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nach Übereinkunft mit dem Verletzten an diesen entrichtete Buße ist, durch die er sich von anderen üblen Folgen einer Tat, insbesondere dem Zorn oder der Rache des Beleidigten loskauft; Zweck und Erfolg des supplicium ist nicht Ahndung eines Vergehens, sondern Versöhnung zwischen dem Schädiger und dem Geschädigten.

Im Mercator wird dem alten Demipho hart zugesetzt, der des Sohns Geliebte für sich genommen hatte. Er verzichtet auf sie zu des Sohnes Gunsten; man belobt ihn höhnisch, das sei ein rechtzeitiger Entschluß jetzt, wo er gar nicht mehr anders könne. Da erbietet er sich zu weiterem (991):

supplici sibi sumat quid volt ipse ob hanc iniuriam,
modo pacem faciatis oro, ut ne mi iratus siet.

Am Schlusse des Epidicus will der angeblich aufs schwerste in seiner Sklavenehre Gekränkte sich die Fesseln nicht wieder abnehmen lassen (724):

numquam hercle hodie, nisi supplicium mihi das, me

solvi sinam.

Periphanes ist gern dazu bereit:

optumum atque aequissimum oras. soccos, tunicam, pallium
tibi dabo. quid deinde porro? libertatem. at
postea?
novo liberto opus est quod pappet. dabitur, praebebo

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cibum. Der Sklav verlangt noch eine letzte, den Herrn demütigende Genugtuung:

numquam hercle hodie, nisi me orassis, solves. oro te, Epidice,

mihi ut ignoscas, siquid imprudens culpa peccavi mea. Man sieht, es steht ganz im Belieben des Gekränkten, ob er das supplicium annehmen will, hier wie anderwärts; in der Cistellarial weist Selenium erst die Bitte des Alcesimarchus zurück, sich rechtfertigen zu dürfen, er geht weiter (455): supplicium polliceri volo (womit er seine Schuld eingesteht); aber sie bleibt hart: at mi abs te accipere non lubet (auf das wiederholte Angebot 477 fehlt die Antwort der Selenium). Dagegen ist die formelle Erklärung, daß das geleistete supplicium genüge, identisch mit der gewährten Verzeihung, supplici habeo satis Most. 1165 identisch mit neque iam illi sum iratus neque quicquam suscenseo (1163);

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ein Vater, heißt es bei Terenz, verzeiht dem Sohne leicht: pro peccato magno paulum supplici satis est patri (Andr. 903), nachdem der Sohn sich zu jeder Buße erboten hat: tibi pater me dedo. quidvis oneris impone, impera (897). Phormio frohlockt über seinen Sieg (1027):

sic dabo: age nunc Phormionem qui volet lacessito:
faxo tali sit mactatus atque hic est infortunio.

Aber er ist nun befriedigt:

redeat sane in gratiam iam (sc. Chremes mecum): supplici satis est mihi:

habet haec, ei quod, dum vivat, usque ad aurem ogganniat. Das ist freilich bittrer Hohn: weder hat der bestrafte Chremesirgend den Wunsch geäußert, sich mit Phormio wieder auszusöhnen, noch hat er freiwillig ein supplicium dargeboten. Eben solcher Hohn ist es, wenn im Persa das Sklavenvolk, nachdem es den leno bis aufs Blut gequält hat, großmütig erklärt: satis sumpsimus supplici iam (855).

Von scherzhaften Verdrehungen, wie in den zuletzt zitierten Stellen, abgesehen, ist den genannten Fällen bei aller Verschiedenheit im einzelnen das gemeinsam, daß die Bußgabe freiwillig, wenn auch gelegentlich auf Wunsch oder Verlangen des Verletzten dargeboten und zwischen den beiden Beteiligten vereinbart wird, ohne daß jemals die Entscheidung einem dritten, arbiter oder iudex, übertragen würde. Man begreift demnach leicht, daß die Strafe, die ein Sklav von seinem Herrn erleidet, niemals bei Plautus als supplicium bezeichnet wird: abgesehen davon, daß ein Sklav dem Herrn nichts zu geben vermag, fehlt das Moment des freiwilligen Angebots und der Vereinbarung durchaus. Wohl aber kann ein Freier, den ein Sklav beleidigt hat, von dessen Herrn Genugtuung verlangen, die dann zumeist der Rücken des Sklaven zu leisten hat; der Herr würde die Folgen zu tragen haben, wenn er die Buße verweigert. So droht im Miles, als Sceledrus auf das Dach des Nachbarn Periplectomenus gestiegen ist, dieser (502):

nisi mihi supplicium virgeum de te datur
longum diutinumque a niane ad vesperum...
nisi mihi supplicium stimuleum de te datur,
dedecoris pleniorem erum faciam tuom,
quam magno vento plenumst undarum mare.

Begreiflich ferner, daß in den Beziehungen des Liebhabers zur meretrix das supplicium eine große Rolle spielt. So in der oben erwähnten Szene der Cistellaria, in der der Sklav schon vorher dem mit seiner Geliebten verzürnten jungen Herrn spottend geraten hatte: supplicium illi des: suspendas te, ne tibi suscenseat. Im Truculentus bringt der Liebhaber eine Mine Gold als supplicium (893.900), fügt, als das nicht genug erscheint, eine weitere hinzu, erbietet sich schließlich tuo arbitratu quod iubebis dabitur (911). Jede Verstimmung des Mädchens heischt ein supplicium: quot illic iracundiae sunt, quot supplicia*) danda (dies Büchelers evidente Verbesserung: quot sui perclamanda ist überliefert) ebd. 28, wo die supplicia, als Extrasühnegabe, von den gleich darauf erwähnten ständigen munera verschieden sind. Hat das Mädchen den Liebhaber ihrerseits gekränkt, so kehrt sie den Spieß um: et te ultro accusabit, et dabis ultro ei supplicium Ter. Eun. 69. Es versteht sich endlich, daß das supplicium zwar in der Regel, und ursprünglich wohl durchweg, eine materielle Gabe ist, an deren Stelle nur beim besitzlosen Sklaven die Prügel treten, daß aber auch, und zwar um so eher, je mehr die ursprüngliche Bedeutung in freierem Gebrauch zurücktritt, jede andere Genugtuung damit gemeint sein kann, also vor allem ein dem Schädiger zugefügtes Leiden (Persa 855. Phorm. 1027: s. o.), aber auch ein einfaches Bekenntnis der Reue: si hoc pudet, fecisse sumptum, supplici habeo satis sagt der Vater in der Mostellaria 1165; und so kann gelegentlich selbst eine formelle Entschuldigung, eine Ehrenerklärung u. dgl. als supplicium gegolten haben. **)

Strafe also ist bei Plautus supplicium nicht, sofern der

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*) Der Plural steht hier, da es sich um mehrere Fälle von Versöhnung handelt, mit Recht, sonst stets der Singular, wie auch bei Terenz, der Grundbedeutung des Wortes entsprechend. Wenn am Schlusse des Poenulus Hanno, der den leno als Mädchenräuber vor Gericht ziehen will, sagt (1352): et mihi suppliciis multis (scil. opus est), so ist sowohl die Pluralform wie die Bedeutung des Wortes (gerichtliche Strafe) ein neuer Beleg dafür, daß wir hier nicht den echten Plautus haben.

**) Im (unplautinischen) Schluß des Poenulus verspricht der leno supplex (1390) dem Agorastocles: iusiurandum dabo me malitiose nil fecisse; ähnlich verlangt die gekränkte Alcmene vom Gatten satis faciat mihi atque adiuret insuper nolle esse dicta quae in me insontem protulit 889; bei Terenz droht der schimpflich behandelte leno, er werde sich nicht mit Worten abspeisen lassen: novi ego vostra haec nollem factum: ius iurandum iniuria hac dabitur te esse indignum' Adelph. 165: das alles weist auf das Bestehen einer festen Sitte hin.

Begriff der Strafe einen Zwang in sich schließt, die Freiwilligkeit der Leistung ausschließt. Für diesen Begriff hat Plautus andere Bezeichnungen, unter denen poenae zu seiner Zeit schon den vollen Bedeutungsumfang unseres Wortes Strafe erreicht hatte.*) Freilich lehrt uns der überaus seltene Gebrauch von poenae bei Plautus wie bei Terenz**), daß das Lehnwort in der Umgangssprache damals noch nicht volles Bürgerrecht besaß***): Plautus wendet es nie im Sinne von freiwillig gebotenem Lösegeld an, aber auch nicht für gerichtliche Strafe†), sondern nur ein paar mal im Sinne von Züchtigung: deinde illi actutum sufferet suos servos poenas Sosia Amph. 1002; ante solem exorientem nisi in palaestram veneras, gymnasi praefecto haud mediocris poenas penderes Bacch. 424; dazu einmal im Wortspiel: ut vobis victi Poeni poenas sufferent Cist. 202; bei Terenz ist es einmal Züchtigung (Syrus mihi tergo poenas pendet Haut. 728), einmal gerichtliche Buße (an legibus daturum poenas dices, si illum eiecerit? Phorm. 626). Im übrigen unterscheidet Plautus scharf die Züch

*) Mommsen, Strafr. 13 f. Außer den poenae der XII t. (Buße für Körperverletzung VIII 4) s. Cato bei Gellius VI 3, 36 poenas dare. 37 poena esto. Ennius ann. 100 (Romulus zu Remus) mi calido das sanguine poenas. **) Der Singular poena findet sich nur einmal in der Wendung sine poena impune Capt. 695. Accius 17 und 486 poenas sufferre, 659 poenis luendis. Auch Lucrez sagt nur einmal (IV 1074) sine poena, achtmal poenae; ebenso Virgil regelmäßig poenae, außer in der für sich stehenden Wendung poenam traxe per omnem Aen. V 786 und einmal aus euphonischem Grunde: poenam scelerato ex sanguine sumit XII 949. Der Plural hat, weil man ihn als altertümlich empfindet, feierlicheren Klang.

***) Mommsen a. a. O.; er hat auch bemerkt, daß von den Ableitungen zwar impune früh zur Geltung gelangt ist, dagegen poenire dem älteren Sprachgebrauch noch weniger geläufig ist als poenae selbst. In der Tat scheint poenire erst beim auctor ad Herennium nachweisbar (IV 10, 15, nicht einmal ganz sicher, aber impunitus kennt er: IV 29, 39; 39, 51), dann bei Cicero de inv. I 13, 18 passivisch, II 22, 66; 27, 80; 28, 83 medial. In den Reden hat Cicero (nach Merguet) das Wort im ganzen nur 15 mal, wovon sechs auf die Miloniana kommen, Formen des Aktivums nur pro Mur. 67 zweimal (weil Zitat aus der Rede des Klägers ?)

†) Seltsam die von Ussing als interpoliert erkannten Verse Asin. 480-483 in ius voco te (den Sklaven!). non eo. non is? memento. memini. dabitur pol supplicium mihi de tergo vostro. vae te. tibi quidem de nobis, carnufex, detur supplicium? atque etiam pro dictis vostris maledicis poenae pendentur mi hodie. Hier rechnet der mercator darauf, vor Gericht sowohl Züchtigung des Sklaven, wie Zahlung einer Strafsumme durchzusetzen.

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tigung des Sklaven von der magistratischen oder gerichtlichen Strafe für diese braucht er, in striktem Gegensatz zu supplicium, multa und multare, stets mit genauer Angabe der Strafsumme oder, in übertragener Wendung, dessen was an ihre Stelle tritt*); in den zahlreichen Fällen dagegen, wo Bestrafung des Sklaven durch den Herrn vorkommt, wird ganz objektiv das genannt, was der Sklave erleidet, ohne daß der Ausdruck die Ahndung eines Vergehens andeutete: also cruciatus, verbera, mala res oder malum, infortunium u. dergl., dem entsprechend verbale Ausdrücke wie excruciare, malam rem dare. Fragt man, wie Plautus,,Todesstrafe" bezeichnet hätte, so könnte, da die lateinische Sprache so wenig wie die griechische und die deutsche ein eignes Wort hierfür gebildet hat**), höchstens an poena capitis gedacht werden, das m. W. vor Cicero nicht nachzuweisen ist; wahrscheinlich aber hat er ein Substantiv überhaupt nicht verwendet, sondern sich mit den verbalen Ausdrücken, einerseits necare, suspendere, collum decidere (Merc. 308) etc., andererseits capitis perdere u. dergl. begnügt.***)

Der Brauch des supplicium, der zu Plautus' Zeit noch durchaus lebendig gewesen sein muß, ist bei ihm auf die Fälle persönlicher Kränkung beschränkt, die sich gerichtlicher Verfolgung ihrer Art nach entziehen. So wenig es sich strikt nachweisen

is diem dicam, inrogabo multam, ut mihi cenas decem meo arbitratu dent Capt. 494. In den leges des Liebhabers haec multa ei esto, vino viginti dies ut careat As. 801. (Juppiter) maiore multa multat quam litem auferunt Rud. 20. uter demutassit, poculo multabitur. bonum ius dicis Stich. 725 vgl. 727. ob stultitiam tuam ted auri multabo mina sagt Trin. 708 Stasimus, der in der Rolle eines den Spielen vorsitzenden Magistrats spricht. Freierer Gebrauch: (Pseudolus) me viginti modicis multavit minis 1228. hoc ego te multabo bolo: sex talenta magna dotis demam pro ista inscitia Truc. 844. duplici damno dominos multant (Köche) Cas. 722. numquid causam dicis, quin te hoc multem matrimonio Amph. 852. Unplautinisch (elegantia) quemque attigit magno atque solido multat infortunio Merc. 20.

Auf die Glosse nepalinỳ tiμogía capitale (II 348) ist schwerlich

VerlaB.

***) capital (Merc. 611 Men. 92) oder capitale scelus (Most. 475; facinus Caecil. 213; flagitium Ter. Ad. 723), capitalis fraus (Mil. 294) das todeswürdige Verbrechen; capitis comitia u. ä. Aul. 700; Truc. 819; (centuriata) Pseud. 1232; res capitalis Stich. 502 capitis Trin. 962; capitis perdere Mil. 371; Bacch. 490; As. 132 (zum Tode verurteilen lassen). Daß diese Ausdrücke wirklich, wie Mommsen Str. 916 meint, auf die Köpfung als älteste Todes-strafe führen, bezweifle ich.

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