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scheinen, dass die Untersuchung keinen angemessenern Ausgang nehmen könnte, als von der Auslegung dieser Stellen. Allein die

delicto imposita est; quinimo multa ibi dicitur, ubi specialis poena non est imposita. Item multam is dicere potest, cui iudicatio data est. Magistratus solos et praesides provinciarum posse multam dicere, mandatis permissum est: poenam autem unusquisque irrogare potest, cui huius criminis sive delicti executio competit. L. 244. D. eod. Labeo lib. 4. Pithanon a Paulo epitomatorum. Si qua poena est, multa est: si qua multa est, poena est. Paulus: Utrumque eorum falsum est: namque harum rerum dissimilitudo ex hoc quoque apparet, quod de poena provocatio non est: simul atque enim victus quis est eius maleficii, cuius poena est statuta, statim ea debetur: at multae provocatio est, nec ante debetur, quam aut non est provocatum, aut provocator victus est; nec aliter quam si is dixit, cui dicere licet. Ex hoc quoque earum rerum dissimilitudo apparere poterit: quia poenae certae singulorum peccatorum sunt: multae contra: quia eius iudicis potestas est, quantam dicat, nisi cum lege est constitutum, quantam dicat. – In der ersteren Stelle bedarf es wenigstens für den Sinn kaum der Emendation Mommsens: generalis sit (nomen) omnium u. S. W. Dagegen sind die Worte multa specialis peccati, cuius animadversio hodie pecuniaria est offenbar verdorben; denn man kann doch nicht wohl anders übersetzen als „Multa (ist) die Ahndung eines besonderen Fehltritts (oder nach Mommsens obiger Conjectur ,,die besondere Ahndung eines Fehltritts“), dessen Bestrafung heut zu Tage in Geld besteht.“ Alsdann entsteht aber nicht nur kein Gegensatz zu dem vorhergehenden cum poena sit generale nomen, sondern auch ein Widerspruch mit dem spätern richtigen Satze multa ibi dicitur, ubi specialis poena non est imposita; nicht zu gedenken, dass nach dem Sinne des Verfassers der Stelle das cuius sich nicht gut auf peccati beziehen kann, sondern auf multa gehen müsste. Mit unserm Texte stimmt auch keineswegs die Uebersetzung der Basiliken, welche dagegen, abgesehen von dem hier unverständlichen déiyud, das daher aus deiva corrumpirt sein wird, einen sehr befriedigenden Sinn gibt, Lib. II. tit. 2. L. 131. επειδή η ποινή γενικόν έστιν όνομα, πάντων αμαρτημάτων κόλασις, το δε πρόστιμον αμαρτήματος δείγμα, ούτινος ή επιστροφή onju zpov xenuatıxń toilv. Hiernach bezweifele ich nicht, dass alicuius zwischen peccati und cuius wegen Verwandtschaft der Zeichen mit dem Vorhergehenden und Folgenden ausgefallen und so zu lesen sei: multa specialis (nämlich coercitio) peccati alicuius, cuius animadversio hodie pecuniaria est. Während poena ein allgemeiner Ausdruck für die Abndung aller Verbrechen ist, bezeichnet multa eine specielle Art von Ahndung eines gewissen Vergehens, welche heut zu Tage in Geld besteht.“ Vgl. Fest. p. 142. Multam Osce dici putant poenam quidam (quandam). Veranlassung zu seiner Auseinandersetzung über fraus, multa und poena hat übrigens Ulpian ohne Zweifel ein Satz der Lex Iulia et Papia Poppaea gegeben, welcher, weist Heineccius in seinem Commentar 2, 7 num. 3 mit Wahrscheinlichkeit nach bei dem es hiess, es solle Jemanden nicht fraudi multae poenaeve esse, wenn er irgend etwas vornehme. Diese Formel, welche nach weiterer Entwickelung der Legislation an die Stelle des einfachen decemviralen se fraude esto trat, kommt namentlich vor in der sanctio der s. g. lex de inferiis : Mommsen C. J. L. I. 1409. p. 263. Sei quis adversus alias rogationes hujus rogationis ergo fecerit quodve ex earum rogationum aliqua eum facere oportebit, non fecerit, id ei fraudi multae poenae ne esto. Desgleichen in dem SC. de postul. necessar. Alliat. Celsiliae Haubold monum. leg. p. 198 ne quid fraud, multae poenaeq. esset Celsiliae, si ea aedificia, de quibus in hoc ordine actum esset, aut demolita fuissent etc. Wie sie in der erst gedachten Lex lautet, war sie ohne Zweifel jenes capnt tra

hier angegebenen Unterschiede zwischen multa und poena sind grösstentheils blos äusserlich hingestellt und beziehen sich auf eine Zeit, wo das Recht der multae sich schon so sehr verändert hatte, dass sein ursprüngliches Wesen nicht mehr rein daraus erkannt werden kann. Dennoch können wenigstens einige Bemerkungen in diesen Stellen dazu benutzt werden, um in Verbindung mit der Totalanschauung, welche uns unsere übrigen Quellen gewähren, auf den eigenthümlichen Charakter der multa im Allgemeinen hinzuführen.

Die multa in ihrem eigentlichen Sinn 1) oder im Gegensatz zur poena, die nur in einem ganz allgemeinen Sinne des Wortes oder im späten ganz ungenauen Sprachgebrauch auch die multa mit begriff13), ist also eine besondere Art von Ahndung, die wesentlich in Gelde besteht (specialis coercitio peccati alicuius, cuius animadversio hodie pecuniaria est) und, während andere eigentliche Strafen, mögen sie poenae publicae oder privatae sein, blos auf Geld oder etwas Anderes gehn 14), sich auf ein Gesetz oder eine sonstige allgemeine Rechtsvorschrift gründen, wonach sie unmittelbar eintreten, sobald der Richter in einem iudicium das Verbrechen des Angeklagten erkannt beziehungsweise nach einer formula deshalb condemniert hat15), nothwendig auf der Macht und Willkühr

latitium de impunitate, si quid contra alias leges eius legis ergo factum sit. Cic. ad Attic. 3, 23, 3. in welcher Stelle auch aus einer Lex quodve ... ob eam rem multae poenaeve sit in einer etwas andern Verbindung vorkommt. Vgl. auch die Lex Rubr. Col. II. v. 20.

12) Dass multa und multare im uneigentlichen Sinne später auch von jeder Art von Strafe gesagt wird, lehren die Lexica und wird von uns nicht weiter berücksichtigt werden.

13) In diesem Sinne sagt auch Fest. p. 142. Multam Osce dici putant poenam quidam. M. Varro ait poenam esse, sed pecuniariam, de qua subtiliter in l. I. quaestionum epist. refert. Vgl. L. 3. $. 1. D. de re milit. (49, 16.) und viele Stellen der spätern Constitutionen, in denen Geldstrafen zwar meistens multae aber oft auch poenae genannt werden.

14) Schon hieraus geht hervor, dass die von Platner quaest. cit. p. 50. (angeblich nach Marezoll v. d. Ehre S. 109., der dieses aber nicht sagt) und ähnlich von Rein in Pauly's Realencycl. unter multa S. 192. aufgestellte Behauptung, die multa werde dann poena, wenn sie zugleich Ehrenstrafe sei, unrichtig ist. Es gibt poenae pecuniariae, sowohl öffentliche, wie das sacramentum (Gai. 4, 13. 14.) und in manchen Strafklagen, als private nach dem prätorischen Edict, wie z. B. in der Klage des Patrons gegen den Freigelassenen, der ihn eigenmächtig vor Gericht gerufen hat, welche die Ehre nicht berühren. Daber denn auch Ulpian in L. 131. $. 1. cit. und in L. 5. D. de poenis (48, 19) die poenae pecuniariae den Ehrenstrafen entgegensetzt.

15) Wie also alle im Edict angeordnete Pönalklagen keine multae enthalten, so namentlich auch das nach L. un.D. si quis ius dicenti (2, 3) gegen den qui ius dicenti non obtemperaverit versprochene iudicium, welches besonders in älterer Zeit häufig mit der obrigkeitlichen Mult verwechselt worden ist, weil darin zufällig der Kläger nicht erwähnt wird, der aber bei einem iudicium selbstverständlich auch ein Privatus ist, nur in einem Falle, wo er zugleich ein für die Jurisdiction nothwendiges und darum auch vom Prätor geschütztes Privatrecht geltend macht und darin ge

einer dazu berechtigten Obrigkeit, welche sie im einzelnen Falle ausspricht, und auf diesem Aussprechen (multam dicere) selbst beruht (eius iudicis potestas est), so dass ohne ein solches schon formell, zugleich aber auch materiell ohne ein auch zu constatierendes Vergehen, wofür sie ausgesprochen wurde, nicht beigetrieben werden kann. Das bezeugt denn auch Varro de L. L. 5, 36, 177: Multa pecunia, quae a magistratu dicta, ut exigi posset, ob peccatum. Sie hat also hierin etwas den Interdicten sehr Verwandtes, die zwar materiell auch ein Klagrecht wegen des im Edict Gebotenen oder Verbotenen enthalten, aber von andern eigentlichen Actionen sich dadurch unterscheiden, dass diese nach älterem Römischen Verfahren (als legis actiones) auf ein Gesetz oder nach späterem Recht (als actiones überhaupt) auf irgend eine Rechtsquelle sich gründen, nach welcher unmittelbar ein richterliches Verfahren mit Condemnation über den bestrittenen materiellen Anspruch eingeleitet wird, wogegen das Klagrecht des Interdicts formell auf einem interdicere des Magistrats im einzelnen Falle beruht, nach welchem aber materiell der Beklagte auch erst dann wirklich haftet, wenn das Zuwiderhandeln gegen das Gebot oder Verbot des Edicts in einem gerichtlichen Verfahren constatiert ist.?“) Dass man aber später den Begriff nach seinen allgemeineren Momenten auch festhielt, wenn das Strafübel nur in einem Geldbetrage bestand und nur auch im einzelnen Falle von einer Behörde im allgemeinen Sinne als eine Strafe für das Vergehen gleichsam erst geschaffen wurde, mochte der Betrag denn auch schon gesetzlich vorgeschrieben sein, womit denn die Mult freilich in das Gebiet der poena überging, kann erst geschichtlich gezeigt werden.

Ueber ursprüngliche Veranlassung und Zweck der multa sprechen sich die obigen Stellen nicht näher aus, weil ihren Verfassern eben das spätere Recht vorschwebte, wonach zwischen poena und multa in dieser Hinsicht keine scharfe Grenze mehr lief. Nach vielen andern Stellen besteht aber der ursprünglich eigenthümliche Zweck der multa darin, die Ungebühr gegen die Behörden zu ahnden und ihnen dadurch für ihre Anordnungen bei Widerspenstigen Gehorsam zu verschaffen, daher wir die Multa mit unter den Coercitivmitteln der Römischen Behörden 17)

hindert wird. So namentlich, wenn der eine bewegliche Sache besitzende Beklagte worauf der Fall der L. un. $. 1. eod. sich bezieht - auf eine gewöhnliche Vindication sich nicht einliess und deren Besitzübertragung an den Kläger wehrte, oder wenn der Kläger nach gemachter sponsip des Beklagten ihm die Verpflichtung in der restipulatio verweigertus Wogegen wenn z. B. ein Zeuge, dem auf Auctorität des Prăttbrepon der Partei denunciert war, nicht kam, und somit ein munus civile nicht leistete, ein Multfall vorlag.

uy eni ibagig') 16) Gai. 4, 139. 140. 165. Und zur Erläuterung meiner Studienridles Röm. Rechts Bd. 1. S. 9. 10.

A 901410114 91113 17) Cic. de legg. 3, 3. Iusta imperia sunto; 18eue. cives modeste ac sine recusatione parento. magistratusided bwex

und namentlich oft mit der pignoris captio zusammengestellt finden.18)

Mit dieser allgemeinen Charakterisierung der multa ist aber weder das Wesen derselben vollständig bestimmt, noch passt dieselbe auf alle Anwendungen, in denen sie uns im Römischen Rechte entgegentritt. Es ist daher nothwendig, historisch zu verfahren, die verschiedenen Arten der multa, welche in dem älteren Rechte vorkommen und zum Theil ihm allein angehören, von vornherein zu sondern und die Geschichte einer jeden in den verschiedenen Zeiträumen des Römischen Staats zu verfolgen. Ausserdem hängt, wie schon eine oberflächliche Kenntniss der Sache zeigt, das sacramentum mit der multa so genau zusammen, dass das eine Institut ohne das andere nicht zu vollem Verständniss

dientem et exin noxium civem multa, pignore, vinclis, verberibus coerceto, ni par maiorve potestas populus ve prohibessit, ad quos provocatio esto. cum magistratus iudicassit irrogassitve, per populum multae poenae certatio esto. Ueber meine Lesung et exin noxium und die nothwendige Ergänzung von pignore vgl. Zeitschr. f. R. G. XI. S. 144. Ulpian in der folgenden Note nennt diese Coercitivmittel remedia praetoria, in L. 7. D. de offic. praes. (1, 18) competens remedium.

18) Polyb. 6, 37. Κύριος δ' έστι και ζημιών και χιλίαρχος και ενεχυριάζων και μαστιγών, τους δε συμμάχους οι πραίφεκτοι. "Cic. Phil. 1, 5. Quis autem unquam tanto damno senatorem coëgit? Aut quid est ultra pignus aut multam? Gell. 14, 7, 10. Praeter haec de pignore quoque capiendo disserit (Varro) deque multa dicenda senatori, qui cum in senatum venire deberet, non adesset. Liv. 37, 51. Imperia inhibita altro citroque et pignora capta et multae dictae et tribuni appellati et provocatum ad populum est. 43, 16. censores ad pignora capienda miserunt, multamque ... dixerunt quod in multa pignoribusque

coegisset. Tacit. A. 13, 28. Cohibita artius et aedilium potestas statutumque, quantum curules, quantum plebei pignoris caperent vel poenae irrogarent. Ulpian L. 1. §. 3. D. de inspic. ventre (25, 4.).. Cogenda igitur erit remediis praetoriis et in ius venire, et si venit, respondere: pignoraque eius capienda et distrahenda. Paulus L. 9. §. 6. D. ad leg. Jul. pecul. (48, 13.) . . eamque (pecuniam) ab eo is, qui hoc imperio utitur, exigeret, id est, pignus capiendo, corpus retinendo, multam dicendo. Besonders gehören hieher auch folgende verderbte Stellen der Lex Quinctia de aquaeduct, bei Frontin, de aquis 129., die ich nach der neuesten Ausgabe von Bücheler (1858) mit Hinzufügung der nöthigen Verbesserungen des cursiv Gedruckten herschreibe: et qui D. M. quid eorum ita fecerit, id omnes sarcire, reficere, restituere, aedificare, ponere et celere (lies tollere nach L. 1. $ 12. D. de flumin. 43, 12, da das e zu Anfang nur verdoppelt ist), demolire damnas esto sine dolo malo, atque omnia ita ut ** (lies ohne Liicke eo nomine eum) quicunque curator aquarum est erit, si (lies aut si) curator aquarum nemo erit, tum is praetor, qui inter cives et peregrinos ius dicit, multa, pignoribus cogito, coercito, eique curatori, aut si curator non erit, tum ei praetori eo nomine cogendi coercendi, multae dicendae sive pignoris capiendi ius potestasque esto. Weiterhin: eoqne nomine iis pignoris capio multae dictio coercitioque esto. Wie hier coercitioque nur eine synonyme Apposition zu multae dictio ist, versteht auch Tacit. A. 3, 26 ... eoque sine poena aut coercitionibus agebant, unter den letztern vornehmlich Multen.

gebracht werden kann. Auf diese Weise ergeben sich denn folgende Haupttheile unserer Untersuchung:

1. Die multae dictio als ein Coercitivmittel der Behörden.

2. Die multa als eine von den plebejischen Behörden und bei der Plebs beantragte Geldstrafe (multae irrogatio).

3. Die in Gesetzen vorgeschriebenen multae.
4. Die Multen der Collegien und Corporationen.
5. Die testamentarischen, Sepulcral- und Contractsmulten.
6. Das sacramentum und die in sacrum iudicatio.

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