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(sc. persecutio) cito traiciet Gothis inrumpentibus amnem ist traiciet unverständlich, wenn man nicht amnem als Objekt dazu zieht. Dann ist der Abl. absol. temporal zu fassen: wenn die Gothen einbrechen, dann wird die 7. Verfolgung den Strom überschreiten. So kommen wir auch auf die Hunnen als die Urheber der Verfolgung: sie haben im Jahre 466 einen Einfall ins oströmische Reich gemacht. Auf diesen bezieht sich nach Ansicht des Verf. jene Stelle. Jedenfalls setzt sie das Jahr 453 als terminus post quem voraus.

Eine Bestätigung dieses Zeitansatzes gewinnt der Verfasser aus Instr. 2, 25-27. Instr. 2, 25 emfiehlt den Diakonen, sich dem schiedsrichterlichen Spruche ihrer geistlichen Vorgesetzten zu unterwerfen und ermahnt sie zur Keuschheit. Beide Punkte sind auf gallischen Konzilien der Jahre 453-465 lebhaft erörtert worden. Mit Anklagen gegen die Bischöfe befaßt sich Instr. 2, 25: Unbotmäßigkeit, besonders Usurpierung des Amtes gegen den Willen der Bevölkerung hatte gerade zu Klagen Anlaß gegeben, über die Papst Hilarus 462 entschied. In 2, 28 wird als Gegenstück der rechte Bischof geschildert, und es ist sehr wahrscheinlich, daß Commodian mit exhilaratur in v. 12 auf den Namen dieses Papstes anspielt: es ist der gute Hirte, der Strenge wie Nachsicht zur rechten Zeit kennt. Instr. 1, 32 fordert einen willkürlichen Statthalter*) zur Bekehrung. Er ist iudex norus, also hat eben sein Amt angetreten. 462-467 war der aus Sidonius bekannte Arvandus praefectus Galliarum, auf dessen Person die Schilderung vorzüglich paßt.

Hatten schon diese chronologischen Erörterungen es nahe gelegt, Commodian nach Gallien zu setzen, so ergeben sich weitere Bestätigungen aus der Erwähnung des Ammudateskultes (Instr. 1, 18) der von Syrien aus besonders in Südgallien und Illyrien verbreitet war**), und aus der Sprache. Denn sowenig auch von den „lokalen Verschiedenheiten" der lateinischen Sprache sich als gesichert erwiesen hat, zwei Gallizismen sind bei Commodian sicher: die Umschreibung des Genetivs durch ad: Apol. 892 rex ad oriente und das transitive o(b)stare (Instr. 2, 18, 15), das nur ins Provençalische und Französische übergegangen ist. Ein der gallischen Liturgie eigentümlicher Brauch wird berührt Instr. 2, 35, wo es sich um die Störung des Gottesdienstes durch Unterhaltung handelt. Die Aufforderung zum Schweigen kennt sonst die Liturgie nur vor dem Evangelium, die gallische Liturgie hat sie auch vor der Verlesung der Epistel durch den Lektor, und darauf bezieht sich v. 5***)

Dürfte somit kaum noch ein Zweifel sein, daß Commodian im 5. Jahrhundert in Gallien geschrieben hat, so ist es nicht erwiesen, daß er in Arelate gelebt hat. Die Deutung von Instr. 2, 9, 10 sq. auf die vom Meere die Rhône aufwärts dringenden Vandalen haben

*) iudex bezeichnet hier wie Apol. 863 den Provinzialstatthalter. Das ist erst seit Constantin möglich.

** Daß es sich in Instr. 1, 18 nicht um den Hauptkultort dieses Gottes handelt, schließt der Verf. mit Recht aus v. 2 ne quid praeterire dicamur. buccina praeconum clamat, lectore legente ut pateant aures.

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wir schon oben abgelehnt. Daß die Kenntnis der päpstlichen Entscheidung und der Canones der Konzile aus dem arelatensischen Archive stammt, ist nicht ohne weiteres anzunehmen: sie betrafen ja Fragen von allgemeinerem Interesse und waren daher wohl auch öffentlich verbreitet. Hiergegen pflichten wir dem Verf. unbedingt bei, wenn er in der Bezeichnung Gaseus einen Hinweis auf die syrische Heimat des Autors erblickt. Er verrät ja auch außer dem Ammudateskult Kenntnis syrischer Gebräuche, und Südgallien hatte in jener Zeit lebhafte Beziehungen zum Osten. Daß Commodian, als er seine Gedichte schrieb, Laie gewesen ist, schließt der Verf. mit Sicherheit aus Instr. 2, 22, 15 und Apol. 61. Ursprünglich Heide, scheint Commodian zunächst zum Judentum, dann zum Christentum sich bekehrt zu haben.

Daß auch die religiösen Anschauungen Commodians, die dem Sabellianismus nahe stehen, in Südgallien besonders durch den Einfluß des Priscillianismus wohl erklärlich sind, weist der Verf., soweit ich die Frage beurteilen kann, überzeugend nach. Doch mögen hier Kundigere nachprüfen!

Unter den Vorbildern ist besonders Laktanz von Wichtigkeit. Nachahmer sind der aus Gallien stammende Ennodius und Caesarius

von Arelate. Zuletzt behandelt der Verf. den sprachlichen Charakter der Dichtungen. Hier dürfte am ersten eine Vertiefung seiner Forschungen möglich sein. Jedenfalls steht die Sprache durchaus nicht im Widerspruch mit der Ansetzung Commodians ins 5. Jahrh. Die Verskunst wird bei Seite gelassen, mit Recht, denn seine quasi versus sind doch unvollkommene Hexameter, und solche finden sich in jedem vulgärlateinischen Volksidiom. Daß aber Commodian, weil unter den mehr als 2000 Versen etwa 60 korrekt gebaute Hexameter sich finden, klassische Hexameter hätte dichten können, wenn er gewollt hätte, ist ebenso unglaublich, wie wenn jemand behaupten wollte, Gregor von Tours hätte korrektes Latein schreiben können, weil er zufällig hie und da die Regeln des klassischen Lateins nicht verletzt hat. Für die weitere Forschung in diesen Punkten ist aber nun ein fester Boden gewonnen. Denn daß Commodian in dieselbe Sphäre gehört, wie Gregor von Tours, das scheint mir nach Brewers gelehrten. und tiefeindringenden Untersuchungen festzustehen.

Straßburg i. Els.

Alfred Klotz.

Sam. Brandt: Anicii Manlii Severini Boethii in isagogen Porphyrii commenta. Corp. script. ecclesiast. latinorum. Vol. XXXX. Vindob. 1906. LXXXVI. 423 p. 8o.

Es war eine große Aufgabe, als Georg Schepß 1883 es übernahm sämtliche Schriften des Boethius einer kritischen Rezension zu unterziehen, aber nicht zu groß für die Jugendkraft des im Spätlatein so vorzüglich unterrichteten Gelehrten. Daß er bei seinem Tode 1897 nichts Fertiges hinterließ, erklärt sich zum Teile daraus, daß die Herausgabe des neu entdeckten Priscillian einen Teil seiner Mußezeit in

Anspruch genommen hatte. Die auf Musik und Mathematik bezüglichen Schriften hatte er schon 1890 aufgegeben und sich auf die theologisch-philosophischen beschränkt. Niemand war befähigter die Erbschaft anzutreten als sein Freund und Studiengenosse Prof. Sam. Brandt; sein Name verbürgt uns auch, daß der Leser genau erfährt, was wir Schepß verdanken, was Brandt. Beispielsweise hat Brandt drei wichtige Handschriften ganz allein kollationiert, zahlreichere nachgeprüft, weil die Angaben von Schepß zu wenig bestimmt waren. Die Überlieferung ist reichhaltig, steigt aber nicht über das 10. Jahrhundert hinauf. Besonders wertvoll ist der lexikographisch-grammatische Index. Auf dem Umschlage übersehen wir, was wir in nächster Zukunft zu erwarten haben. Mehrere Mitarbeiter sind auf der Liste gestrichen worden, weil sie seit Jahrzehnten nichts geliefert haben. Möge auch nach Hartels Tod das große Unternehmen rüstig vorwärts schreiten.

Henr. Georgii: Ti. Claudi Donati interpretationes Vergilianae:
Vol. II. Aeneidos lib. VII-XII. Bibl. Teubner. 1906. 660 p. 8o.

Es ist eine entsagungsvolle und wenig dankbare Aufgabe, den Donatkommentar zu Vergil herauszugeben (vgl. Arch. XIV 448): denn da er den Dichter ausschließlich von der rhetorischen Seite (vgl. Arch. XV 253 ff.) erklärt, bereichert der Herausgeber weder sein eigenes Wissen, noch kann er dem Leser etwas Neues bieten. Aber einmal mußte doch der schwer zugängliche Text nach der Editio princeps und der handschriftlichen Überlieferung festgestellt werden, und hier findet die Konjekturalkritik noch allerhand Arbeit. So darf 3, 390 porcam ut roboream-quietam nicht im Texte belassen werden, sondern es ist in 'sub robore' abzuändern nach Vergil 'sub ilicibus sus recubans': 7, 30 ist zu erwägen, ob statt licet illum rapta velocitas volveret' zu schreiben sei 'rapida'. 11, 896 nuntius implet Turnum] implere est aliquid ad plenum intumere; vielleicht intimare.

Der Herausgeber hat in einem Index Latinitatis Donatianae p. 644 ff. zusammengestellt, was ihm schien 'a meliorum scriptorum consuetudine ad deteriorem latinitatem deflectere', z. B. idem = is, ipse hic, satis mit Komparativ und Superlativ multo, quod statt Akkusativ cum infin., commanere (manere übernachten) habitare. Auch Romanisches wird berührt, wie magis franz. mais, adversativ; deferre potioribus (= multum tribuere), franz. déférer: aber er gibt nur ausgewählte Beispiele, keine vollständigen Sammlungen.

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Nekrolog.

Excellenz Professor Dr. Wilh. v. Hartel. +

Der am 14. Januar 1907 verstorbene österreichische Kultusminister a. D. gehört ohne Zweifel zu den Männern, welche, was sie geworden sind, sich selbst zu verdanken haben. Von wenig bemittelten Eltern geboren, machte er doch seine ungeschmälerten Universitätssemester durch, indem er in einer gräflichen Familie Hauslehrer wurde, und weil sein Lehrer, Professor Bonitz, seinen Wert von Anfang an erkannte. Zu fragen, ob er Gräzist oder Latinist gewesen, wäre seiner unwürdig; er betrieb alles, was in sein Fach gehörte oder worauf ihn die Pflicht führte, Homer oder attisches Staatsrecht, mit gleicher Energie; auch der Kunst sind seine Studien nicht fremd geblieben. Als ich auf der Leipziger Philologenversammlung Ritschl aufsuchte, sagte er mir, er habe soeben den Besuch eines jungen Philologen aus Wien erhalten, den er jetzt schon als eine „,künftige Säule unserer Wissenschaft" bezeichnen müsse. Bald wurde der Gymnasiallehrer Privatdozent und Universitätsprofessor. Die große Zahl der ihm gewidmeten Doktordissertationen zeigt wohl am besten, welchen Erfolg seine Vorlesungen hatten; sie waren bis ins Detail ausgearbeitet, und man kann dies heute noch kontrollieren, da wörtlich stenographierte Nachschriften als Hilfsmittel für das Examen vielfach zirkulierten und einen hohen Preis behaupteten. Öfter als Plautus hat er Terenz behandelt; dann vor allem lateinische Grammatik (Formenlehre), und lateinische Literaturgeschichte, letztere unter verändertem Titel, da das Fach auch von anderer Seite gelesen wurde. Außerdem nennen wir die Vorlesungen über Homers Ilias, Buch I, über griech. Literaturgeschichte, über griech. Lyriker, über griechische und lateinische Metrik. Was ihn aber den wissenschaftlichen Bestrebungen in Deutschland besonders nahe brachte, war der Umstand, daß er nach dem Abgange von Vahlen die Leitung des Corpus scriptorum ecclesiasticorum latinorum übernahm und auch bayerische Gelehrte für das Unternehmen zu gewinnen suchte, z. B. Geyer für die sogenannte Peregrinatio Silviae, den Kirchenhistoriker Nikol. Müller, Schepß. Ja er lieferte selbst eine Rezension des Cyprian, welche namentlich durch die neuen Kollationen (er hat für die Kritik der Briefe 32 Handschriften verglichen) zu den Pseudocyprianea für die Novatianfrage bedeutsam geworden ist; ferner eine neue kritische Ausgabe des

Ennodius, welche vorbereitet wurde, bevor man von dem an Vogel von der Berliner Akademie erteilten Auftrage Kenntnis hatte; endlich noch einen neuen Lucifer und den zweibändigen Paulinus von Nola. Gern hätte er auch eine zweite Ausgabe des Cyprian besorgt, um den codex Lugdunensis mehr zu seinem Rechte zu verhelfen, wenn der Absatz der ersten es gestattet hätte.

Daß er unter solchen Umständen als Vertreter der Wiener Akademie in die Thesauruskommission berufen wurde, versteht sich von selbst, und er eignete sich dazu noch besonders durch seine vermittelnde Stellung, die er so oft mit Erfolg einnahm. Er hat auch dem Thesaurus vorzügliche Mitarbeiter zugeführt, z. B. den jetzt am Theresianum in Wien tätigen Professor Dr. Prinz. Und wie er im Ministerium durch sein konziliantes Wesen beliebt war, so kam diese Tugend auch dem Thesaurus zu gute, dessen Präsidium er Jahre lang geführt hat. Den Posten eines Unterrichtsministers hatte er nicht gerade gern übernommen; wenigstens versah er anfänglich nur die Geschäfte unter Vermeidung des Titels.

Gegen die Mängel des Thesaurus verschloß H. seine Augen nicht; allein er glaubte doch, daß man die Sache unter den obwaltenden Umständen nicht hätte viel besser machen können, und den Verfasser dieser Zeilen überhäufte er mit solchen Ehren (man darf ihm zuschreiben, was unter seinem Einflusse geschah), daß man billigerweise auch an die Verdienste anderer erinnern muß.

Daß er in der Politik, wenigstens am Ende, weniger Erfolge hatte, ist bekannt. Als Mitglied des Publikums beurteilt man manches anders, als wenn man in der Stellung eines verantwortlichen Ministers selbst regieren soll. Er ist nicht vom Liberalismus abgefallen, sondern er hat sich überzeugen müssen, daß man nicht alles durchführen kann, wie man es wünschen möchte. Ein Beweis seiner Vielseitigkeit ist, daß er Jahre lang die Direktion der Staatsbibliothek führte, und daß er noch in seinem letzten Lebensjahre als Intendant des Schauspielhauses in Aussicht genommen war. Die Krankheit, der er erlag, war eine alte, und es ist eigentlich zu verwundern, daß er als Minister so viele Widerwärtigkeiten ertragen konnte.

H. war ungewöhnlich leistungsfähig und mit wenigen Stunden Schlafes zufrieden, aber auch seinen Anlagen nach ein Mann, wie sie nur selten erstehen. Hat er sich um sein engeres Vaterland (wie um die Hebung des Gymnasialunterrichtes) die größten Verdienste erworben, so wird ihm auch die deutsche Wissenschaft bleibenden Dank schulden. Vgl. Edm. Hauler in der Zeitschrift für die österreichischen Gymnasien 1907, III. Heft.

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