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Dr. H. Sauppe für das an der Gestaltung der vorigen Auflage genommene Interesse und die gegebenen Winke (Sein Eigentum ist die Erklärung von Cat. 11, 8 ne ... temperarent u. a. m.) noch nachträglich öffentlich verbindlichst zu danken. Zürich im August 1881.

Hans Wirz.

EINLEITUNG

Das Leben des C. Sallustius Crispus gehört ganz jenem Zeitraume an, in welchem neben einem immer gewaltigeren und glänzenderen Wachsen der römischen Herrschaft nach aussen doch die inneren Kräfte, welche die alte Staatsform belebt halten, grossenteils schon erstorben waren, und ihr noch lebensfähiger Řest mit den neuen Elementen im letzten Kampfe lag.

Im Jahr der Stadt 668 (v. Chr. 86) starb Marius am dreizehnten Tage seines siebenten Konsulates, das er nach grausamem Wüten gegen die Nobilitas gewaltsam an sich gerissen hatte. In Rom herrschte C. Cornelius Cinna, zum zweitenmal Konsul, an der Spitze seiner Partei; die Gegner befanden sich bei Sulla, der siegreich gegen Archelaus, den Feldherrn des Mithridales, in Griechenland kämpfte. In diesem Jahr, nach einer Angabe der Fasti Siculi am 1. Oktober, wurde Sallustius zu Amiternum, einer sabinischen Stadt, im Plebejerstande geboren. So erlebte er, freilich noch ohne klares Bewusstsein, die blutige Katastrophe des ersten Bürgerkrieges, den Sieg des Sulla vor Rom, seine furchtbare und frevelhafte Rache, seine durch den rücksichtslosen Gebrauch der vom Glücke geschenkten Gewalt befleckten Massregeln zur Wiederherstellung der Ordnung, seinen Tod und die gleich darauf von neuem durch den Konsul M. Aemilius Lepidus erregten Unruhen. In das reifere Knabenalter Sallusts fällt das erste glänzende Auftreten des Pompejus, die Vernichtung der Marianer in Spanien, der Sklavenkrieg, dann in Rom die Wiederherstellung der von Sulla so gut wie vernichteten Tribunengewalt, hierauf die siegreichen Feldzüge des Pompejus gegen die Seeräuber und Mithridates, von denen er im höchsten Glanze des Ruhmes zurückkehrte, um später einem Grösseren als er war, dem Cäsar, als Werkzeug zu dienen und von ihm verfolgt unterzugehen. Der Ausbruch der Catilinarischen Verschwörung, auf deren geschickte Unterdrückung sich der wohlverdiente Ruhm des Cicero gründete, fand Sallust als dreiundzwanzigjährigen Jüngling.

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Sallust. 8. Aufl.

Wo er sich während aller dieser Ereignisse aufhielt, wann er nach Rom zog, und wie er zu den Personen und Thaten seiner Zeit stand, davon haben wir keine Nachrichten. Ueber sein Privatleben dagegen sind dergleichen vorhanden, aber grossenteils aus mehr oder weniger unlauteren Quellen. Zunächst nämlich existieren zwei Uebungsstücke aus den späteren Rhetorenschulen, sogenannte Deklamationen, von unbekannter Hand, deren erstes eine heftige Rede Sallusts gegen Cicero, das zweite die Antwort des letzteren an jenen vorstellt. Beide überbieten einander in den gröbsten Schmähungen, und jeder wirft dem anderen Laster und Bubenstücke der ärgsten Art vor. Man würde auf diese auch an sprachlichem Werte niedrig stehenden Machwerke gar nichts zu geben haben, wenn nicht andere zuverlässigere Notizen zeigten, dass Sallusts sittlicher Ruf nicht der beste war, ohne dass sich jedoch ermessen lässt, inwieweit er etwa selbst durch eigene Schuld denselben hervorgerufen oder verleumderische Übertreibung von seiten der Parteigegner, besonders der blinden Anhänger und Schmeichler des Pompejus, jene Schuld stark vergrössert batte. Nur soviel können wir mit Sicherheit annehmen, dass die unbedingt verdammenden Urteile noch weniger als die ganz freisprechenden das Richtige treffen. Sallust selbst spricht (Cat. 3) geradezu aus, dass er von derselben übeln Nachrede verfolgt worden sei wie seine Zeitgenossen; den Grund aber verschleiert er und will als solchen nur den bösen Ehrgeiz, der ihn beherrscht und verführt habe, angesehen wissen. Dass diese Angabe nicht völlig der Wahrheit entspricht, indem auch das in Rom herrschende Laster der üppigkeit und Wollust ihm nicht fern geblieben war, ist aus mehreren Ursachen höchst wahrscheinlich, und ein Vergehen der Art, welches sich Sallust, vermutlich im Anfang seiner dreissiger Lebensjahre, habe zu schulden kommen lassen, wird durch das von Gellius aufbewahrte Zeugnis des glaubwürdigen M. Terentius Varro, der weit älter als Sallust ihn überlebte, hinreichend bestätigt. Es steht aber sehr dahin, ob nicht diese und verwandte Thatsachen, wie so viele ähnliche und gewiss noch schlimmere im verderbten Rom, wenigstens nachher mit Stillschweigen übergangen worden wären, wenn nicht Sallust in seinen Schriften als strenger Sittenrichter aufträte.

Seiner eigenen Angabe (Cat. 4, 2) zufolge hatte er schon als junger Mann den Vorsatz, sich mit der Geschichtschreibung zu befassen, wurde aber durch den Eifer, mit welchem er von Ehrgeiz getrieben sich dem öffentlichen Leben zuwandte, fürs erste

daran verhindert. Von dieser politischen Thätigkeit Sallusts kennen wir zwar leider nicht viel mehr als die äusseren Umrisse; allein soviel steht fest, dass das Glück ihn wenig begünstigte, und aus den Äusserungen des Schriftstellers selbst, namentlich im Prooemium des Jugurtha (4, 4) darf man vermuten, dass die damals höchst traurigen Verhältnisse des römischen Staatslebens schon gleich beim Beginn seiner Laufbahn dazu beitrugen, den Widerwillen gegen öffentliche Geschäfte, den er später unverhohlen aussprach, in ihm zu begründen.

Die Quästur verwaltete Sallust wahrscheinlich nicht lange, nachdem Casar seine Verbindung mit Pompejus und Crassus geschlossen hatte. Bald darauf, im Jahre 702 (52), wurde er Volkstribun. Das Jahr fing stürmisch an mit der Ermordung des Clodius durch Milos Gefolge, zu einer Zeit, da in Rom keine höheren Magistrate waren; erst nach jevem Ereignis wurde Cn. Pompejus abwesend und allein zum Konsul gemacht und blieb bis zum 1. Sept. ohne Amtsgenossen. Unter den heftigsten Gegnern und Anklägern des Milo und des Cicero, der ihn verteidigte, befand sich auch Sallust, zum teil vielleicht aus Privatfeindschaft gegen ersteren; er liess es im Verein mit seinen Kollegen an feindseligen Reden gegen beide nicht fehlen, soll sich aber nachher mit ihnen ausgesöhnt haben. Dagegen erscheint er fortwährend als eifriger Gegner des Pompejus, was sich auch aus seinen Schriften ergiebt, und als ebenso entschiedener Anhänger des Cäsar, so dass es nicht zu verwundern war, wenn er im Jahre 704 (50), als schon die Anzeichen zu dem im nächsten Jahre ausbrechenden Bürgerkriege da waren, mit anderen dieser Partei Angehörigen aus dem Senat gestossen wurde. Als angebliche und erwünschte Ursache diente denen, welche die Sache betrieben, sein schon erwähnter anstossiger Lebenswandel. Sallust begab sich in Cäsars Lager und nahm später an einem der unglücklichen Feldzüge gegen die Pompejaner in Illyrien teil. Im Jahre 707 (47) unter der Diktatur des Cäsar wieder in den Senat aufgenommen, wurde er, wahrscheinlich als einer der zehn für das nächste Jahr designierten Prätoren, vom Diktator als Vermittler an die gegen ihn im Aufstand befindlichen Legionen in Campanien gesandt, geriet aber hierbei in die grösste Lebensgefahr und entging der Ermordung durch die ihn verfolgenden Aufständischen nur durch eilige Flucht nach Rom. Noch am Ende desselben Jahres begann der Afrikanische Krieg, den Sallust als Prätor mitmachte. Er wurde mit einer Flottenabteilung nach der Insel Cercina (jetzt Kerkennas) geschickt, um den Gegnern, welche dieselbe besetzt hielten,

einen dort befindlichen Getreidevorrat zu entreissen, und führte dies Unternehmen mit grösserem Glücke aus als die Gesandtschaft nach Campanien, indem es ihm gelang die Feinde zu verjagen und eine bedeutende Menge Proviant in Cäsars Lager zu schaffen. Als darauf nach der Schlacht bei Thapsus im April des Jahres 708 (46) der Krieg beendigt war und ein grosses Stück von Numidien, westlich bis zum Fluss Ampsaga, als neue Provinz Afrika (später besondere Provinz Numidia) zu der älteren hinzugefügt wurde, erhielt Sallust mit dem Titel eines Prokonsul den Oberbefehl daselbst.

Bei der Verwaltung dieses Amtes soll er sich durch die in solcher Stellung häufigen Erpressungen stark bereichert haben. Ob er aber das Mass des in diesem Punkte Erlaubten und Hergebrachten, welches nach römischen Begriffen sehr gross war, wirklich überschritten hat, lässt sich nicht mit Bestimmtheit entscheiden; auch dadurch, dass die nach seiner Rückkehr im Jahre 709 (45) in Rom deshalb gegen ihn angestellte Klage erfolglos blieb, wird nach keiner Seite hin etwas bewiesen, da es unbekannt ist, ob der mächtige Einfluss des Cäsar oder die geringe Schuld des Angeklagten mehr gewirkt haben mag: genug, er besass nachmals bedeutende Reichtümer, die er unter anderem auf grossartige Gartenanlagen verwendete. Diese wegen ihrer Pracht und Ausdehnung berühmten horti Sallustiani lagen, wie auch das Haus Sallusts, welches erst bei Alarichs Einmarsch durch Brand zerstört wurde, in der Nähe der später erbauten porta Salaria und wurden nachher Eigentum der Kaiser, von denen einige, wie Vespasianus und Aurelius, sie zu bewohnen pflegten.

Durch Cäsars Ermordung, welche in das zweiundvierzigste Lebensjahr Sallusts fällt, und die gleich darauf folgende neue Verwirrung aller Verhältnisse trat ein entscheidender Wendepunkt in seiner Laufbahn ein. Er zog sich von den öffentlichen Geschäften zurück und widmete sich ganz der Geschichtschreibung. Die Früchte seiner neuen Thätigkeit waren zuerst das Buch de coniuratione Catilinae, dann das Buch de bello Iugurthino, endlich Historiarum libri quinque, die Staatsund Kriegsereignisse Roms von 676 (78) bis 687 (67) umfassend. Über die Beweggründe zu der Wahl gerade dieser Gegenstände und Abschnitte lässt sich mit Wahrscheinlichkeit etwa Folgendes sagen. Vor den durch genaue Beobachtung sowie durch eigene Erfahrung geschärften Blicken des denkenden Mannes lag das sittliche Verderben der römischen Welt, als Grundursache der damaligen Zustände, offen und klar da. Dieses sollte zuerst in

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