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Summe in der That schon eine levis aestimatio.320) und musste der spätern Zeit um so mehr als solche erscheinen, theils waren die 100 und die 10 Asse offenbar die auch in späterer Zeit stets gültig gebliebene Schätzung bei Multen, weil der Betrag der multa suprema stets nach ihr angegeben wird und auch die der zwei Schafe für sich später vicessis hiess. Auf die Zufälligkeit, dass

zur Zeit der Lex Aternia noch keine Censoren gab, ist am wenigsten Gewicht zu legen. Nachdem wir oben (S. 20) den Unterschied der eigentlichen multae dictio und der censio kennen. gelernt haben, scheint in der Sache selbst die Annahme am meisten begründet 321), dass die Lex Aternia die eigentlichen multae dictae, übrigens in allen ihren Anwendungen, auch als Processbusse in Interdicten, die Lex Iulia Papiria dagegen, die ja ausdrücklich durch censorische Multen veranlasst sein soll, die censio, sowohl die censorische als die militärische (hastaria) betroffen hat. Und zwar wurden die letzteren durch die Lex Aternia gewiss nicht blos desshalb nicht mitergriffen, weil sie sich gerade des Wortes multam dicere bedient hatte; sondern multatio und censio waren damals auch materiell noch so verschieden, dass man die letztere mit Bewusstsein unberücksichtigt liess. Die Lex wagte nur erst die gewöhnliche Coercitionsgewalt zu beschränken und zu mildern. Abgesehen von der militärischen, gegen welche ja auch nicht einmal provocatio galt, bezog sie sich also auch nicht auf die censorische, da der Census damals ordentlicher Weise d. h. mit Lustrum nur noch von magistri populi in königlichem Ornat und Ansehn gehalten wurde, die dann auch auf die später eingeführten Censoren übergingen, und so bedurfte es erst noch eines besonderen Anstosses, wie er in der Masse des durch die Censoren des J. 324 vielen Bürgern durch Multen entzogenen Viehs lag, um die Aestimationsvorschrift auch auf die Censionen, wahrscheinlich doch nun auch die militärischen auszudehnen 322). Die Vorschrift dieser Aestimationsgesetze ist nun

so zu denken, dass durch sie selbst der Multierte berechtigt wurde, statt der Viebstücke (beziehungsweise Lanzen den festgesetzten Preis derselben in Erzgelde zu entrichten. Denn die Schätzung wird den Gesetzen selbst zugeschrieben und diese würden dem Volk nicht so angenehm gewesen sein, wenn ihr Zweck, wie Andere annehmen, dahin gegangen wäre, nur den Obrigkeiten eine so

320) Vgl. Böckh metrolog, Unters. S. 420... 423.

321) Achnliches vermuthete nur ohne Gründe und unter anderen Möglichkeiten schon Rein cit. S. 194., während Zumpt cit. S. 329. es unwahrscheinlich findet.

322) Ausführlicher habe ich diese Ansicht über die Lex Iulia Papiria und die gleichsam exempte Natur der censorischen Multen, die auch in dem Bantischen Gesetze in einem besondern Capitel behandelt und keiner Art von Beschränkung unterworfen werden, erörtert in der Osk. Spr. S. 129. Vgl. auch das Röm. Jahr S. 66.

geringe Abschätzung, aber Zwecks der Execution, zur Pflicht zu machen; denn hätte die Geldschätzung hier dieselbe Bedeutung gehabt, wie bei der litis aestimatio, so würden die Gesetze mit der unmittelbaren Herbeiführung der strengen Execution bei grösseren Multen zugleich eine bedeutende Verschärfung erhalten haben. Nach unserer Auffassung, die auch überall mit den Quellen übereinstimmt, blieb es bei der bisherigen Executionsweise. Dem Apparitor wurde, wie früher die adactio, eventuell die Pfändung aufgegeben, welche aber bei der Geringfügigkeit der Geldschätzung fast immer durch Geben von Assen abgewehrt wurde und so die Bedeutung von dare cogere annahm (Anm. 301). Uebrigens lag in dieser Abschätzung der Multen zu Gelde der natürliche Uebergang zu unmittelbaren Geldmulten, wie wir sie in dem ius extraordinarium der Kaiserzeit finden 323) und wie sie ohne Zweifel schon früher im Verhältniss der Römischen Behörden zu Peregrinen, wabrscheinlich auch schon in den Gesetzen der Städte und Collegien aufgekommen ist.

In unmittelbarer Verbindung mit der Beitreibung der Mult steht auch noch deren Verwendung. Noch in der späteren Kaiserzeit finden wir den Grundsatz, dass die beigetriebene Mult zwar dem Schatze zufällt, aber doch nur dann, wenn sie von der multierenden Obrigkeit nicht schon irgend einem bestimmten öffentlichen Zweck zugewiesen ist 324). Dieses Recht der Behörde, über die Mult zu disponieren, welches wohl auch mit dem Deponens multari ausgedrückt werden sollte, ist uralt und erlitt nur für die Magistrate in Rom selbst, wie wir später sehen werden, gegen Ende der Republik mit einer veränderten Einziehungsart der Multen eine Modification. Für die frühere Zeit der grössern Selbständigkeit der Magistrate folgt es aus dem Wesen der Mult als einer Sühne nicht sowohl des Staats unmittelbar als der Obrigkeit wegen der zunächst nur gegen sie begangenen Unbotmüssigkeit und ist nur mit einer gewissen Beschränkung selbst auf die multa irrogata übergegangen. Aeltere Zeugnisse dafür 325) mögen sich

323) Ulpian L. 131. §. 1. D. de verb. sign. (Einl. Anm. 11) cuius animadversio hodie pecuniaria est. L. 1. §. 6. D. de postul.' (3, 1). et pro aestimatione iudicis extra ordinem pecuniaria poena multabitur. Ebenso nach Modestin als militärische Strafe L. 3. §. 1. D. de re milit. (49, 16). Bei diesen Stellen ist zu beachten, dass später Vieh nicht mehr Geld war.

324) L. 5. C. de modo mult, quae a iudic. inflig. (1, 54) vom J. 384. Multarum severa compendia aerario nostro protinus esse quaerenda, nullus ignoret, nisi ipse iudex id, quod ad poenam admissi facinoris exsculpitur, vel publicis operibus vel cursui público vel aliis necessariis causis specialiter deputaverit. Auch wurden wohl kaiserliche Multen so - vorgeschrieben, dass dieselben von der eintreibenden Behörde sogleich zu Bauwerken verwandt werden sollten. L. 13. $6. 2. 3. Th. C. de praetor. et quaest. (6, 4).

325) Wir werden sie in dem Abschnitt von der multa irrogata beibringen.

hauptsächlich auf diese beziehen, aber nur weil sie meistens bedeutender war und so eine hinreichende Summe ergab, um davon das öffentliche Werk, wovon sie sprechen, aufzuführen. Eine Inschrift aus einer selbständigen Stadt Oskischer Zunge scheint die Sitte zu bezeugen, dass die Obrigkeiten derselben mit den Multierten ein Abkommen trafen, wonach die letzteren gleich selbst das von jenen beabsichtigte Werk herstellten und dann wohl mit Rücksicht darauf, dass sie noch etwas mehr, als die Mult betrug, aufwandten, die Ehre genossen, auf demselben gleichsam als materielle Stifter desselben genannt zu werden 326): während es mit der Erwähnung des Bestraften und der von ihm entrichteten multa irrogata auf anderen Inschriften eine andere später zu erörternde Bewandtniss hatte 327). Von der wahrscheinlichen besonderen Verwendung der Schafmult ist schon die Rede gewesen (S. 111). War die Mult aus Interdicten erwachsen, so mag sich darauf die magistratuale Verwendung nicht auch bezogen haben, weil sie mehr auf einer allgemeinen Anordnung, wie das sacramentum, beruhte, und auf solche möchte ich die aus der ältesten Zeit der Republik erwähnten Multheerden um so lieber beziehen, als sich daraus, hinsichtlich der tribunicischen Multen auch ein eigenes Vermögen der Plebs ergeben würde, aus dem die Opfer der plebejischen Gottheiten eben so, wie aus dem sacramentum die der patricischen bestritten werden konnten.

Zum Schluss soll noch auf die Geschichte der multae dictio zunächst bis zur Kaiserzeit ein allgemeiner Blick geworfen und dann deren Geschichte in der Kaiserzeit weiter verfolgt werden.

326) Wir meinen die aus Aufidena in Samnium Osk, Spr. S. 141. pk. de. pk, suvad eitiv, upsed Pacius Decius, Pacii (filius) sua multa fecit: wo der Mangel eines magistratualen Charakters des Stifters zu der Annahme führt, dass er der Bestrafte gewesen. Wenn Constantius in L. 13. S. 2. 3. Th. C. de praetor. (6, 4) für die Mult, welche die ernannten aber nicht erscheinenden Prätoren mit der Hälfte mehr als sie für ihre Ernennung pro fabrica urbis zu entrichten hatten, vorschreibt, dass sie sammt der Hauptsumme und der auch den dabei mitschuldigen Behörden aufgelegten Mult zu Bauwerken, aber dann ohne chrenvolle Erwähnung ihrer Namen auf denselben verwandt werden solle, so zeigt dieses, dass dem Römischen Rechtsgefühl ein solches Abkommen widerstrebt haben würde.

327) Wie auf der Pompejanischen in Anm. 294. Auch auf der Lateinischen aus Firmum in Anm. 95. können die daselbst vorkommenden drei ersten Namen im Ablativ stehn, wovor dann (nach Fest. v. Publicing clivus p. 238.), wenn die Tafel oberhalb defect ist, condemnatis zu ergänzen wäre, und es folgten dann im altlateinischen Nominativ die Namen von zwei quaestores, die hier, wie in Pompeji nach der vorhin citierten Inschrift, nur das Bildwerk auf Geheiss des Staats besorgt hätten. So würden wir wenigstens die auffällige Zahl von fünf Quästoren in einer Colonie los,

Wie für die ganze Römische Staats- und Rechtsgeschichte vor den Kaisern treten auch in dieser Materie drei Perioden deutlich auseinander: die Königszeit, die mittlere Zeit bis zur Eroberung Italiens und die letzte Zeit bis zum Untergange der freien Republik.

Das Strafverfahren zur Zeit der Könige wird besonders durch zwei Eigenthümlichkeiten charakterisiert. Erstens beruht es noch auf dem Princip der Selbsterhaltung 328) und besteht also auch blos in der unmittelbaren Reaction gegen das Unrecht, indem der Staat die vorgekommene Rechtswidrigkeit, sobald sie nur nach kurzer Untersuchung als solche erkannt ist, sogleich durch Verurtheilung und Strafe zurückweist; daher dem eigentlichen Process hier nur der geringst mögliche Spielraum gelassen ist. Zweitens ruhen alle öffentlichen Rechte noch möglichst unmittelbar in der executiven Gewalt, also hauptsächlich in dem Könige, der kraft eigenen Rechts das Volk, wie der paterfamilias sein Hauswesen, durch seine Befehle und Gebote regiert, durch deren Uebertretung er selbst als zunächst angegriffen erscheint, und alle Streitigkeiten und Rechtsverletzungen dieser Art durch Gericht und Strafe beseitigt 329). Nach diesem monadischen, kindheitlichen Zustande des Staats mussten nun damals Multen im Verhältniss zu den Strafen bei weitem häufiger und insofern die wichtigste Art der Ahndung sein, ebenso wie es im Kindheitsalter des einzelnen Menschen fast nur erst Züchtigungen gibt; denn die eigentlichen Strafen (poenae) beruhen nicht auf der executiven Gewalt, sondern auf dem in den Anfängen des Staats noch unentwickelten eigentlichen ius civile. Hiermit rechtfertigt sich auch aus innern Gründen die Nachricht des Cicero de rep. 2, 9. von Romulus: et habuit plebem in clientelas principum descriptam .... multaeqne dictione ovium et boum

... non vi et suppliciis coercebat 330). Auch konnte damals zwar wohl die Verschiedenheit der Gestellungs- und Hauptmult, nicht aber auch der an sich freilich auch schon vorhandene Unterschied zwischen ordentlicher (Interdicten-) und ausserordentlicher, privatrechtlicher und publicistischer Mult schon vollständig hervortreten. Die Interdicte betrafen erst den Gebrauch der öffentlichen oder heiligen Sachen, beziehungsweise der Freiheit der Personen, der

328) Für das eigentliche Criminalrecht ist dieses Princip von Rubino Untersuchungen über Röm. Verfassung I. S. 459. richtig angedeutet worden.

329) Pomponius L. 2. §. 1. D. de orig. iur. (1, 2) Omnia manu gubernabantur a regibus. Cic. de rep. 5, 2. omnia conficiebantur iudiciis regiis. Tacit. A. 3, 25. Nobis Romulus ut libitum imperitaverat. Vgl. Liv. 1, 26. 40. 49. Dionys. 2, 29. 3, 21. 26. 30. 10, 1. 14. 57.

330) Eben darauf geht wahrscheinlich das Fragment aus Dios sechstem Buche ed. Reim. fr

. 15. p. 6. 'Etreldň nezev člonyayov (wohl eionγαγεν) και χρήμασιν έζημίωσεν, ούτε περί του σώματος είς κίνδυνον καταστήσας. .

SO

sich aber allmählich auch schon zur possessio weiter bildete 331) und die Multen in ihnen glichen den einseitigen zur Erzwingung des Gehorsams gegen andere obrigkeitliche Befehle noch um mehr, als das Privatinteresse in jenen ältesten Interdicten noch ganz zurücktrat, die Steigerung bei beiden keine gesetzliche Grenze hatte und hier wie dort der König selbst nur über die iusta multa entschied und die Viehhäupter selbst beitrieb.

In der zweiten Periode vorbereitet schon seit der Mitte der Königszeit und besonders seit Servius Tullius nimmt mit dem Staate und dessen Rechte überhaupt auch das Straf- und Multverfahren einen dualistischen Charakter den der von der aequitas bestimmten Rächung des Unrechts nach der Seite anstatt der Abwehr nach unten bin an. Die bisher in der Einbeit des Königthums noch überwiegend leiblich und factisch subordiniert gehaltenen Staatskräfte treten in Magistraten mit dem Senat in der Berechtigung wiederum getheilt nach dem Gegensatz von domi und militiae und in Volk, welches wieder theils populus theils plebs ist und theils als Volksgesammtheit theils in den Einzelnen zur Erscheinung kommt, mit eigener und mehr geistig d. h. civilrechtlich bestimmter Berechtigung neben einander. Dieser Richtung folgt die multae dictio nach, die damit zwar an rein politischer Wichtigkeit verliert, aber eben so sehr in rechtlicher Beziehung gewinnt und nach allen Seiten hin zweitheilig wird. So treten nach dem Aeussern und Innern des Staats censio und eigentliche multae dictio auseinander, welche letztere wieder theils in die der patricischen Magistrate und die der ebenfalls dazu berechtigten plebejischen Behörden zerfällt und zunächst gesetzlichen Beschränkungen nach der geringeren Geltung der blossen Magistratsgewalt unterworfen wird. Die eigentliche multae dictio dualisiert sich ferner in die auf einem allgemeinen obrigkeitlichen Edict für Regulierung von Parteiinteressen aus dem Bürgerrecht beruhende Interdictsmult, welche in einem ordentlichen Processe dem sacramentum gegenüber Succumbenzstrafe wird, und die alte einfache Regierungsmult, und die erstere wieder in die bei Popular- und die bei Privatinterdicten, welche letzteren auch nicht blos bei der possessio agri publici, sondern auch bei mehr privatrechtlichen Verhältnissen, wie zum Schutz des Besitzes auch am Inventarium der Grundstücke (interd. Utrubi), zum Schutz des bonorum defuncti possessor, des bonorum sector, des in bona missus u. eintreten. Auch die einfache Regierungsmult findet theils zum Schutz publicistischer Interessen, theils im Interesse von Privaten Anwendung und wird im ersteren Falle nicht mehr blos wegen Verletzung des obrigkeitlichen Ansehens, sondern auch schon nach

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3311 Vgl. meine Abh. über Varro d. Liciniern S. 83 flg. Zu Servius' Zeit war der ager occupatorius et possessus schon etwas Hergebrachtes. Dionys. 4, 9. vgl. Liv, 1, 46, 2.* Zonar. 7, 9.

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