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VORBEMERKUNGEN

ZU DER REDE DES COTTA UND DEM BRIEFE

DES POMPEIUS.

Diese beiden Schriftstücke haben der Zeit und der Sache nach sehr nahe Verwandtes zum Gegensatze, nämlich die Not und Bedrängnis, worin sich bald nach den Unruhen des Lepidus das Volk in Rom und das Heer in Spanien befand.

Das schon so lange heimgesuchte Italien konnte sich noch nicht erholt haben. Die Armut des Volkes stieg von Jahr zu Jahr, zugleich mit dem Stocken des Handels und der Abnahme der Zufuhr von aussen, beides durch die wachsende Macht der Seeräuber veranlasst; auch wurde das Übel noch durch ein Missraten der Ernte vergrössert, wie dies wenigstens in der Provinz Gallien um jene Zeit stattfand. Unter solchen Umständen traten im J. 679 (75) L. Octavius und C. Aurelius Cotta (über dessen frühere Erlebnisse s. zu Or. Cott. 1 *) das Konsulat an, und von ihnen verlangte das Volk Linderung der drückenden Not. Der Staat sollte helfen und war doch selbst in der grössten Bedrängnis: im Westen kämpften zwei Feldherren, Q. Caecilius Metellus Pius (zu lug. 64,4), seit 675 (79), und seit etwas kürzerer Zeit Cn. Pompejus (zu Ep. Pomp. 1) gegen Sertorius; ihre dringenden Mahnungen um Geld, Getreide und Verstärkungen blieben lange unbeachtet, im Osten nötigte die Macht des Mithridates, obgleich der Krieg mit ihm für jetzt ruhte, doch zur Erhaltung bedeutender Truppen in Asien und Cicilien; die Provinz Macedonien hatte von den wiederholten Einfällen der nördlich anwohnenden freien Völker schwer zu leiden, und damals kämpfte dort der Prokonsul C. Scribonius Curio mit den Dardanern; durch dies alles wurden die Einkünfte aus den Provinzen immer geringer und unsicherer. Es war also natürlich, dass man die Ansprüche des hungernden römischen Volkes nur in geringem Masse oder gar nicht befriedigen konnte und dass die Rede des Konsul C. Cotta, die er zur Be

*) Vgl. Mommsen R. G. 116, 227,

VORBEMERK. Z. D. REDE D. COTTA U. D. BRIEFE D. POMPEIUS. 241

schwichtigung eines dadurch hervorgerufenen sogar sein Leben bedrohenden Volkssturmes hielt, im wesentlichen die Aufforderung enthält, sich geduldig in das unvermeidliche allgemeine Schicksal zu fügen. Welchen Erfolg die Sache sonst hatte, ist unbekannt. Auf einem andern Felde jedoch gab man den Forderungen einiges Gehör, indem derselbe Konsul Cotta durch sein Gesetz (lex Aurelia tribunicia) ʻut tribunicis plebis liceret postea alios magistratus capere die entgegenstehende Bestimmung Sullas aufhob. Obgleich er damit dem Tribunat nur etwas an Ebre, nichts an Macht zulegte, so erregte doch schon dies den grossen Unwillen seiner Parleigenossen, und von den Gegnern erntete er wenig Dank (vgl. Or. Macr. 8). Übrigens überlebte er sein Konsulat nicht lange; im nächsten Jahre ging er nach Gallien; obwohl dort ihm kein Feind gegenüber gestanden, bewirkte er den Beschluss, dass er im Triumph in Rom sollte einziehen dürfen: der Tod infolge einer Wunde, welche er vor manchen Jahren erhalten und welche nun plötzlich aufbrach, raffte ihn am Tage vor dem Triumph dahin.

Je weniger Glück Cotta im allgemeinen in seinem Staatsleben hatte, desto mehr galt er nach Ciceros Bericht als Redner. In dessen Schrift de oratore erscheint er in Gesellschaft der beiden das Gespräch hauptsächlich führenden Koryphäen M. Antonius und L. Crassus als jüngerer Mann zugleich mit seinem Altersgenossen P. Sulpicius (zu Or. Phil. 7), mit welchem ihn Cicero überhaupt oft vergleichend zusammenstellt. Im Brutus (55, 202) heisst es von beiden: inveniebat igitur acute Cotta , dicebat

pure ac solute; et ut ad infirmitatem laterum perscienter contentionem omnem remiserat, sic ad virium inbecillitatem dicendi accommodabat genus. Nihil erat in eius oratione nisi sincerum, nihil nisi siccum atque sanum; illudque maxumum, quod, cum contentione orationis flectere animos iudicum vix posset nec omnino eo genere diceret, tractando tamen inpellebat, ut idem facerent a se commoti, quod a Sulpicio concitati. Fuit enim Sulpicius vel maxume omnium, quos quidem ego audiverim, grandis et, ut ita dicam, tragicus orator: vox cum magna tum suavis et splendida; gestus et motus corporis ita venustus, ut tamen ad forum, non ad scenam institutus videretur; incitata et volubilis, nec ea redundans tamen nec circumfluens oratio. Crassum hic volebat imitari, Cotta malebat Antonium; sed ab hoc vis aberat Antoni, Crassi ab illo lepos. Vgl. ebend. 49; 56; 92; 97; de orat. 3, 8, 31.

In das Todesjahr des Cotta, 680 (74), und zwar in den Spätherbst (s. zu Ep. Pomp. 6. 9), gehört der Brief des Pompejus.

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Sallust. 8. Auf.

Der Krieg gegen Sertorius war im ganzen von sehr geringem Erfolge gewesen; den geschickten und tapferen Gegner unterstützte die Anhänglichkeit des Volkes und die Natur des Landes, in welchem die regelmässige Kriegskunst der Legionen gegen die des Gebirgskampfes gewohnten schnell sich sammelnden und wieder zerstreuenden Truppen des Sertorius wenig ausrichtete; dessen Fliehen durch die Berge (Or. Cott. 6) war für ihn so gut wie ein Sieg, für die Römer ein stetes Hindernis der Beendigung des Krieges. Dazu kam der Mangel und mit ihm der Unmut. Den früheren Klagen darüber (s. Or. Cott. 6; Ep. Pomp. 2) hatte man im Senat kein Gehör gegeben; die vorhandene Not war der Grund oder der Vorwand dazu gewesen. Jetzt endlich drohte Pompejus, er werde, wenn man ihn nicht sogleich unterstütze, mit seinem Heere die Provinz verlassen und den Krieg nach Italien übertragen. Durch diese Ankündigung und besonders durch die Furcht, dass Pompejus nach seiner Rückkehr dem damaligen Konsul L. Lucullus den zugedachten Oberbefehl gegen Mithridates entziehen werde, wurde endlich der Senat bewogen ihm Geld und Verstärkung zu senden. Doch dauerte der Krieg noch zwei Jahre, und erst die Ermordung des Sertorius (zu Or. Phil. 7) verschaffte den Senatstruppen den Sieg. Metellus und Pompejus triumphierten an den beiden letzten Tagen des Jahres 683 (71) über Spanien, und Pompejus trat am nächsten Tage sein Konsulat an.

EX C. SALLUSTI CRISPI HISTORIARUM

LIBRO SECUNDO

ORATIO C. AURELI COTTAE CONSULIS

AD POPULUM ROMANUM.

(Hist. fragm. 2,50 Kr. 2, 41 D.) Quirites, multa mihi pericula domi militiaeque, multa advorsa fuere; quorum alia toleravi, partim reppuli deorum auxiliis et virtute mea: in quis omnibus numquam animus negotio defuit neque decretis labos: malae secundaeque res opes, non ingenium mihi mutabant. At contra in his miseriis cuncta me cum 2 fortuna deseruere. Praeterea senectus, per se gravis, curam duplicat, cui misero acta iam aetate ne mortem quidem honestam

1. multa mihi pericula etc.: im Jahre 663 (91) setzte der Volkstribun Q. Varius gegen die Intercession seiner Kollegen eine wider die Optimaten gerichtete lex de maiestate durch, welche eine Untersuchung über diejenigen verhängte, durch deren Schuld (dolo malo) der Bundesgenossenkrieg veranlasst worden sei. Dieses Gesetz, nach welchem zwei Jahre darauf der Urheber Varius selbst verurteilt wurde, brachte viele angesehene Männer vor Gericht, unter ihnen auch C. Cotta , als er sich im oben genannten Jahre um das Tribunat bewarb. Er ging am Ende desselben oder zu Anfang des folgenden Jahres in die Verbannung; Cic. de or. 3, 3, 11 C. Cotta . depulsus per invidiam tribunatu... eiectus est e civitate, Im Jahre 672 (82) ermöglichte ihm Sullas Sieg die Rückkehr nach Rom.

partim: dieses Adverbium wird öfter (bei Sall, nur hier) als No

men mit dem Genetiv oder der Präposition ex verbunden, und zwar wie hier als Accusativ (seiner Form gemäss) oder als Nominativ; Cic. in Vat. 16 reliqui sex (tribuni) fuerunt, ex quibus partim plane tecum sentiebat, partim medium quendam cursum tenebant.

animus negotio etc.: zuerst verlangt ein schwieriges Geschäft, das zu thun vorliegt, Mut zum Entschluss (Entschlossenheit), das Beschlossene aber erfordert dann andauernde Anstrengung bei der Ausführung. Vgl. Cat. 1, 6.

malae secundaeque res etc.: 'der Glückswechsel ändert nur etc.

2. cuncta: nämlich animus, laborum patientia, vis ingeni.

senectus : Cotta war 630 (124) geboren und stand also damals höchstens im fünfzigsten Lebensjahre.

cui: vorher ist meam oder mihi hinzuzudenken, also die Anknüpfung wie Or. Phil. 12.

3 sperare licet. Nam si parricida vostri sum et bis genitus hic deos

penatis meos patriamque et summum imperium vilia habeo, quis

mihi vivo cruciatus satis est aut quae poena mortuo ? quin omnia 4 memorata apud inferos supplicia scelere meo vici. A prima adu

lescentia in ore vostro privatus et in magistratibus egi: qui lingua, qui consilio meo, qui pecunia voluere, usi sunt; neque ego callidam facundiam neque ingenium ad male faciundum exercui; avidissumus privatae gratiae maxumas inimicitias pro re publica suscepi; quis victus cum illa simul cum egens alienae opis plura

mala exspectarem, vos, Quirites, rursus mihi patriam deosque 5 penatis cum ingenti dignitate dedistis. Pro quibus beneficiis vix

satis gratus videar, si singulis animam, quam nequeo, concesserim: nam vita et mors iura naturae sunt; ut sine dedecore cum

3. bis genitus: vgl. zu lug. 42, eignisse der Zeit, in welche die 4 und oben zu § 1.

letztere fiel (die Aufhebung der Gequis cruciatus etc.: vgl. setze des M. Livius Drusus, dessen Cat. 51, 15.

Ermordung, den Bundesgenossenmemorata ap. inferos supplicia: krieg) wurde jener Sieg unmitteldie Kürze des Ausdrucks wie bei bar vorbereitet. domi poenas metuunt lug. 79, 7. 5. si ... concesserim: man denke Zum Gedanken Cat. 52, 13.

sich den ganz allgemeinen und povici: ‘ich habe überboten' (Cless): sitiven Satz animam si quis alteri der Sinn: durch alle jene Höllen concessit, satis gratus videtur ; qualen lässt sich meine Schuld nicht aus dieser Grundform lässt sich das austilgen.

Wesen der obigen Konstruktion er4. magistratibus : Cotta durfte, kennen, worin videar und conceswie L. Philippus, sich rühmen die serim potentiale Konjunktive sind. Ehrenstellen ohne die üblichen Spen Wegen des Gedankens vgl. Cic. den an das Volk erlangt zu haben ad fam. 1, 4, 3 si vitam pro tua (Cic. de off. 2, 59 vgl Q. Cic. de dignitate profundam, nullam parpet. cons. 47). Welche Ämter als tem videar meritorum adsecutus. Vorstufen zum Konsulat und wann In unsrer Stelle indessen ist nicht er sie bekleidete, ist unbekannt. sowohl von einem Sterben für An

qui ... voluere: das Infinitivobj. dere und zu ihrem Besten, als vielaus dem Hauptsatze zu ergänzen; mehr von einem Hingeben, Schenvgl. u. a. Or. Phil. 10; unten § 5. ken des Lebens, als des höchsten

lingua: Cotta war als gericht aber unveräusserlichen Gutes, an licher Redner, besonders als Ver dieselben die Rede. Der ganze teidiger, vielfach thätig. S. die Zusammenhang ist dieser: pro quiVorbemerkungen.

bus benef. quamquam vix sat. gr. call. facundiam: zu Cat. 53, 3. videar, si sing. an. concesserim,

avidissumus gratiae: an tamen id facere nequeo, quia vita Stelle eines concessiven Satzes. etc., so dass der Satz nam vita etc.

quis: nämlich inimicitiis; wegen die Erläuterung zu dem quam (conder Sache zu § 1.

cedere) nequeo enthält. cum illa simul: der Sieg der ut sine etc.: die beiden Teile Marianer erfolgte bald nach Cottas des Prädikats, das sine dedecore Verbannung, und durch die Er

agere cum civibus und fama e

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