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eines organischen Ganzen schon das Ganze nach sich zieht, worauf auch das Princip der Stimmenmehrheit beruht, und gerade die Hälfte doch auch als nur dualisiertes Ganzes (ex asse fit dupondius) sich diesem schon nach ältesten Gesetzen (Cap. II. S. 194) für das irdische Recht gleichstellt, so musste man, um jedenfalls ausserhalb der Capitalstrafe zu bleiben, die Grenze innerhalb der Hälfte des Vermögens ziehen 11).

Eine wichtige Abweichung von der gewöhnlichen multae irrogatio führten Gesetze dieser Art dadurch ein, dass sie jedem Magistrat, nicht blos den plebejischen, das Recht dazu verliehen, und hierin lag gewissermassen eine Ausgleichung der beiden Stände in Beziehung darauf, dass die Lex Aternia Tarpeia die multae dictio, wozu bisher blos die magistratus cum imperio berechtigt gewesen waren, auch den plebejischen Behörden mitgetheilt hatte. Hieraus, aus dem dem alten Civilrecht angehörigen Ausdruck familia und den alten Genitiv formen lässt sich denn auch mit Sicherheit abnehmen, dass dergleichen gesetzliche Multen schon in der zweiten Periode aufgekommen sind.

Das Verfahren in dieser Art von gesetzlichen Multen, von der sich ausserdem nur noch in der Lex Acilia repetundarum eine Spur erhalten hat 12), war offenbar das gewöhnliche, nur dass die anklagende Behörde vor der irrogatio eine ähnliche Untersuchung des Vermögensstandes des Angeklagten oft wohl blos durch Einsicht des letzten Census vornehmen musste, wie dem Richter in einer formula de peculio vor Aussprechung der Condemnation die Feststellung des Bestandes des peculium oblag. Die Municipal magistrate konnten ihre Volksmulten wahrscheinlich überhaupt nur mit dieser Beschränkung beantragen, weil sie sonst die Macht behalten hätten, einen Bürger doch nur auf dem Umwege der Höhe der Mult seines Bürgerrechts zu berauben. Mit dieser allgemeinen Beschränkung ist also auch das auf der Inschrift von Furfo den dortigen Aedilen in einem besonderen Falle scheinbar unbeschränkt eingeräumte Multierungsrecht zu verstehen 13).

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11) Im Ganzen treffend bemerkt Rudorff Zeitschr. f. gesch. R. W. XV. S. 245. Anm. 78. Wie die minor pars populi nicht der Populus (Cic. adv. Rull. 2, 7), die minor pars gregis nicht die Heerde ist (L. 2. de R. V. 6, 1), so ist auch erst die maior pars familiae das Vermögen' u. s. w. Obgleich dort im Uebrigen viele Irrthümer über die Mult ge

äussert werden.

12) Zeile 33 als Ueberschrift eines Capitels in der Materie vom Beweise: de inro(ganda multa). Rudorff ad leg. Acil. p. 461 bezieht diese Mult auf Zeugen. Gegen diese reichte aber die multae dictio aus. Vielmehr wird das Gesetz Magistrate im Auge gehabt haben, welche dem Ankläger das zur Sachinstruction nöthige Material herauszugeben oder zu besorgen verweigerten. Cic. Verr. 4, 66, 149.

13) C. I. L. I. 603, 15. aedilis, quanti volet, multatio esto. Vgl. Cap. II. S. 206.

Aus der Zeit der früheren Selbständigkeit dieser Städte, aber als sie schon unter Römischem Einfluss standen, hat sich eine gesetzliche Anheimgabe von magistratualer Multierung wegen Uebertretung einer gesetzlichen Vorschrift mit einer merkwürdigen anderartigen Beschränkung auf den Römisch - Oskischen Gesetzen der Stadt Bantia erhalten, die früher schon zu anderem Zwecke benutzt worden ist. Wie nehmlich in dem Römischen Gesetze auf der Rückseite (oben S. 251) dem Uebertreter neben einer festen gesetzlichen Geldstrafe auch die zulässige Multierung durch einen Magistrat angedroht wird, so wird in jenen Oskischen Gesetzen ebenfalls und zweimal im Ganzen gleichlautend nach der gesetzlichen Mult das eine Mal von 2000, das andere Mal von 1000 Numi hinzugefügt (v. 12 und 27) 11):

in svaepis ionc fortis meddis moltaum herest, ampert minstreis aeteis eitvas moltas moltaum licitud.

et si quis cum forte magistratus
multare volet, semel menstrui
spatii coercitiones multas multare
liceto.

Man kann diese Anheimstellung einmal' (und zugleich auf einmal') um die Multen einer Monatsfrist zu multieren, in doppelter Weise verstehen: so dass hier auch eine multae irrogatio gemeint 15) und nur deren erlaubter höchster Betrag von der multae dictio entlehnt wäre, oder so, dass das Gesetz anheimgibt, die gewöhnliche multae dictio, nur gleich für eine Monatsfrist zusammengenommen und nicht mehrere Male, gegen den Contravenienten in Anwendung zu bringen. Das letztere scheint das Einfachere und ist auch früher schon angenommen worden (oben Cap. I. S. 68). Wir erwähnen diese Gesetzesstellen hier nur wieder, weil die falsche Deutung derselben auch in ihnen die Römische Beschränkung auf die dimidia pars familiae gewaltsam hat herausbringen wollen. Im Erfolg würden beide obige Auffassungen ziemlich auf dasselbe hinauslaufen, da auch im letzteren Falle das Definitivurtheil erst der Volksversammlung zustand, wie das auch für eine Oskische Stadt die Pompejanische Adiranusinschrift zeigt (Cap. I. Anm. 294).

Die zweite Hauptart von gesetzlichen Multen, deren herkömmlicher Ausdruck multa esto mit hinzugefügter Strafsumme ist, wird in unseren Quellen weit häufiger erwähnt. Doch erscheinen in den Gesetzen, wie schon eine bekannte Stelle aus einer Rede des älteren Cato für die Rhodier bezeugt 16), ausser jenem Ausdrucke

14) Meine Osk. Spr. S. 65, 67, 97.

15) Wie der Ausdruck multare auch in der Lex Silia (S. 251) auf die multae irrogatio angewandt wird.

16) Bei Gell. 6 (7), 3, 37. Quid nune? Ecqua tandem lex est tam acerba, quae dicat: si quis illud facere voluerit, mile minus dimidium familiae multa esto'. 'si quis plus quingenta iugera habere voluerit, tanta poena esto'; 'si quis maiorem pecuum numerum habere voluerit,

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noch zwei andere allerdings auch sachlich davon zu unterscheidende, für eine öffentliche, dem Römischen Volk oder einer Römischen Stadt zu erlegende Geldstrafe: tanta poena esto und populo tantum (dare) damnas esto, und es ist nach den blossen Relationen der Schriftsteller über gewisse gesetzliche, öffentliche Geldstrafen oft schwer zu sagen, welche von den drei Arten derselben gemeint sei 17). Sämmtlich konnten sie, wie alle Sanctionen, auf doppelte Art vorkommen, wegen Uebertretung des Gesetzes überhaupt oder wegen der einzelner Vorschriften desselben. In der ältesten Zeit, als die Gesetze meist nur erst eine oder sehr wenige gleichartige Bestimmungen enthielten, fielen beide noch zusammen 18). Später kam oft ausser der allgemeinen Strafbestimmung wegen Uebertretung des Gesetzes am Schluss desselben noch eine specielle wegen Uebertretung einzelner Vorschriften desselben Gesetzes vor, wo denn diese als die speciellere vorging, deren Grund aber natürlich auch bei der Einklagung speciell von vornherein (schon in iure) angegeben werden musste 19). Die erstere batte das Eigenthümliche, dass es bei ihr nicht sowohl auf die einzelne bestimmte Uebertretung als darauf ankam, dass der Angeklagte gegen das Römische Volk in diesem seinem kundgegebenen Willen gehandelt hatte, wodurch sich die Sache sofort als eine causa publica charakterisierte und ähnlich wie bei der multae irrogatio irgend welche

tantum damnas esto'? (Im Folgenden ist Atqui (statt atque) und dann in §. 38. Rhodiensibus non oberit (statt ab(i)erit), quod non male fecerunt sed quod) male (statt quia) voluisse dicuntur facere (ohne Fragezeichen) zu lesen.) Auf diese drei Arten, wie Jemand wegen einer Handlung oder Unterlassung der Strafe eines Gesetzes verfallen konnte, beziehen sich denn auch die Indemnitätsverwahrungen mit fraudi poenae multaeve esse in den Gesetzen und andere Bezugnahmen auf gesetzliche Strafen in späteren Gesetzen. Cic. ad Attic. 3, 23, 3. aus dem Gesetz über seine Rückkehr aus dem Exil: quodve ei, qui promulgavit, abrogavit, derogavit poenae multaeve sit und die übrigen in der Einleitung Anm. 11. S. 3 citierten Stellen. Die dritte Strafformel berücksichtigt speciell die Lex de imp. Vespas, in der sanctio: id ei ne fraudi esto neve quis (hinzuzufügen quid) ob eam rem populo dare debeto neve cui de ea re actio neve iudicatio esto neve quis de ea re apud (se) agi sinito.

17) Eine Zusammenstellung der Quellen für die drei Arten von gesetzlichen Geldstrafen s. bei Bruns in der Zeitschr. für R. G. III. S. 344 fig.

18) Dass aber neben der concreten Angabe der straffälligen Handlung als Grund der Strafe auch die allgemeine Voraussetzung Zuwiderhandlung gegen das Gesetz uralt war, zeigt Fest. ep. v. Aliuta p. 6.... Hinc est illud in legibus Numae Pompili: Si quisquam aliuta faxit, ipsos lovi sacer esto. Auch mag die Ausdrucksweise noch später, wo man in den Sanctionen selbst die beiden Hauptfälle des contra legem facere und des non facere quod e lege oportet schied, um der Kürze willen (aliuta oder aliter quam illa lege cautum est) noch in den gerichtlichen Formeln als beide umfassend beibehalten worden sein. Dieses scheint das si ita pareat in Z. 10 des Röm. Gesetzes der Bantischen Tafeln zu beweisen, indem ita auf Z. 7...9 zurückweist.

19) Papinian L. 41. D. de poenis (48, 19). Vgl. Rudorff ad leg. Acil,

P. 493.

Zuwiderhandlung, jedoch mit Beschränkung auf die Vorschriften des Gesetzes, wenn auch erst im Gericht (in iudicio) angegeben und bewiesen werden konnte.

Die feste gesetzliche Mult betreffend, von der hier zunächst zu handeln ist, haben sich urkundliche Beispiele einer solchen aus Römischen Gesetzen nur zwei erhalten, beide aus später Zeit und ohne den bei Cato vorkommenden Zusatz minus dimidium familiae 20). Doch reicht eine Römische Anwendung einer solchen Strafbestimmung in den Oskischen Gesetzen von Bantia in die erste Hälfte des sechsten Jahrhunderts hinauf 21). Unter den sonst erwähnten festen Geldstrafen scheint im Alterthum selbst eine der bekanntesten die der Lex Licinia gegen den Zuvielbesitz von Land oder Viehhäuptern und beziehungsweise ländlichen Sclaven vom J. 388 gewesen zu sein, da Cato deren materielle Vorschriften zu seinen Beispielen benutzt und doch auch, obgleich ebenderselbe hierbei die beiden anderen Ausdrucksweisen für die Strafbestimmung wählt, der Ausdruck im Gesetze selbst multa esto X milia aeris gelautet zu haben 22). Die öfter erwähnten ähnlichen Ver

20) S. g. Lex de inferiis v. 5. C. I. L. I. 1409. p. 263. si quis adversus hanc fecerit sciens d(olo) m(alo), ei multa esto sestertium X. Und aus den die Aquäducte betreffenden Gesetzen (nicht Senatusconsulten) bei Frontin. de aquis 97. si quis oletarit, sestertiorum decem milium (lies sestertium decem milia n[ummum]) multa esto. Die erstere datiert aus dem Anfange der Kaiserzeit. Dass die zweite gesetzliche Bestimmung frühestens aus der späteren Zeit der Republik herrührt, zeigen schon die Sestertien.

21) Im Bantischen Gesetz kommt als Strafe wegen Uebertretung einzelner Vorschriften vor (Osk. Sprachdenkm. S. 65, 67, 95) v. 11. molto etaneo estud n. 00 bis mile). v. 26. molto etaneu estud n. mile).

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22) Wogegen Bruns a. a. O. die Lex nach Cato's Zeugniss unter den Belegen für die Ausdrucksweisen tanta poena esto und tantum damnas esto anführt. Natürlich kam es aber Cato, der blos das fingierte voluerit statt fecerit im Auge hatte und die drei Strafbestimmungsweisen, nur um formell alle Römischen Gesetze zu umfassen, anführt, durchaus nicht darauf an, auch den Ausdruck für die Strafe genau aus der Lex Licinia wiederzugeben. Umgekehrt würde er jener seiner eigentlichen Absicht mit dieser Beibehaltung der Ausdrucksweise der Lex Licinia geschadet haben, was nicht zu vermuthen ist. Auch ist es an sich nicht glaublich, dass diese die Strafe für den Zuvielbesitz anders beim Lande als beim Vieh ausgedrückt habe. In der That fügt der genaueste Berichterstatter über sie, Appian. de b. c. 1, 8., nach Anführung ihrer einzelnen Vorschriften hinzu, man habe das Gesetz beschworen und eine ζημία der gewöhnliche Ausdruck für Mult festgesetzt, also wahrscheinlich eine allgemeine Mult für dessen Uebertretung, deren Betrag von 10,000 Assen Liv. 7, 16, 9. ergibt. Auch spricht für eine Mult, dass, sowie der Popillius Länas, welcher den Legislator Licinius nach dessen Gesetz selbst accusierte und zur Verurtheilung brachte (Liv. 1. c. Valer. Max. 8, 6, 3.), ohne Zweifel ein Aedile war (vgl. die Ausleger zu Liv. 1. c.), später oftmals Multprocesse der Aedilen gegen pecuarii erwähnt werden wahrscheinlich doch auch nach eben diesem Gesetze und nicht blos nach Ovid

wegen un

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urtheilungen von Wucherern zu einer Mult werden zwar auch auf einem der zahlreichen Gesetze jener Zeit wider den Wucher beruht haben 23). Doch könnten diese, da keine bestimmte Summe erwähnt wird und die eingezogenen Multen zu heiligen Zwecken verwandt wurden, auch nur allgemein eine irrogatio vorgeschrieben haben 24). Sicherer enthielten feste Multsummen die leges coloniae deducendae mit einer Mult gegen diejenigen, die in manche auszuführende Latinische Colonie zu gehen sich weigerten 25). Dagegen kann die Strafe von 10,000 Assen gegen unnatürliche Wollust nach der Lex Scatinia 26) auch in anderer Weise als durch Mult bestimmt worden sein. Entschieden eine feste Mult setzte aber die Lex Aquilia vielleicht wegen widerrechtlicher Beschädigung von res sacrae oder publicae oder auch wegen Tödtung eines fremden Sclaven fest 27). Nach irgendwelchen späteren Criminalgerichtsgesetzen wurde auch einmal von einem iudex quaestionis eine Mult gefordert, quod in legem non iurasset sive quod ex lege subsortitus iudicem non esset, und von einem anderen Richter, quod non suae decuriae munere neque ex lege sedisset 25). Auch untersagte die Lex Cornelia (673) den Volkstribunen die • Intercession ausser in Privatangelegenheiten bei einer ohne Zweifel hohen Mult29). Wogegen wieder andere Beispiele aus der späteren Zeit der Republik mindestens zweifelhaft sind und meistens eine Strafe mit dare damnas verfügt zu haben scheinen 30). Die befugten Weidens auf pascua publica, was freilich meist mit dem Zuvielbesitze von Vieh verbunden gewesen sein wird. Liv. 20, 23. 47. 33, 42. 35, 10. Ovid. F. 5, 278... 294. Fest. v. Publicius p. 238. Varr. 5, 158. 23) Wahrscheinlich war es die Lex Duillia Maenia Mein Recht des Nexum S. 120.

24) Die Stellen erwähnen iudicium populi und dies ab aedilibus dicta. Liv. 7, 28, 9. 10, 23, 11. Plin. N. H 33, 1, 6.

25) Cic. pro Caec. 33, 98.... in colonias Latinas saepe cives nostri profecti sint. Aut sua voluntate aut legis multa profecti sunt, quam multam si sufferre voluissent, tum manere in civitate potuissent. Das wahrscheinliche Vorbild dafür war nehmlich die im Jahre 263 nach Dionys. 7, 13. vom Senate durch͵ χαλεπὰς καὶ ἀπαραιτήτους ζημίας, nach Plut. Coriol. 13. initipios psyάlois erzwungene Colonisierung von Veliträ, obgleich dieses nicht nach Madvig opusc. acad. pr. p. 295 eine Latinische, sondern eine Bürgercolonie war. S. meine Osk. Sprachdenkmäler S. 265. Auch erklärt sich der nöthige Zwang bei bleibendem Römischen Bürgerrecht der Colonen hinreichend aus der damals in Veliträ herrschenden Pest. Immer ist diese gesetzliche feste Mult denn das war sie doch als ἀπαραίτητος in so früher Zeit sehr merkwürdig und in der Zeit des richtig verstandenen Processes gegen Coriolan keineswegs undenkbar.

26) Quintil. I. O. 4, 2, 69. 7, 4, 42. Die übrigen Stellen gibt Rein Röm. Crim. R. S. 865.

27) Cic. Brut. 34, 131. Vgl. dazu meinen 'Gaius' S. 105.

28 Cic. pro Clu. 33, 91. 34, 92.—37, 103.

29) Cic. Verr. lib. 1. 60, 155., wonach der dazu verurtheilte Q. Opimius sein ganzes Vermögen einbüsste.

30) Von der Lex Calpurnia über den Ambitus (687) sagt zwar Schol. Bob. ad Cic. orat. pro Sull. 5. p. 361. Or. Severior lex Calpurnia et pe

HUSCHKE, multa u. sacramentum.

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