenten Archaismus beseitigen wollen? Vgl. surruptus surrupticius corruptus von surripio corripio; speziell aus der archaistischen Literatur habe ich zwar kein zweites Beispiel von derartigem ruptus zur Hand, aber doch surrupuisset bei Fronto De fer. Alsiens. p. 227, 9 N. und corrupuerat (??) bei Licinian p. 27, 9 Bonn. (die Handschrift corruperat).

Göttingen.

J. Wackernagel.

Pontifex. Kalendae. Idus.

Etymologien.

Es ist bekannt, daß in einer ganzen Reihe von Worten anlautendes s vor poder c ausfällt, daß z. B. parum, parco, parsimonia auf denselben Stamm wie unser „sparen", caveo auf ein "scaveo, carpo aufscarpo zurückgehn. Man vergleiche auch quatio (für *squatio) mit as. scuddjan schütten, (per-)cello (für *scello) mit unserem „zerschellen“, vielleicht auch culter, cultri (für sculptri) mit dem Verbum sculpere. Diesen lautlichen Vorgang wird man zur Erklärung von pontifex heranziehen können, das einer befriedigenden Deutung bisher widerstrebt hat. Denn daß pontifex wirklich „Brückenbauer" bedeutet haben soll, bleibt verwunderlich, selbst wenn man zugibt, daß gewisse,,technische Unternehmungen" in den Händen von Priestern gelegen haben. Und mit Recht haben Marquardt (Staatsverwaltung III 229) und Wissowa (zu der Stelle vgl. auch dessen Religion und Cultus der Römer, S. 413) jene alte Erklärung abgelehnt. Wenn wir aber ein ursprüngliches *spontifex ansetzen, erscheint uns der römische Staatspriester als derjenige, der Gelöbnisse, feierliche Willenserklärungen sei es für die Gesamtheit, sei es für einen einzelnen, vollzieht oder

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